Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Bald soll die Entscheidung fallen, ob «Robbéry» bei Bayern noch ein Jahr anhängen dürfen. Bild: Bongarts

Das andere Bayern-Dilemma – dürfen Ribéry und Robben noch ein Jahr bleiben?

Dürfen Arjen Robben und Franck Ribéry noch ein weiteres Jahr in München spielen? Die Entscheidung fällt Mitte April – eine Tendenz gibt es bereits vor dem Viertelfinal-Hinspiel gegen Sevilla.

03.04.18, 16:09

Florian kinast / spiegel online

Ein Artikel von

Am Ostermontag wurde Karl-Heinz Rummenigge konkret. Eine Stunde vor Abflug zum heutigen Viertelfinal-Hinspiel in Sevilla (20.45 Uhr) stand der Boss von Bayern München am Münchner Flughafen, als er für die kommenden Wochen wichtige Entscheidungen ankündigte: Bis Ende April soll ein Nachfolger für Trainer Jupp Heynckes feststehen. Es ist das erste Bayern-Dilemma.

Bereits davor soll Klarheit herrschen, ob Arjen Robben und Franck Ribéry noch ein weiteres Jahr in München spielen dürfen oder nicht. Auf die Frage nach dem Zeitpunkt sagte Rummenigge: «Mitte April».

Es wäre das baldige Ende einer monatelangen Hängepartie – nicht aber das Ende des zweiten Bayern-Dilemmas. Denn die beiden 34-jährigen Altstars stehen exemplarisch dafür, dass sich die Bayern im Moment auf mehreren Ebenen schwertun, nötige Umbrüche einzuleiten.

Die Bayern auf Triple-Kurs?

So hat sich die Bayern-Stammelf seit 2013 verändert – neun Spieler im aktuellen Kader waren auch schon beim CL-Triumph gegen Dortmund dabei. bild: dfl

Rummenigge wurde gestern nicht müde, die beiden Flügelspieler für ihre grossen Verdienste zu preisen. «Wir wissen, dass beide tolle Spieler sind, mit denen wir grosse Erfolge feiern konnten», sagte er und schob nach: «Die beiden geniessen einen hohen Stellenwert.» Und in der Tat: Ribéry wie Robben zeigen für ihr Alter noch immer ordentliche Leistungen, manchmal gar brillante. An guten Tagen können sie gar ein Spiel allein entscheiden. Aber: Die guten Tage werden seltener.

Bei Robben war das am Samstag zu sehen, bei der 6:0-Gala gegen Borussia Dortmund war er einer der Unauffälligeren. Bei Spielzügen über die rechte Seite blieb er oft in der sonst desolaten BVB-Abwehr hängen, sein einst bei den Verteidigern gefürchteter und als «Robben-Move» titulierter Trick – rechts anzutäuschen, nach innen zu ziehen und dann ins lange Eck zu schlenzen – klappt schon lange nicht mehr so gut. Und auch Ribéry ist durchschaubarer geworden, selbst wenn er gegen Dortmund mit einem Tor und einer Vorlage mal wieder einen seiner besseren Abende erwischte.

Robbens einstiger Weg zum Tor. bild: twitter

Ein Beispiel gefällig?

CL-Achtelfinal 2016 gegen Juve: Der «Cut Inside Man» in Aktion. Video: streamable

«Robbéry» – angehende Auslaufmodelle

Dem FC Bayern mangelt es derzeit an adäquaten Alternativen. Auf Ribérys linker Seite zeigte Kingsley Coman seit der Übernahme von Jupp Heynckes zwar einen deutlichen Aufwärtstrend – doch dann erlitt er beim 0:0 gegen Hertha BSC Ende Februar einen Syndesmoseriss samt folgender Köcheloperation, weshalb er mindestens bis Ende April ausfällt. Auf rechts hingegen hat der deutsche Rekordmeister gar keinen wirklichen Ersatz. Höchstens Thomas Müller, der hier mitunter aushilft, sich aber in der zentralen Position hinter Robert Lewandowski wesentlich wohler fühlt.

