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Alles andere als langweilig: Beim Spiel zwischen St. Gallen und Sion am Sonntagabend gab es fünf Tore. Bild: KEYSTONE

Es «räblet» wie nie! Darum ist die Super-League endlich spannend 

19.12.17, 05:31

Markus Brütsch

Wahrscheinlich hat Matthias Hüppi am Sonntagabend gesagt: «Es hät nomol so richtig chlöpft und tätscht.» Fünf Tore allein hat der neue Präsident des FC St. Gallen beim 3:2 gegen Sion gesehen. Aber auch in den anderen Partien hat es «gräblet», haben die Klubs eine Woche vor Heiligabend ein Feuerwerk gezündet: 5:1, 4:2, 2:1 und 2:0. Die Super League hat ihren Ruf bestätigt, eine der torreichsten in Europa zu sein. Wer den Fussball vor allem wegen der Tore und des anschliessenden Jubels liebt, ist in der Schweizer Fussball-Liga gut aufgehoben.

In dieser Saison sind es auch jene, welche Spannung mögen. In Deutschland (Bayern 11 Punkte Vorsprung), Frankreich (Paris, 9), Spanien (Barcelona, 6) und England (Manchester City, 11) sind Vorentscheidungen gefallen, in der Schweiz aber liefern sich die Young Boys und Serienmeister Basel ein heisses Duell, das im nächsten Jahr in einen Hitchcockfinal münden könnte. Zu einer Finalissima wie 2010 kommt es aber nicht, das vierte und letzte Duell findet am drittletzten Spieltag statt.

Acht Klubs balgen sich

Dahinter balgen sich mit zehn und mehr Punkten Abstand die übrigen acht Klubs um die Europacupplätze oder kämpfen gegen den Abstieg. Noch nie seit Einführung der Super League 2003 hat der Tabellenletzte an Weihnachten so viele Punkte (17) auf dem Konto gehabt wie in dieser Spielzeit. Dass dieser FC Sion heisst, ist angesichts der guten Einzelspieler eine Überraschung, wenn man sich aber anschaut, wie konzeptlos Christian Constantin den Verein führt, entbehrt die Klassierung nicht der Logik. Nun will der nach den Fusstritten gegen Teleclub-Experte Rolf Fringer weiterhin gesperrte Präsident seine Mannschaft mit einem Militärcamp auf Vordermann bringen. Zwar nicht in Guyana, aber auch Frankreich macht daraus nicht mehr als eine Schnapsidee. Die Walliser mit ihrem realitätsfremden spanischen Trainer Gabri werden im Frühjahr Mühe haben, den Klassenerhalt zu schaffen, wenn sie den Abstiegskampf nicht annehmen und meinen, mit Tiki-Taka-Fussball à la Barcelona könnten sie die Liga aufmischen.

Diesen Lernprozess hat Lausanne mit Fabio Celestini bereits hinter sich, andere Kandidaten wie Thun und Lugano wissen, was es heisst, gegen die Relegation zu fighten.

Ausser YB und Basel sind alle Vereine inkonstant. Sie sind wahre Wundertüten und können, wie Thun, gegen den Leader YB gewinnen, um eine Woche später gegen Lugano zu verlieren. Das hat zwar den Vorteil, dass praktisch in jedem Spiel alles möglich ist, der Zuschauer nie weiss, was ihn erwartet; ein Faktor, der zum Reiz des Fussballs gehört. Aber natürlich spricht dies nicht für die Stabilität und letztendlich auch nicht für die Qualität dieser Mannschaften. Dies hängt aber zumindest zum Teil mit den vielen jungen Spielern zusammen, die eingesetzt werden (müssen). Die Schweiz ist nach wie vor eine klassische Ausbildungsliga und wird dies auch immer bleiben. Dass sie gut ausbildet, ist unbestritten, dies zeigen die unzähligen Transfers von jungen Schweizern vor allem in die Bundesliga. Schon im Winter könnte mit dem Basler Abwehrtalent Manuel Akanji ein Nächster diesen Weg gehen.

