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FILE PHOTO - Formula One Chief Executive Bernie Ecclestone closes his eyes as he arrives back in the courtroom after an ajournment, at the regional court in Munich August 5, 2014. REUTERS/Michael Dalder/File photo  FOR EDITORIAL USE ONLY. NO RESALES. NO ARCHIVES     TPX IMAGES OF THE DAY

Augen zu und durch: Ecclestone bei einem Gerichtstermin in München 2014. Bild: © Michael Dalder / Reuters/REUTERS

Mit Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone ist der letzte grosse Sport-Boss weg

Mit der Entmachtung von Bernie Ecclestone geht im internationalen Sport die Epoche der grossen Bosse zu Ende. Es war eine aufregende Zeit. Geprägt von ein paar Männern mit Macht, Milliarden und mit dem Schwefelgeruch des Bösen als Aftershave.

24.01.17, 10:35 24.01.17, 15:58


Drei Männer haben im internationalen Sport am grossen Rad gedreht wie nie jemand vor ihnen – und wie nie mehr jemand nach ihnen. IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch (im Amt von 1980 bis 2001), FIFA-Chef Joao Havelange (1974 bis 1998) und Formel-1-Titan Bernie Ecclestone (1970 bis 2007).

Alle drei hatten das Glück, die richtigen Männer zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Alle drei übernahmen notorisch defizitäre globale Sportorganisationen und verwandelten sie in weltweit operierende Milliarden-Unternehmen. Alle drei wurden für die beispiellos erfolgreiche Kommerzialisierung heftig kritisiert. Alle drei brachten den Schwefelgeruch der Korruption und des Bösen nicht aus den feinen Massanzügen.

Joseph Blatter, FIFA General Secretary, Juan Antonio Samaranch, IOC President Joao Havelange, FIFA President, from left to right, pictured on December 1, 1992, at the FIFA headquarters in Zurich, Switzerland. (KEYSTONE/Str)

Joseph

Mächtige Männer: FIFA-Generalsekretär Blatter 1992 mit IOC-Präsident Samaranch und FIFA-Präsident Havelange. Bild: KEYSTONE

Ohne Bestechung keine Show

Die FIFA, das IOC und die Formel 1 verdanken die globale Ausstrahlung und die Milliardengewinne diesen drei Männern. Oder um es in den Worten des britischen Kriegers, Dichters und Politikers Winston Churchill zu sagen: «Nie verdankten so viele so wenigen so viel.» Und mit ein wenig Zynismus können wir feststellen: Macht und Reichtum schaden der Gesundheit nicht. Juan-Antonio Samaranch wurde 90 Jahre alt, Joao Havelange gar 100 Jahre und Bernie Ecclestone ist 86.

Zwischen 1970 und 1990 verliert der Sport seine kommerzielle Unschuld und seine Romantik. Es sind die 20 Jahre des wilden, ungezügelten Sportkapitalismus, durchaus vergleichbar mit dem Frühkapitalismus in den USA oder der Zeit der anfänglich ungezügelten Privatisierung nach dem Zusammenbruch des Kommunismus. Nie vorher und nie seither hatten Einzelne so viel Gestaltungskraft wie in dieser Zeit. Um es salopp zu sagen: Ohne Bestechung auf verschiedensten Ebenen (also ohne Korruption) wäre es nicht möglich gewesen, die Formel 1, das IOC und die FIFA zu Milliardenkonzernen auszubauen.

Nur weil Funktionäre unanständig viel Geld verdienen konnten, überliessen sie einem Einzelnen so viel Macht, dass er ihre Welt zu verändern vermochte. Geben und nehmen. Bestechen und bestochen werden. Schon der grosse Cicero, Politiker, Anwalt, Schriftsteller und Philosoph, der klügste Mann des alten Rom, sagte: «Zu Reichtum und Macht führen viele Wege, und die meisten von ihnen sind schmutzig.»

