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Auch Mega-Transfer Kevin De Bruyne (74 Millionen Euro) kann Manchester Citys Niederlage gegen Juventus Turin nicht verhindern. 
Bild: Getty Images Europe

Trotz Milliarden-Investitionen im Transfersommer: Wir erleben die Bankrotterklärung des englischen Fussballs 

Zum ersten Mal seit Einführung der Champions League haben drei von vier englischen Teams ihre Auftaktspiele verloren. Diese chronische Erfolgslosigkeit der Premier League ist kein Zufall, sondern die Quittung für den Verkauf der Seele.

17.09.15, 09:44 18.09.15, 10:18

Insgesamt wurden in der Premier League der vergangenen Transferperiode 1,18 Milliarden (!) Euro für Neuzugänge ausgegeben. Die Wahnsinns-Ausgaben konnten sich die Klubs neben stinkreichen Besitzern auch dank fett dotierter Fernsehverträge leisten. Der englische Fussball hat seine Seele teuer verkauft und wird mit chronischer Erfolgslosigkeit dafür bestraft.

Die Arsenal-Spieler sind nach dem Gegentreffer zum 0:2 gegen Dinamo Zagreb komplett bedient.
Bild: Matthew Childs/REUTERS

Teure Spieler sorgen für Spektakel, sie bringen grosse individuelle Klasse mit. Geld schiesst auf jeden Fall Tore. Doch das reicht nicht. Treue Spieler bringen Leidenschaft, Einsatz und den letzten Willen, sich für das Logo auf ihrer Brust zu zerreissen. Es sind ebendiese unterschiedlichen Eigenschaften, die teure Spieler von treuen Spielern unterscheiden. Der eine bringt Spektakel, der andere Erfolg.

Wo sind die Gerrards, Lampards und Scholes' nur geblieben? 

Noch gehört die Premier League zu den Top-Ligen Europas. Die Liga befindet sich im europäischen Vergleich jedoch auf dem absteigenden Ast. Bereits in der letzten Saison schaffte es kein englisches Team in die Viertelfinals der Königsklasse: Chelsea, Man City und Arsenal schieden allesamt in den Achtelfinals aus und Liverpool scheiterte bereits in der Gruppenphase – unter anderem am FC Basel.

In der UEFA-Fünfjahreswertung hält sich die Premier League noch knapp auf Platz 3, die Serie A dahinter holt immer mehr auf und könnte gutmöglich schon dieses Jahr vorbeiziehen – die Serie A ist derzeit besser als die Premier League.

Der schlechteste Start überhaupt

In der ersten Runde der neuen Champions-League-Saison sind aus englischer Sicht bereits wieder erschreckende Tendenzen zu erkennen: Von den Topligen Spanien (drei Siege, ein Unentschieden, eine Niederlage), Deutschland (drei Siege, eine Niederlage) und Italien (ein Sieg, ein Unentschieden) ist die Premier League mit drei Niederlagen und einem Sieg als einzige negativ gestartet. Zum ersten Mal seit Einführung der Champions League haben drei von vier englischen Teams ihre Auftaktspiele verloren

David de Gea und Ashley Young haben das Nachsehen: Der Kopfball von Hector Moreno fliegt in die Maschen.
Bild: Getty Images Europe

Gerade in der Gruppenphase der Königsklasse darf man Spiele verlieren. Wahrscheinlich werden sich die englischen Teams doch noch durch die Gruppenphase mogeln. Trotzdem war die Performance in der ersten Runde erschreckend schwach.

Manchester City spielte gegen ein komplett verunsichertes Juventus Turin, welches nach dem grossen Umbruch im Sommer in drei Serie-A-Spielen nur einen Punkt holte. Die «Bianconeri» reisten als Tabellen-16. zum verlustpunktlosen Leader der Premier League. Die «Citizens» gaben der Juve jedoch nicht wie erwartet auf den Deckel – im Gegenteil: Sie waren der perfekte Aufbaugegner. Trotz Schiedsrichterhilfe bei der deutlich irregulären Führung durch Kompany verloren die Engländer gegen Juventus schlussendlich noch verdient mit 1:2. 

Können wieder jubeln: Nach miserablem Saisonstart findet Juventus ausgerechnet beim Premier-League-Dominator zum Siegen zurück.
Bild: Phil Noble/REUTERS

Natürlich ist Juventus noch immer eine Top-Mannschaft. Und natürlich darf man gegen sie verlieren. Aber nicht in dieser Verfassung. Juventus zeigte gegen Udinese (0:1) und Chievo Verona (1:1), dass sie mit gut organisierten Defensiven noch grosse Mühe haben. Trotzdem schaffte es City nicht, eine Führung nach 60 Minuten über die Zeit zu bringen. Der Unterschied? In der Serie A wird auf Resultat gespielt, der Sieg steht im Fokus. Die Premier League praktiziert brotlosen Hokuspokus-Fussball.

