Sport

Michelle Gisin und Wendy Holdener: Stehen sie am Ursprung der erfolgreichsten Schweizer WM in diesem Jahrtausend? Bild: AP/Keystone

So stehen die Chancen, dass die Ski-WM zur erfolgreichsten des Jahrtausends wird

So schnell kann es gehen: Am Freitag verletzt sich erst Lara Gut beim Einfahren – die Schweiz ist geschockt. Zweieinhalb Rennen später gleicht das Land einer einzigen Festhütte – und noch haben wir heisse Eisen im Feuer.

13.02.17, 08:10 13.02.17, 13:13

Die erste Woche der Ski-WM ist vorbei und nach fünf der elf Rennen können wir sagen: Ein Blick auf den Medaillenspiegel tut besonders gut.

Der Medaillenspiegel nach der Männerabfahrt.

Wer hätte das gedacht, dass die Schweiz nicht nur als einzige Nation zwei Weltmeister feiern kann, sondern auch insgesamt am meisten Medaillen abstaubt? 

Klar, wir hatten im Super-G der Frauen und der Abfahrt der Männer die Topfavoriten am Start. Die bisherige Saison deutete ebenfalls an, dass etwas möglich ist. Aber ein Blick auf die letzten acht Weltmeisterschaften in diesem Jahrtausend zeigt: So gut waren wir schon lange nicht mehr.

Einzig bei den Titelkämpfen 2007 und 2009 sammelten die Schweizer Skifahrer mehr Edelmetall. Allerdings bleiben jetzt noch sechs Rennen Zeit, um diese Marken zu knacken. Die Chancen auf die erfolgreichste WM in diesem Jahrtausend stehen gut. Mehr als sechs Medaillen an einer Ski-WM gab es für die Schweiz übrigens 1989 in Vail (3-5-3) und natürlich im legendären Crans-Montana 1987 (8-4-2):

Aber ja, der Sport, der ist ein fieser und wankelmütiger Geselle. Noch vor der WM hiess es hier bei uns auf der Redaktion aus verschiedenen Ecken: «Ach, das interessiert doch niemanden.» Am Freitag standen dann viele gebannt vor dem TV. Erst litten sie mit Lara Gut, dann jubelten sie mit Wendy Holdener und Michelle Gisin. Und seit dem Gold in der Königsdisziplin Abfahrt von Beat Feuz herrscht hier und im ganzen Land eh Jubelstimmung.

Super-Kombi Männer (Montag, 10 und 13 Uhr)

Die Favoriten in der Kombination heissen Titelverteidiger Marcel Hirscher und Alexis Pinturault. Aber die Schweizer müssen sich nicht verstecken. In den zwei einzigen Kombinationen des Winters war Swiss-Ski jeweils zu dritt in den Top 8 vertreten.

Carlo Janka: Nominell unser bester Medaillentrumpf in der Kombi. Bild: EPA/KEYSTONE

Neben dem Überraschungssieg von Niels Hintermann (nicht an der WM) in Wengen brillierte vor allem Justin Murisier mit den Rängen 4 (in Santa Caterina) und 7 (in Wengen). Einmal in die Top 8 schaften es Nils Mani (5. in Wengen/nicht an der WM), Luca Aerni (7. in Santa Caterina) und Mauro Caviezel (8. in Santa Caterina). Dazu kommt Carlo Janka, der nominell beste Schweizer Kombinierer.

Fazit: Eine Medaille kann nicht erwartet werden, aber ein Exploit liegt in dieser Disziplin immer drin.

Team-Event (Dienstag, 12 Uhr)

Die Schweiz und Team-Events – das passte schon oft. Bei den letzten drei Weltcupfinals gab es immer einen Schweizer Sieg. Zuletzt auch 2016 hier in St.Moritz. Mit Wendy Holdener verfügen wir über die Spezialistin für schnelle Starts und das Parallelrennen. Getragen vom Kombi-Gold könnte sie ihre Teamkollegen mitreissen.

An der WM liegt die letzte Medaille allerdings zehn Jahre zurück. Vom damaligen Bronze-Team ist heute nur noch Fabienne Suter aktiv. Dieses Jahr sind für den Start vorgesehen: Holdener, Meillard, Rast, Yule, Aerni und Schmidiger.