Drei Vorreiter für alle anderen Sportarten

Früher als ihre Zeitgenossen erkennen Juan Antonio Samaranch, Joao Havelange und Bernie Ecclestone in der heraufziehenden Globalisierung der TV-Welt, die attraktive Programme braucht, die schier unbegrenzten kommerziellen Chancen des Sportes in einer Gesellschaft, die wie nie mehr seit den Römern nach Brot und Spielen giert. Um diese Chance zu nutzen, müssen die drei ihren Sport auf eine Linie bringen, für eine einheitliche Präsenz auf dem TV-Markt sorgen und alle Entscheidungsgewalt auf sich vereinigen. Nur so ist es möglich, die grossen TV-Deals auszuhandeln und die weltweite TV-Präsenz zu kapitalisieren.

Als Juan Antonio Samaranch sein Amt antritt, sind die Olympischen Spiele das grösste Minusgeschäft der Sportgeschichte und das IOC ist froh, wenn es seine Rechnungen bezahlen kann. Die Stars dürfen kein Geld verdienen (Werbeverbot). Als der Spanier sein Amt nach 21 Jahren abgibt, sind die Spiele ein weltweites TV-Ereignis, das dem IOC Milliarden in die Kassen spült und die olympischen Helden zu Multimillionären macht.

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Die FIFA ist beim Amtsantritt von Joao Havelange eine Sportorganisation, die von der Hand in den Mund lebt, ihre Angestellten und Funktionäre nicht besser löhnt als die Stadt Zürich ihre Beamten. Als er nach 24 Jahren sein Amt Sepp Blatter überlässt, ist die FIFA ein globaler Milliardenkonzern und der neue Präsident wird mehr als eine Million Franken im Jahr kassieren.

Als sich der ehemalige Rennfahrer und Rennstallbesitzer Bernie Ecclestone in den 70er-Jahren auf die Führung der Formel 1 konzentriert, ist diese Rennserie ein Abenteuerspielplatz für Männer und fast jeder zahlt drauf. Heute ist die Formel 1 längst ein Milliardenbusiness geworden.

Formula One - F1 - Abu Dhabi Grand Prix - Yas Marina Circuit, Abu Dhabi, United Arab Emirates - 27/11/2016 - Formula One supremo Bernie Ecclestone and Sheikh Mohammed bin Rashid al-Maktoum, Prime Minister and Vice-President of the United Arab Emirates and ruler of Dubai, walk on the starting grid before the start of the race. REUTERS/Hamad I Mohammed

Um Ecclestone drehte sich jahrzehntelang die Welt der Formel 1, eine Welt der Reichen und Superreichen. Bild: HAMAD I MOHAMMED/REUTERS

Erst im Windschatten der FIFA, des IOC und der Formel 1 entwickeln sich auch andere Sportverbände, entwickelt sich der Sport überhaupt zu einem weltumspannenden Milliardengeschäft.

Die Zeiten haben sich geändert

Juan Antonio Samaranch, Joao Havelanche und Bernie Ecclestone werden keine Nachfolger haben. Jene, die ihre Posten übernommen haben, sind nur noch Zauberlehrlinge, die geerbte Macht und Pfründe mehr oder weniger geschickt verwalten und, wenn sie nicht realisieren, dass sich die Zeiten geändert haben (und wir uns in den Zeiten zu ändern haben) zu tragischen Helden werden. Wie wohl am dramatischsten der ehemalige FIFA-Vorsitzende Sepp Blatter.

Mit Bernie Ecclestone ist der letzte der grossen, charismatischen Bosse abgetreten. Die Zeit der grossen Bosse und Macher, der charismatischen, autokratisch regierenden Führungspersönlichkeiten ist im internationalen Sportbusiness abgelaufen. Ihre Gestaltungskraft ist stark eingeengt und die grossen Sportverbände (und ihre Funktionäre) geniessen keine juristische Narrenfreiheit mehr.

Ecclestones Nachfolge

Nach der Trennung von Bernie Ecclestone als Geschäftsführer der Formel 1 übernehmen der frühere Mercedes-Teamchef Ross Brawn und der Vertriebsexperte Sean Bratches Schlüsselrollen. Brawn wird in einem neu geschaffenen Direktorenposten für den Bereich Motorsport verantwortlich sein, Bratches verantwortet ein Ressort für kommerzielle Belange. Dies teilte der neue Formel-1-Geschäftsführer Chase Carey mit. (sda)

The Show Must Go On

Aber das System, das sie geschaffen haben, bleibt im Kern weitgehend erhalten. Die erfolgreichen Mächtigen von heute sind kluge Apparatschiks mit juristischer Bildung. Schlaue Netzwerker in Massanzügen, geübt in der Kunst der Hinterzimmer-Politik. Darauf bedacht, in der Öffentlichkeit nicht zu viel Aufsehen zu erregen, Reformen so zu gestalten, dass ihre Pfründe erhalten bleiben, aber in der Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, nun seien Recht und Ordnung eingekehrt und es gehe nicht mehr so zu und her wie früher.

