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Mittendrin statt nur dabei: Breel Embolo spielt statt in der Basler Wohlfühloase jetzt im Schalker Chaos. Bild: KEYSTONE

Schalke spielt wie ein Absteiger und doch bleibt alles ruhig – mit einer klitzekleinen Ausnahme

Seit der Abstiegssaison 1987/88 ist Schalke nie mehr so tief in die Krise gerutscht. In Hoffenheim verliert das Team mit dem Schweizer Breel Embolo 1:2 und bleibt nach der 5. Runde ohne Punkt am Tabellenende. Um Trainer Markus Weinzierl bleibt es erstaunlich ruhig – wie lange noch?

26.09.16, 10:52 26.09.16, 12:48

Mit Markus Weinzierl holte Schalke im Sommer einen geerdeten Trainer, der in Augsburg hervorragende Arbeit abgeliefert und den Provinzverein 2015 in die Europa League geführt hatte. Mit Christian Heidel kam aus Mainz der für viele beste Sportchef der Liga. Auf Schalke herrschte Aufbruchstimmung. Es sollte alles ruhiger, vernünftiger und vor allem besser werden.

Am Übergang vom Spätsommer zum Herbst ist bei S04 von sommerlichem Aufbruch keine Spur mehr auszumachen. In Hoffenheim erlitt das teure Ensemble die fünfte Niederlage und rutschte in eine herbstliche Depression. Schafft Weinzierl nicht sehr bald den Turnaround, wird daraus in ein paar Wochen eine winterliche Endzeitstimmung.

Das Tabellenende der Bundesliga

bild: screenshot SRF

Schon jetzt sind der Trainer und sein Gefolge für den schlechtesten Saisonstart der Vereinsgeschichte verantwortlich. 2010 hatte Felix Magath nach vier Niederlagen in der 5. Runde den ersten Sieg realisiert. Die Fussball-Historiker stellten die aktuelle Schalker Krise rasch in einen grösseren Zusammenhang. Der Klub steckt im grössten Schlamassel seit der Saison 1987/88. Damals stieg Schalke letztmals in die 2. Bundesliga ab.

Die über 3000 nach Hoffenheim mitgereisten Fans forderten mehr Kampfbereitschaft. Captain Benedikt Höwedes konnte es ihnen nicht verübeln: «Im Verlaufe des Spiels ist die Mentalität auf der Strecke geblieben. Einige haben sich in die Niederlage ergeben», so der deutsche Internationale.

Häme macht sich breit

Trotz der prekären Lage ist es auf Schalke für königsblaue Verhältnisse ziemlich ruhig. Im Fanblock wird nicht kollektiv «Wir haben die Schnauze voll» gesungen, nicht «Trainer raus» gebrüllt, es wird überhaupt kein Kopf von irgendeinem vermeintlich Schuldigen gefordert. Der Schock bei den Fans sitzt wohl zu tief.

Die Ausnahme bestätigt natürlich auch hier die Regel ...

Er findet's nicht mehr lustig:

Die Wut des Fans richtet sich übrigens gegen Trainer Weinzierl und Manager Heidel.

Doch die Mechanismen der Branche sind selbstverständlich auch auf Schalke allen bekannt; umso mehr nach einem Wochenende, an dem Bruno Labbadia vom Hamburger SV als zweiter Trainer der Saison seinen Job verlor. Captain Benedikt Höwedes würde wenig von einem ähnlichen Vorgehen in seinem Klub halten. «Ich hoffe, dass der Trainer von den handelnden Personen Rückendeckung bekommt.»

Gladbach als Vorbild

Nun folgen zwei wichtige Heimspiele und Weinzierl erhält vielleicht schon seine letzten Chancen. Am Donnerstag empfängt Schalke den österreichischen Meister Red Bull Salzburg in der Europa League, dann folgt am Sonntag das Heimspiel in der Bundesliga gegen das formstarke Borussia Mönchengladbach.

Vier Tage nach der Heimniederlage gegen den 1. FC Köln mischte Weinzierl die Karten im Team neu. Breel Embolo gehörte zu den vier Spielern, die in die Startformation rutschten. Zu Beginn ging die Rechnung auf. Schalke führte schon nach vier Minuten, nachdem Embolo das Tor von Maxim Choupo-Moting mit einer sehenswerten Flanke von der rechten Seite vorbereitet hatte. Doch das 1:0 brachte keine Ruhe.

Embolos Assist für Choupo-Moting. Video: streamable

Schon zur Pause lag Schalke zurück und erlebte ein Déjà-vu: Auch gegen Köln hatte die 1:0-Führung nicht zu einem Punktgewinn gereicht. Das Fazit: Schalke war wie schon so oft in diesen ersten fünf Spielen nicht das schlechtere Team, machte aber mal wieder zu wenig für den ersten Sieg.

