Schweiz

Nach Verkehrsunfall: FDP-Präsident Philipp Müller setzt Ständerats-Wahlkampf aus

12.09.15, 17:57 15.09.15, 09:13

Nach dem Verkehrsunfall am vergangenen Donnerstag, bei dem FDP-Präsident Philipp Müller eine Rollerfahrerin schwer verletzte, setzt der Aargauer Politiker seinen Ständerats-Wahlkampf aus. Dies teilte er am Samstagabend in einem Communiqué mit.

Es sei ihm zudem ein Anliegen, «gewisse Punkte» in Zusammenhang mit dem Unfall klarzustellen. «Mir war nicht bekannt, dass der Vater der jungen Frau vor Ort eintraf. Es haben mich viele Anwesende mit Namen gegrüsst, aber ich kannte den Vater nicht und die Polizei sagte mir ebenfalls nicht, dass Angehörige der jungen Frau vor Ort sind», so Müller. Ansonsten hätte er «selbstverständlich das Gespräch mit ihm gesucht». Der Vater der Verletzten hat in den Medien schwere Vorwürfe gegen den FDP-Präsidenten erhoben.

Das Communiqué im Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren

Die am 12.09.2015 vom Blick und der Aargauer Zeitung publizierte Schilderung des Geschehens auf der Unfallstelle bedürfen einer weiteren persönlichen Erklärung von mir.

Als Vater von drei Töchtern kann ich nachvollziehen und verstehen, dass die Angehörigen der von mir verletzten jungen Frau zutiefst erschüttert sind. Auch ich bin nach wie vor sehr betroffen und wünsche mir nichts mehr, als dass die junge Frau baldmöglichst genesen wird. Aus diesem Grund will ich die Angelegenheit auch nicht über die Medien austragen, sondern die Aufklärung des Unfalls durch die Polizei abwarten. Die entsprechende Untersuchung ist am laufen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es mir jedoch ein Anliegen gewisse Punkte klarzustellen:

Nach dem Zusammenprall war ich unter Schock und habe deshalb mein Fahrzeug erst bei der nächsten Ausstellmöglichkeit abgestellt und lief unverzüglich zur Unfallstelle zurück. Am Unfallort leisteten bereits viele erfahrene Personen erste Hilfe, weshalb ich als erstes die Rettungskräfte anrief. Von der Polizei wurde ich in ein Polizeiauto gesetzt. Mir war nicht bekannt, dass der Vater der jungen Frau vor Ort eintraf. Es haben mich viele Anwesende mit Namen gegrüsst, aber ich kannte den Vater nicht und die Polizei sagte mir ebenfalls nicht, dass Angehörige der jungen Frau vor Ort sind. Selbstverständlich hätte ich ansonsten das Gespräch mit ihm gesucht. Wie ich zwischenzeitlich erfahren habe, sagte die Polizei dem Vater auch nicht, dass ich noch am Unfallort bin, sondern dass ich bereits auf dem Polizeiposten sei.

Ich habe meinen Anwalt schon am Abend des Unfalltages gebeten, mir den Namen und die Adresse der jungen Frau und ihrer Angehörigen zu beschaffen. Die Polizei verweigerte aber die Herausgabe dieser Informationen. Erst am Freitagmorgen, 11.9.2015 gab sie die Personalien der Angehörigen an meinen Anwalt heraus. Nach Erhalt dieser Informationen hat er sofort die Angehörigen kontaktiert. Die Eltern der jungen Frau wünschten aber bis auf weiteres keine direkte Kontaktaufnahme durch mich, was ich vollkommen respektierte. Nachdem ich heute Nachmittag aus der AZonline erfahren habe, dass die Eltern nunmehr dazu bereit sind, habe ich sie sogleich angerufen und in einem längeren Telefonat die entstandenen Missverständnisse geklärt. Selbstverständlich werde ich alles unternehmen, um die Eltern und das Unfallopfer in dieser schwierigen, belastenden Situation zu unterstützen.

Aus Respekt gegenüber der jungen Frau und ihren Angehörigen habe ich entschieden, meinen persönlichen Ständeratswahlkampf bis auf weiteres auszusetzen. Ich werde dementsprechend an den vorgesehenen Podiumsdiskussionen nicht teilnehmen. Meine Arbeit als Nationalrat in der laufenden Session und als Präsident der FDP.Die Liberalen werde ich weiter wahrnehmen. Für politische Themen stehe ich den Medien zur Verfügung. Fragen im Zusammenhang mit dem Unfall werde ich im Interesse aller direkt Beteiligten und im Hinblick auf die laufende Untersuchung nicht beantworten.

Ich wünsche der jungen Frau weiterhin von Herzen alles Gute und schnelle Genesung.

