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Nach Neymars Wechsel zu PSG ist in der Transfer-Welt nichts mehr, wie es einmal war. Bild: EPA/EFE

Durchgerüttelte Fussball-Welt – das sind die Folgen des Neymar-Transfers

Es ist wie ein Stich in ein Wespennest: Der Rekordtransfer von Neymar zu Paris St-Germain hat Folgen auf verschiedenen Ebenen. Das sind die Auswirkungen auf den Transfermarkt, die Situation in der Ligue 1 und die Financial-Fairplay-Regeln der UEFA.

04.08.17, 11:19 05.08.17, 06:46
Adrian Bürgler
Adrian Bürgler

Transfer-Domino kann losgehen

Der europäische Fussballmarkt wird wohl von einem Domino-Effekt eingeholt werden. Neymars Abgang hinterlässt im Kader des FC Barcelona ein grosses Loch. Ein Loch, das mit den 222 Millionen Euro aber locker gestopft werden kann. Dennoch, billig dürfte der nächste Kauf von Barça nicht werden: Jeder Verein weiss nun, wie viel Geld die Katalanen zu Verfügung haben.

Gerüchten zufolge soll Juventus' Paulo Dybala zuoberst auf der Wunschliste Barcelonas stehen. Aber auch Monaco-Sturmjuwel Kylian Mbappé, Liverpools Philippe Coutinho oder Marco Verratti von PSG könnten als Neymar-Ersatz dienen. In der Folge bräuchten auch Turin und Liverpool wieder neue Spieler ... man sieht, wohin das führt.

Nur eines steht jetzt schon fest: Antoine Griezmann wird nicht zu Barcelona wechseln. Barça-Präsident Josep Maria Bartomeu hat seinem Atlético-Gegenstück Miguel Ángel Gil Marín versichert, dass sie nicht hinter dem Franzosen her sind.

Ganz anders die Situation bei PSG. Um nicht mit dem Financial Fairplay in Konflikt zu geraten, sollen einige der renommierten Stars gehen. Zur Diskussion stehen die Abgänge von Julian Draxler, Ángel Di María, Marco Verratti, Jesé, Serge Aurier, Blaise Matuidi und Hatem Ben Arfa. Wer muss über die Klippe springen?

Erfolg für Frankreich, Erfolgsdruck für Paris

Für die französische Ligue 1 ist der Transfer ein Gewinn. Die Liga ist dank Neymar um eine bedeutende Attraktion reicher geworden. Dass sich ein Spieler von Weltformat entschieden hat, in Frankreich zu spielen, wertet die Liga sicherlich auf. Gleichzeitig wird aber auch die Kluft zwischen Paris St-Germain und dem Rest der Liga nochmals grösser. Einzig Monaco, Marseille und Lyon können finanziell noch einigermassen mithalten.

Der Erfolg für Frankreich ist gleichzeitig aber auch mit Erfolgsdruck für Paris verbunden. Ein Verein, der 222 Millionen Euro für einen Spieler ausgibt, muss Erfolg haben. Das heisst für PSG: Der Meistertitel allein reicht nicht. Ein Titel auf internationaler Ebene, sprich die Champions League, muss her.

Transfer-Spirale dreht weiter

222 Millionen für einen einzigen Spieler. Was kommt als Nächstes? Muss sich der FC Barcelona gar Sorgen machen, dass ein verrückter Investor plötzlich die Ausstiegsklausel von 300 Millionen Euro für Lionel Messi bezahlt? Müssen Klubs ihre Starspieler mit astronomischen Ablösesummen in Milliardenhöhe schützen, wie es Real Madrid mit Cristiano Ronaldo macht? Es scheint, als wäre dies der nächste Schritt.

Der Wechsel von Neymar hat auch Auswirkungen auf die «gewöhnlichen Transfers». Wenn Vereine bereit sind, für Superstars über 200 Millionen Euro zu zahlen, dann kann man für andere gute Spieler auch locker einmal 50 bis 100 Millionen Euro hinlegen. Der Trend zu höheren Ablösesummen ist in der
Premier League gut sichtbar – insbesondere bei Manchester City.

