Spass
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Blau-schwarz oder gold-weiss? Warum dein ⏰ an #dressgate schuld ist 

Frühaufsteher oder Nachteule? Wann wir ins Bett gehen, beeinflusst offenbar, in welchen Farben man das Kleid sieht, über das vor zwei Jahren die halbe Welt stritt.

08.04.17, 17:43 09.04.17, 08:45

Holger Dambeck



Ein Artikel von

Die einen sahen ein blau-schwarzes Muster, die anderen ein gold-weisses, manche sogar blau-goldene Streifen. Im Februar 2015 sorgte ein schlecht fotografiertes Kleid für einigen Streit unter Freunden, Bekannten und Kollegen. Unter dem Hashtag #dressgate wurden verrückte Theorien verbreitet. Menschen mit negativer Lebenseinstellung würden das Kleid in Blau sehen, hiess es beispielsweise.

Inzwischen sind sich Psychologen weitgehend einig, warum Menschen die Farben ein und desselben Bildes ganz unterschiedlich wahrnehmen. Unser visuelles System macht permanent Farbkorrekturen und berücksichtigt dabei auch die konkrete Beleuchtungssituation.

Blauer Schnee?

Im Falle des Kleides bedeutet das: Wer glaubt, das Kleid befinde sich bei Tageslicht im Schatten, zieht gedanklich das dort dominierende blaue Licht ab. Wir wissen, dass weisse Dinge im Schatten bläulich aussieht – zum Beispiel Schnee. Und deshalb nehmen wir die tatsächlich hellblauen Streifen des Kleides als weiss war. Und die anderen Streifen als golden. Wer hingegen annimmt, das Kleid werde von eher gelblichem Kunstlicht angestrahlt, nimmt das Muster als schwarz-blau wahr.

«Wir müssen Annahmen zur Beleuchtung des Kleides machen und das beeinflusst, welche Farben wir letztlich sehen.»

Eine nun im Fachblatt Journal of Vision publizierte Studie bestätigt diese Erklärung der weltumspannenden Farbverwirrung – und liefert noch eine interessante Hypothese, welche Menschen zu welcher Fraktion neigen.

Das Original bild: pd

«Das Originalfoto war überbelichtet, was die Einschätzung der Lichtsituation schwierig machte», sagt der Neuroforscher Pascal Wallisch von der New York University. «Wir müssen deshalb Annahmen zur Beleuchtung des Kleides machen und das beeinflusst, welche Farben wir letztlich sehen.»

60 Prozent sehen weiss-goldenes Kleid

Wallisch hat für seine Studie insgesamt 13'417 Menschen online befragt. 8084 im März 2015 wenige Wochen nach dem Hype um das Dressgate, und dann noch einmal 5333 im März 2016.

Die Befragten sollten angeben, in welchen Farben sie das Kleid sehen. Für knapp 60 Prozent war es weiss-golden, für etwa 30 Prozent blau-schwarz. Der Rest gab andere Farbkombinationen an.

Wallisch wollte aber auch wissen, wie die Betrachter die Lichtsituation einschätzen, ob sie derzeit auf dem Land oder in der Stadt leben und für welchen Chronotypen sie sich selbst halten. Menschen unterteilen sich dabei in Frühaufsteher, auch Lerchen genannt, und in sogenannten Eulen, die nachts länger aufbleiben und dafür morgens länger schlafen.

Nachteulen gegen Frühaufsteher

Die Frage nach dem Chronotypen brachte ein spannendes Ergebnis: Langschläfer nahmen das Kleid mit deutlich geringerer Wahrscheinlichkeit in den Farben weiss-golden wahr als Frühaufsteher.

Bei der zweiten Umfrage im März 2016 war dieses Phänomen besonders stark ausgeprägt. Typische Eulen kamen auf eine Weiss-Gold-Quote von nur 47 Prozent, starke Lerchen hingegen auf 66 Prozent.

Offenbar hänge die Farbwahrnehmung eines Menschen auch davon ab, wie viele Stunden er bei Tageslicht und bei künstlicher Beleuchtung verbringe, erklärt Wallisch. Wer viel Sonnenlicht abbekomme, für den sei das Kleid eher weiss-golden. Nachteulen, die deutlich mehr Kunstlicht sehen, tendierten weniger stark dazu.

Sind die Erdbeeren rot?

«Das bestätigt, dass das Licht, dem ein Mensch typischerweise ausgesetzt ist, Einfluss darauf hat, wie er Farben wahrnimmt», sagt Wallisch. Andere in der Studie ebenfalls abgefragte Faktoren wie Geschlecht oder Alter spielten Vergleich dazu nur eine untergeordnete Rolle.

Wie schnell uns die permanente Farbkorrektur im Kopf einen Streich spielen kann, zeigte erst kürzlich der Forscher Akiyoshi Kitaoka mit einem Foto von Erdbeeren. Der Japaner hatte die Farben des Bildes so bearbeitet, dass es keinen einzigen Pixel in der Farbe Rot mehr enthielt.

Aber trotzdem sehen die meisten Betrachter die Erdbeeren in der Farbe Rot.

Der Mensch sieht einfach das, was er sehen will. So einfach ist das.

Das könnte dich auch interessieren:

Migros und Coop sind im Fitnessfieber – und die kleinen Studios leiden

So will eine deutsche Architektin das Meer von Plastik-Müll befreien

1 Hanfsamen provoziert ein Gerichtsverfahren – eine Amtsschimmel-Komödie in 3 Akten

Wenn ich noch einen alten Kerl mit einer jungen Frau vögeln sehe ...

«Die Frage ist nur noch: Wann haben wir die Schmerzgrenze erreicht?»

