Schweiz

Die Wahl des Waadtländers Guy Parmelin in den Bundesrat hat der SVP in der Romandie nicht zu einem Höhenflug verholfen. Bild: KEYSTONE

Der Parmelin-Rausch ist verflogen

Von der Wahl ihres ersten Westschweizer Bundesrates erhoffte sich die Partei einen Aufschwung in der Romandie. Doch der blieb aus: Noch immer dominiert ennet der Saane das Misstrauen gegen die «Deutschschweizer Partei».

04.04.17, 04:28 04.04.17, 06:48

DENNIS BÜHLER UND ANTONIO FUMAGALLI / Aargauer Zeitung

Es ist mehr als die Wahl eines Waadtländers: Als Guy Parmelin am 9. Dezember 2015 seine Konkurrenten Thomas Aeschi und Norman Gobbi aussticht und in den Bundesrat gewählt wird, freut sich die gesamte Westschweizer SVP.

Der Neuenburger Parteipräsident Yvan Perrin jubelt vor dem TV im Berner Hotel Ambassador mit Vertretern der Waadtländer Sektion, später trinkt man an der Fraktionssitzung im «Kornhauskeller» Petite Arvine aus dem Wallis.

Als Parmelin einige Tage später zur Wahlfeier in seine Heimat reist, stoppt der Sonderzug für einen Zwischenhalt in Freiburg. SVPler überall in der Romandie hoffen, der Aufstieg des Weinbauern in die Landesregierung stelle eine Zeitenwende dar:

Die Waadtlaender Delegation mit Regierungspräsident Pierre-Yves Maillard, Regierungsrat Pascal Broulis sowie Philippe Parmelin, Gemeindepräsident von Bursins, jubelt über Guy Parmelins Wahl. Bild: KEYSTONE

Die SVP, die in der Romandie bei den Nationalratswahlen einen um zwölf Prozentpunkte geringeren Wähleranteil erreicht hat als in der Deutschschweiz (21 statt 32,9 Prozent), soll nun endlich auch im französischsprachigen Landesteil den endgültigen Durchbruch schaffen.

Der damalige Parteipräsident Toni Brunner prognostiziert: Landesvater Parmelin werde der Volkspartei ennet der Saane einen Wählerzuwachs von vier Prozent bringen.

Auch SVP-Vordenker Christoph Blocher jubelt: «Unsere Strategie ist aufgegangen: Endlich haben wir einen Romand im Bundesrat!»

Niederlagen in drei Kantonen

Seit diesen Szenen und Zitaten sind anderthalb Jahre vergangen. Und längst sind die euphorischen Töne Katzenjammer gewichen.

Ob in Freiburg, im Wallis oder am vergangenen Sonntag in Neuenburg – wo immer zuletzt in der Westschweiz gewählt wurde, verfehlte die SVP ihre Ziele: Im Freiburger Grossen Rat konnte sie ihre 21 Sitze immerhin halten, blieb aber drittstärkste Kraft hinter der SP und der CVP und schaffte den Einzug in die Exekutive nicht; im Wallis gewann sie zwar zwei Parlamentssitze hinzu, verlor aber Staatsrat Oskar Freysinger; und nun in Neuenburg büsste sie sage und schreibe 11 ihrer 20 Parlamentssitze ein und verpasste den Sprung in die Regierung klar.

In der nationalen Parteileitung ist man alarmiert. «Die Verluste sind nicht schönzureden: Sie sind dramatisch», sagt Generalsekretär Gabriel Lüchinger.

Dass dieser Landesteil der SVP Schweiz alles andere als egal ist, sieht man nur schon im Organigramm. In der Parteileitung gibt es eigens einen Vertreter für die französischsprachige Schweiz. Es ist dies der perfekt zweisprachige Jurassier Didier Spies.

Burka-Kampagne: «In der Romandie kommen solche Plakate nicht gut an.»

Didier Spies, Generalsekretär der SVP Jura

Spies weiss, wie die Romandie tickt. Doch primär will er sich als Generalsekretär der SVP Jura äussern. «Westschweizer und Deutschschweizer, das sind zwei verschiedene Persönlichkeiten», sagt er. Romands seien viel sensibler. «Brüskieren geht gar nicht.»