Es gibt aber auch Argumente gegen eine weitere Verlängerung. Steigende Anfälligkeit für Verletzungen und eine längere Regeneration, vor allem aber die Tatsache, dass beide immer wieder Unruhe in die eigene Mannschaft bringen. Robben schätzt sich als unersetzbar ein und stänkert regelmässig, wenn er auf der Bank sitzen muss. Das war zuletzt im Champions-League-Heimspiel gegen Besiktas Istanbul der Fall. Dann sagt Robben gerne: «Jedes Wort wäre nun eines zu viel.»

Kingsley Coman ist die eine Alternative, doch wo bleibt die zweite? Bild: AP/AP

Oder der oft aufbrausende Franck Ribéry, der sich auf dem Platz wiederholt zu Rüpeleien am Rande der Tätlichkeit hinreissen lässt, wie zuletzt am Samstag gegen Dortmunds Julian Weigl. Woraufhin ihn Trainer Heynckes erst vom Platz nahm und dann ins Gebet, als er ernst auf ihn einredete.

Ob es dem neuen Trainer gelingt, die beiden in einem weiteren und vermutlich letzten Jahr in München auf ihre alten Tage noch zu disziplinieren, darf bezweifelt werden.

Immerhin durfte man die Worte von Heynckes am gestern Abend in Sevilla so deuten, dass die Zeichen auf Verlängerung stehen, auch wenn er sich selbst nicht in die Personalplanung einmischen möchte: «Ich habe meine Meinung, letztendlich muss der Klub wissen, was er tun will. Aber es gibt eine gewisse Tendenz.»

Bald der letzte Tanz: Die Zeit von «Robbéry» läuft langsam ab. Bild: EPA/EPA

Es wird höchste Zeit

Zudem hat Ribéry bekanntermassen in Uli Hoeness einen grossen Freund und Fürsprecher. Der 66-jährige Bayern-Präsident, der sich wie Karl-Heinz Rummenigge (62 Jahre) selbst die Frage nach einem in absehbarer Zeit erforderlichen Umbruch auch in der Vorstandsetage stellen muss, erzählte einmal eine schöne Episode über regelmässige Telefonate mit dem Franzosen. «Jedes Mal, wenn der Ribéry nach 70 Minuten raus muss, ruft er mich am Abend an und sagt: ‹Jetzt habe ich genug, ich gehe!›»

Natürlich ging Ribéry nie. Am kommenden Samstag könnte er mit einem Sieg in Augsburg zum achten Mal deutscher Meister werden und mit grossen Namen gleichziehen, mit Lahm und Schweinsteiger, Kahn und Scholl. Es wäre ein schönes Geburtstagsgeschenk: Am Samstag wird Ribéry 35. 2019 könnte er dann mit neun Meistertiteln alleiniger Rekordhalter mit den meisten Meisterschaftsgewinnen der Bundesliga-Historie werden. Ob es so kommt?

Ribéry feiert bald den achten deutschen Meistertitel, für Robben wird es der siebte sein. Bild: EPA/DPA

Im Mai 2017 sagte Hoeness zur Nachfolge von Ribéry und Robben einen weitsichtigen Satz: «Es muss jetzt gelingen, im Schatten dieser Spieler Junge heranwachsen zu lassen, die rechtzeitig die Chance kriegen und an dem Tag da sind, wenn die anderen aufhören.» Knapp ein Jahr später ist das nicht gelungen. Nun wird es höchste Zeit.