Fürs grosse internationale Sportgeschäft gilt am Ende des Tages noch immer die Hymne der Rockband Queen aus dem Jahre 1991: «The Show Must Go On».

Einer ihrer grössten Hits: Queen mit «The Show Must Go On». Video: YouTube/Queen Official

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Kaspar Stupan 25.01.2017 08:46
    Highlight Herr Zaugg, wieso schreiben sie nicht lieber über Eishockey, ich verstehe zwar nichts vom Pucksport aber sie verstehen die Sportwelt nicht. Der weltweite Sport war noch nie so abhänig von Leuten mit viel Geld und noch nie war die Narrenfreiheit so gross wie heute.Welcher Club von Weltformat ist nicht in Privatbesitz, ganz wenige! Gerade die F1 ist ein Spielplatz von reichen, gelangweilten Eltern die ihrem Söhnchen einen Platz "kaufen" damit er sich nicht langweilt.
    1 3 Melden
    • Wehrli 25.01.2017 10:30
      Highlight Waschmaschine? Schon mal gehört? Leute mit viel viel Geld brauchen Waschmaschinen. Geld das aus dem Sport kommt muss ja sauber sein, und was reingeht, who knows ....
      2 0 Melden
    • Bruno Wüthrich 25.01.2017 21:41
      Highlight @ Herr Stupan. Sie haben völlig recht. Aber Sie vergessen, dass es einen Unterschied macht, ob jemand einen Klub besitzt, oder gleich die ganze Liga. Oder ob einer einen Rennstall besitzt oder gleich die ganze Rennserie (gut, ganz wird die F1 ja Ecclesone nicht gehört haben, und es ist davon auszugehen, dass er zuweilen auf die Bosse der grossen Rennställe auch etwas hören musste).

      Die wirklich grossen Männer im Sportmanagement sind nicht diejenigen, die Klubs besitzen. Eigentlich sind dies nur «kleine Fische» (ausser natürlich im Umfeld ihres Klubs, und dies kann durchaus sehr gross sein).
      0 0 Melden
    • Kaspar Stupan 26.01.2017 16:40
      Highlight @Bruno. Leider falsch, Ecclestone hatte nur einen kleinen Anteil an der F1, was er aber hatte waren die Vermarktungsrechte und die hat er jetzt auch verkauft, für sehr viel Geld.Die neuen Besitzer ist ja eine US Firma und die werden die F1 so umbauen das es mehr spektakel gibt, mehr Unfälle und man wird die Rennen (zum Glück) nur noch im PayTV sehen und Online im Stream wenn man(n) zahlt. Nach der Vorbild der NFL, NBA, NHL, Boxen, MMA usw und die Rennen werden nach und nach aus Europa verschwinden und es wird dort gefahren wo der Markt ist, China, allg.Asien, N.Osten und Amerika
      0 0 Melden
  • mafussen 24.01.2017 17:53
    Highlight CC ist doch noch da, oder hab ich was verpasst? 😉
    10 0 Melden
  • MSAgeha 24.01.2017 12:28
    Highlight Hallo Herr Zaugg und Watson!
    Danke für den interessanten Artikel zu den drei Paten des kommerzialisierten Sports. Könntet ihr bitte noch einen Artikel mit ein bisschen Gossip und den Hintergründen für Ecclestones Abgang nachliefern? Die derzeitigen Manöver an der Spitze der F1 wurden medial noch nicht gross behandelt.
    Liebe Grüsse
    Mirjam
    17 1 Melden

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Nach einem spektakulären Auftakt zur Saison der Swiss League wollen wir nicht gleich polemisieren. Aber Oltens Heimniederlage gegen den Lokalrivalen Langenthal (3:4) provoziert halt doch eine polemische Frage.

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