Spies denkt etwa an die Burka-Kampagne vor der Abstimmung zur Drittgenerations-Einbürgerung im Februar. «In der Romandie kommen solche Plakate nicht gut an», sagt er.

Didier Spies, Vertreter der Romandie in der Parteileitung der SVP. bild: Parlament des jura

Vertreter der Westschweiz hätten die Parteileitung deshalb schon vor einiger Zeit gebeten, vor jeder nationalen Abstimmungskampagne die Sujets mit ihnen auf «kulturelle Vereinbarkeit» zu prüfen.

«Nicht in die Köpfe hämmern»

Ohnehin würden Westschweizer alles, was von ennet des Röstigrabens kommt, «zuerst mal hinterfragen», so Spies. Die SVP werde noch immer als Partei wahrgenommen, in der Deutschschweizer den Ton angeben. Dies zu ändern, brauche Zeit.

Ähnlich äussert sich die Waadtländer Nationalrätin Céline Amaudruz: «Der Anti-SVP-Reflex ist in der Romandie nach wie vor stark. Als Vertreterin dieser Partei wird man richtiggehend stigmatisiert.»

SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz. Bild: KEYSTONE

Der definitive Lackmustest steht der Westschweizer SVP noch bevor: Ende Monat wählt die Waadt Parlament und Regierung neu. In Ersterem hat die SVP derzeit 27 von 150 Sitzen, doch das ist ihr nicht genug. «Unser Ziel sind 30», sagt Jacques Nicolet, Präsident der Kantonalpartei.

Er zählt dabei nicht zuletzt auf die Zugkraft der «Persönlichkeit unseres Bundesrats». Wenigstens im Heimatkanton, hofft die ganze Partei, soll der Parmelin-Effekt spielen.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Martin Fluxus 04.04.2017 14:03
    Highlight Die SVP hat zwar im Wallis bei den Grossratswahlen zwei Sitze dazugewonnen - das ist aber wohl auf die Umstellung des Wahlsystems zurückzuführen. Neu wird nach Doppeltem Pukelsheim gewählt - das Minderheitsparteien deswegen zulegen werden, war zu erwarten (die Grünen haben bei der gleichen Wahl ihre Sitze von 2 auf 8 vervierfacht).

    https://www.srf.ch/news/regional/bern-freiburg-wallis/neues-wahlsystem-fuer-das-walliser-kantonsparlament
    1 0 Melden
  • Schweizer Bünzli 04.04.2017 09:15
    Highlight «Der Anti-SVP-Reflex ist in der Romandie nach wie vor stark. Als Vertreterin dieser Partei wird man richtiggehend stigmatisiert.»

    Dieses weinerliche Opfergehabe geht mir gehörig auf den Keks.
    7 1 Melden
  • Gibaue 04.04.2017 08:52
    Highlight Amaudruz die nun in allen Medien denn Abstieg durch Versagen von Anderen erklärt, müsste evtl. auch sich selber mal hinterfragen. Prost Céline!
    6 0 Melden
  • klugundweise 04.04.2017 08:52
    Highlight BR Parmelin ist ein Weinbauer aus der Waadt.
    Im Vergleich mit seinen gescheiterten Kollegen in der Romandie oder gar mit dem Zürcher Flügel hat er nur wenig mit der SVP zu tun.
    Das heisst aber noch lange nicht, dass er deshalb ein guter BR wäre. Das wird er dann, wenn er das VBS ausgemistet hat. Er würde als Sisiphus dem der Stein nicht mehr runterrollt in die Geschichte eingehen.
    1 0 Melden
  • rodolofo 04.04.2017 08:08
    Highlight Immerhin hat ja der Guy Parmelin keine grosse Mühe, für sich selber einen Rausch zu organisieren, da er als Winzer jederzeit ein Fass anzapfen kann.
    5 1 Melden
  • DerTaran 04.04.2017 07:35
    Highlight Ich denke es liegt nicht an Parmelin, alles in allem macht er keinen schlechten Job.

    Ich denke vielmehr an den Trump Effekt und dass der Wiederstand gegen den Populismus endlich wirkt.