Das Team von Pep Guardiola bezahlte für Benjamin Mendy, einen Spieler mit einem geschätzten Marktwert von 13 Millionen Euro, eine Ablösesumme von 57 Millionen Euro. Auch Kyle Walker stösst für eine Gebühr deutlich über seinem tatsächlichen Marktwert zu den «Citizens». Aber auch West Ham United, Everton oder Leicester City haben für Durchschnittsspieler tief in die Tasche gegriffen.

Die Entwicklung der Rekordtransfers im Fussball

Financial Fairplay auf dem Prüfstand

Die Regeln des Financial Fairplay (FFP) des europäischen Fussballverbands (UEFA) stehen auf dem Prüfstand. Das FFP besagt, dass die Ausgaben eines Klubs über den Verlauf von drei Jahren die Einnahmen um nicht mehr als fünf Millionen Euro übersteigen dürfen. Sollten die Ausgaben die Einnahmen übersteigen, kann eine Differenz von maximal 45 Millionen Euro durch Investoren ausgeglichen werden. Befolgt ein Verein diese Regeln nicht, kann er mit Bussen und Transferverboten belegt werden.

Nun bezahlte Neymar die 222 Millionen Ablösesumme aber selbst und kassierte dafür als Gesicht der WM 2022 in Katar rund 300 Millionen von Qatar Sports Investments, einem Staatsfonds des Emirats und Mehrheitsbesitzer von Paris Saint-Germain. So soll verhindert werden, dass der französische Hauptstadtklub gegen das Financial Fairplay verstösst.

Doch verspekulieren sich die Verantwortlichen bei PSG nicht? Der Fall «FC Petrolul Ploiesti» sollte Paris zu denken geben. 2013 stand der damalige rumänische Erstligist vor dem internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne. Der Verein war von der UEFA für Schulden in der Höhe von 316'000 Euro und 200'000 Euro an nicht ausgezahlten Bonuszahlungen gebüsst worden.

Ploiesti zog den Fall ans Sportgericht weiter, mit der Argumentation, dass der Verein die Schulden nicht allein zu verantworten hätte. Die Bonuszahlungen an die Spieler hätten von einer externen Vereinigung bezahlt werden sollen und nicht vom Klub selbst. Der Klub hatte sich mit diesem Konstrukt ein alternatives Finanzierungsmodell geschaffen. Hinter der externen Organisation steckte ein Zusammenschluss von vier Partnern, unter ihnen auch die Stadtverwaltung von Ploiesti.

Wird bei der UEFA mit gleichen Ellen gemessen, können PSG juristische Schwierigkeiten drohen. Bild: EPA/KEYSTONE

Der Plan ging aber nicht auf. Die UEFA argumentierte, dass die externe Zahlung einen «erheblichen Einfluss» auf den Verein habe. Deshalb sei die Summe auch für die Bewertung im Rahmen der Financial-Fairplay-Regeln relevant. Der internationale Sportgerichtshof gab der UEFA recht, das Urteil blieb bestehen.

Zudem ist es in Paris mit den 222 Millionen Euro nicht getan. Ablöse, Lohn und Prämien für Spieler und Berater zusammen addieren sich auf Ausgaben von rund 850 Millionen Euro – allein für den Transfer von Neymar. Eine gewaltige Summe, die PSG durch entsprechende Einnahmen wieder kompensieren muss.

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Deshalb schaut die ganze Welt nun der UEFA auf die Finger. Der Verband hat angekündigt, dass er den Fall Neymar genau untersuchen wird. Für die Financial-Fairplay-Regeln ist das Chance und Gefahr zugleich.

