Schweiz

Kein Wunder, ist der Coca-Cola-Weihnachtsmann stets gut beleibt: Zucker trinken macht dicker als Zucker essen. bild: shutterstock

Schweizer Forscher warnen

Fetter als Zucker essen macht nur eins: Zucker trinken!

Finger weg von Süssgetränken! Eine neue Studie von Schweizer und deutschen Forschern zeigt: Mäuse werden dicker, wenn sie Kalorien trinken – beim Menschen dürfte es ähnlich sein. 

11.08.14, 09:38 11.08.14, 23:03

Mäuse, die zuckerreiche Nahrung in flüssiger Form bekommen, nehmen mehr an Gewicht zu und verzehren mehr Kalorien als Artgenossen, die feste zuckerreiche Nahrung fressen. Das zeigt eine Studie von deutschen und Schweizer Forschern auf. Einiges deutet darauf hin, dass es beim Menschen ähnlich ist.

Der Konsum von Zucker habe in westlichen Ländern dramatisch zugenommen, schreibt das Team um Yvonne Ritze von der Universität Hohenheim in Stuttgart im Fachjournal Plos One. Insbesondere mit Zucker gesüsste Getränke scheinen Übergewicht zu begünstigen.

Die Verzerrung der Kalorien (B) ist beim Trinken höher als beim Essen (A). bild: plos one

Die Aufnahmeform spielt eine grössere Rolle als die Art des Zuckers

Ob die Aufnahmeform des Zuckers eine Rolle spielt, testeten die Forschenden an Mäusen. Sie verfütterten den Tieren entweder eine frucht- oder kristallzuckerreiche Nahrung, jeweils in flüssiger oder fester Form. Eine Kontrollgruppe wurde normal gefüttert.

Die Resultate zeigen, dass die Mäuse mit der flüssigen Kristallzuckerdiät (Saccharose) nach acht Wochen mehr an Gewicht zugenommen hatten als Mäuse mit fester Zuckerdiät oder Normalnahrung. Mäuse mit flüssiger Fruchtzuckerdiät (Fructose) legten nicht an Gewicht zu, zeigten jedoch Ansätze einer Fettleber, was zu Leberschäden führen kann.

Softdrinks: Fast noch schlimmer als befürchtet.  bild: shutterstock

Die Studie zeige auf, dass die Aufnahmeform vermutlich eine grössere Rolle spielt als die Art des Zuckers, schreiben die Forschenden. Die Resultate legten somit nahe, dass ein hoher Konsum von kristallzuckerreichen Getränken das Risiko für Übergewicht und Fettleber erhöht.

Zucker als Getränk kurbelt den Transport an

Dies legen auch weitere Tests nahe: Die Forscher hatten ebenfalls untersucht, ob die Produktion bestimmter Vorstufen von Transportermolekülen für Zucker erhöht ist. Dies nicht nur an Mäusen, sondern auch an Proben aus dem Dünndarm von Menschen mit starkem Übergewicht (Adipositas), die am Adipositas-Zentrum Ostschweiz in Rorschach SG für einen Magen-Bypass operiert worden waren.

Dabei zeigte sich, dass diese Zuckertransporter-Vorstufen (mRNA) bei Mäusen mit einer flüssigen Kristallzucker-Nahrung vermehrt produziert wurden. Das Gleiche wurde auch bei übergewichtigen Menschen im Vergleich zu Normalgewichtigen beobachtet. Dies könne bedeuten, dass der Dünndarm mehr Zucker aufnimmt – was eine Gewichtszunahme begünstigen könnte, erklärte Ritze auf Anfrage.

Sättigungsgefühl bleibt aus

Die flüssige Zuckerdiät beeinflusste überdies ein bestimmtes Sättigungshormon bei den Mäusen. Eigentlich müsste das Hormon den Appetit zügeln, was es aber bei Mäusen mit flüssiger Zuckernahrung nicht tat. Dies sei interessant, findet die Ernährungsmedizinerin: Normalerweise frässen Mäuse nämlich weniger festes Futter, wenn sie zugleich eine fruchtzuckerreiche Trinklösung bekommen.

Mit der kristallzuckerhaltigen Lösung gelinge ihnen dieser Ausgleich nicht – offenbar versage hier die Stoffwechsel-Regulation. Es gebe eine ähnliche Studie auch beim Menschen. Somit bestehe die Gefahr, dass kalorienreiche Süssgetränke zusätzlich zur täglichen Nahrung aufgenommen werden, ohne dass eine ausreichende Regulation der Energiezufuhr über Sättigungshormone stattfindet. (rar/sda)

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
6
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Informationsgruppe Erfrischungsgetränke 26.08.2014 16:08
    Highlight Gerne wird in den Medien über Erfrischungsgetränke kontrovers geschrieben und diese oftmals einseitig als Grund für Übergewicht und Fettleibigkeit verantwortlich gemacht. Mit der gleichen Konsequenz lassen solche Artikel jedoch den Bewegungsmangel aussen vor. Der Mensch nimmt auch zu, weil er sich oft nicht mehr genügend bewegt und gleichzeitig zu reichhaltig isst. Die beste Antwort darauf ist ein aktiver Lebensstil. Vereinfacht formuliert: genügend Bewegung gepaart mit einer vernünftigen Energiezufuhr. Dann spielt es keine Rolle, ob Zucker drin ist. Mehr unter:www.ig-erfrischungsgetraenke.ch
    0 0 Melden
  • 7immi 11.08.2014 13:32
    Highlight Wie siht es eigentlich mit zb. Cola light/zero aus? Wäre das besser oder ist der zuckerersatz schädlicher?
    4 0 Melden
    • ast1 11.08.2014 23:48
      Highlight Kalorienreduzierte Getränke haben, wie der Name schon sagt, nahezu keinen Brennwert und können also auch nicht direkt zu einer Gewichtszunahme führen.
      1 4 Melden
    • ProBroFlo 17.08.2014 10:10
      Highlight Was Alain Stulz sagt stimmt, ob der Zuckerersatz in Coca Cola (Aspartam) wirklich harmlos ist, ist umstritten.
      1 0 Melden
  • Romeo 11.08.2014 12:14
    Highlight Raffinierter Weisskristallzucker kann man auch als Droge sehen. Es macht abhängig mit körperlichen Schäden.
    5 5 Melden
    • sewi 12.08.2014 21:02
      Highlight Stimmt. Gerade Kinder reagieren schnell mit Verhaltensstörungen
      2 1 Melden

Ganz ohne Plastiksäckli: In Zürich öffnet der erste Zero-Waste-Laden der Deutschschweiz

In Zürich eröffnet der erste Laden ganz ohne Abfall. Wer was kaufen will, muss seinen eigenen Behälter mitnehmen, auch für Nudeln, Reis oder Alkohol. «Zero Waste» heisst die Philosophie und steht ganz im Zeichen der Kreislaufwirtschaft. 

Rüebli, Kartoffeln, Nudeln oder Seife, im Foifi, dem ersten Zero-Waste-Lasten in Zürich, findet man eigentlich alles – ausser eben Plastiksäckli. Der neue Laden steht ganz im Zeichen der Kreislaufwirtschaft und setzt sich zum Ziel, keinen Abfall zu produzieren. Der Durchschnittsschweizer produziert im Jahr 344 Kilogramm Abfall – viel zu viel, finden die Betreiber des «Foifi». Der Name ist ein Vermerk auf die fünf Axiome von Zero Waste, aber auch eine Liebeserklärung an den Zürcher …

Artikel lesen