    In der Vergangenheit hat die SVP unwiedersprochen die politische Agenda bestimmt und die anderen Parteien vor sich her getrieben, das ist vorbei. Hassplakate werden nicht mehr nur bedauert sondern aktiv und erfolgreich im Wahlkampf bekämpft (wenn auch nicht von Parteien).

    Ich hoffe auf einen schweizweiten Trend.
    5 1 Melden
    • Schweizer Bünzli 04.04.2017 10:12
      Highlight Während die meisten rechtsnationalen Parteien in Europa seit den neunziger Jahren in Wirtschaftsfragen nach links rücken, bleibt die SVP knallhart neoliberal. Weshalb?

      https://www.woz.ch/-79b2
      1 0 Melden
    • DerTaran 05.04.2017 08:41
      Highlight @Follbescheuert, das ist der Grund, warum die schlimmste Form des Faschismus NationalSOZIALISMUS heisst.
      1 1 Melden
    • Schweizer Bünzli 05.04.2017 09:28
      Highlight @DerTaran

      Genau. Mit dieser Kombination ist der Erfolg schon fast garantiert. Das Schlimme und verwerfliche am Nationalsozialismus war aber nicht der Sozialismus, den es da ja de Facto gar nicht gab. Vorherrschend war immer der Kapitalismus. Der Anti-Kapitalismus diente der Ideologie bloss als Köder, und um Juden und Linke (Kommunisten!) zu diskreditieren.
      2 0 Melden
    • Schweizer Bünzli 05.04.2017 09:29
      Highlight @DerTaran

      Die NSDAP forderte zwar staatliche Arbeitsbeschaffungsprogramme, um die Arbeiterschaft als NSDAP-Wähler anzuwerben. Aber Hitler bekannte sich stehts zum Privateigentum.

      Der nationalsozialistische Herrschaftsapparat hat sich in der Folge nicht von der Basis der privatkapitalistischen Produktionsweise gelöst, sondern einen „totalitären Monopolkapitalismus“ (Wikipedia) hervorgebracht. Also eine Form des staatlich kontrollierten Kapitalismus, wie er vermutlich von Trump angestrebt wird.
      2 0 Melden
    • Schweizer Bünzli 05.04.2017 09:31
      Highlight @DerTaran

      Im Artikel der WOZ geht es aber um etwas anderes.

