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«Speed watching»: Hardcore-Fans glotzen Serien im Zeitraffer-Modus

14.03.17, 12:33

Zu viele Serien, zu wenig Zeit? Wer beim Überangebot im Fernsehen und in Streaming-Diensten nicht mehr hinterherkommt, sieht sich Folgen einfach mit doppelter Geschwindigkeit an. Kunstpausen bleiben beim «speed watching» auf der Strecke, aber Hartgesottene feiern den Zeitgewinn.

Die neue Staffel von «Game of Thrones» sowieso, Staffel zwei von «Stranger Things» bestimmt auch. Ausserdem natürlich «Fear the Walking Dead» und vielleicht auch «You Are Wanted». Bald sicher «Star Trek: Discovery» und die fünfte Staffel von «Prison Break». Und am Ende ist immer noch Luft für ein paar Runden «BoJack Horseman», «Big Bang Theory» oder zwei, drei «Simpsons»-Klassiker.

«Das Leben ist kurz. Verschwende es nicht damit, Videos mit einfacher Geschwindigkeit zu gucken»

«Video Speed Controller»-Nutzer

Die Frage ist nur: Wie soll man das alles schaffen? Wer soll all die Serien gucken, der nebenher arbeiten, einkaufen, essen und irgendwann auch schlafen muss? In der nicht endenden Folgenflut lautet die Antwort für einige hartgesottene Fans in den USA mittlerweile «speed watching» - Konsum von Serien mit doppeltem Abspieltempo. Credo: Wer doppelt so schnell guckt, schafft auch doppelt so viele Folgen.

Gehirn gewöhnt sich angeblich daran

Glaubt man Anleitungen von Könnern, wird das Gehirn dabei schrittweise an die doppelte Abspielgeschwindigkeit gewöhnt. Wer sich «Gilmore Girls» oder «Westworld» erst mit 1.2-fachem und dann 1.5-fachem Tempo ansieht, schafft irgendwann auch das Zweifache oder sogar mehr. Dabei helfen Video-Player wie VLC und Erweiterungen für den Internet-Browser.

«Das Leben ist kurz. Verschwende es nicht damit, Videos mit einfacher Geschwindigkeit zu gucken», schreibt der Nutzer einer entsprechenden Erweiterung für Google Chrome.

Pausen gehen flöten

Also hasten einige Zuschauer mit doppeltem Tempo durch das Angebot. Der Genuss, ein TV-Kunstwerk in Ruhe zu schauen und die von Regisseur und Drehbuchautor vorgesehenen Pausen, Längen oder Zeitlupen voll auszukosten, mag beim «speed watching» flöten gehen.

Dafür werde das Leben aber «effizienter», schrieb die «Washington Post» vergangenen Sommer: Vier Folgen «Unbreakable Kimmy Schmidt» passten jetzt in nur eine Stunde. Es gebe mehr zu gucken als jemals zuvor.

Aus Versehen erfunden

Erfunden haben will die ans «speed reading» (Bücher) und «speed listening» (Podcasts) angelehnte Methode der frühere Jus-Student Alexander Theoharis. Er sei vor ein paar Jahren versehentlich an eine Taste gekommen, die ein laufendes Video etwas beschleunigt habe, erzählte er der «Seattle Times» 2014.

Nun guckt er «Breaking Bad» mit 1.6- und «The Office» mit 2.4-facher Geschwindigkeit und Untertiteln. Er habe einfach wissen wollen, was in diesen Serien passiert, sich wegen der verlorenen Zeit im Studium aber oft schuldig gefühlt, sagte Theoharis.

Für Lernvideos und Online-Vorlesungen mag die Methode praktisch sein. «Modern Family» werde bei doppeltem Tempo sogar lustiger, schreibt die «Washington Post», denn «die Witze kommen schneller und schlagen härter ein». Man müsse auch keine Zeit mehr mit öden Füll-Inhalten verschwenden.

Normaltempo wird unerträglich

Und wer hat schon Zeit, fünf Staffeln «The Wire» in insgesamt zweieinhalb Tagen zu gucken? Die Chrome-Erweiterung «Video Speed Controller» wurde schon mehr als 235'000 Mal heruntergeladen.

Nur mag es sein, dass das Gehirn ein normales, dann langsam wirkendes Erzähltempo irgendwann nicht mehr erträgt. Der Genuss einer Serie im Normaltempo wäre ruiniert, möglicherweise auf ewig. Und, fragt das «New York Magazine», wenn es so viel Arbeit ist, die eigene Lieblingsserie zu verfolgen, warum guckt man sie dann überhaupt? (whr/sda/dpa)

