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Vladimir Petkovic hat die Nati zu einer erfolgreichen Mannschaft geformt. Bild: EPA/KEYSTONE

Die Nati ist plötzlich eine Erfolgsmaschine – aber die Reifeprüfung folgt erst

Vladimir Petkovic hat sich bei der Schweizer Nationalmannschaft als Erfolgstrainer bewiesen. Doch der nächste grosse Test folgt bald.

31.08.17, 08:03 31.08.17, 10:44

etienne wuillemin / Aargauer Zeitung



Der Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic verlängert seinen Vertrag mit dem Fussballverband vorzeitig um zwei Jahre. Doch was löst das aus? Kein Jubel. Kein Ärger. Keine Tränen. Nur ein kurzes anerkennendes Zucken, da und dort sogar Schulterzucken – aber das war’s dann auch schon. Selten hat eine Vertragsverlängerung eines Fussball-Nationaltrainers der Schweiz derart wenige Debatten ausgelöst. Das ist doch erstaunlich.

Verbandschef Peter Gilliéron verlängerte unlängst mit seinem Nationaltrainer. Bild: KEYSTONE

Was lernen wir daraus? Zunächst einmal ist Petkovic so richtig angekommen in diesem Amt. Er brauchte einige Zeit dafür, zugegeben. Er musste sich durchringen, sich zu öffnen. Er musste lernen, zu akzeptieren, dass für gewöhnlich jede Regung des Nationaltrainers ausführlich öffentlich verhandelt wird. Und er musste merken, dass die Ansprüche ans Schweizer Team über die Jahre rasant gewachsen sind.

Wenn sich die Schweiz als Gruppenzweiter für eine EM qualifiziert, löst das nicht automatisch ein Halleluja aus. Dann heisst es: Pflicht erfüllt, aber bitte verbessern!

Der Wandel von der dritten Wahl zum Erfolgstrainer

Petkovics Start als Nationaltrainer war problembeladen. Das lag nicht primär an ihm. Sondern am Schatten des vielerorts hoch geschätzten Vorgängers Ottmar Hitzfeld. Das unglückliche, heroische 0:1 im WM-Achtelfinal gegen Argentinien verstärkte diese Gefühle eher noch.

Ottmar Hitzfeld warf einen riesigen Schatten. Bild: KEYSTONE

Kommt hinzu, dass Petkovic nie Wunschkandidat des Verbands war. Erst versuchte dieser alles, um Hitzfeld von einer weiteren Amtszeit zu überzeugen. Dann wurde Marcel Koller der rote Teppich ausgelegt. Nach dessen Absage musste man diesen Schlamassel ausbaden. Klar, dass unter diesen Voraussetzungen der neue Trainer wie eine Notlösung wirkt.

Petkovic musste sich die Anerkennung verdienen. Wie so häufig in seinem Leben. Er hat auch schon durchblicken lassen, dass er immer ein bisschen mehr leisten müsse als andere für dieselbe Anerkennung.

Die grosse Frage bei ihm war, wie er sich unter Druck in grossen Spielen schlagen würde. Einen ersten Beweis hat er an der EM geliefert. Die Schweiz überzeugte, auch wenn es knapp nicht zum Exploit (Viertelfinal) gereicht hat. Petkovic hat eine Mannschaft geformt, die mit ihrem Fussball Freude bereitet hat. Und diesen Schwung aus Frankreich gleich in die WM-Qualifikation mitgenommen hat. Wobei der Sieg über Europameister Portugal ein eindrückliches Zeichen war.

Der Sieg gegen Portugal war ein eindrückliches Zeichen. Bild: EPA/KEYSTONE

Mittlerweile ist aus der Schweiz fast schon eine Erfolgsmaschine geworden. Sieben Siege in Serie, das ist Rekord. Platz vier in der Weltrangliste ist so gut wie ewig nicht mehr. Man darf Petkovic als Erfolgstrainer bezeichnen. Dafür gibt es weitere Belege. In 30 Spielen hat er einen Punkteschnitt von 1,93 erreicht. Das ist besser als Hitzfeld (1,77) und Köbi Kuhn (1,56).

Dazu prägt Petkovic Spiele immer wieder mit geschickten Einwechslungen. Beispiele dafür sind das 2:1 in Litauen (Juni 2015), das 3:2 gegen Slowenien (September 2015), das 3:2 in Ungarn (Oktober 2016) und das 1:0 gegen Lettland (März 2017).

Der Rekord ist schön – aber die Reifeprüfung folgt erst

Die Stimmung rund um das Team ist hervorragend, die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Und trotzdem schlummert ein Gefühl, dass die eigentliche Reifeprüfung erst bevorsteht. Sieben Siege en suite sind natürlich toll. Aber die Gegner hiessen beispielsweise auch Färöer Inseln, Andorra, Lettland oder Weissrussland. Gegner, die grosse Nationen in der Regel eher 6:0 abfertigen als nur 1:0 oder 2:0 besiegen.

