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Das ist das «Spiel des Jahres» 2017! Und so spielt es sich

«Kingdomino» hat dieses Jahr den begehrten Preis zum «Spiel des Jahres» abgeräumt. Bild: spiel des jahres

«Kingdomino» hat dieses Jahr den begehrten Preis zum «Spiel des Jahres» abgeräumt. Mit «Queendomino» gibt es bereits ein Nachfolgespiel. 

19.11.17, 15:46 21.11.17, 14:17


Wir spielen heute:
«Kingdomino»

Legespiel von Bruno Cathala für 2 bis 4 Spieler ab 8 Jahren. Spieldauer: 15 bis 30 Minuten. Verlag: Blue Orange oder Pegasus. Preis: etwa 25 Franken. 

Thema:

Aus Plättchen, die verschiedenste Landschaftstypen zeigen, soll das wertvollste Königreich errichtet werden. 

Was macht man?

Bild: Pegasus

Aus einer offenen Auswahl von Domino-Plättchen mit Landschaften ein Plättchen wählen und es klug in seiner Auslage anlegen. Das Plättchen, das man nimmt, bestimmt zugleich die Spieler-Reihenfolge für das Wählen des nächsten Plättchens. 

Besondere Features:

Sehr einfache Regeln, aber grosse taktische Spieltiefe. Lustige Grafik-Details auf den Landschaftsbildern. 

Geeignet für:

Familien und Gelegenheitsspieler, die ein elegantes, kurzweiliges Spiel mit einfachen Regeln, aber hohem Wiederspielreiz suchen.

Wir haben es für euch gespielt!

Das wäre ja gelacht, wenn hier vor Weihnachten nicht ein Artikel über das aktuelle «Spiel des Jahres» erscheinen würde: Aber wieso gibt es von «Kingdomino» zwei verschiedene Ausgaben? In der Schweiz wird die Original-Ausgabe des französischen Verlags «Blue Orange» verkauft. In Deutschland hat «Pegasus» den Vertrieb übernommen und ist für die rein deutschsprachige Ausgabe verantwortlich, die zum Teil aber auch in der Schweiz erhältlich ist. Das Material ist im Prinzip identisch: Die neue Pegasus-Ausgabe unterscheidet sich aber insofern, als sie einen Karton-Turm mit einem Schlitz enthält, aus welchem die Landschaftsplättchen bequem entnommen werden können.  

Ja, es geht um Landschaftsplättchen: Das Grundprinzip des Spiels wurde – wie der Name schon sagt – dem Klassiker «Domino» entlehnt. Auf den Dominosteinen sind hier aber eben keine Zahlen, sondern Landschaften abgebildet. Grafiker Cyril Bouquet hat zeichnerisch zudem noch ein Bouquet von lustigen Details versteckt, denen man nur bei genauem Hinsehen gewahr wird. Ziel des Spiels ist es für jeden Mitspieler, das mächtigste Königreich zu errichten. Das geschieht aber nicht nach den Gepflogenheiten von Diplomatie, Machtpolitik und Kriegshandwerk, sondern nach den Grundregeln von «Domino».

Die Freude der Sieger an der Preisverleihung. Bild: spiel des jahres

«Kingdomino» ist auch für Leute geeignet, die gar keine Erfahrung mit Brettspielen haben. Die Grundregeln sind simpel: Jeder Spieler baut an einem eigenen Königreich. Ausgangspunkt ist jeweils ein quadratisches Startplättchen, auf dem ein Karton-Schlösschen steht. Im Verlauf des Spiels erhält jeder Spieler genau 12 zweiteilige Plättchen mit Landschaften, die er um das Schloss herum anlegt, so dass ein Quadrat aus 5 mal 5 Feldern entsteht. Dabei gibt es Wälder, Wiesen, Getreidefelder, Seen, Sümpfe und Bergwerke. Auf einigen Plättchen sind Gebäude und Kronen-Symbole abgebildet. Die Plättchen sollen nun so um das Schloss gelegt werden, dass möglichst wertvolle Gebiete entstehen. Die Punkte ergeben sich jeweils aus der Grösse der identischen Landschaftsflächen multipliziert mit der Anzahl der darauf sichtbaren Kronen. 