So wird die Allianz Arena nach dem 1860-Auszug aussehen

Unvergessene Bundesliga-Geschichten

31.08.1993: Jay-Jay Okocha demütigt Oliver Kahn und drei KSC-Verteidiger mit einem Wahnsinnstanz in 11 Sekunden für die Ewigkeit

29.03.1970: «Decken, decken, nicht Tischdecken, Mann decken» – so kommentiert der Moderator des «Aktuellen Sportstudio» einen Beitrag über Frauenfussball 

10.03.1998: Trap hat fertig – diese dreieinhalb Minuten Kauderwelsch bleiben für die Ewigkeit

06.04.2002: Bundesliga-Goalie Piplica fällt der Ball von einem Kirchturm auf den Kopf und von dort fliegt er ins Tor

04.04.2009: Nie wurden die Bayern schöner gedemütigt als durch die Hacke von Grafite

13.04.1995: Andy Möller kreiert mit der Schutzschwalbe eine neue Tierart

18.08.1995: St.Paulis Tier im Tor «geht einer ab», wenn er in der 1. Liga Bälle halten kann

09.05.1998: Die grösste Bundesliga-Sensation ist perfekt: Aufsteiger Kaiserslautern darf die Meisterschale in die Höhe stemmen

Kultfigur Walter Frosch spielt mit einem Zigarettenpäckchen im Stutzen

17.04.2004: Goalie Butt jubelt nach seinem verwandelten Penalty noch, als es in seinem Kasten klingelt

10.12.1995: Ciri Sforza sieht im TV, wie er ohne sein Wissen transferiert wird und wie seine Mitspieler bitterböse über ihn schimpfen

08.11.1975: Weil er betrunken ist und sich so gut fühlt, pfeift Schiedsrichter Ahlenfelder schon nach 32 Minuten zur Halbzeit 

16.05.1992: Eintracht Frankfurt verspielt den Meistertitel im letzten Moment, doch «Stepi» bleibt cool: «Lebbe geht weider»

03.04.1999: Titan Kahn tickt komplett aus – erst knabbert er Herrlich an, dann fliegt er in Kung-Fu-Manier auf Chapuisat zu

19.5.2001: Vier Minuten feiert Schalke den Titel, dann trifft Andersson in Hamburg mitten ins königsblaue Herz

20.10.2000: Christoph Daums freiwillige Haarprobe ergibt, dass er doch kein absolut reines Gewissen haben darf

04.05.2002: Der Beweis dafür, dass Leverkusen keinen Titel holen kann – und es kam noch viel schlimmer

07.05.1991: «Mach et, Otze!» Kölns Ordenewitz will sich in den Pokalfinal tricksen – aber der DFB findet den Ordene-Witz nicht komisch

02.04.1974: Ob den Dortmundern bei der Einweihung schon bewusst ist, dass sie einmal das geilste Fussballstadion der Welt haben werden?

23.09.1994: Mario Basler kommt auf die absurde Idee, eine Ecke direkt zu verwandeln und hat damit auch noch Erfolg

19.11.1994: Nach einer kuriosen Rote Karte und dem Last-Second-Ausgleich des KSC flippt Lothar Matthäus im Interview komplett aus

23.04.1994: Helmers Phantomtor, der berühmteste Nichttreffer der Bundesliga

03.01.2006: Der Bergdoktor ist da – Hanspeter Latour soll den 1. FC Köln vor dem Abstieg retten

20.05.2000: «Ihr werdet nie deutscher Meister» – Ballacks Eigentor in Unterhaching macht Bayer endgültig zu «Vizekusen»

18.09.1999: Kuffour knockt Kahn aus und als Ersatzkeeper Dreher sich das Knie verdreht, werden «Tanne» Tarnat und der Kahn-Killer zu den grossen Matchwinnern

19.08.1989: Klaus «Auge» Augenthalers Weitschusstreffer wird Tor des Jahrzehnts

Wolfgang Wolf wird Trainer der Wölfe in Wolfsburg – hihihi!

