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2,2 Millionen Chronischkranke: Auf das Schweizer Gesundheitssystem kommt ein echter Härtetest zu 

20.08.15, 13:51 20.08.15, 15:46


Allgemein betrachtet, geht es den Menschen in der Schweiz gesundheitlich gut. Aber das Gesundheitssystem muss sich auf immer mehr chronisch Erkrankte einstellen, weil der Lebensstil sich gewandelt hat und die Babyboomer-Generation in die Jahre kommt.

Der am Donnerstag veröffentlichte Nationale Gesundheitsbericht 2015 nennt Zahlen: 2,2 Millionen Menschen in der Schweiz leiden an chronischen Krankheiten. Von den über 50-Jährigen hat jede fünfte Person mehr als ein chronisches Leiden wie zum Beispiel Diabetes, Krebs, Demenz oder Herz-Kreislauf-Krankheiten.

Behandlung und Krankheitsfolgen kosten

Laut dem Bericht verursachten diese Krankheiten 2011 rund 80 Prozent der Gesundheitskosten. Dazu kommen indirekte Kosten, etwa wegen Arbeitsausfalls, Pflege durch Angehörige oder Frühpensionierungen. Je tiefer die Bildung, der berufliche Status und die finanziellen Ressourcen, desto höher ist das Risiko einer chronischen Krankheit.

ABD0203_20141127 - ST. PÖLTEN - ÖSTERREICH: THEMENBILD - Illustration zum Thema Medizin / Gesundheit / Spital / Krankenhaus / Ärzte / medizinische Versorgung. Im Bild: Eine Patientin während einer Blutabnahme aufgenommen am Mittwoch, 12. November 2014, in einem Krankenhaus in Niederösterreich (!!!GESTELLTE SZENE!!!). (ARCHIVBILD VOM 12.11.2014) - FOTO: APA/HELMUT FOHRINGER

Von den über 50-jährigen hat jeder und jede Fünfte in der Schweiz mehr als nur ein chronisches Leiden. Bild: APA

Die Akteure im Gesundheitswesen seien sich einig, dass die Prioritäten von der Behandlung akuter Krankheiten zur nachhaltigen Betreuung von chronisch Kranken verschoben werden müssten, schrieb das Schweizerische Gesundheitsobservatorium. Ansätze gebe es bei der Betreuung der Patienten, aber auch bei der Prävention.

Über «Förderung des Selbstmanagements» könnte erreicht werden, dass Patienten mit chronischen Leiden sich vermehrt selbst helfen können. Bei der Behandlung sollten Doppelspurigkeiten vermieden und Wert auf interdisziplinär organisierte Behandlungsteams und eine definierte Bezugsperson für den Patienten gelegt werden.

Mehr Bewegung nötig

Vorbeugen kann heissen, die Menschen für mehr Bewegung aus eigener Muskelkraft zu gewinnen. 2012 legten laut Bericht 22,6 Prozent der Menschen ihre täglichen Wege zu Fuss oder mit dem Velo zurück. 2002 waren es noch 25 Prozent. Die vielerorts städtisch geprägte Umgebung erleichtere das Velofahren und zu Fuss gehen, so der Bericht.

Eine Ursache für spätere Gesundheitsschäden kann Übergewicht in der Jugend sein. In 20 Jahren hat sich bei den 16- bis 24-jährigen Männern der Anteil der Übergewichtigen von 11 auf 24 Prozent erhöht und bei den gleichaltrigen Frauen von 8 auf 14 Prozent. Bei den Erwachsenen stieg der Anteil der Übergewichtigen und Adipösen zwischen 1992 und 2012 von 30 auf 41 Prozent.

Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich rechnet damit, dass bereits 2018 die Gesundheitskosten auf über 80 Milliarden Franken steigen werden. Video: keystone

Festgestellt hat das Gesundheitsobservatorium zudem eine auffallende Häufigkeit von psychischen Beschwerden bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen: 15 Prozent der Mädchen und jungen Frauen und 8 Prozent der jungen Männer verspürten mittlere bis schwere depressive Symptome, schrieb es.

Verhalten mitverursachend

Werden die Menschen älter, verringert sich der Anteil der psychisch Erkrankten. Hingegen nimmt die Zahl der Menschen zu, die rauchen oder Alkohol konsumieren. Auch steigt der Anteil der Personen mit chronischen Erkrankungen.

Ob Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Atemwegserkrankungen oder muskuloskelettale Erkrankungen oder psychische Leiden: Viele dieser Leiden würden durch das Verhalten der Erkrankten mitverursacht, schrieb das Schweizerische Gesundheitsobservatorium.

Exzessiver Konsum von Alkohol und Tabak, ungesundes Essen und damit verbundenes Übergewicht und mangelnde Bewegung seien, über alle Altersstufen, massgeblich beteiligt. Mit mehr chronisch Erkrankten ist auch zu rechnen, weil die Generation der Babyboomer mittlerweile 50 und mehr Jahre alt ist. (tat/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Michael Mettler 20.08.2015 15:25
    Highlight Warum erhöhen die Krankenkassen nun schon wieder die Prämien? Genau, weil das eine SOZIALversicherung ist...
    0 0 Melden

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