Autor Bruno Cathala Bild: Blue orange

Ein Plättchen, das nicht direkt ans Schloss angrenzt, muss dabei eben nach den «Domino»-Regeln gelegt werden: Zumindest ein Landschaftsfeld muss an einen identischen Landschafstyp eines anderen Plättchens angrenzen. Der besondere Clou am Spiel ist nun aber die Regel, wie man überhaupt an die Plättchen kommt: In jeder Runde stehen davon immer vier offen zur Auswahl. Welches man nimmt, bestimmt zugleich, wann man in der nächsten Runde an die Reihe kommt, um ein Plättchen zu wählen. Deshalb muss man sich nicht nur stets überlegen, welches Plättchen am besten ins eigene Königreich passt, sondern auch, wie früh man in der nächsten Runde an die Reihe kommen will. Ist die ausliegende Offerte nur mittelmässig lukrativ, nimmt man vielleicht lieber erst einmal ein unpassendes Plättchen und hofft auf eine gute Auswahl in der nächsten Runde. Wer einen Plan hat, ist im Vorteil. Weil man aber natürlich nie sicher sein kann, was man in Zukunft bekommt, muss man sich verschiedene Optionen offen halten. 

«Kingdomino» wirkt zwar relativ unscheinbar. Dem französischen Spieleautor Bruno Cathala ist hier aber ein grosser Wurf gelungen: Ein kleines, elegantes Spiel mit einfachem Einstieg, simplen Regeln, das auf das Wesentliche reduziert ist, aber trotzdem eine grosse Spieltiefe, viele taktische Möglichkeiten und einen enormen Wiederspielreiz offeriert. «Kingdomino» beweist wieder einmal, dass die Kunst des Spieleerfindens im Weglassen liegt. Aufgrund des Glücksfaktors eignet es sich hervorragend als Spiel für die ganze Familie, hat aber für Vielspieler als Absacker durchaus auch seinen Reiz, auch wenn es halt optisch ein bisschen wie ein Kinderspiel aussieht.   

Die fertigen Königreiche am Ende einer Partie. Bild: Pegasus

Der knapp 54-jährige Bruno Cathala ist einer der bekanntesten Spieleautoren Frankreichs. Den Preis «Spiel des Jahres» hat er dieses Jahr zum ersten Mal gewonnen. Er erblickte just am Tag des Attentats auf John F. Kennedy das Licht der Welt. Seit 2002 entwickelt der studierte Physiker und Materialwissenschaftler, der zunächst in der Forschung und Entwicklung neuer Legierungen arbeitete, Spiele. Seit 2004 ist er professioneller Spieleerfinder, oft arbeitet er mit verschiedenen Co-Autoren zusammen. Zu seinen bekanntesten Werken gehören «Schatten über Camelot», «Mr. Jack» oder «7 Wonders Duel».

Bild: Pegasus

Ist «Kingdomino» zu zweit spielbar?

Ja, und zwar sogar sehr gut. Dann wird es noch taktischer. Es gibt dazu eine Spezialregel, so dass jeder Spieler pro Runde zwei Plättchen wählt. Es ist möglich, wesentlich grössere Königreiche von 7 mal 7 Feldern zu errichten.

Diesen Herbst ist bereits ein Nachfolgewerk erschienen: «Queendomino». Dieses Spiel ist aber wesentlich anspruchsvoller als «Kingdomino» und hat deshalb eine andere Zielgruppe im Visier. Die Basis-Regeln sind zwar dieselben, nun gibt es aber auch ein Geldsystem, die Möglichkeit auf Bauplätzen Gebäude zu errichten, und ganz, ganz, ganz viele neue Wege zu Siegpunkten zu kommen.  

Braucht man auch «Queendomino»?

