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Steffen feiert in Lausanne: Der FCB rückt YB wieder auf die Pelle. Bild: KEYSTONE

Basels Angriff auf den Super-League-Leader YB erfolgt via Lissabon

Eine Analyse zum Meisterduell zwischen dem FC Basel und den Young Boys und der Frage, wie das Europa-Geschäft diesen Zweikampf beeinflusst.

04.12.17, 10:24

Sébastian Lavoyer / Nordwestschweiz

Georg Heitz hat einmal gesagt, dass sich die Europa League erst ab dem Viertelfinal rechnet. Der Vorgänger von Marco Streller als Sportchef des FC Basel ist ein Zahlenmann, also eine glaubwürdige Referenz. Was das mit der Meisterrennen zu tun hat? Sehr viel.

Aber zuerst ein Blick auf den Totomat: Nachdem der FCB und YB zuletzt im Gleichtakt siegten, setzte es für YB gestern eine Pleite im Berner Derby ab (1:3). Der FCB dagegen gewann am Samstag gegen Lausanne souverän mit 4:1.

YB-Keeper von Ballmoos muss den Ball in Thun drei Mal aus dem Netz holen. Bild: KEYSTONE

Die Lücke wird kleiner

Der Abstand ist auf vier Punkte geschmolzen, die Basler können wieder aus eigener Kraft Meister werden. Das wird den Baslern einen Schub verleihen. Und in Bern beginnt das grosse Zittern.

Natürlich könnte der Serienmeister aus Basel nun darauf setzen, dass YB jetzt komplett aus dem Tritt gerät. Die Berner haben in den letzten 31 Jahren jede noch so vielversprechende Ausgangslage verspielt.

Egal, wie nah der Titel schien: YB schrammte zielgenau daran vorbei. Veryoungboysen, Sie wissen schon. Bis am 19. Mai 2018 lauern zahlreiche Stolpersteine. YB hat in der Vergangenheit so ziemlich jeden erwischt. Und gestern angedeutet, dass es dies noch immer kann.

Der Rubel rollt nur in der Champions League

Darauf aber wird sich der FC Basel nicht verlassen wollen. Denn eines ist klar: Die Meisterschaft bleibt trotz all der magischen Nächte, die Raphael Wicky und sein Team ihren Anhängern schon beschert haben, das Kerngeschäft, das Hauptziel, die Grundlage für weitere Erfolge.

Und deshalb werden die Basler alles unternehmen, um die Berner in der zweiten Saisonhälfte noch abzufangen. Kein leichtes Unterfangen. Denn für YB ist das Europa-Abenteuer schon zu Ende. Das war zwar ein (durch das Schonen von Spielern in Kauf genommener) Rückschlag, aber hat den Vorteil für die Berner, dass sie sich voll und ganz auf die Meisterschaft und den Cup konzentrieren können.

Der FCB dagegen überwintert europäisch. Das ist schon klar, bevor die Basler heute Morgen nach Lissabon reisen. Es fragt sich bloss noch, ob Europa oder Champions League.

Hier findet das entscheidende FCB-Spiel statt: im wunderbaren Estadio da Luz. Bild: KEYSTONE

So viel mehr gibt die Königsklasse

Die Europa League wurde in den letzten Jahren zwar finanziell attraktiver, aber die Honigtöpfe in der Königsklasse sind noch immer deutlich voller. Die Qualifikation für den Achtelfinal der Champions League brächte dem FCB rund sieben Millionen Franken.

Selbst wenn der FCB in der Europa League bis in den Halbfinal vorstossen würde, käme er «nur» auf 4,5 Millionen Franken an Prämieneinnahmen. Diese Zahlen wird FCB-Präsident Bernhard Burgener sehr präsent haben, wenn es im Winter darum geht, Anpassungen am Team vorzunehmen.

Burgener ist Unternehmer, das betont er immer wieder. Sein Ziel ist es auch, das Geld wieder reinzuholen, das er für das Aktienpaket von Bernhard Heusler & Co. ausgegeben hat.

Die trügerische Ausgangslage vor dem Benfica-Spiel

Wenn er im Winter über Neuzugänge richten wird, dann wird er natürlich ans Sportliche denken. Aber Burgener wird die Finanzen im Hinterkopf haben, wenn er den Daumen hebt oder senkt.

Je mehr reinkommt, desto mehr dürfte er auch bereit sein, auszugeben. Zwar hätte der FCB Reserven in der Höhe von rund 60 Millionen Franken. Doch der neue Präsident wird sich hüten, diese anzufassen, wenn es irgendwie anders geht.

