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Eine Liebeserklärung an die beste Krimiserie ever

25.06.17, 21:03 03.04.18, 12:44

simon dick

Freitagabend. Wochenende. Endlich. Ich schaue auf die Uhr. Kurz nach Elf. Ich bin voller Vorfreude. Die Party ist langweilig. Die Musik, die mein Ohr penetrieren möchte, lasse ich gar nicht erst rein. Ich muss nach Hause. Schon fast halb Zwölf. Das schaffe ich. Bin fast da. Columbo wartet in meinem Fernseher!

«Eine Frage hätte ich da noch...»

Ja, ich bin ein Fernsehkind und stolz darauf. Meine Eltern haben alles richtig gemacht und mich zu einem Columbo-Fanboy gemacht. Und obwohl ich alle Folgen auf DVD habe, ziehe ich ihn mir immer noch regelmässig im Free-TV rein. Dann wird das Columbo-Schauen zum Ereignis und ich werde mit ganz viel Nostalgie überschüttet. Zugegeben, ich schlafe regelmässig dabei ein, erwache dann aber immer kurz vor dem Finale wieder.

Als ich zum ersten Mal mit Inspektor Columbo in Berührung kam, war ich verwirrt. Denn schon in den ersten Minuten wurde mir verraten, wer der Mörder oder die Mörderin war. Ich fühlte mich betrogen. Ich hielt das anfangs für eine Sonderfolge. Doch schnell wurde ich vom Elternrat darüber aufgeklärt, dass Columbo nun mal so funktioniere. Aha.

«Ich muss Sie leider verhaften. Wollen Sie Ihren Sherry noch austrinken?»

Columbo war kein Haare-Schön-Derrick oder ein Hau-Dir-Aufs-Maul-Matula aus «Ein Fall für Zwei». Columbo war anders, sehr viel anders. Nicht nur die Figur, auch das dramaturgische Grundgerüst war neu. Das klassische Whodunit-Prinzip wurde über Bord geworfen. Es ging nicht darum zu rätseln, wer von den Verdächtigen denn nun der Mörder sein könnte. Nein, der Mörder wurde immer (gut, fast immer, es gibt auch im Columbo-Universum Ausnahmen) in den ersten Minuten präsentiert. Dann wurde quasi der Weg zum Ziel.

Die Faszination hielt also für knapp 90 Minuten an, wie denn nun dieser schrullige Detektiv in diesem Exhibitionisten-Mantel herausfinden würde, wer der Mörder ist. Wobei er schon sehr schnell auf der richtigen Fährte war. Doch nun ging es darum zu beweisen, wie der Verdächtige oder die Verdächtige gemordet hat und vor allem, warum.

Das entspricht auf den ersten Blick jeglicher Spannungslogik und Hardcore-Krimi-Fans beginnen da zu Gähnen. Aber die Art und Weise, wie Columbo mit den Mördern umging und dabei ein raffiniertes Katz-und-Maus-Spiel vollzog, das war genial und für die damalige TV-Landschaft neu.

Columbo kann einem aber schon auf den Sack gehen. Also nicht mir als Zuschauer, sondern den kriminellen Individuen. Die haben immer noch mein vollstes Verständnis, wenn sie die Augen verdrehen und genervt schnauben, wenn der Typ im zerknautschten Mantel (wiedermal) vor ihrer Türe auftaucht. Und im Gepäck hat er immer und immer wieder «nur noch eine Frage». Das nervt! Das ist genial!

bild: pixabay.com

«Wissen Sie, bevor ich Kaffee getrunken habe, bin ich zwar da, aber ich bin nicht ganz da.»

Ach, Columbo musste man einfach lieben. Schon nur sein äusseres Erscheinungsbild war grandios. Diese Wuschelfrisur, dieser knittrige Anzug, dieser fleckige Mantel, der tausend Taschen zu haben schien, wo sein Notizbuch regelmässig unauffindbar blieb. Und natürlich immer diese hässliche Zigarre im Mundwinkel. Columbo sah immer so aus, als ob er gerade aus dem Bett gefallen wäre und an einen Tatort zitiert wurde. Nun, das kam tatsächlich öfters vor. Dann musste erstmal ein Kaffee her. Total verständlich.

