Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Das Yaya-Touré-Syndrom

«Valdas, ich liebe dich, aber ich kann nicht in Wolfsburg leben» – 7 faule Ausreden rund um Transfers

Yaya Touré jammert wie ein kleiner Bube, dass ihm sein Klub nicht zum Geburtstag gratuliert hat. Jetzt will er Manchester City verlassen – oder will er einfach mehr Geld? Ein kurzer Ausflug in die manchmal ziemlich komplizierte Welt der Transfers.

22.05.14, 15:13 22.05.14, 15:32

Bild: Getty Images Europe

Seinen 31. Geburtstag dürfte Yaya Touré nicht so schnell vergessen. Der Mittelfeldspieler des englischen Meisters Manchester City beklagte sich darüber, dass man ihm seitens des Klubs nicht zum Freudentag gratuliert habe. Prompt drohte sein Manager mit einem Wechsel.

Was den Ivorer und seine Entourage zu den Aussagen bewogen hat? Möglicherweise will Touré wirklich weg aus Manchester. Die andere Variante ist, dass er sich eine Gehaltserhöhung erhofft, weil die City-Manager ihren Star nun hofieren und ihn mit vielen, vielen Pfund umschmeicheln sollten.

Die jüngste Posse um Yaya Touré ist nur eine von vielen rund um Fussballtransfers. In den Hauptrollen unserer Müsterchen: Ein seltener Ferrari, eine hässliche Industriestadt und eine im Hosensack versteckte Zwiebel.

Valdas Ivanauskas

1997 steht der litauische Angreifer des Hamburger SV vor einem Wechsel nach Wolfsburg. Der VfL ist soeben in die Bundesliga aufgestiegen und will sich die Dienste des 31-jährigen Routiniers sichern. Ivanauskas und der Klub können sich auch einigen – dennoch scheitert der Transfer. «Valdas, ich liebe dich, aber ich kann nicht in Wolfsburg leben», klagt dessen Ehefrau Beatrix. «Ivan der Schreckliche» und seine Gemahlin ziehen stattdessen nach Salzburg und später in die Weltmetropolen Wilhelmshaven und Cloppenburg.

Das Panorama von Wolfsburg. Bild: Wikipedia

Robbie Savage

Der walisische Mittelfeldspieler ist 2004 bei Birmingham City unter Vertrag, möchte aber lieber bei Blackburn in der Nähe seiner Verwandtschaft spielen. Im Gespräch mit dem Manager, der Savage vom Verbleib in Birmingham überzeugen möchte, zieht der Spieler sämtliche Register. «Ich habe ihn angelogen und von privaten Problemen gesprochen», gibt Savage später in seiner Biografie zu. Für die wässrigen Augen bei seinen Aussagen sorgt eine Zwiebel, die er vor dem Gang ins Büro im Hosensack versteckt hat.

Trick 77 bei schwierigen Gesprächen: immer eine Zwiebel im Sack haben. Bild: Shutterstock

Murat Yakin

Der Schweizer Nationalspieler ist 1999 in seiner Heimat Türkei unglücklich. Als ein schweres Erdbeben Istanbul und Umgebung erschüttert, nutzt Murat Yakin dies als Flucht – er verschwindet trotz eines laufenden Vertrags bei Fenerbahçe. «Der Wechsel war ein grosser Fehler», bekennt Yakin im «Blick». Die FIFA verdonnert ihn wegen Vertragsbruchs zu einer Busse von 370'000 Franken.

Fast 20'000 Menschen verlieren beim verheerenden Erdbeben ihr Leben. Bild: AP

Zlatan Ibrahimovic

Als der Schwede im Sommer 2004 von Ajax Amsterdam zu Juventus Turin wechselt, will er in der neuen Heimat ein standesgemässes Auto fahren. Ibrahimovic fordert einen Ferrari Enzo, der ihm von den Juve-Verantwortlichen auch zugestanden wird. Nach dem Deal geraten die Manager ins Schwitzen, denn was sie nicht wissen, Zlatan aber sehr wohl: Von diesem Modell wurden nur 399 Exemplare hergestellt. Da Juve von der Fiat-Besitzerfamilie Agnelli gelenkt wird, klappt es. Ibrahimovic dankt es mit seinen Toren zu zwei Meistertiteln in zwei Jahren in Turin.

399 Stück gebaut: Eines davon steht in Ibras Garage. Bild: Wikipedia

Rafael van der Vaart

Der Holländer ist längst ein Star beim Hamburger SV, als er im Sommer 2007 weg aus der Hafenmetropole will. Öffentlich spricht er von einem Wechsel nach Valencia, er lässt sich sogar schon im Trikot der Spanier fotografieren. «Geh, aber lass Sylvie hier!», schreiben die HSV-Fans auf ein Transparent – schliesslich bleibt auch Rafael in Hamburg, weil ihn der Klub nicht ziehen lässt.

Francesco Totti

In seiner gesamten Karriere spielt der «König von Rom» nur für einen Klub: AS Roma. An Angeboten fehlt es nie, doch Mamma Fiorella lässt den Weltmeister von 2006 nicht wegziehen. Bei einem Wechsel schneide sie ihm «was auch immer» ab, droht Mamma Totti, weshalb Klein-Francesco gar nichts anderes übrig bleibt, als auch mit bald 38 Jahren für die Roma zu spielen.

König Totti und seine Mamma anlässlich seiner Hochzeit im Jahr 2005. Bild: AP

David Unsworth

Heimweh ist der Grund dafür, dass der Wechsel zu Aston Villa nichts als eine Fussnote in der Karriere des Verteidigers ist. Der einmalige englische Nationalspieler wird beim FC Everton gross, wechselt 1997 für eine Saison zu West Ham. In London fühlt sich Unsworth jedoch nicht wohl, weshalb er wieder weg will. Für drei Millionen Pfund heuert er bei Aston Villa an – näher bei Liverpool, aber immer noch zu weit weg. Unsworth jammert weiter, wird nur einmal in der Reservemannschaft eingesetzt und zwei Monate nach dem Kauf wieder abgegeben – für ebenfalls drei Millionen Pfund an Everton.

Zwei Legenden ihrer Klubs: Evertons David Unsworth attackiert von Manchester Uniteds Ryan Giggs. Bild: EPA PA

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Azrag 22.05.2014 16:20
    Highlight Ferrari Enzos wurden schlussendlich 400 Stück gebaut.
    0 0 Melden

Ich studiere am Undenkbaren herum: Braucht der Fussball auch Playoffs?

Nie hätte ich einen Gedanken an diese absurde Möglichkeit verschwendet. Aber beim langweiligen Bayern-Kantersieg gegen Dortmund durchfährt mich ein Geistesblitz: Was, wenn es im Fussball auch Playoffs gäbe?

Ich wollte nie Playoffs im Fussball. Meister soll das Team werden, das ein ganzes Jahr lang das beste ist. Und nicht bloss während weniger Wochen im Frühling.

Aber was, wenn so viele Ligen keine spannende Schlussphase mehr kennen? Wenn die Meister schon mit dem Blühen der Osterglocken bekannt sind? Muss man da nicht etwas ändern, um die Attraktivität zu steigern? Soll der Fairness-Gedanken der Belohnung für den besten Klub einer ganzen Saison zugunsten von mehr Spannung geopfert werden? …

Artikel lesen