Auch Man United und Arsenal erwischt es

Manchester United ging wie der Stadtrivale ebenfalls in Führung – und konnte damit nicht umgehen. Gegen das auf dem Papier deutlich unterlegene Eindhoven gab es eine 1:2-Niederlage. Zum Vergleich: Alleine Man-United-Neuzuzug Anthony Martial kostete 50 Millionen Euro Ablöse. Die komplette Startelf von PSV kommt auf einen Marktwert von 55 Millionen.

Die noch grössere Blamage setze es für Arsenal London ab. Die «Gunners», derzeit auf Rang 4 der Premier League, blamierten sich gegen den krassen Aussenseiter Dinamo Zagreb und verloren die Partie 1:2.

Ausgerechnet Chelsea, welches in der Liga nicht auf Touren kommt, konnte die englische Ehre noch halbwegs retten. Der 4:0-Sieg über Maccabi Tel Aviv ist jedoch nicht zu hoch zu werten: Die Israeli haben kein Champions-League-Niveau, das weiss man nicht nur in Basel.

Wenn das Geld auch ohne Resultate fliesst

Das Problem der erfolglosen Premier League auf internationaler Ebene ist relativ simpel zu erkennen: Die Klubs aus England müssen in erster Linie attraktiven Fussball spielen. Fussball verkommt immer mehr zu Unterhaltung, der Zuschauer will keine perfekt eingespielte Viererkette sehen sondern Tore, Tore, Tore.

Der Vergleich der TV-Einnahmen.
screenshot: srf

Deshalb werden überhaupt diese hohen TV-Gagen bezahlt. Der englische Klub-Fussball ist nicht der beste, sondern der spektakulärste der Welt. Tore lassen sich gut verkaufen, die Premier League hat die beste Vermarktung der Welt. Sie ist nicht einmal auf Erfolg angewiesen. Solange der offensive «Hurra-Fussball» gespielt wird, lässt sich die Liga verkaufen.

Die neuen TV-Einnahmen in England

Ab 2016 kassiert die Premier League für drei Spielzeiten rund 9.5 Milliarden Euro (inklusive Einnahmen der Auslandrechte), die zur Hälfte als fester Anteil auf alle Klubs verteilt werden. Die andere Hälfte wird zu 25 Prozent je nach Platzierung vergeben und zu 25 Prozent je nach TV-Präsenz verteilt.

Mit dem neuen TV-Deal bis 2019 wird sich das kaum ändern. Den ehrlichen englischen Fussball gibt es nicht mehr. Spätestens wenn es in der K.O.-Phase hart auf hart kommt, werden die beiden Manchester, Arsenal und Chelsea das Nachsehen haben. Aber egal. Sie können ja nächsten Sommer wieder Milliarden in neue Spieler investieren. 

