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ROME, ITALY - OCTOBER 20:  Josep Guardiola, head coach of Bayern Muenchen talks to the media during a press conference prior to their UEFA Champions League match against AS Roma at Hotel Parco Dei Principi on October 20, 2014 in Rome, Italy.  (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Bayern-Trainer Pep Guardiola ist vorsichtiger geworden. Bild: Bongarts

CL-Spitzenspiel in Rom

Endlich ein echter Gradmesser für die Bayern, aber Guardiola kennt das Geheimnis der Roma

Erst harte Arbeit, dann die grosse Ehre mit dem Besuch bei Papst Franziskus: Das Champions-League-Spiel beim AS Rom könnte nach lockeren Liga-Tagen ein echter Prüfstein für den FC Bayern werden.

21.10.14, 10:49 21.10.14, 11:04

Ein Artikel von

sara peschke / spiegel online

Noch bevor der Mannschaftsbus zu sehen war, kündigten die Trillerpfeifen der Carabinieri die Ankunft des FC Bayern lautstark an. Vor dem noblen Hotel Parco dei Principi nahe der Villa Borghese hatten sich ein paar Dutzend italienische Fussballfans eingefunden, um die deutschen Besucher in Empfang zu nehmen – speziell einen von ihnen: Medhi Benatia.

Der 27-Jährige war im Sommer vom AS Rom nach München gewechselt, was den Roma-Anhängern offenbar noch immer nicht passt. Während Xabi Alonso, Franck Ribéry und Manuel Neuer um Autogramme und Erinnerungsfotos gebeten wurden, begleiteten sie Benatia mit Buhrufen ins Hotel.

Knapp zwei Stunden später hatte er die aber vermutlich schon wieder vergessen, in der Hotellobby traf sich der Verteidiger zum entspannten Plausch mit ein paar römischen Bekannten. Überhaupt hat man vor der Champions-League-Partie der Bayern in Rom das Gefühl, dass es sehr freundschaftlich zugeht zwischen den beiden Kontrahenten und man sich aufeinander freut.

Bayerns Thomas Müller sprach sogar davon, dass er froh sei, «mal wieder gegen eine Mannschaft zu spielen, die nicht mit elf Mann am eigenen Strafraum steht». Es sei «schon ein bisschen mühsam» gewesen in den vergangenen Wochen, vor allem als Offensivspieler. 

epa04455303 German soccer team Bayern Munich's striker Thomas Mueller attends a news conference on the eve of the UEFA Champions League soccer match between hosting team AS Roma and Bayern Munich, in Rome, Italy, 20 October 2014.  EPA/ETTORE FERRARI

Thomas Müller: Selbst bei Pressekonferenzen kommt bei ihm der Spass nie zu kurz. Bild: EPA/ANSA

Müller spielte auf die – einmal mehr – augenscheinliche Überlegenheit der Münchner in der Bundesliga an. Dort gewann der FC Bayern zuletzt vier Spiele in Folge, mit 16:0 Treffern und mittlerweile 13 Punkten Vorsprung auf den vermeintlichen Verfolger Borussia Dortmund. Torwart Manuel Neuer ist seit 748 Pflichtspielminuten ungeschlagen.

«Es ist nicht einfach, Meister zu werden»

Ob es nicht zu einfach wäre, in der Bundesliga zu gewinnen und der FC Bayern damit einen Nachteil im internationalen Wettbewerb habe, wollte ein italienischer Journalist von Trainer Josep Guardiola wissen. In perfektem Italienisch (Guardiola hat als Profi selbst zwei Jahre in der Serie A gespielt, darunter ein Jahr beim AS Rom) antwortete der Katalane: «Nein, es ist erst Oktober und wir machen kontinuierliche Fortschritte. Wir sind schon besser als im vergangenen Jahr um diese Zeit, aber wir haben noch nicht unser Top-Level erreicht.» Auch deshalb sei er froh über das Duell mit Rom, das eine Herausforderung für seine Spieler sei. Doch: «Es ist nicht so einfach, in der Bundesliga zu gewinnen und Meister zu werden.»

Wirklich überzeugen liess sich die italienische Presse davon aber nicht, ein anderer Journalist führte noch einmal das 6:0 vom vergangenen Wochenende gegen Werder Bremen an. «Ich möchte, dass ihr alle nach Deutschland kommt und euch davon überzeugt, dass es nicht leicht ist», sagte Guardiola. «Ich kenne den deutschen Fussball besser als ihr, weil ich in Deutschland arbeite. Glaubt mir.»

Bayern Munich's French midfielder Franck Ribery (R) and Bayern Munich's Swiss midfielder Xherdan Shaqiri (L) joke together during a training session on the eve of the UEFA Champions League Group E football match between AS Roma and FC Bayern Munich in Munich, southern Germany, on October 20, 2014. The match will take place in Rom, Italy, on October 21, 2014. AFP PHOTO / CHRISTOF STACHE

Was Franck Ribéry hier wohl predigt? Xherdan Shaqiri hört jedenfalls interessiert zu. Bild: AFP

Auch in italienischer Sprache wählte Guardiola damit die gleichen, zurückhaltenden Worte wie Woche für Woche auf den Bundesliga-Pressekonferenzen. Das Halbfinal-Aus in der Champions League in der vergangenen Saison hat ihn vorsichtig werden lassen. Damals hatte der FC Bayern den deutschen Fussball dominiert und war so früh Meister geworden wie nie zuvor; dann kamen die Verletzung von Thiago Alcantára, die schlechte Verfassung Franck Ribérys und mit Real Madrid ein Gegner, wie ihn die Münchner in den Monaten zuvor noch nicht erlebt hatten.

Guardiola lobt den Spielaufbau der Roma

Guardiola hatte damals die Saison bereits Ende März für beendet erklärt, er weiss mittlerweile, dass das ein Fehler war. Die Anspannung war einer merkwürdigen Lethargie gewichen. «Wir haben eine gute Ausgangsposition mit sechs Punkten, aber ich habe schon vor dem Spiel gegen Manchester City gesagt, dass diese Gruppe erst am letzten Spieltag entschieden wird», sagte er. «Doch wir haben morgen eine grosse Chance, einen Schritt Richtung Achtelfinal zu machen.»

AS Roma forward and captain Francesco Totti (R) and midfielder Daniele De Rossi run during a training session a day before the Champion's League group stage football match AS Roma vs Bayern Munich on October 20, 2014 at the Trigoria training ground in the outskirts of Rome.    AFP PHOTO / FILIPPO MONTEFORTE

Die Hoffnungen der Roma liegen auf den Routiniers Daniele de Rossi und Francesco Totti. Bild: AFP

Tatsächlich erwartet die Bayern mit Rom der vielleicht schwierigste Gruppengegner, mit vier Punkten ist der Klub den Münchnern dicht auf den Fersen. Die neue Stärke der Italiener sei ein Verdienst von Trainer Rudi Garcia, sagte Guardiola: «Das Geheimnis ist der systematische Spielaufbau von hinten, dann kommen technische Mittelfeldspieler, die das Spiel weiterführen. Hier sieht man, dass der italienische Fussball eine Entwicklung durchgemacht hat.»

Auch Arjen Robben gab zu, überrascht vom Spiel der Roma zu sein, weil es so «untypisch italienisch» sei. «Es klingt blöd nach einem 6:0», sagte der Holländer, «aber wir müssen noch besser werden. Rom kann auch Tore schiessen».



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