«Da hinten, in der Champions League, da gibt's die Kohle»: FCB-Legende Karli Odermatt (rechts) und -Präsident Bernhard Burgener. Bild: KEYSTONE

Und damit wären wir beim Spiel von morgen Abend. Das heisst: bei den Spielen. Denn die Ausgangslage ist trügerisch. Wir wollen uns hier nicht mit zu vielen Rechenspielen aufhalten, sondern lediglich kurz die Fakten präsentieren: Basel kann beliebig hoch verlieren, wenn das punktgleiche ZSKA Moskau in Manchester ebenfalls verliert, steht der FCB im Achtelfinal. Auch ein Unentschieden genügt, wenn die Russen nicht gewinnen. Sobald der Armeeklub aber in England siegen sollte, wirds knifflig.

Gewinnt ZSKA mit drei und mehr Toren Differenz, ist Basel selbst bei einem Sieg draussen. Ausser ZSKA gewinnt mit sieben und mehr Toren Unterschied. Dann wäre United draussen und der FCB weiter. Aber das sind Gedanken für Zahlenmenschen. Damit sollen sich die FCB-Stars nicht herumschlagen. Für sie gibt es nur eins: Ein Sieg muss her – alles andere wird sich weisen. Eigentlich ziemlich ernüchternd, wenn man weiss, wie weitreichende Folge der Ausgang des morgigen Abends haben wird.

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Brikne, 20.7.2017
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22
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22Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • rauchfrei 04.12.2017 14:20
    Highlight Immer dieses Märchen, dass YB seine Spieler in der EuropaLeague schont. In 9 internationalen Spielen hat man 8 Mal auf die beste Elf gesetzt - wo bitte hat man das Ausscheiden „in Kauf“ genommen? Wenn man die besten Spieler der letzten Saison abgeben muss (Mvogo, Zakaria, Ravet) und auf junge Spieler setzt (anders als Basel macht man das nämlich wirklich), dann passieren solche Niederlagen bzw. unnötigen Unentschieden mal. Aber ein Ausscheiden aufgrund der Aufstellung herbeireden zu wollen, ist einfach lächerlich.
    18 33 Melden
  • Gelöschter Benutzer 04.12.2017 11:46
    Highlight Hoffe, der FCB kommt nicht weiter, da sie dann nicht wieder so viel Geld bekommen und die Meisterschaft spannender wird. Und der 2. Grund ist Sascha Ruefer. Ich hasse seine Kommentare bei Basel Spielen. Peinlich und unnötig.
    32 160 Melden
    • Betty88 04.12.2017 11:55
      Highlight Peinlich ist eher dein Kommentar ;)
      139 23 Melden
    • Amboss 04.12.2017 12:01
      Highlight Ab nächstem Jahr muss der CH-Meister (wohl FCB) durch die Quali. Dass er diese übersteht ist unwahrscheinlich, rsp. zumindest sehr ungewiss.
      D.h der FCB muss auch mit ein Szenario "Europa League" einberechnen. Dies wird zu einer Schwächung des Teams führen, da die Tatsache, dass man gratis CL spielen kann, immer Spieler angezogen hat, die eigentlich zu stark sind für die Schweiz.

      Insofern: Der FCB wird zurückgebunden. Aber ob die Meisterschaft dadurch spannender wird?
      Hängt vor allem auch von der Konkurrenz ab...
      35 34 Melden
    • Nussi2000 04.12.2017 12:02
      Highlight Es wäre allgemein schlecht für den CH-Fussball, wenn Basel nicht weiter kommen würde. Der fixe Startplatz der Superleague in der CL wäre dann in den kommenden Jahren sehr unsicher...
      43 15 Melden
    • ThePower 04.12.2017 13:12
      Highlight Hast absolut recht. Ich verstehe echt nicht, warum viele Nicht-FCB-Fans es gut finden, wenn sich die Bebbis in der CL die Taschen vollstopfen können. Der Anfang der Einseitigkeit hat ja so begonnen, nun sind sie 8 Mal in Serie Meister geworden und werden es mit der Bayern-Taktik (Konkurrenz durch Transfers schwächen, sonstige Mega-Transfers) wahrscheinlich auch ein 9. Mal, da mache ich mir keine Illusionen. Aber ja, ist sooo toll für den Schweizer Fussball und wenn CL ist sind wir alle FCB-Fans..
      20 35 Melden
    • Ralf Meile 04.12.2017 13:52
      Highlight Zur Info: Die Spiele des FC Basel kommentiert in aller Regel Dani Kern.
      54 2 Melden
    • Karl33 04.12.2017 14:00
      Highlight @Money "da sie dann nicht wieder so viel Geld bekommen und die Meisterschaft spannender wird."

      kannst ja Zweitliga-Matches schauen gehen. die haben weniger geld und spielen schlecht. aber es sei angeblich spannender...
      21 4 Melden
    • JoeyOnewood 04.12.2017 14:30
      Highlight @Ambiss: Trotz Qualifikation ist der Meister-Weg deutlich einfacher. Auch mit Play-Off hat Basel oder sogar YB gute Chancen, die zu überstehen. Gegner wie Steaua Bukarest, Anderlecht oder Maccabi Tel Aviv sind sicherlich schlagbar. Kein Selbstläufer, aber im Gegensatz zum Nicht-Meisterweg nicht unmöglich.
      17 0 Melden
    • Amboss 04.12.2017 15:24
      Highlight @Joey: Natürlich ist dies möglich. Aber eben, man muss es erst machen. Das einzige mal in den letzten Jahren ,als Basel in die CL-Quali musste, sind sie gescheitert, an eben diesem schlagbaren Maccabi Tel Aviv.

