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APA18101090-2 - 28042014 - WIEN - ÖSTERREICH: ZU APA 146 KI - Kiefer Sutherland als Jack Bauer in "24: Live Another Day" ab 6. Mai 2014 auf Sky. © 2014 Fox and its related entities. All rights reserved. +++ WIR WEISEN AUSDRÜCKLICH DARAUF HIN, DASS EINE VERWENDUNG DES BILDES AUS MEDIEN- UND/ODER URHEBERRECHTLICHEN GRÜNDEN AUSSCHLIESSLICH IM ZUSAMMENHANG MIT DEM ANGEFÜHRTEN ZWECK ERFOLGEN DARF - VOLLSTÄNDIGE COPYRIGHTNENNUNG VERPFLICHTEND +++ APA-FOTO: DANIEL SMITH/2014 FOX BROADCASTING CO.

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Boooring

Wir verzichten bewusst auf eine Spoiler-Warnung, denn die neue «24»-Staffel birgt keinerlei Geheimnisse

Der nun wieder: Nach vier Jahren ist Kiefer Sutherland alias Jack Bauer zu einer neunten Staffel von «24» aus dem Untergrund aufgetaucht. Wäre er mal lieber in seinem Versteck geblieben.

07.05.14, 23:09

Ein Artikel von

Stefan Kuzmany

Als «24» im Jahr 2001 erstmals auf Sendung ging, war die Serie nichts weniger als revolutionär: 24 Stunden Fernsehen bildeten exakt 24 Stunden Handlung ab, per Splitscreen war die Handlung an mehreren Orten gleichzeitig zu verfolgen, wechselte zwischen Strängen, von denen einer finsterer und spannender war als der andere, jede Sekunde zählte, um eine Katastrophe zu verhindern.

An Aufhören war nicht zu denken, weder für die Hauptfigur Jack Bauer (Kiefer Sutherland), einen Agenten der fiktiven US-Antiterror-Behörde CTU, noch für seine atemlosen Zuschauer. 

«‹24› ist wie permanentes Vögeln, ohne je zum Orgasmus zu kommen.»

Elfriede Jelinek

Mit «24» hat es so richtig angefangen: Das nächtelange Hängenbleiben vor dem Fernsehgerät, immer nur noch eine einzige Folge, weil es so verdammt spannend war. Und dann noch eine. «24» sei wie «permanentes Vögeln, ohne je zum Orgasmus zu kommen», so beschrieb es Elfriede Jelinek einst dem «Stern».

Regelloser Folterer und guter Mensch

Mit «24» hat auch angefangen: Die Erklärung der Welt mittels einer TV-Serie, die Diskussion der Frage nach dem Einfluss der Fiktion auf die politische Wirklichkeit, nach der von der Serie gerechtfertigten «Ethik der Dringlichkeit», über die der Philosoph Slavoj Zizek 2005 einen vielbeachteten Aufsatz geschrieben hat, und der die Lüge von «24» entlarvte, man könne ein regelloser Folterer sein und gleichzeitig ein guter, von höheren Werten getriebener Mensch.

Waffe im Anschlag, unbewegte Miene Bild: AP Photo/Fox

Jack Bauer handelt prinzipiell im permanenten übergesetzlichen Notstand, bricht Knochen und Regeln, um vermeintlich Schlimmeres zu verhindern, so wie auch die realen USA in paranoider Selbstverteidigung spätestens seit den Anschlägen vom 11. September 2001 nicht mehr viele Grenzen kennen, wenn es darum geht, die eigenen zu schützen. Als 2004 öffentlich wurde, dass US-Soldaten in Abu Ghuraib Gefangene gefoltert hatten, konnte man sich ernsthaft fragen, was zuerst da war: Die reale Grausamkeit der Soldaten, die ihren Niederschlag in den fiktionalen Folterszenen der Serie gefunden hat - oder die DVD-Box, aus der sich die Abu-Ghuraib-Schergen nach Feierabend mit den neuesten Foltervorbildern aus «24» bedienten.

Nach einigen Jahren war das Konzept von «24» naturgemäss nicht mehr ganz so neu, die Intellektuellen zogen weiter, und spätestens nach der fünften Staffel erlebte die Serie auch erzählerisch einen Niedergang, der selbst hartgesottene Fans schwer enttäuschte. Jack bekam plötzlich auch noch Bruder und Vater verpasst, einer schlimmer als der andere, der Staatssicherheitsthriller geriet zur (immerhin ultrabrutalen) Familienaufstellung.