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
7
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • nJuice 04.04.2018 06:20
    Highlight Bin selber Bayernfan und habe grossen Respekt vor dem Erreichten von RibRob. Dennoch sind die ganz grossen Zeiten dieser zwei nun schon ein Weilchen her, mittlerweile würde ich sie als 50%-Fussballer bezeichnen (Robben fällt verletzungsbedingt 50% aus, Ribérys Fitness lässt 90min kaum mehr zu).
    Bayern hat es schlicht verpasst, hinter den zweien gute Spieler zu positionieren (Coman hat Potential). In der Mitte ist man sehr gut aufgestellt, von hinten bis vorne. Nur braucht man heutzutage (CL) eben sehr gute Flügelspieler, die 1vs1 bestehen können und so Verteidigungen auseinanderziehen.
    1 0 Melden
  • thelegend27 03.04.2018 18:25
    Highlight Mit einem der beiden verlängern, dann zwischen coman, gnabry (momentan ausgeliehen) und rib oder rob rotieren.

    Die beiden sind einfach zu häufig verletzt, 3-4 Spiele und dann sind sie wieder kaputt...
    5 6 Melden
  • Amboss 03.04.2018 17:09
    Highlight Aus meiner Sicht müssen sich die Bayern eine einfache Frage stellen: Wollen wir die Champions League gewinnen.
    Wenn die Antwort "nein" lautet, dann können sie weitermachen wie zuletzt. Immer wieder gute BL-Spieler wie Süle oder Wagner holen, ein bisschen Konkurrenz schwächen und schon hat man die nächsten fünf, sechs Jahre den BL-Titel auf sicher. Zu schwach ist die Konkurrenz. Aber international reicht das nicht für viel.

    Falls es aber "ja" sein soll, dann müssen sie dringend Spieler holen, die das auch können, keine Wagners, und mal 200 Mio oder so in die Hand nehmen...
    33 35 Melden
    • Mia_san_mia 03.04.2018 18:16
      Highlight @Amboss: Keine Ahnung wieso Du so viele Blitze bekommst. So ist es nämlich...
      16 17 Melden
    • Raembe 03.04.2018 18:36
      Highlight Bayern funktioniert nicht wie Man City, Barca oder PSG und das ist gut so.

      Vergleicht mal die Schulden und den Gewinn...
      32 8 Melden
    • Amboss 03.04.2018 21:06
      Highlight @reambe: Klar, bezüglich Schulden, Gewinn und Finanzierung stehen die Bayern schon ziemlich gut da. Die Macht im Verein, ziemlich sauber finanziert (so sauberes halt ist, wenn man sich von Katar sponsern lässt).

      Und ich begrüsse dies ja auch. Nur darf man nicht erwarten, dass man mit so einem Modell im heutigen Fussball noch internationale Titel gewinnen kann.
      Ich glaube, dies haben viele noch nicht kapiert
      2 8 Melden
    • Raembe 04.04.2018 09:22
      Highlight Naja Real hat sein Team die letzten Jahre nicht gross verändert und gewinnt die CL zweimal hintereinander.
      3 2 Melden

Ich studiere am Undenkbaren herum: Braucht der Fussball auch Playoffs?

Nie hätte ich einen Gedanken an diese absurde Möglichkeit verschwendet. Aber beim langweiligen Bayern-Kantersieg gegen Dortmund durchfährt mich ein Geistesblitz: Was, wenn es im Fussball auch Playoffs gäbe?

Ich wollte nie Playoffs im Fussball. Meister soll das Team werden, das ein ganzes Jahr lang das beste ist. Und nicht bloss während weniger Wochen im Frühling.

Aber was, wenn so viele Ligen keine spannende Schlussphase mehr kennen? Wenn die Meister schon mit dem Blühen der Osterglocken bekannt sind? Muss man da nicht etwas ändern, um die Attraktivität zu steigern? Soll der Fairness-Gedanken der Belohnung für den besten Klub einer ganzen Saison zugunsten von mehr Spannung geopfert werden? …

Artikel lesen