Mit demonstrativer Ruhe will der Klub die Krise aussitzen. Und sollte diese tatsächlich bald überwunden werden, kann Schalke daran wachsen. Als Musterbeispiel gilt Gladbach, das in der letzten Saison nach fünf Spieltagen ebenfalls null Punkte auf dem Konto hatte und nach dem Rücktritt von Lucien Favre noch die Qualifikation für die Champions League schaffte. Dafür müsste Weinzierl allerdings schnell eine nachhaltige Trendwende schaffen, bevor sein Schalke-Abenteuer vorzeitig beendet wird. (pre/sda)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • länzu 26.09.2016 11:58
    Highlight Ich kann die Schadenfreude gleich dreimal nicht verbergen.
    Christian Heidel und Markus Weinzierl machten in Mainz resp.Augsburg einen hervorragenden Job und waren sogar international unterwegs. Sie hätten dort weiterhin erfolgreich arbeiten können.
    Breel Embolo schliesslich ist ein weiteres Opfer des geldgierigen Erdin Shaqiri, der es nicht versteht, seine Klienten dort unterzubringen, wo sie sich wohlfühlen und entfalten können.
    Dass Schalke ein heisses Pflaster ist und man dort nicht weiss, wie man Kontinuität schreibt, wussten alle drei vorher. Entlassungen sind also nicht ausgeschlossen.
    49 3 Melden
    • Hoppla! 26.09.2016 12:25
      Highlight Dass man nach höherem strebt ist legitim und Schalke ist von den Möglichkeiten her nun mal interessanter als Augsburg. Herr Weinzierl war immerhin vier Jahre dort verantwortlich. Ob er jetzt den richtigen Klub gewählt hat; ich weiss es nicht.

      Wenn Herr Shaqiri, von dem ich als Berater nichts halte, in diesem Fall nur aufs Geld aus gewesen wäre, würde Herr Embolo nun in China oder England spielen.

      So nebenbei: Ist Schadenfreude nicht irgendwie kindisch?
      9 19 Melden
    • Raembe 26.09.2016 12:51
      Highlight Kennst Du Erdin Shaqiri persönlich das Du ihm Geldgier unterstellst? Das er keine Ahnung vom Game hat ist klar. Aber gleich sowas zu unterstellen ist nicht ganz ohne....
      4 25 Melden
    • maxi 26.09.2016 13:06
      Highlight embolo isz kein opfer! er hat die unterschrift selbst bei den blauen gemacht... da ist er erher täter als opfer! man weis ja das man nicht dahin wechseln sollte... selberschuld
      15 6 Melden
    • c_meier 26.09.2016 13:19
      Highlight Bezüglich dem Berater von Embolo gebe ich dir recht: Florent Hadergjonai von YB hat den gleichen Berater und wurde im August 2016 nach Ingolstadt transferiert, bisher 0 Einsatzminuten nach 5 möglichen Spielen, 2x Ersatzbank, 3x nicht mal im Kader...
      23 1 Melden
    • Bluetooth 26.09.2016 16:26
      Highlight Wäre er nach Leipzig gewechselt, hättet ihr Embolo und seinem Berater genauso Geldgier untergerworfen. Ich denke eher das Gegenteil war der Fall: weniger Geld, dafür ein sog. "Traditionsclub", der ihn aufbauen sollte. Nun stellt sich heraus, dass der böse Redbull Konzert doch nicht schlecht ist.
      1 1 Melden
    • Amboss 26.09.2016 16:31
      Highlight @maxi: Ich finde auch, Embolo muss selber wissen, was er macht. Aus jetziger Sicht wäre ein Wechsel zu RB sicher besser gewesen. Die arbeiten dort echt gut.

      Noch kluger wäre es aber gewesen, ein Jahr lang zu einem Verein zu gehen, wo man Gras fressen, ackern und Verantwortung tragen muss, zB Luzern oder St. Gallen
      0 5 Melden
    • maxi 26.09.2016 16:47
      Highlight schalke oder leipzig kommt doch nicht draufan... istne nummer zu gross führ ihn... sind beides scheissvereine...
      2 2 Melden
  • Bluetooth 26.09.2016 11:21
    Highlight Gladbach als Vorbild? Gladbach hat immerhin den Trainer gewechselt.
    2 18 Melden
    • Raembe 26.09.2016 12:52
      Highlight Naja der Trainer ging selbst. Gladbach wäre mit Favre durch die Hölle gegangen.....
      20 1 Melden
  • wurstundbier 26.09.2016 11:07
    Highlight Mit Labbadia musste nach Skripnik (Werder) bereits der zweite Trainer gehen. Nicht wie im Text beschrieben der erste.

    #Tüpflischisser
    28 0 Melden
    • PRE 26.09.2016 11:17
      Highlight Stimmt natürlich, haben wir angepasst.
      15 1 Melden
    • wurstundbier 28.09.2016 11:37
      Highlight ❤️
      0 0 Melden
  • maxi 26.09.2016 10:55
    Highlight schalke gäbe es sie nicht, müsste man sie erfinden... lutscherclub
    19 10 Melden
    • maxi 26.09.2016 11:01
      Highlight 😎
      26 3 Melden
    • Devante 26.09.2016 11:53
      Highlight ähnlich wie YB
      18 8 Melden
    • welefant 26.09.2016 12:23
      Highlight ich finde diese YB *dreinschi**e* einfach immer herrlich ☺️☺️☺️ http://
      4 2 Melden

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