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19
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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • FyRn4d4 14.03.2017 18:40
    Highlight Ich betreibe Speed-Watching seit etwa 4 Monaten. Habe es per Zufall einfach mal auf dem Handy ausprobiert.
    Mittlerweile schaue ich die meisten Filme/Serien in 1.6 bis 2-facher Geschwindigkeit. Die Dialoge versteht man ohne Probleme. Einziger Nachteil ist, dass die Musik ziemlich schlecht klingt in dieser Geschwindigkeit.
    2 11 Melden
  • dracului 14.03.2017 17:53
    Highlight Das Leben ist kurz und unsere Zeit limitiert. Mit jeder Sekunde kommen wir unserem unausweichlichen Tod näher! Darum überleg dir, was dir in diesem Leben wichtig ist und setze klare Prioritäten! Diese Prioritätensetzung macht letztlich nämlich den einzelnen Menschen erst aus!
    7 1 Melden
  • Favez 14.03.2017 16:55
    Highlight Wie erbärmlich ist das denn?
    Idiotische Welt.
    30 3 Melden
  • founded1898 14.03.2017 14:00
    Highlight Passend dazu: jemand hat alle Staffeln von Braking Bad in einen 127 minütigen Film gepackt. Ob es auch nur annährend so gut ist wage ich zu bezweifeln, vielleicht hat trotzdem jemand freude daran: http://www.theladbible.com/now/film-and-tv-all-62-episodes-of-breaking-bad-have-been-edited-into-a-film-20170311
    9 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 15.03.2017 21:57
      Highlight Video doesn't exist anymore :/
      0 0 Melden
  • seventhinkingsteps 14.03.2017 13:10
    Highlight Mir fällt es schwer, sogar diesen Beitrag nicht als politisch zu betrachten. Aber Leistungsgesellschaft und der daraus entstehende Zeitmangel hängt direkt zusammen mit der Wirtschaft. Und statt sich zu wehren, beugen wir uns dem Leistungsdruck und schauen Serien mit doppelter Geschwindigkeit.
    36 5 Melden
    • Gelöschter Benutzer 14.03.2017 16:07
      Highlight Wer wirklich Zeitmangel hat, schaut keine Serien...
      Da gehts doch mehr darum dass Leute immer mehr wollen und anstatt eine Serie richtig zu geniessen schaut man dann halt 5 im Schnelldurchlauf....
      Hat sicher mit der Gesellschaft zu tun, aber "Zeitmangel" halte ich da für weniger massgebend ;)
      19 3 Melden
  • Zwerg Zwack 14.03.2017 13:00
    Highlight Gilmore Girls in 2-facher Geschwindigkeit?! Ich habe schon Mühe mit 1-fach!
    27 2 Melden
    • Pana 14.03.2017 17:14
      Highlight Versuchs mal mit halber Geschwindigkeit. Ist überraschend gut.
      3 1 Melden
  • wipix 14.03.2017 12:55
    Highlight Bemitleidenswerte Geschöpfe, die Speed-Serien-Süchtigen!
    Naja: irgendwann kommen sie alle zur Therapie oder suchen die entspannende Ruhe auf dem Lande! Hoffentlich bevor sie Implodieren!😉
    24 3 Melden
  • Guzmaniac 14.03.2017 12:54
    Highlight Gibt's im Printbereich schon lange - 20min! Fördert die Intelligenz jedoch nicht, im Gegenteil. Daher - noooooot.
    36 5 Melden
    • Evan 14.03.2017 14:43
      Highlight Watson ist ja so ziemlich das Selbe, nur politischer.
      14 4 Melden
    • Guzmaniac 14.03.2017 14:48
      Highlight ...und ein wenig ausführlicher.
      7 8 Melden
  • Pasch 14.03.2017 12:51
    Highlight Entweder man hat die Zeit und geniesst es oder das Ding bleibt einfach aus... Speed-Watching??? Alles nur noch halbherzig und huschhusch, daran gewöhnt sich das Hirn. Ob der Körper dem Tempo dann folgen kann steht auf einem anderen Blatt.
    39 2 Melden
  • Hades69 14.03.2017 12:50
    Highlight Sowas von der Rubrik 1. April oder wers glaubt ist dumm.
    7 16 Melden
  • Boogie Lakeland 14.03.2017 12:43
    Highlight Effizient und nachhaltig, scheiss die Wand an. Wie ich diese zwei Begriffe hasse. Etwa 75% “meiner Patienten“ die ausgebrannt sind wollten oder mussten effizient und nachhaltig ohne wenn und aber sein.
    Speed watching ist auch so ein Mist.
    Also da schau ich lieber gemütlich mit meiner besseren Hälfte irgend eine Serie, esse Pizza, trinke ein Bier (sie Saft................. immer diese Säfte................ich mag den Geruch diessr Säfte nicht.......) und geniesse den Moment. Aber jeder wie es ihm passt oder
    67 3 Melden
    • Asmodeus 14.03.2017 13:11
      Highlight Passt doch perfekt in unsere Gesellschaft.

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      42 0 Melden
    • MarZ 14.03.2017 13:35
      Highlight Wieso sollte man vom effizient sein ausbrennen? Das Problem liegt wohl eher beim Arbeitsumfang. Stell dir vor, die Leute hätten die gleiche Menge an Arbeit ineffizient erledigt.
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    • Boogie Lakeland 14.03.2017 15:22
      Highlight Ya mann :) Sorry etwas ungenau formuliert meinerseits. Effizienz ist per se eine gute Sache.
      Ich meine mehr was unter Effizienz verstanden wird im Alltag oder wie man Effizienz für sich selbst definiert. Ich kenne viele Fälle von Menschen die sich kaum einen kurzen Schwaz beim Drucker gönnten weil es ja nicht effizient ist. Man kann beim Warten schliesslich auch in einem Dosier lesen.Oder wieso die E-Mails im Büro lesen wenn ich sie schon auf dem Weg zur Arbeit lesen kann. Ich spreche da von eher ungesunden Formen der Effizienz. Die positiven Beispiele landen nicht bei mit auf der Abteilung:)
      14 0 Melden

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