Auslandtransfers sind Segen und Fluch für den Klub-Fussball

Wenn die 30 besten Schweizer im Ausland spielen, hat dies natürlich Folgen für das Super-League-Niveau. Bekäme jeder Verein nur schon drei dieser Legionäre zugeteilt, wäre sein Leistungspotenzial deutlich besser. Umso höher ist einzuschätzen, was der FC Basel auf europäischer Ebene seit vielen Jahren vollbringt. Wie er in dieser Champions-League-Gruppenphase mit vier Siegen für Furore gesorgt hat, ist phänomenal. Die anderen Europacup-Vertreter aber verdienen kein Lob. Vor allem von YB hätte erwartet werden dürfen, dass es sich in einer mässig starken Gruppe durchsetzt. Lugano war so so, la la, der FC Sion und der FC Luzern traten aber bedenklich schwach auf. Es ist unverständlich, wie schnell Klubs, die mit allen Mitteln den internationalen Wettbewerb ansteuern, die Lust an diesem verlieren, sobald sie ihn erreicht haben und sich nur noch über die angeblich so riesige Belastung beklagen.

Die Schweizer Super League hat viele Facetten, sie hat einen gewissen Charme und ist besser, als viele meinen, die vor dem TV nur internationalen Fussball konsumieren. Klar: Sie hat schon noch Luft nach oben. Dennoch dürfen wir uns schon jetzt auf die Rückrunde freuen.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Army Neilstrong 19.12.2017 11:58
    Highlight Im Moment ist die Liga noch ausgeglichen. Aber ich denke, dass Basel eine bessere Rückrunde spielen wird und die Meisterschaft erneut für sich entscheidet.
    Das Problem am ganzen sehe ich hier bei der UEFA. Basel kann nichts dafür, dass Sie europäisch gut abschneiden aber die UEFA sorgt dafür, dass die reichen noch reicher werden.
    4 6 Melden
  • durrrr 19.12.2017 10:15
    Highlight Was mich etwas nachdenklich stimmt ist die Tristesse auf den Rängen (ausser Basel), die verglichen mit anderen Ligen meist nur Regionalfussball-Charakter haben. Es fällt einem schwer sich ein Super League Spiel von A bis Z anzuschauen, wenn schlicht weg keine Stimmung im Stadion aufkommt und das Niveau meistens auch nur sehr bescheiden ist.
    9 17 Melden
    • Lord-Alain 19.12.2017 10:24
      Highlight Die Basler stimmung ist nicht wirklich besser als bei den anderen. Man merkt es vorallem wenn sie mal verlieren.
      10 5 Melden
    • Harald Günterth 19.12.2017 10:33
      Highlight @durr Du hast wenig Ahnung von internationalem Fussball. Überall wo ich im Ausland bin, gehe ich auch ins Stadion. Dieses Jaher Bher'sheva, Belgrad und Bukarest. Auch hier sind die Stadien nicht voll - im Gegenteil eher leer. Aber jeder der dort ist, ist mit Leib und Seele dabei. In Manchester (letztes Jahr) war es zwar ausverkauft, aber trostlos. Viele Touris und viele Geldsäcke, kaum richtige Fans und auch kaum Stimmung. Ähnlich wie in Basel. Man geht zum Fussball, weil alle das machen, nicht weil es wirklich interessiert und weil man gewinnt. Im Abstiegskampf würde man passen.
      11 4 Melden
    • durrrr 19.12.2017 12:26
      Highlight @ Harald So ein Fussballtouri scheinst du ja auch zu sein^^ so viel ich weiss ist die Stimmung bei den kleineren Premier League Vereinen, welche auch gegen den Abstieg spielen, immer fantastisch. (Als Experte solltest du ja auch wissen, dass es dort keine Stehplätze gibt.) Und wenn du das nächste Mal in Belgrad bist, geh doch mal Partizan vs Roter Stern schauen und sag dann nochmal, dass dort keine Stimmung ist. Es ist einfach lächerlich dass in den Städten Zürich und Bern die Stadien in der Regel zu 3/4 leer bleiben. Und dann noch das mitgereiste Grüppli von 10 Fans der Auswärtsmannschaft.
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    • Harald Günterth 19.12.2017 13:52
      Highlight Auch in Belgrad ist nicht jeden Tag Derby. Ich war bei Roter Stern gegen Irgendwas. Ich richte meine Reisen nicht nach dem Fussballkalender. Aber überall, wo ich bin versuche ich heimischen Fussball zu sehen. Und Stehplätze habe ich zwar nicht erwähnt, auch sonst ist deine Replik ziemlich wirr. Darum bestätige ich: Du hast wie immer recht und Recht.
      5 1 Melden
    • durrrr 19.12.2017 15:09
      Highlight Nach was du deine Reisen richtest und wo du überall Fussball schauen warst interessiert mich nicht. Mein ursprünglicher Kommentar befasste sich ausschliesslich mit der miesen Kulisse im SCHWEIZER Fussball und nichts anderes! Die israelische, serbische oder kongolesische Liga hat damit nichts zu tun!