Fazit: Noch mehr als bei der Kombi: Hier ist alles möglich. Aber die Chancen stehen gut.

Weltcupfinale 2016: Die Schweiz schafft den Hattrick beim Team-Event. Bild: AP/Keystone

Riesenslalom Frauen (Donnerstag, 9.45 und 13 Uhr)

Mit Lara Gut hätten wir einen starken Medaillentrumpf in der Hand gehabt. Aber ohne sie, da wird es ganz schwierig. Holdener, Simone Wild, Camille Rast oder Melanie Meillard werden kaum in die Bresche springen können. Die Konkurrenz mit Tessa Worley, Mikaela Shiffrin, Sofia Goggia, Marta Bassino und Co. ist zu gross.

Fazit: Ein Diplom ist möglich, eine Medaille – nein.

Simone Wild: Bestergebnis im Weltcup ist bisher Rang 7 im Riesenslalom von Sestrière. Bild: KEYSTONE

Riesenslalom Männer (Freitag, 9.45 und 13 Uhr)

Auch hier ist die Konkurrenz auf den ersten Blick zu gross. Marcel Hirscher und Alexis Pinturault schweben in einer eigenen Welt. Dazu kommen Mathieu Faivre, Henrik Kristoffersen, Felix Neureuther und eine handvoll weitere Anwärter auf den letzten Platz auf dem Treppchen. 

Justin Murisier legt seinen Fokus auf den Riesenslalom. Bild: KEYSTONE

Carlo Janka, Gino Caviezel und Justin Murisier, der «vor allem im Riesenslalom stark sein» will, könnten bei optimalem Verlauf vielleicht für einen Exploit sorgen. 

Fazit: Ähnlich wie bei den Frauen: Ein Diplom ist möglich, eine Medaille wohl kaum. Allerdings stehen hier die Chancen etwas besser.

Slalom Frauen (Samstag, 9.45 und 13 Uhr)

Mikaela Shiffrin ist die grosse Favoritin. Aber Irgendwann wird Wendy Holdener die Amerikanerin schlagen. Warum nicht an der Heim-WM, wenn der Druck nach Kombi-Gold schon weg ist? Shiffrin ist aber nicht die einzige Gegnerin. Veronika Velez Zuzulova will den Titel und mit Frida Hansdotter, Nina Loeseth und Petra Vlhova stehen drei weitere Fahrerinnen bereit.

Wendy, tu es noch einmal! Bild: AP/Keystone

Aber: Vielleicht wächst auch Michelle Gisin nochmals über sich hinaus. Melanie Méillard und Denise Feierabend haben wohl höchstens Diplomchancen.

Fazit: Das gibt eine Medaille. Vielleicht Gold. Und vielleicht schlagen unsere neuen Ski-Zwillinge wieder zu.

Slalom Männer (Sonntag, 9.45 und 13 Uhr)

Zum Abschluss eine Medaille für die Schweiz – es wäre eine Überraschung. Marcel Hirscher und Henrik Kristoffersen fahren hier normalerweise der Konkurrenz davon. Dazu kommt ein Trio (Mölgg, Choroschilow, Ryding), das stärker einzuschätzen ist als Daniel Yule. 

Zwei perfekte Läufe? Mach es bitte am Sonntag zum WM-Abschluss, Daniel Yule. Bild: Shinichiro Tanaka/AP/KEYSTONE

Doch der Walliser kratzte in dieser Saison schon zweimal am Podest (4. in Zagreb, 5. in Kitzbühel). Lässt er sich von der Erfolgswelle im Team noch weiter nach vorne treiben?

Fazit: Eine Medaille käme überraschend. Aber es wäre ein passender Abschluss der bisher so erfolgreichen WM.

Wie viele Medaillen gibt's?

Puur und Nell haben wir zwar schon gespielt. Aber zumindest im Slalom der Frauen haben wir noch das Trumpf-Ass im Ärmel. Und auch für die restlichen Rennen sind unsere Handkarten nicht ganz so schlecht. 

Darum die Frage:

Umfrage

Vier Medaillen hat die Schweiz schon. Wie viele gewinnen wir INSGESAMT an der Ski-WM?