Sein Äusseres spiegelte sich auch in seinem Auto: Peugeot 403 Cabriolet. Wer in dieses Gefährt einstieg, musste gut versichert sein. Mehrmals hatte der Inspektor damit seine Probleme und baute Unfälle. Aber er konnte sich halt von seinem geliebten fahrbaren Untersatz nie trennen.

Columbo hat Schauspiellegenden hinters Licht geführt, erfolgreiche Schriftsteller hinter Gitter gebracht und Ärzte dingfest gemacht. Psychologen, Chirurgen, Generäle, Musiker, Starköche, Architekten, Regisseure, es gibt kaum eine gut betuchte Berufsgattung, wo er nicht mindestens einen Vertreter oder eine Vertreterin davon ins Gefängnis brachte.

«Ich respektiere Ihr Talent. Aber alles andere an Ihnen mag ich nicht.»

Columbo wurde nie sauer oder ausfallend. Bis auf einmal. Als Leonard Nimoy (genau, Mr. Spock!) einen Chirurgen spielte und ihn auslachte. Mit voller Wucht schmettert dann Columbo einen schweren Gegenstand auf den Bürotisch des selbstverliebten Halbgottes in Weiss und sagt dem mal ordentlich seine Meinung. Wow! Legendär! Le-gen-där!

In den knapp 70 Folgen, die zwischen 1968 und 2003 ausgestrahlt wurden, hatte seine Frau Mrs. Columbo immer wieder ihre Auftritte. Sie war zwar nie physisch anwesend oder sichtbar, aber doch präsent. Columbo telefonierte viel mit seiner Liebsten und erzählte den Verdächtigen auch regelmässig von seinem Leben mit ihr. Natürlich schloss man sie als Zuschauer ebenfalls in sein Herz.

Columbo, der seinen Hund in der Serie einfach nur «Hund» nennt, hiess übrigens mit Vornamen Frank. Das wurde zwar nie in der Serie oder in einem Skript erwähnt. Doch in zwei Folgen sieht man diesen Vornamen auf seinem Polizeiausweis stehen. Wenn man denn genau hinsieht und mit der Nasenspitze fast den Bildschirm berührt.

«Ach, was ich Sie noch fragen wollte…»

Ja, Columbo wurde zu meinem regelmässigen Lebensbegleiter. Er ist wie ein guter Freund, den man ab und zu trifft und mit ihm ein paar vergnügliche Stunden erlebt. Und auch wenn ich jede einzelne Folge auswendig kann, geniesse ich es immer wieder, diesem verwirrten aber genialen Charakterkopf zuzusehen. Auch wenn ich regelmässig dabei einschlafe.

Columbo läuft regelmässig jeden Freitag, so um 23:30 Uhr auf ORF2.
Wer es täglich braucht: Der Inspektor ermittelt jeden Werktag um 17:25 Uhr auf ZDFneo