Erleichterung nach Staffel acht

Als Jack Bauer dann nach ausführlichen Differenzen mit dem russischen Präsidenten Ende Mai 2010 mal wieder und scheinbar endgültig abtauchen musste, weil ihn nicht nur die Russen, sondern auch die Amerikaner liquidieren wollten, war man als Zuschauer insgeheim fast schon erleichtert: Viel zu viel Zeit hatte man bereits mit dem zunehmend sinnlosen Geballer verbracht. Zwar hielten sich lange Gerüchte, es würde demnächst einen Kinofilm um Bauer geben, aber zu diesem kam es nie.

Stattdessen nun «24 - Live Another Day», doch wieder im Fernsehen. Allerdings, und das sagt schon viel aus über die Veränderung der Sehgewohnheiten, nicht mehr 24 Folgen lang, sondern nur noch zwölf, denn Echtzeit ist heute nicht mehr schnell genug. Gewarnt vor dem zweifelhaften Ergebnis der Neuauflage war man als Zuschauer bereits nach Betrachtung eines vorab ausgestrahlten Making-of der Mini-Staffel: Reihenweise traten da Mitwirkende früherer Ausgaben auf und schwärmten davon, wie weit vorne «24» damals war, und wie aufregend es sei, jetzt wieder dabei zu sein. 

Ja, «24» war mal weit vorne. Jetzt wirken die Serie und ihr Held, daran ändert auch der Marketing-Slogan «Jack is back» wenig, allerdings ziemlich anachronistisch. Jack Bauer, hat sein Darsteller Kiefer Sutherland gesagt, sei wie ein alter Freund, den man nun nach Jahren wiedersehen könne. Mag sein, allerdings gibt es auch alte Freunde, die einem ziemlich peinlich sein können, wenn man sie wieder trifft. Weil sie sich nicht weiterentwickelt haben. Oder weil sie sich zwar verändert haben, aber nicht zu ihrem Guten, sondern alt aussehen. Irgendwie wächsern, wie eine schlechte Kopie ihrer Jugend.

Es gibt ein Wiedersehen mit Chloe O'Brien (Mary Lynn Rajskub) Bild: AP Photo/Fox, Christopher Raphael

Die Handlung spielt diesmal in London, der US-Präsident ist zu Besuch, um über einen Drohnenstützpunkt zu verhandeln, und selbstverständlich schwebt er in höchster Gefahr, denn es ist ein Anschlag auf ihn geplant - mit seinen eigenen, zu diesem Zweck umprogrammierten Drohnen. Jacks alte Assistentin und einzige Freundin Chloe O'Brien (Mary Lynn Rajskub) hat sich mittlerweile endgültig aus dem US-Staatsdienst verabschiedet und arbeitet nun für eine WikiLeaks-ähnliche Organisation, aus deren Reihen auch der Hacker stammt, der die Drohnen gekapert hat.

«Sie können mir danken, indem Sie gehen» 

Drohnen, WikiLeaks, Veröffentlichung von militärischen Geheimnissen, das klingt alles recht modern, aber erweist sich in den ersten beiden Folgen schnell als lieblos hingehudelter Hintergrund für die altbekannte Bauer-Masche: Stets die Waffe im Anschlag oder zumindest griffbereit rennt der Mann durch düstere Gebäude oder über Hinterhöfe, dabei einen Gegner nach dem anderen ausschaltend. Kiefer Sutherland, auch nicht jünger geworden, kommt bei seiner Tätigkeit mit einem einzigen, unbewegten Gesichtsausdruck aus.

Arbeiten für das CIA: Steve Harris (Benjamin Bratt, links) und Erik Ritter (Gbenga Akinnagbe). Bild: AP Photo/Fox, Christopher Raphael

Für so etwas wie eine auch nur andeutungsweise Reflexion der politischen Hintergründe bleibt keine Zeit, sie scheint auch gar nicht erwünscht. Selbst die in den früheren Staffeln noch präsenten und leidlich interessanten Intrigen in der Geheimdienstbürokratie spielen in den ersten beiden Folgen dieser neunten Staffel keine Rolle, zwölf Episoden sind offenbar einfach zu kurz dafür, Charaktere und Geschichten zu entwickeln, wenn stets verfolgt und geschossen werden muss. Die Gegner (und mutmasslich baldigen Verbündeten) Bauers von der CIA bleiben austauschbar wie das Magazin seiner Handfeuerwaffe.

Als der Quasi-WikiLeaks-Chef den Aufenthaltsort des gefährlichen Hackers verraten hat, bedankt sich Jack Bauer artig - und der Pseudo-Assange antwortet ihm: «Sie können mir danken, indem Sie gehen und nie wieder kommen.» Bauer blickt unbewegt. Aber vielleicht ahnt er ja: Der Mann hat recht.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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