Nationalrat Philipp Müller, Präsident FDP.Die Liberalen

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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17
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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Liederli 12.09.2015 23:55
    Highlight Ein schlimmer Unfall- könnte aber praktisch jedem passieren. Ich verstehe nicht, was das mit der politischen Karriere zu tun haben soll. Schließlich war es ja ein Unfall. Und ich bin weiss Gott keine FDP Wählerin...
    14 2 Melden
  • Sigmund Freud 12.09.2015 22:08
    Highlight Mein erster Gedanke war, dass das eine geplante Verschwörung ist. Bin ja sonst nicht der Typ für Verschwörungstheorien aber es würde hier gerade passen. Jetzt wo Hr. Müller öffentlich als Unmensch dargestellt wird, ist er gezwungen sich aus dem (Ständerats-)Wahlkampf zurück zuziehen und der Sitz geht so gut wie sicher an die SVP. Sowieso ist die FDP jetzt die böse Bonzenpartei und die SVP die Partei der fürsorglichen, trauernden Väter. Und vielleicht sollte dieser Unfall auch absichtlich passieren.
    Klingt ein wenig weit hergeholt aber was meinen Andere ?
    5 22 Melden
    • Gelöschter Benutzer 12.09.2015 22:20
      Highlight Mir fehlt das UFO in der Geschichte . . aber sonst . . wäre auch möglich :) gut durchdacht warten wirs ab
      15 2 Melden
    • SeKu 12.09.2015 23:53
      Highlight Sie haben absolut recht: Klingt ein wenig weit hergeholt.
      1 3 Melden
  • Gelöschter Benutzer 12.09.2015 21:51
    Highlight Das sagt aber noch nicht aus warum er die Rollerfahrerin angefahren hat . . wenn sowas passiert weisst du doch in etwa warum . . oder nicht. Warum nimmt er dazu keine Stellung und entschuldigt sich so ehrlicher. Aber sonst finde ich die Haltung ok.
    3 10 Melden
    • Brasser 12.09.2015 23:39
      Highlight Keiner ist dazu verpflichtet, sich durch eine Aussage selber zu belasten, auch nicht ein Nationalrat. Warum sollten für Müller andere Maßstäbe gelten?
      6 1 Melden
  • pbs64 12.09.2015 19:35
    Highlight Guter Bericht, geht doch noch.

    Glaubwürdig, Herr Müller.

    Gute Genesung der Verunfallten.

    26 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 12.09.2015 18:51
    Highlight Ich denke, dass damit alles gesagt sein sollte und hoffe, dass man nun nicht jeden zweiten Tag einen Artikel zu diesem auf Watson finden wird.
    45 3 Melden
    • Der Bademeister 12.09.2015 20:43
      Highlight nein reden wir doch noch über unsere ach so unabhängige polizei.welche umgehend das nummerschild demontiert und die Berühmtheit im Auto versteckt.Wie unabhängig ist eine solche Untersuchung...
      1 25 Melden
    • Gelöschter Benutzer 12.09.2015 20:48
      Highlight Ich finde das Abängen des Nummernschild ist kein besonders verwerflicher Vorgang. Wieso sollte man die mediale Hetze auch noch fördern?
      27 3 Melden
    • Gelöschter Benutzer 13.09.2015 00:57
      Highlight @Smudo79: Das Nummernschild wird immer abgenommen. Auch bei Unfällen mit nicht Promis. Einfach mal darauf achten.
      3 1 Melden
  • pipapo_ 12.09.2015 18:27
    Highlight Die Krisenkommunikation von Herrn Müller ist wirklich erstklassig. Entweder gut beraten oder er verfügt selber über diese Fähigkeiten. Ich bin beeindruckt.
    64 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 13.09.2015 00:57
      Highlight Von einem Politiker in dieser Position kann man das erwarten.
      3 1 Melden
    • pipapo_ 13.09.2015 17:39
      Highlight Dann schauen Sie sich die Kommunikation der "Skandal-Politiker" der letzten Monaten an und vergleichen Sie...
      1 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 13.09.2015 18:00
      Highlight @pipapo: ich weiss. Ich sagte ja nur dass man das erwarten könne. Leider können das nicht alle. Siehe Fall Zug. Nur waren das dort halt keine Politiker vom Kaliber eines Philipp Müller.
      2 0 Melden
  • TheRabbit 12.09.2015 18:11
    Highlight Irgendwie ist seine Art der Schilderung ein bisschen anders als die von Herrn Herbert A.

    Sein Verhalten klingt glaubhaft und menschlich.
    58 2 Melden
  • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 12.09.2015 18:01
    Highlight Ok, ich glaubs.
    47 2 Melden

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