Apropos Krimi: Die 21 besten Krimis bei Google Street View

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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15
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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Azrag 25.06.2017 23:32
    Highlight Ach Columbo, einfach genial. Da ging's noch um Morde aus Habgier, Eifersucht und ähnlich profanes. Es gab einen Täter und sobald Columbo auftauchte, war dessen Schicksal klar. Eine Wohltat im Vergleich zu den meisten heutigen Krimis, die entweder nur aus Action bestehen und/oder bei denen es um transsexuelle, terroristische Menschenhändlerringe geht und bei denen der Kommissar/die Kommissarin massive persönliche Probleme hat.
    23 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 25.06.2017 23:26
    Highlight Ich liebe die englischen Krimis. Zum Beispiel: Luther, Lewis, oder Inspektor Barnaby. Columbos Gesten und sein "auf doof machen"-Befragungen gingen mir mit der Zeit auf die Nerven. Das Columbo rauchen durfte und seinen Hund, finde ich noch heute gut.
    0 8 Melden
  • TanookiStormtrooper 25.06.2017 23:05
    Highlight Eine meiner Lieblingsfolgen ist die, in der Columbo widerwillig Untercover geht. Während er in jeder anderen Folge immer wieder weggeschickt wird, weil niemand glaubt er sei Polizist, wird er hier von jedem gefragt, ob er ein Bulle sei. Ein Riesenspass, auch wenn es eine der Folgen ist, wo man den Täter nicht schon zu Beginn kennt.
    14 0 Melden
  • Der müde Joe 25.06.2017 23:00
    Highlight Mein lieblingsspruch...
    24 0 Melden
  • Luca Brasi 25.06.2017 22:33
    Highlight Eine Ikone!
    33 1 Melden
  • Kunibert der fiese 25.06.2017 22:24
    Highlight Wenn man columbo rpckwärts schaut, gehts um eine kleinen, etwas trotteligen detektiv, leute solange mit fragen nervt, bis sie einen mord begehen 😃
    63 3 Melden
  • jore 25.06.2017 22:16
    Highlight Eine Frage noch, hat Frank wirklich eine Frau?
    Man sieht sie nie, sie ruft zwar häufig an, aber sie ist immer verhindert, krank oder irgendwo in der menschenmasse verschwunden.
    4 11 Melden
    • derEchteElch 25.06.2017 22:31
      Highlight Ja, seine Frau "existiert". Sie waren einmal auf einer Kreuzfahrt wo ein Mord geschah. Das Schiffspersonal hat dabei immer wieder seine Frau gesehen und ihm berichtet.
      25 0 Melden
    • TanookiStormtrooper 25.06.2017 22:57
      Highlight Also in mindestens einer Folge ruft er sie an, nachdem der Mörder abgeführt wurde und er allein im Raum ist. Demnach müsste sie wirklich existieren.
      Ob jedoch wirklich immer sie über das passende Wissen verfügt? Bei all den Schwagern, Cousins usw. die immer etwas wissen, dass für den Fall notwendig ist, zweifle ich schon. Es ist Columbos Taktik, nicht zu sagen "ich weiss das!", damit der Mörder ihn für einen Trottel hält und unterschätzt. Da schiebt er einfach immer jemanden vor.
      13 0 Melden
    • trio 25.06.2017 23:18
      Highlight Wenn ich mich recht erinnere, ist sie (oder wars seine erste Frau?) bei einem Autounfall ums leben gekommen.
      1 7 Melden
  • E-Lisa 25.06.2017 21:51
    Highlight Columbo wird niemals langweilig. Ich schaue mir die Folgen immer wieder gerne an.
    Gibt es etwas ähnliches, dass man sich auch anschauen könnte?
    34 1 Melden
    • derEchteElch 25.06.2017 22:01
      Highlight "Mord ist ihr Hobby" kann ich empfehlen 🙂
      12 4 Melden
    • MisterM 25.06.2017 22:16
      Highlight Monk!
      21 6 Melden
    • DerTaran 26.06.2017 00:47
      Highlight Ja, Monk kommt Columbo schon ziemlich nahe.
      9 3 Melden
  • derEchteElch 25.06.2017 21:33
    Highlight Ja, "Columbo" ist einer der besten Krimiserien aller Zeiten. Das steht ausser Frage. "Mord ist ihr Hobby" gehört für mich auf die selbe Ebene und bilden zusammen meine Lieblinge.

    Ich mag besonders die Folgen, wo einfache Logikfehler mit kleindn entscheidenden Details den Täter überführen, oder der Täter mittels clever Schachspiel sich selbst verrät.
    Stichwort; der Blinde mit dem Hund der einen Zwillingsbruder hat der sieht. Columbo hat einen Augenzeugen, nämlich den Täter.
    31 5 Melden

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