      Möglicherweise ist das Beharren der SVP auf ihrer neo-liberalen Wirtschaftspolitik nämlich eine Erklärung für die neuerlichen Misserfolge der Partei.
      1 0 Melden
  • Majoras Maske 04.04.2017 07:21
    Highlight Als ob jemand auf die Idee kommt, die SVP zu wählen wegen deren Bundesräte. Parmelin ist zu langweilig und grau und der Ueli, der freut zwar den harten Kern der SVP, aber leider verliert er irgendwie alle wichtigen Abstimmungen.
    2 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 04.04.2017 07:21
    Highlight An diesen Rausch kann ich mich gar nicht erinnern..... Wurde doch nur gewählt weil er ein Welscher war. Da zählt doch Kompetenz nichts.... Ist wie bei der Frauenquote... .um's Verrecken muss so ein Banane gewählt werden....
    1 1 Melden
  • paddyh 04.04.2017 07:07
    Highlight Ich finde es zu früh Bilanz zu ziehen. Es gibt noch genug Leute, die diese Partei wählen. Und ich werde mich erst zurücklehnen, wenn diese Partei in der Bedeutunglosigkeit verschwunden ist.
    36 15 Melden
    • Gelöschter Benutzer 04.04.2017 07:55
      Highlight Am Besten auswandern, denn dir stehen schwere Zeiten bevor.
      1 9 Melden
  • tinu32 04.04.2017 06:48
    Highlight Den Anti-SVP-Reflex kenne ich gut, von Abstimmungen, bei welchen ich nicht sicher bin, wie ich stimmen soll.
    "Wer unterstützt die Vorlage? Die SVP? Dann nein!" ;)
    109 14 Melden
    • J.S. Bond 04.04.2017 06:57
      Highlight ha ha mach ich genauso 😃
      64 12 Melden
    • Telomerase 04.04.2017 07:07
      Highlight Das zeugt von einem ausgereiften Demokratieverständnis.
      30 8 Melden
    • Mugendai 04.04.2017 07:19
      Highlight Gängiges System. "Wer unterstüzt das? SP? Grüne? Dann nein". Lustig wirds, wenn man als SVP-Wähler dann trotzdem der Meinung der Linken ist. Dann wählt man halt "gegen" die "eigene" Partei. Nicht so stur und blind Schaf spielen und alles der Gegner konsequent verteufeln, wie es gerne gemacht wird. In dem Sinne, gutes Määah euch Allen.
      23 7 Melden
    • K3tsch 04.04.2017 07:48
      Highlight Solange man das höchstens dann macht, wenn man sich dem Thema angenommen hat und nicht weiss, was die bessere Entscheidung wäre, ja.^^
      22 2 Melden
    • Gelöschter Benutzer 04.04.2017 07:56
      Highlight Klägliche Stimmbürger, die sich für ideologische Fehlleistungen noch rühmen.
      2 4 Melden
    • rodolofo 04.04.2017 08:12
      Highlight Ich habe als Linker damals auch Nein gesagt zum EWR, aus Gründen, die entgegengesetzt waren zu den Beweggründen der SVP-Classe-Politique.
      Was mich hinterher aber echt wurmte, war, dass der ganze Erfolg Blocher und seinen "Manne und Froue vom Volch" zugeschrieben wurde!
      Solche "Unheiligen Allianzen gibt es also durchaus auch.
      3 0 Melden
    • Becker 04.04.2017 08:17
      Highlight Ich bin auch kein Fan der SVP, doch versuche ih auch immer ihre Seite nachzuvollziehen. Und ab und zu sind einige Argumente nicht ein mal so absurd. Was ich eigenltich sagen will ist, dass man nicht direkt gegen eine Partei stimmen sollte
      8 0 Melden
    • Rodney McKay 04.04.2017 08:51
      Highlight Geehrter Tinu, dies kann man natürlich so machen, nur finde ich das etwas problematisch. Wer (im übertragenen Sinne natürlich) das Parteibuch neben den Abstimmungsunterlagen liegen hat, unterdrückt unter Umständen gute Ansätze schon bereits im Keim. Ich habe von links, wie auch von rechts schon Voten gelesen, die ich unterschreiben könnte. Ich finde, es auch wichtig, dass man sich mit den Argumenten der Befürworter, und der Gegner einer Sache befassen sollte, und die findet man nicht (nur) auf der Seite seiner "Lieblingspartei"
      5 1 Melden
    • tinu32 04.04.2017 10:36
      Highlight Interessant, was hier gleich alles reingedichtet wird. Ich habe eine Lieblingspartei? Ich stimme immer gegen die SVP? Ich habe gar ein schlechtes Demokratieverständnis?
      1 1 Melden
    • Rodney McKay 04.04.2017 16:18
      Highlight So steht es geschrieben, Originalzitat " Wer unterstützt die Vorlage? Die SVP? Dann nein!" Sie schreiben auch weiter, dass Sie im Zweifelsfall (wenn Sie sich nicht sicher sind) gegen die SVP stimmen. Einen Ironischen Unterton kann ich nicht erkennen, demzufolge wäre dies ein parteipolitischer Entscheid. Es wird also nichts reingedichtet von mir, ich lese ihren Beitrag einfach als "Klartext"
      0 3 Melden
    • tinu32 04.04.2017 17:41
      Highlight Das ist richtig, genau so meine ich das. Aber wie Sie daraus auf meine Lieblingspartei schliessen können, ist mir schleierhaft. Auch, dass ich immer nur links stimme, steht nirgends.
      Dass ich mich nicht mit den Argumenten der Befürworter, und der Gegner einer Sache befasse, auch das schreibe ich nicht.
      2 0 Melden
    • Schweizer Bünzli 05.04.2017 09:35
      Highlight @Stipps

      "Klägliche Stimmbürger, die sich für ideologische Fehlleistungen noch rühmen."

      Genau!
      1 0 Melden
  • pamayer 04.04.2017 06:40
    Highlight Prière de pas polterer.
    19 5 Melden

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