      nur so von wegen "wirrer Replik"....
      1 6 Melden
  • Domitian 19.12.2017 09:58
    Highlight Bin mit dieser Analyse sehr zufrieden. Jedenfalls bis auf Lugano. Dieser Klub hat das Maximum in der Europa League rausgeholt, ein eigentlicher Challenge League Verein holt 9 Punkte, und das in dieser Gruppe! In einer anderen Konstellation, z.B. die YB Gruppe, wäre Lugano möglicherweise weitergekommen.
    32 2 Melden
  • Guy Inkognito 19.12.2017 09:22
    Highlight Steffen bringt wenigstens Zunder rein. Bei den anderen Clubs fehlt es an Reizfiguren wie Cabanas, Fischer, Cantaluppi usw.
    15 17 Melden
    • René Obi (1) 20.12.2017 09:25
      Highlight Dass Steffen jedesmal mit seinen Provokationen und Tätlichkeiten durch kommt ist extrem störend.
      4 2 Melden
  • DerTaran 19.12.2017 06:20
    Highlight Die Super League ist besser als ihr Ruf, ein Drama ist es, dass die Clubs - ausser Basel - international nichts erreichen (wollen). Bei einer so kleinen Liga ist man zu einfach qualifiziert, ein mittelmässiger Tabellenplatz reicht. Da man die Teilname schon fast geschenkt bekommt, ist keine Motivation da, mann spielt ja mit sicherheit nächstes Jahr wieder Europäisch. Fatal!
    22 30 Melden
    • René Obi (1) 19.12.2017 09:00
      Highlight Lugano dieses Jahr mit 3 Siegen in 6 Spielen. Und dann noch ein oder zwei mal etwas Pech. Letzte Saison Zürich als B-Mannschaft am letzten Spieltag noch mit der Chance zur Qualifikation für die nächste Runde. Ganz nichts ist das dann auch nicht.
      24 5 Melden
    • DerTaran 19.12.2017 09:06
      Highlight Genau, Lugano qualifiziert sich nicht jedes Jahr und für Zürich war es letzte Saison die einzige Herausforderung. Du unterstreichst meine Aussage. Bern hätte weiterkommen müssen, sie wollten sich aber auf die Meisterschaft konzentrieren. Jetzt verpassen sie beides.
      15 13 Melden
    • satyros 19.12.2017 09:17
      Highlight YB hat dieses Jahr europäisch eine schlechte Phase eingezogen, dabei aber immerhin noch mehr Punkte geholt als Basel letztes Jahr. In den Jahren zuvor hat YB regelmässig international überzeugt und hat mehrmals europäisch überwintert. Ich würde den diesjährigen Auftritt nicht überbewerten.
      21 18 Melden

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