1,230 Votes zu: Vier Medaillen hat die Schweiz schon. Wie viele gewinnen wir INSGESAMT an der Ski-WM?

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • nickname_not_available 13.02.2017 13:57
    Highlight Und die Frage wurde nur wenige Stunden nach Veröffentlichung des Artikels beantwortet! ;-)
    27 0 Melden
  • Santale1934 13.02.2017 13:52
    Highlight Naja also die nicht zu erwartenden Medaillen in der Kombi sind nun doch da :D Sackstarke Leistung, einfach genial :D
    14 0 Melden
    • Reto Fehr 13.02.2017 14:49
      Highlight Wie geschrieben: Nicht zu erwarten, aber Exploits sind möglich😉 Kann man eine bessere Vorhersage treffen?😂
      14 1 Melden
    • Santale1934 13.02.2017 15:49
      Highlight Kann man nicht 😉 Also könnte man schon, aber wir belassen es dabei und freuen uns über die Resultate :P
      9 0 Melden
  • maxi 13.02.2017 13:48
    Highlight und es ist die erfolgreichste wm!
    13 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 13.02.2017 11:29
    Highlight Ob 5 oder 6 Medailen - Hauptsache vor Oesterreich.
    20 2 Melden
    • Mia_san_mia 13.02.2017 12:29
      Highlight So ist es 💪💪💪
      9 2 Melden
  • Schreiberling 13.02.2017 10:30
    Highlight Michelle Gisin startet nicht im Riesenslalom. Soweit ich weiss, wurde die 17-Jährige Camille Rast für den Start nominiert. Ändert allerdings nichts an der Ausgangslage 😄
    9 0 Melden
    • Reto Fehr 13.02.2017 10:40
      Highlight Stimmt. Ist angepasst. Merci.
      4 1 Melden
  • Asmodeus 13.02.2017 09:59
    Highlight Armes Jahrtausend wenn man schon 2017 das Highlight erlebt.
    8 9 Melden
    • Reto Fehr 13.02.2017 10:24
      Highlight Ja, dem armen Jahrtausend soll es nicht anders als jedem normalen Jahr gehen: Ist die Darts-WM vorbei, ist auch das Jahr gelaufen😉
      Eine Teilschuld trägt allerdings auch die Platzbegrenzung in unseren Titeln. Es gibt also Hoffnung.
      15 1 Melden
  • Steven86 13.02.2017 09:52
    Highlight Hätte vor der WM nicht gedacht das wir 4 Medaillen holen werden. Eine 5 wird sicherlich noch drin liegen, vor allem Wendy Holdener im Slalom. Wenn sie so fährt wie die ganze Saison schon liegt sicherlich der 2, 3 platz drin. Sonst denke ich wird es schwierig noch eine 6 zu holen, aber mann weis nie an einer WM ist alles möglich :)
    19 0 Melden
  • Sheldon 13.02.2017 09:09
    Highlight Trotz aller Euphorie muss man eines sehen: das Interesse am Skisport sinkt und sinkt. Ich gehöre noch zur Generation, die vor dem Fernsehen gegessen hat, wenn Russi und Co. runterflitzten und habe gestern selbstverständlich auch mitgefiebert und mich gefreut. Symptomatisch aber: Feuz war Weltmeister und was war das Hautpgesprächsthema: "Roger Federer als Zuschauer".
    21 18 Melden
  • Donald 13.02.2017 08:58
    Highlight Das Wort "bisherigen" fehlt noch im Titel.
    1 2 Melden
    • Reto Fehr 13.02.2017 10:26
      Highlight Lass uns im Jahr 3000 nochmals diskutieren, ob das wirklich fehlte😉
      11 0 Melden
    • Asmodeus 13.02.2017 11:18
      Highlight Wenn wir im Jahr 3000 noch leben muss was passiert sein, dass es uns egal macht was 2017 beim Skifahren passiert ist ;)
      10 0 Melden
  • Lutz Pfannenstiel 13.02.2017 08:49
    Highlight Niels Hintermann ist nicht an der WM? Habe ich was verpasst?
    7 3 Melden
    • Lutz Pfannenstiel 13.02.2017 09:26
      Highlight Meine Frage hat sich erledigt. Hintermann wurde nicht nominiert fürs heutige Rennen.
      6 0 Melden

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