Schweiz

Erfolg für Kachelmann: Deutsches Gericht hält Klage für «durchaus berechtigt»

In erster Instanz ist Jörg Kachelmann mit einer Schadensersatz-Forderung gegen seine Ex-Geliebte gescheitert. Doch vor dem Oberlandesgericht Frankfurt hat der Wettermoderator offenbar bessere Chancen.

20.01.16, 21:47 21.01.16, 07:02

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Jörg Kachelmann hat nach seinem Freispruch im Vergewaltigungsprozess nun offenbar gute Chancen auf Schadensersatz. Das Oberlandesgericht Frankfurt (OLG) deutete an, der Klage des 57-Jährigen gegen seine Ex-Geliebte Claudia D. stattzugeben. «Wir halten die Klage für durchaus berechtigt», sagte der Vorsitzende Richter am 18. Senat, Thomas Sagebiel. «Grundsätzlich scheint uns das Hand und Fuss zu haben.»

Jörg Kachelmann auf dem Weg zum Gericht.
Bild: EPA

Kachelmann verlangt von seiner Ex-Geliebten mehr als 13'000 Euro für Gutachten, mit denen er sich im Strafprozess gegen ihren Vergewaltigungsvorwurf verteidigt hatte. Der Wettermoderator war im Mai 2011 vom Landgericht Mannheim freigesprochen worden. Nun kämpft er in zweiter Instanz um Schadensersatz und Schmerzensgeld. Das Landgericht Frankfurt hatte seine Zivilklage Ende 2013 abgewiesen.

In dem Verfahren vor dem OLG muss Kachelmann beweisen, dass seine frühere Geliebte bei ihrem Vorwurf die Unwahrheit gesagt hat. Das OLG hatte zur Klärung Marcel Verhoff bestellt, den Direktor des Instituts für Rechtsmedizin in Frankfurt.

Alle sechs Verletzungen von Claudia D. könnten zwar «durch fremde Hand oder Unfallgeschehen entstanden sein», sagte Verhoff in seiner fast dreistündigen Anhörung vor Gericht. «Es spricht hier aber deutlich mehr für Selbstbeibringungen.» Der Anwalt von Claudia D., Manfred Zipper, nannte Verhoffs Gutachten «spekulativ» und kündigte an, erneut ein eigenes in Auftrag geben zu wollen.

Das Verfahren wird am 1. März fortgesetzt. Ein Urteil werde dann wahrscheinlich aber noch nicht verkündet, sagte Richter Sagebiel. Der dreiköpfige Senat müsse sich noch in Ruhe überlegen, ob weitere Beweismittel notwendig seien. Das Urteil des OLG wäre rechtskräftig.

Kachelmann sehe sich nach dem Freispruch, bei dem das Landgericht Mannheim nach dem Grundsatz «Im Zweifel für den Angeklagten» entschieden hatte, immer noch mit einem Makel behaftet, sagte seine Anwältin Ann Marie Welker. «Das ist es, was hier beseitigt werden soll.» Kachelmanns Strafverteidiger Johann Schwenn sagte: «Ein so ergebnisoffen fragendes Gericht hätten wir uns in Mannheim gewünscht.»

hut/dpa

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Rendel 20.01.2016 23:13
    Highlight Ich bin grad etwas geschockt, wie viele so heimliche Parallelbeziehungen nicht als einen Makel sehen. Ich möchte mich mit niemandem einlassen, der sowas betreibt. Wenn jemand mehrere Partner braucht soll er das offen kommunizieren. Manchmal klappt das ja.
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  • Rendel 20.01.2016 22:06
    Highlight Für mich bleibt Kachelmann mit Makel behaftet. Weil er Paralellbeziehungen führte, nicht den Mut hatte offen dazu bei den Frauen zu stehen und den Frauen die Entscheidungsmöglichkeit zu geben, ob sie dann trotzdem mit ihm zusammen sein wollten.
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    • stadtzuercher 20.01.2016 22:17
      Highlight Rendel, erstens wurde auch in der Schweiz die Schuldfrage bei Trennungen abgeschafft. Und zweitens ist es schockierend, dass Menschen wie Sie erfundene Vergewaltigungsvorwürfe gutzuheissen scheinen, wenns der Sache der Frau dient. Echt bedenklich.
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    • Rendel 20.01.2016 22:29
      Highlight Ich hab nicht von der Gewaltigung gesprochen. Die Parallelbeziehungen hat er ja selber zugegeben. Du hast meinen Text nicht genau verstanden und alle Blitzer auch nicht.
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    • Retarded Wizard 20.01.2016 22:33
      Highlight stadtzürcher, Kachelmann wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen, nicht mehr, nicht weniger. Anhand der Fakten zu behaupten, es seinen frei erfundene Vergewaltigungsvorwürfe ist mindestens genauso bedenklich, wie den Herrn Kachelmann als schuldig anzusehen. Im Zweifel für den Angeklagten ist nicht = Unschuldig, das sollte man nie vergessen.
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    • Palermo 20.01.2016 22:47
      Highlight wizard...das ist im besten Fall üble Nachrede...warum?
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    • Retarded Wizard 20.01.2016 23:39
      Highlight Palermo, sorry ich weiss beim besten Willen nicht, worauf du hinaus willst, welche Aussage du als üble Nachrede ansiehst und was du mit dem warum wissen willst. Ein bisschen ausführlicher hättest du den Kommentar schon gestalten dürfen. Was ich jedoch gerne wissen würde, wie kann bei Aussage gegen Aussage, die eine Vorverurteilung besser sein als die andere? Es sind beides Vermutungen. Oder aufgrund welcher Berichterstattung oder Beweisen, kann man denn in diesem Fall von frei erfundenen Vergewaltigungsvorwürfen sprechen?
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    • Rendel 20.01.2016 23:42
      Highlight Nein Palermo, das ist keine üble Nachrede. Mangels Beweisen freigesprochen, heisst genau das: Es gibt keine Beweise ob er schuldig ist und keine Beweise ob er unschuldig ist.
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