Das sind die Topstars der 32 Champions-League-Teilnehmer

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • strama 17.12.2015 16:49
    Highlight ..auch bei der kündigung der beste. 40mio. - chapeau, special one. #amala
    2 1 Melden
  • Grigor 17.09.2015 15:27
    Highlight Grundsätzliche teile ich die Einschätzung, aber nach einem Spieltag ein Fazit zu ziehen, ist dann schon ein wenig gesucht. Da wollte jemand das die englischen Vereine auf die Fresse fallen. Mir ist es lieber, sie sind am Schluss nicht mehr dabei, aber ich habe das Gefühl das Wunschdenken des Autors wird von der Realität eingeholt. Die Champions League werden sie nicht gewinnen, aber mindestens drei von vier werden im Achtelfinale stehen. Danach ist vieles möglich.
    19 2 Melden
    • samy4me 17.09.2015 16:53
      Highlight Ist ja kein Fazit nach dem ersten Spieltag. Im Artikel wird auch das bescheidene Abschneiden aus der Vorsaison erwähnt.
      6 3 Melden
    • Grigor 10.12.2015 00:30
      Highlight Ich gebe es zu. Ich kann mir die Freude nicht verkneifen mit der ersten Prognose recht behalten zu haben. Tschuldigung.
      2 0 Melden
  • iceman999 17.09.2015 14:27
    Highlight Nö, nö, Leute, da hat der Herr Zappella schon recht. Ab und an vielleicht etwas dramatisiert, es soll ja gelesen werden, aber die Quintessenz ist meiner Meinung nach völlig korrekt.
    17 3 Melden
    • Jol Bear 17.09.2015 18:04
      Highlight O.k., die Quintessenz ist richtig. "Der ehrliche englische Fussball" ist bei den erwähnten englischen Teams leider wirklich verloren gegangen. Kein Wunder, wenn pro Team maximal ein bis zwei Engländer mittun. Allerdings ist "Klubtreue" auch in andern Ligen immer seltener. Die Spieler gehen dorthin, wo es am meisten Geld gibt und jene Teams, die in den CL-Halbfinalspiel stehen, sind genauso internationale, zusammengekaufte Auswahlen.
      5 0 Melden
  • dillinger 17.09.2015 10:26
    Highlight Ach so schlimm ist es nun auch nicht. Man City hat gegen den letztjährigen Finalisten 2:1 verloren und ist zum wiederholten Male in die Hammergruppe gelost worden. Klar müssten Arsenal und Man Utd. nicht verlieren, das gibt es halt nun mal in der CL. Ich gehe trotzdem davon aus, das sich alle englischen Mannschaften für die nächste Runde qualifizieren.
    Und das Abschneiden letzte Saison war auch unglücklich. City traf auf Barca, die beste Mannschaft der Welt und Chelse schied wegen der Auswärtstorregel aus. Man muss es ja auch nicht überdramatisieren.
    35 12 Melden
  • HSalamanca 17.09.2015 10:21
    Highlight Ich gebe dir zwar bei einigen Punkten recht, doch ansonsten steckt viel Stammtischpolemik in diesem Text.
    Die Einkaufsstrategie der britischen Teams entbehrt wirklich aktuell jeder Logik. Der Markt wurde mit zu viel Geld überflutet und niemand weiss so recht, was damit anzufangen sei. Hier jedoch nach einer Runde schon einer Bankrotterklärung zu sprechen, finde ich zu früh. Zudem ist z.B Lazio Rom auch kläglich in der Quali gescheitert oder Valencia hat zu Hause gegen Zenit verloren. Niemand "mogelt" sich in die Achtelfinals, wie du sagst. Es sind 6 Runden und dann wird abgerechnet...
    31 5 Melden
  • palimpalim 17.09.2015 09:53
    Highlight Also bereits solche Aussagen nach der ersten Runde zu bringen, finde ich ein wenig voreilig. Die letzte Saison war definitiv eine schlechte für die EPL teams und der Start in diese auch. Doch schauen wir uns das Spiel von Arsenal an: zuerst ein unglückliches Eigentor zu Beginn. Dann eine fragwürdige zweite gelbe Karte gegen Giroud. Und trotz Unterzahl holen sie sich einen Treffer. Ich wäre einfach ein Vorsichtig mit solch Prognosen. Und auch wenn sie verliereb, wenigstens suchen sie den attraktiven Fussball, nicht so wie, zum Beispiel, die italienischen Teams.
    28 25 Melden
    • Sandro Zappella 17.09.2015 10:18
      Highlight Gegen ein Team wie Dinamo Zagreb sollte es Arsenal nicht nötig haben, wegen unglücklichen Gegentoren oder dem Schiri zu lamentieren.

      Und das mit dem attraktiven Fussball auf Kosten des Erfolgs ist ja genau meine Rede. Ob man das gut oder schlecht finden soll, ist jedem selbst überlassen.
      40 8 Melden
    • palimpalim 17.09.2015 21:09
      Highlight Mir gefällt (zugegeben, als Arsenal Fan) einfach nicht, wie sie in den gleichen Topf geworfen werden. Während alle anderen Teams, inklusive Traditionsteams wie ManU und Liverpool, mit Geld um sich werfen, hat Arsenal noch den Verstand bewahrt. Die grössten Einkäufe der letzten 5+ Jahre waren Özil und Sanchez und die Preise waren gerechtfertigt. Muss einfach erwähnt werden, dass die nicht einfach Geld ausgeben, nur weil sie es haben. Und einen Stürmer zu einem anständigen Preis gab es diesen Sommer halt nicht.
      4 4 Melden
  • dave1771 17.09.2015 09:51
    Highlight 4 Siege der Spanischen Teams??? Und Barca? Zudem der Arsenal Cyrcle ist ja so was von nicht angebracht, gerade in einer Saison in der Arsenal nur einen Torhüter geholt hat und letzte Saison 3. wurde...
    12 14 Melden
    • Sandro Zappella 17.09.2015 10:11
      Highlight Das stimmt, habe es korrigiert. Aber auch 3 Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage lesen sich noch deutlich besser als das Abschneiden der Engländer in der ersten Runde.


      22 7 Melden

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