Bild: Pegasus

Die Schachtel ist wesentlich grösser, weil sie mehr Material enthält. Grobmotoriker werden allerdings etwas Mühe mit den klitzekleinen «Steuereintreiber»-Figürchen haben, die man auf seine Landschaften stellen muss, um Geld zu erwirtschaften.

Im Übrigen wurde das Spiel aber redaktionell sehr gut aufbereitet und ist ebenfalls unterhaltend. Allerdings wirkt nun doch alles ziemlich aufgebläht. Es gibt unzählige neue Möglichkeiten, um Punkte zu erwirtschaften, vor allem durch spezielle Eigenschaften spezieller Gebäude. Dadurch besteht die Gefahr, dass Grübler den Spielablauf massiv verzögern. Erstaunlicherweise werden trotz der vielen neuen Optionen die meisten Partien nach wie vor über die naheliegendste Strategie, nämlich über grosse Landschaftsflächen mit vielen Kronen gewonnen.

«Queendomino» ist letztlich leider nur noch ein solides Optimierungsspiel unter vielen soliden Optimierungsspielen. Alles, was «Kingdomino» einzigartig und zum «Spiel des Jahres» gemacht hat, die Einfachheit, die Klarheit und schlichte Eleganz ist verloren gegangen und hat einer aufgepumpten Punkteorgie Platz gemacht.   

«Queendomino» funktioniert nach dem gleichen Grundprinzip, enthält aber viele zusätzliche Elemente.    Bild: Pegasus

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Tom Felber ist ...

... der Vorsitzende der internationalen Kritiker-Jury «Spiel des Jahres» und veröffentlicht seit 1985 Spiele-Rezensionen in verschiedenen Medien. Fortan wird er hier für uns regelmässig neue Brett- und Kartenspiele vorstellen.

bild: zvg

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    Alle Leser-Kommentare
  • Don Huber 21.11.2017 09:43
    Highlight Gerade bestellt :-) Bin gespannt
    5 0 Melden
  • Mia_san_mia 19.11.2017 18:44
    Highlight Ein elegantes Spiel 🙈😂
    1 0 Melden
  • rundumeli 19.11.2017 17:21
    Highlight emily ... wir müssen reden ... da gibt es diesen tom , der gelernter bundesgerichtberichtserstatter ist ... und also durchaus die sache auf den punkt bringt ... aber richtig, wir sind hier nicht die alte tante ... drum, mach filmli mit dem kerl!: ....
    ... da bringt er audiosvisuell die spiele des jahres schön auf den ... viel inspirierender als dieses zeilenschinden ;-)
    9 7 Melden
    • TanookiStormtrooper 19.11.2017 18:58
      Highlight Die Frage ist natürlich, ob er überhaupt in der Watson-Redaktion arbeitet. Seine Artikel kann er ja als freier Mitarbeiter überall schreiben. Da wäre ein Video eventuell zu umständlich, weil ein grösserer Zeitaufwand. Schnell ein paar Sätze schreiben geht eben doch einiges schneller als ein Video zu machen.

      Ich hoffe aber, dass die Sache mit dem Watson-User-Brettspieleabend noch nicht vergessen ging...
      3 3 Melden
    • MisterM 19.11.2017 19:10
      Highlight Terraforming Mars interessiert mich auch von der Thematik sehr, das muss ich mir mal zutun. Und optisch scheint es auch ein Hingucker zu sein. Danke für das Video!
      1 0 Melden
    • Tom Felber 21.11.2017 13:20
      Highlight Ein kleiner Irrtum: Ich bin nicht der Bundesgerichtsberichterstatter Felber. Das ist ein sehr geschätzter Namensvetter von mir. Ich bin aber tatsächlich Gerichtsreporter. Die Spiele-Berichte verfasse ich als freier Mitarbeiter bei watson.
      Die Sache mit dem Watson-User-Brettspielabend ist nicht vergessen gegangen, da sind wir dran.
      15 0 Melden

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