Die UEFA könnte an Paris St-Germain ein Exempel statuieren und mit harten Sanktionen zeigen, dass sie es ernst meint mit der Einschränkung des finanziellen Wahnsinns. Sie kann beweisen, dass sie auch vor grossen Klubs und politischen Maschinerien nicht Halt macht und auch dort Sanktionen ausspricht. Immer vorausgesetzt, dass PSG am Stichtag im kommenden Sommer auch tatsächlich gegen das Financial Fairplay verstossen hat.

Zu guter Letzt muss die UEFA demonstrieren, dass sie sich nicht durch Tricks, wie das eigenhändige Zahlen der Ablösesumme durch den Spieler, aufhalten lässt. Sonst sind die Financial-Fairplay-Regeln nur noch Makulatur.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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28
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28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Taggart 05.08.2017 01:05
    Highlight Da lobe ich mir die bodenständige Schweizer Challenge League. :-)
    2 0 Melden
  • Signor_Rossi 04.08.2017 14:03
    Highlight Warum sollte Juve Dybala zu Barcelona ziehen lassen?
    23 3 Melden
    • AJACIED 04.08.2017 18:30
      Highlight Ist doch egal 😂😂 der wird eh msl gehen.
      Er unterschreibt auch anscheinend Barca Trikots in Amerika 🙈
      4 0 Melden
  • ThePower 04.08.2017 13:32
    Highlight Wenn das so weitergeht, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis dieses System kollabiert und etliche Vereine in grosse Schwierigkeiten kommen. Man kann nur hoffen, dass die Funktionäre das einsehen und endlich handeln. Stoppt den Blödsinn, bitte!
    25 4 Melden
    • AJACIED 04.08.2017 18:31
      Highlight Dann sollen die Vereine doch verrecken. Dän sind die "ehrlichen@ Vereine am Zuge.
      10 1 Melden
  • ThisIsTazZ 04.08.2017 13:23
    Highlight Wieso sollte griezmann, coutinho UND dybala allesamt zu Barca? Einer dieser Spieler ist ausreichend.
    11 8 Melden
  • maxi 04.08.2017 13:17
    Highlight irgendwie muss die kohle ja zurückkommen.
    58 2 Melden
    • mrcharliebrown 04.08.2017 15:27
      Highlight dieser post zeit sehr schön die relativität dieser "überteuerten" transfers. ein grossteil der ausgaben wird allein durch merchandising wieder hereingespült.
      19 0 Melden
    • maxi 04.08.2017 15:49
      Highlight dies ist mir durchaus bewusst... ich fand 89€ ohne flock für ein shirt schon viel aber fies ist ein skandal...wer bezahlt fast 200 stutz (inkl porto versand usw.) für ein shirt meine schmerzgrenze war immer 100.- für fussballshirt
      15 1 Melden
  • Grego 04.08.2017 12:57
    Highlight Wie hat Neymar eigentlich 222 Millionen bezahlt? Ist der so schwer? Bankkredit? Haben ihm die PSG-Investoren das Geld geschenkt, damit er es überweisen kann? Wie läuft das ab/ist das abgelaufen? Würde mich echt mal wundernehmen.
    5 24 Melden
    • Adrian Buergler 04.08.2017 13:15
      Highlight @Grego: Das wird oben beschrieben: Der Fond, der Hauptinvestor bei PSG ist, zahlt Neymar 300 Millionen. Als Gegenleistung ist Neymar dann das offizielle Gesicht der WM 2022 in Katar.
      33 3 Melden
    • Monstermeier 04.08.2017 17:04
      Highlight Was passiert wenn sich Brasilien nicht für Katar 2022 qualifiziert? Muss Neymar die 300 Millionen zurück zahlen?
      14 0 Melden
    • welefant 05.08.2017 06:01
      Highlight Dann kriegt neymar denn katarischen pass ;)
      5 0 Melden
  • derEchteElch 04.08.2017 12:53