      Aber eben: Viel entscheidender denke ich, ist der Rattenschwanz, der daraus folgt, dass man nicht automatisch CL spielen kann. Zu gute Spieler kommen nicht mehr, möglicherweise weniger Saisonkartenverkäufe, weniger Beachtung, Sponsorengeld etc...
      4 7 Melden
    • Gelöschter Benutzer 04.12.2017 15:24
      Highlight @Ralf Meile Ups, mein Fehler. Habe die Kommentatoren verwechselt. Nervig sind trotzdem beide.
      7 7 Melden
    • JoeyOnewood 04.12.2017 16:14
      Highlight @Amboss: Da hast du natürlich auch recht. es gibt sicher Auswirkungen. Trotzdem glaube ich, werden wir in der Schweiz auch zukünftig CL-Fussball sehen bekommen.
      1 0 Melden
    • Li La Launebär 04.12.2017 17:12
      Highlight Den peinlichen Kommentar kannst du jetzt nicht mehr retten...!
      1 0 Melden
    • Amboss 04.12.2017 20:55
      Highlight @joey: das denke ich auch.
      Aber wohl nur noch so alle drei bis vier Jahre, denn viele Nationen sind in einer ähnlichen Situation.

      Gleichzeitig hoffe ich, dass in Basel auch eine Freude an der EL entstehen kann. Da gibt es interessantere Gegner als in der CL, und eine echte Chance, weit zu kommen.
      1 0 Melden
    • OenoPhil 04.12.2017 21:15
      Highlight @Amboss: Ist ja jetzt schon so. Viele FCB-Fans könnten sich die EL vorstellen, da die aus sportlicher Sicht ja eigentlich adäquater wäre. Ich denke, auch die gesamte Neuausrichtung des FCB geht in diese Richtung.
      2 0 Melden
  • Pokefan 04.12.2017 10:34
    Highlight Ich dachte bei Punktegleichheit zählen zuerst die Direktbegegnungen und dann das Torverhältnis dieser? Weiss es aber nicht genau.
    15 4 Melden
    • Martinov 04.12.2017 11:02
      Highlight 1.Anzahl Punkte im direkten Vergleich
      2.Tordifferenz im direkten Vergleich
      3.Anzahl Tore im direkten Vergleich
      4.Anzahl Auswärtstore im direkten Vergleich
      5.Tordifferenz aus allen Gruppenspielen
      6.höhere Anzahl erzielter Tore
      7.höhere Anzahl erzielter Auswärtstore
      8.höhere Anzahl Siege
      9.höhere Anzahl Auswärtssiege
      10.niedrigere Anzahl Minuspunkte durch Gelbe und Rote Karten (Gelbe Karte 1 Minuspunkt, Rote Karte 3 Minuspunkte, Gelb-Rote Karte 3 Minuspunkte)
      11.Klub-Koeffizienten
      35 0 Melden
    • satyros 04.12.2017 11:10
      Highlight Ist so. Wenn ZSKA in Manchester gewinnt und Basel in Lissabon, haben Manchester, Basel und ZSKA gleich viele Punkte. Es zählt dann die Direktbegegnung von allen drei. Dass ZSKA in Manchester mit mehr als drei Toren Unterschied gewinnt, halte ich für eine eher theoretische Möglichkeit.
      20 2 Melden
    • OenoPhil 04.12.2017 11:38
      Highlight ...wenn drei Mannschaften punktgleich sind, gehts mit den Direktbegegnungen nicht mehr auf.
      5 4 Melden
    • McStem 04.12.2017 13:31
      Highlight Doch geht noch auf, dann wird die 4. Mannschaft rausgestrichen.

      In diesem Fall Benfica. Dabei sahen die Resultate so aus:
      ZSKA: 2:0,2:1
      Basel: 5:0, X:X
      ManUtd 1:0,2:0

      Ergibt folgende 3er-Tabelle

      Manchester 7:2 6 PT
      Basel 4:5 6 PT
      ZSKA 3:7 3 PT

      6 4 Melden
    • OenoPhil 04.12.2017 14:35
      Highlight @McStem: ZSKA hätte auch 6 Pt!
      Das 3-Team-punktegleich-Szenario gibts ja nur, wenn sowohl ZSKA als auch FCB gewinnen.
      9 0 Melden
    • McStem 04.12.2017 15:06
      Highlight Korrekt, das was wäre wenn habe ich aber weggelassen und habe die aktuelle Tabelle herangezogen, in der hat ZSKA erst 3 Punkte.
      1 0 Melden

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