Vor dem Spiel gegen Andorra: Hier kommen die Nati-Stars in Feusisberg an

Alles deutet darauf hin, dass es im Oktober zum grossen Showdown zwischen Portugal und der Schweiz kommt. Zu befürchten ist, dass bei einer Niederlage für die Schweiz die Barrage droht. Und damit die WM-Teilnahme plötzlich zur Zitterpartie verkommt. Es wird spannend zu beobachten, wie Petkovic sein Team rund um diesen Final in Lissabon modelliert. Er wird gefordert sein wie noch nie als Nationaltrainer. Und muss den nächsten Beweis liefern, der richtige Mann für diese Nationalmannschaft zu sein.

Vorerst stehen indes die nächsten Pflicht-Aufgaben an. Alles andere als ungefährdete Siege gegen Andorra heute und Lettland am Sonntag wäre ungenügend. Und dann wäre es auch schnell vorbei mit der Ruhe.

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Charly Otherman, 5.5.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Amboss 31.08.2017 09:56
    Highlight So treffend diese Analyse auch ist, etwas begreife ich nicht: wie man von "Hitzfelds grossem Schatten" sprechen kann.
    Mir gefiel die nati unter hitzfeld gar nicht. Zäher langweiliger Betonfussball. Kein Teamgeist, keine Freude, nix.
    Die Resultate haben einigermaßen gepasst, auch wenn hitzfeld als einziger in den letzten Jahren die Quali verpasst hat.

    mit Petkovic hat das sehr schnell geändert, ich finde er holt sehr viel aus dem Team raus. Und man muss realistisch sein: nein, wir sind ganz einfach keine Topnation, man muss nur mal schauen, bei welchen Vereinen unser Jungs spielen
    54 1 Melden
    • c_meier 31.08.2017 10:59
      Highlight Mit dem "grossen Schatten" von Hitzfeld ist wohl seine sehr erfolgreiche Zeit als Klubtrainer gemeint (Deutscher Meister, Champions-League usw), wobei Petkovic weniger Titel vorzuweisen hat.
      Mir gefällt die aktuelle Nati auch besser nur beim reklamieren /ausrufen/Rudelbildung gibt es doch noch etwas zu verbessern...
      Wie sagte Herr Sutter vor einigen Jahren: Das Potenzial ist noch nicht als Qualität sichtbar :)
      15 0 Melden
    • Nosgar 31.08.2017 11:25
      Highlight Hitzfeld hat einzig von seinen vergangenen Erfolgen und seinem Namen gelebt -und der Zusammenarbeit mit dem Blick. Aus dem Team hat er nie das Maximum herausgeholt.
      12 2 Melden
    • Amboss 31.08.2017 22:31
      Highlight @jaing: in der Tat.
      Ich glaube auch, Hitzfeld hat einfach von seinem Namen gelebt. Einen unbekannten Trainer mit gleicher Bilanz hätte man wohl bald mal entlassen. Oder das Urteil hätte gelautet: "nix besonderes"
      2 0 Melden
  • rodolofo 31.08.2017 09:47
    Highlight Nehmt's einfach so, wie's kommt!
    Und bleibt weiterhin so frech, unbekümmert, unberechenbar und phantasievoll, wie in letzter Zeit!
    Das ist solides Schweizer Handwerk, kombiniert mit dem Afro-Balkan-Turbo!
    Ihr habt es geschafft, aus mir - einem lauwarmen Fussball-Kritiker und süffisant lächelnden Schnöder über dem Ball nachlaufenden Jungs - einen heissblütigen Fan der "Roten Teufel" zu machen!
    Wenn ihr dann noch die WM-Qualifikation schafft, dann ist das nur noch "das Tüpfelchen auf dem i", bzw. "die gesunde Gemüse-Beilage zum Fleisch"!
    Allez les Rouges!
    Oh Embolo, Embolo, Shakiri, Tschaka!
    30 5 Melden
    • labraduddel 31.08.2017 11:27
      Highlight Die roten teufel sind aber die belgier 😋
      19 1 Melden

Herr und Frau Mötzli, können wir uns nicht einfach mal freuen?!

Die Schweiz schlägt Serbien hochdramatisch 2:1. Schlagzeilen machen aber die Doppeladler beim Jubel von Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri. Die Gesten waren unüberlegt und unnötig. Aber auch verständlich für Spieler, bei denen sich so viel um Identität und Zugehörigkeit dreht.

Als sich Xherdan Shaqiri nach seinem 2:1 in der 90. Minute gegen Serbien dazu entschied, seine Hände zum Doppeladler zu formen, da wurde er innert Sekunden vom Helden zum Deppen. 

Zumindest für ganz viele Schweizer Fans. Die Freude über den Sieg wurde schnell gedämpft. Dürfen sich Schweizer da überhaupt noch freuen? Das war doch Hochverrat!

Zum Glück, so muss man fast sagen, haben Shaqiri und Xhaka mit dem Doppeladler für einen kleinen Skandal gesorgt. Sonst, man stelle sich vor, hätten …

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