    Highlight Jaa.. ich hätte auch gerne so viel Geld 😞
    9 8 Melden
    • welefant 05.08.2017 06:01
      Highlight Ja, hätte einen grossen sack zum füllen!
      2 1 Melden
  • Pisti 04.08.2017 12:47
    Highlight Um nicht mit dem FFP in Konflikt zu geraten, wird PSG wohl alle oben genannten loswerden müssen. Das wäre also eine deutliche Schwächung der Mannschaft. Den neben Neymar und Cavani hätte man nur noch Durchschnitt im Team.
    Barcelona wäre der absolute Gewinner. Dybala ist mindestens so gut wie Neymar, dürfte aber deutlich weniger verdienen und hat nicht mal annähernd solche Starallüren wie Neymar.
    Bin aufjedenfall gespannt was im August noch so passiert.
    32 4 Melden
  • pun 04.08.2017 12:39
    Highlight Technische Frage: Zählen Erlöse aus Trikotverkäufen auch zur Financial Fair Play Regel?
    Habe irgendwo gelesen, dass ManU innert 7 Tagen Ibrahimovic-Trikots für 100 Mio. abgesetzt hatten, bei Neymar könnte das noch mehr sein, so dass die Ablösesumme allein dadurch gedeckt werden könnte, oder nicht?
    28 4 Melden
    • Hoppla! 05.08.2017 08:29
      Highlight In der Annahne, dass die Angaben stimmen: Ein Umsatz von 100 Millionen ist noch kein Gewinn. Ausserdem darf man von einem Kanibalisierungseffekt ausgehen.
      1 0 Melden
  • thelegend27 04.08.2017 12:19
    Highlight Verratti als Neymar Ersatz? Der spielt eher im defensiven Mittelfeld... Dann eher Couthinho!
    45 4 Melden
    • YNWA 04.08.2017 13:13
      Highlight Neeein, Couthinho muss bleiben :-(
      23 3 Melden
    • thelegend27 04.08.2017 15:37
      Highlight Seh ich auch so!
      8 1 Melden
    • welefant 05.08.2017 06:02
      Highlight Ja auch verrati ist nie und nimmer ein 1:1 ersatz...
      2 0 Melden
  • BLCNY 04.08.2017 12:10
    Highlight Hazard wird bei Barcelona gehandelt
    13 8 Melden
  • fabain 04.08.2017 11:53
    Highlight Kein Club in Frankreich kann mit PSG mithalten wenn es ums Geld geht. Gemäss sportingintelligence betrug das Lohnbudget der Paris 3x soviel wie das des zweitplatzierten Monaco... und das vor dem Neymar-Transfer!!
    54 0 Melden
    • fabain 04.08.2017 12:00
      Highlight Hier noch das Bild zur Veranschaulichung
      39 1 Melden
    • Amboss 04.08.2017 12:16
      Highlight Das ist bestimmt so.
      Aber sieht die Kurve nicht in jeder der grossen Ligen so aus (ausser in England)?

      Augsburg oder Darmstadt verglichen mit den Bayern?
      Leganes oder Osasuna verglichen mit Real oder Barça
      Pescara oder Crotone verglichen mit Juve oder Milan

      Jede dieser Ligen hat doch solche "Ligaauffüllvereine" die es einfach braucht, damit es 38 Spiele gibt, die aber gegenüber den Topclubs in jeglicher Hinsicht (Infrastruktur, Geld, Markt in dem sie sich bewegen) absolut chancenlos und einfach zwei, drei Klassen kleiner sind

      Bisher sah niemand ein Problem darin...
      34 7 Melden
    • OBJ 04.08.2017 12:59
      Highlight Ein Balkendiagramm ohne Angabe der X-Achse sagt noch weniger aus als keine Statistik
      29 3 Melden
  • sanmiguel 04.08.2017 11:41
    Highlight Neywar is on!
    18 2 Melden

Alle sagen, moderner Fussball sei super. Ich sage: Im modernen Fussball haben sich Saumoden eingenistet, die mich laufend kotzen lassen

Gestern. Chelsea vs. PSG. Ibrahimovic foult Oscar. Rote Karte. Rudelbildung. Rudelbildung! Gefühlte 45 Minuten Rudelbildung! 

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