Spass

Eine Woche im Leben eines Studenten – während der Prüfungsphase. Ahhh

Symbolstudent – ängstlich. Bild: Shutterstock

02.06.17, 16:27 02.06.17, 18:13

Genauso wie viele Studenten in der Schweiz befinde ich mich hier in Perth auch gerade in der Prüfungsphase. Und wenn ich eines in 10 Semestern Uni gelernt habe, dann, dass man nie wirklich lernt, wie man richtig lernt.

Eine typische Woche in der Prüfungsphase eines (fast) jeden Studenten:

Montag

Noch eine Woche zur Prüfung. Das reicht vollkommen, um den Stoff von vierzehn versäumten Vorlesungen ins Mittelfrist-Gedächtnis reinzuhämmern. Wenn ich in den nächsten paar Tagen die Powerpoint-Folien zusammenfasse, dann bleibt mir das ganze Wochenende, um sie gewissenhaft durchzugehen. Chillig. Dann kann ich heut' beruhigt noch meine Serie fertigschauen.

Dienstag

Netflix hat mir nach der letzten Serie eine Neue empfohlen. Sie ist mega spannend und hat nur fünf Staffeln. Die schau ich kurz noch zu ende.

Symbol-Schock, als dir bewusst wird, dass schon wieder ein Tag rum ist. Aber easy, bleiben ja noch ein paar. Bild: Shutterstock

Mittwoch

Ok, jetzt aber los. Wenn ich pro Tag vier bis fünf Vorlesungen zusammenfasse, schaff ich’s bis zum Wochenende. Jetzt brauch ich nur noch die geeignete Musik, um in meinen Fleissarbeits-Flow zu kommen. Am besten etwas ohne Gesang.

Eine Viertelstunde später ...

Beim Suchen einer geeigneten Smooth-Jazz-Playlist auf Spotify ist mir aufgefallen, dass ich das neue Gorillaz-Album noch gar nicht gehört habe. Da hör ich eben kurz rein.

Eine knappe Stunde später ...

Hmm die alten Sachen gefielen mir besser. Wie hiess dieser eine Hit nochmal mit dem lässigen Schlagzeugbeat? Clint Eastwood, oder?! Wie der Schauspieler, der da in Dings mitgespielt hat... argh... wie hiess dieser Film? Mal kurz auf Wikipedia nachschauen.

Am späten Abend ...

... und so kann man also mit herkömmlichen Haushaltsmitteln und einer Kartoffel eine Smartphone-Batterie bauen? Was für ein spannendes Youtube-Tutorial. Ach verdammt, jetzt ist es schon zu spät zum lernen. Morgen leg ich aber so richtig los! Dafür stell ich sogar den Wecker auf 9!

Aus einer Kartoffel Strom gewinnen. Sehr interessant. Wirklich! Bild: Wikimedia/Zátonyi Sándor

Donnerstag

Um 9 Uhr bin ich aufgewacht, um 11 Uhr bin ich aufgestanden. Ich musste noch eben die neusten Einträge auf Facebook, Instagram, 9 Gag, Reddit, Youporn und der Glückspost anschauen. Aber jetzt kann’s losgehen.

Ein bisschen später ...

Meine Cousine hat in ihrem Lifestyleblog geschrieben, wie stark Ordnung und Sauberkeit der Arbeitsumgebung die Konzentration beeinflussen. Drum habe ich den ganzen Schreibtisch aufgeräumt und den Boden gesaugt. Danach noch die Fenster geputzt, das Wohnzimmer neu gestrichen und einen Gewürzgarten angelegt.

Jetzt ist dann gleich noch die Geburi-Party eines Mitbewohners des Gärtners meiner Schwester, da muss ich natürlich hin. Aber wenn ich mich morgen mit Energydrinks in meinem Zimmer einschliesse, schaffe ich die Zusammenfassungen in einem Zug. Easy.

Freitag

...