So (böse) freuen sich Eltern, dass die Kinder wieder in die Schule müssen

In Liverpool muss Schnäppchen-Shaqiri beweisen, dass er der Königstransfer ist

Blutgräfin Báthory, die ungarische Serienmörderin

Aufgepasst, Männer! So vermeidet ihr «mansplaining»

Ronaldo verzückt die neuen Teamkollegen: «Es ist gar nicht möglich, mit ihm mitzuhalten»

Bauern wie zu Gotthelfs Zeiten? Per Initiative ins landwirtschaftliche Idyll

Nach Rausschmiss von «Guardians of the Galaxy»-Regisseur: Darsteller droht Disney

Blochers Zeitungsimperium druckt seinen eigenen Artikel gegen «fremde Richter»

Hipster-Bärte bedrohen die Rasierklingen-Industrie

Wie die Migros das Label-Chaos beseitigen will – und dafür kritisiert wird

So viel Geld macht Ferrari pro Auto – und so viel legt Tesla drauf

Die Erde ist bei Google Maps keine flache Scheibe mehr – das ist wichtiger, als du denkst

18 lustige Fails, die dich alles um dich herum vergessen lassen

Scheidungen sind out – und das hat seine Gründe

«Ich habe keine devote Ausstrahlung»: Tonia Maria Zindel über MeToo, Tod und Rätoromanisch

Wie das Geschwür am Hintern des Sonnenkönigs zum Trend wurde

Das sagt Osama Bin Ladens Mutter über ihren Sohn, den Terrorfürsten

Sie waren vor 10 Jahren unsere grössten Hoffnungen – das wurde aus ihnen

Die 8 grössten Kraftwerke zeigen das riesige Potential von erneuerbaren Energien

7 Mehrtageswanderungen, die sich richtig lohnen 

präsentiert von

Endlich «Weltklasse»: Wie Schalkes Max Meyer bei Crystal Palace statt Barça landete

Bruthitze und Megadürre –  Die Katastrophe von 1540 war schlimmer als der Hitzesommer 2003

Die Frau, die weltbekannt wurde, ohne es zu wissen

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

Abonniere unseren Daily Newsletter

Themen
10
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Capitan 10.04.2017 10:54
    Highlight Eine Onlineumfrage zu einer Foto ist nichtssagend. Die Bildschirme geben die Farben sehr unterschiedlich wider.
    Wie im Artikel beschrieben, hängt die Wahrnehmung der Farbe zusätzlich vom Umgebungslicht ab. Das Kunst-, bzw. Tageslicht kann rot bis blau sein und in allen Schattierungen bis weiss.
    Die Kamera machte irgendeinen Weissabgleich. Bei der Betrachtung macht das Auge seinen eigenen.
    Am Ende kann die Umfrage nichts erklären, weil der Bildschirm, die Tageszeit, das Wetter, oder der Kunstlichttyp, oder andere Dinge ursächlich sind.
    Und: Eine Korrelation beweist nie eine Kausalität.
    5 1 Melden
  • Ramy 10.04.2017 08:21
    Highlight Bin ich die einzige, die das Kleid je nach Lichtverhältnis mal so mal so sieht?
    6 1 Melden
  • Hugeyun 09.04.2017 12:44
    Highlight "Blau-schwarz oder gold-weiss? Warum dein ⏰ an #dressgate schuld ist"

    Noch irgendjemand der zu lang gebraucht hat, um zu verstehen, worum es hier bei diesem Emoji-Deutsch geht?
    16 0 Melden
  • exeswiss 09.04.2017 02:13
    Highlight >> Langschläfer<< nahmen das Kleid mit deutlich geringerer Wahrscheinlichkeit in den Farben weiss-golden wahr als Frühaufsteher

    nachteulen sind nicht langschläfer, sondern spätaufsteher. das ist ein ziemlich grosser unterschied.
    30 0 Melden
  • Das-Malo 09.04.2017 01:29
    Highlight Ich sehe beide Varianten. Bin ich jetzt eine eulende Lerche?
    14 0 Melden
  • nick11 08.04.2017 23:43
    Highlight Ich habe immer gedacht das wäre ganz klar Blau/Gold, so auch heute um 20 Uhr. Jetzt um 23:42 schau ich es mir nochmals an, und sehe ganz klar Weiss/Gold. Würde ich es nicht besser wissen, hätte ich gesagt ihr habt das Bild ausgetauscht. Scheint also auch tageszeit/formabhängig zu sein...
    10 0 Melden
    • 8004 Zürich 10.04.2017 07:34
      Highlight Habe eben dasselbe bei mir beobachtet. Vor ca. zwei Stunden scroll' ich watson durch und sehe wieder mal dieses Kleid. Ich denke noch "Hey nein, immer noch das Thema mit diesem Scheisskleid". Da war es blau-schwarz.

      Jetzt sehe ich es weiss-gold.
      0 0 Melden
    • nick11 10.04.2017 22:12
      Highlight Hab extra nen screenshot gemacht und heute nochmals angeschaut, jetzt wieder Blau/Schwarz. Witzig :)
      0 0 Melden
    • 8004 Zürich 11.04.2017 10:42
      Highlight "Es hat" gestern noch einige Male hin und her gewechselt. Ich geb' auf..
      0 0 Melden

Weil es kein Sommerloch gibt, in das Salvador Dalí nicht reinpassen würde

Von der Vorliebe für Blumenkohl, einer mittelschweren Hitler-Obsession und der Werbung für Alka Seltzer – ein paar eigentümliche Fakten und Bilder zu Salvador Dalís Leben.

(rof)

Artikel lesen