Samstag

Die Party am Donnerstag war sehr intensiv, drum hab ich leider den ganzen Freitag verschlafen. Vielleicht hat ja jemand aus früheren Jahrgängen noch eine gute Zusammenfassung rumliegen, die ich mir borgen kann.

Sonntag

Obwohl ich den ganzen Samstag mit Suchen verbracht habe, hab' ich leider keine Zusammenfassung gefunden.

Jetzt bleibt nur noch ein Tag.

Um doch noch den Hauch einer Chance auf ein «genügend» zu haben, muss ich mich in die letzte Bastion zurückziehen: Die Zentralbibliothek.

Dort bietet sich mir ein unschöner Anblick. Alle verlorenen Studi-Geister haben sich zusammengefunden. Verzweifelt liegen sie sich in den Armen und versuchen im Endspurt noch in den Kopf zu drücken, was in der kurzen Zeit noch geht. Ich würd' mich ja anschliessen, aber die Bibliothek platzt wieder einmal aus allen Nähten, sämtliche Arbeitsplätze sind besetzt.

«Ich habe es versucht», denke ich mir, «das zählt!».

Symbolstudent. Er hat aufgegeben, es zu versuchen. Bild: Shutterstock

Morgen an der Prüfung setze ich einfach auf einen wachen Geist – die Kraft des Moments. Ich nenne dies das «Präsenz-Genie». Das ist mindestens so wichtig, wie das Lernen. Ich schaue noch etwas fern und gehe schliesslich nach einer anstrengenden Woche ins Bett.

Montag

«Wie lief’s?», fragt mein Mitbewohner, als er mir die Tür öffnet. – «Ich will nicht darüber reden.»

Ich schlurfe an ihm vorbei, schliesse die Fensterläden und leg mich mit Nutella und Whiskey aufs Sofa. Ich hasse mein «Präsenz-Genie».

Und für alle, die ihr Studium noch vor sich haben:

Seine Lehrer sagten früher: «Wenn du ständig überall deinen Senf dazugeben musst, wird nie etwas aus dir.» Diese Herausforderung nahm er dankend an. Heute ist Gregor Stäheli als Slam Poet vor allem auf Bühnen anzutreffen. Ein Austauschsemester in Perth zwingt ihn, diese für ein halbes Jahr zurückzulassen. Da er es dennoch nicht bleiben lassen kann, sich ständig mitteilen zu müssen, nutzt er diese Reise, um für mint zu schreiben. Seien dies Erlebnisse, Begegnungen mit Schweizern, Gespräche mit Freunden oder grundsätzliche Themen, die ihm unterwegs in den Sinn kommen. Das ist KEIN Reiseblog. Deshalb solltest du ihn nicht zu ernst nehmen – das tut er nämlich selbst schon nicht.

Stalke Gregor auf Facebook oder auf seiner Homepage.

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • The Origin Gra 04.06.2017 22:25
    Highlight Aber wieso lernen Studenten nicht vorher? 🤔
    1 2 Melden
  • Bijouxly 04.06.2017 07:35
    Highlight Also ich muss mich den restlichen Kommentierenden anschliessen: Bist du sicher, dass du an der Uni bist und nicht noch an der Kanti? Also vllt bist du ja im Malen nach Zahlen Studiengang, aber ich kann mir keinen seriösen Studiengang vorstellen, bei dem diese Lernstrategie zum Erfolg führen würde.
    15 0 Melden
  • Grego 03.06.2017 10:03
    Highlight Wenn du nach 10 Semestern an der Uni noch immer nicht begriffen hast, dass man auf Prüfungen lieber frühzeitig zu lernen beginnt, dann hast du zwar auf fachlicher Ebene offenbar nicht versagt, aber ganz bestimmt auf der Ebene der persönlichen Entwicklung ;)
    Btw., natürlich gibt es Module für die man weniger lernen muss als die 30h/ECTS, aber grundsätzlich ist diese Faustregel gar nicht so falsch, in manchen Modulen kann es sogar (weit) mehr als 30h Vorbereitung/ECTS sein.
    19 3 Melden
    • Alnothur 04.06.2017 13:00
      Highlight In BWL ist es z.B. normalerweise ein Dreissigstel davon 😁
      4 2 Melden
  • who cares? 03.06.2017 06:45
    Highlight Also ich weiss ja nicht Gregor, an welcher Uni du 10 Semester so durchgezogen hast, aber das Studium wird wohl nicht so gehaltvoll gewesen sein ;)
    Ich sitze jeweils wochenlang von morgens bis abends in der Bib um mich über Wasser halten zu können, wie alle anderen auch. Aber schön, dass dein Artikel wieder das Bild des faulen Studenten befeuert... Immerhin ist der Artikel hier und nicht auf 20min
    43 5 Melden
  • megge25 02.06.2017 18:14
    Highlight Wo Rauch ist, ist auch Feuer... ja logo stimmt dieser Artikel gewissweit mit der Realität überein aber solange man in Zürich an der ETH oder der Uni studiert und nicht gerade Publizistik, Populäre Kulturen und vielleicht Ethik ist man nach spätestens 2 Semester gesperrt, wenn man so lernt wie du es beschreibst.

    Gut Australien ist ja nicht gerade bekannt für seine fordernden Universitäten.
    52 7 Melden
    • who cares? 03.06.2017 06:40
      Highlight Leute, die in Australien im Austausch waren, kommen meistens ganz entspannt und mit Bestnoten zurück.
      7 2 Melden
  • olga 02.06.2017 18:10
    Highlight ich wüsste ja gerne, was du studierst. Sowas kann man vielleicht in einem easy Fach machen. Ich studier Jura und sitze seit 2 Monaten jeden Tag (!) von morgens um 9 bis um 7 in der Bibliothek und habe eine Woche vor den Prüfungen Todesstress und das Gefühl, ich hätte immer noch zu wenig gemacht. Und so gehts hier den meisten..
    39 15 Melden
  • kleiner_Schurke 02.06.2017 17:31
    Highlight Ich weiss ja nicht was und wo ihr so studiert habt, aber bei mir bedeute Prüfungen bis zu 42 h schriftliche Prüfungen von Mo bis Sa. Und das in jedem Semester 1 bis 4. Dann kamen die Vordiplome 1 und 2 und dann die Diplomprüfung bestehend aus 6 Monaten Diplomarbeit, 5 Tagen schriftliche Prüfung, 1 h mündliche Prüfung über das gesamte Wissensgebiet. Der beste war meine mündliche Prüfung. Mein Boss fragte mich nichts zu meinem Wissensgebiet, sondern nur zu demjenigen meines Kollegen. Begründung: Das ich mein Gebiet kenne, wisse er, also wolle er wissen was ich sonst noch so mitgenommen habe...
    18 7 Melden
    • vl0w 04.06.2017 23:10
      Highlight Darf man fragen wo und was du studiert hast?
      0 0 Melden
    • kleiner_Schurke 05.06.2017 12:00
      Highlight Chemie
      0 0 Melden
  • Fidelius 02.06.2017 16:30
    Highlight So was von einem sinnlosen und langweiligen Artikel.
    42 50 Melden
    • hektor7 02.06.2017 19:28
      Highlight finde ich nicht. mich hat er gerade motiviert, frühzeitig mit dem lernen für meine prüfung von morgen zu beginnen.

      btw: wer setzt eigentlich prüfungen am samstag vormittag an?
      33 5 Melden
    • Teemo 02.06.2017 19:39
      Highlight Ich bin ein grosser Fan deiner konstruktiven Kritik!
      13 1 Melden
    • LeCorbusier 02.06.2017 23:25
      Highlight @hektor7
      Wir haben sogar Abgaben am Sonntag um 18:00 Uhr (physisch/analog, digital kommt später)
      1 2 Melden

In einem Parallel-Universum schaut der Picdump gerade DICH an 😱

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