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Manneh im Zweikampf mit Mainzs Maskenmann Balogun. bild: twitter/wb_norge

Werders Ousman Manneh – in zwei Jahren vom Flüchtling zum Bundesliga-Profi 

Werder Bremen steckt tief im Sumpf: Vier Spiele, vier Pleiten, 3:14 Tore, letzter Platz. Beim bitteren 1:2 gegen Mainz sorgt Werder dennoch für eine schöne Geschichte. Ousman Manneh, 19-jähriger Flüchtling aus Gambia, kommt zu seinem Profi-Debüt.

22.09.16, 14:18 22.09.16, 14:29


Weserstadion, Bremen gegen Mainz, vierte Minute. Werder hat die erste Chance des Spiels. Aber Debütant Ousman Manneh scheitert am Mainzer Goalie Jonas Lössl. Es wäre fast zu kitschig gewesen, hätte der 19-Jährige getroffen. Mannehs Aufstieg zum Bundesliga-Stürmer ist aber auch ohne Torerfolg bemerkenswert.

Szenenwechsel. 6000 Kilometer südwestlich von Bremen ist Mannehs Heimat. Rund 1,7 Millionen Menschen leben in Gambia, einem kleinen Land im Westen Afrikas. Ein schönes Leben ist es nicht: Gambia zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Der seit zwei Jahrzehnten herrschende Staatspräsident Yahya Jammeh erklärte Gambia im letzten Jahr zu einem islamischen Staat; seit einiger Zeit häufen sich bei Menschenrechts-Organisationen die Berichte über Folter, Hinrichtungen und die Verfolgung von Schwulen. Man solle diese «töten wie Moskitos», forderte Jammeh, Homosexuelle seien «gefährlicher als Tsunamis und Erdbeben.»

Gambia ist etwa vier Mal kleiner als die Schweiz und hat auch etwa vier Mal weniger Einwohner. karte: wikipedia

Kein Wunder, ergreifen bei diesen Umständen viele junge Gambier die Flucht. Weil sie in der Regel als Wirtschaftsflüchtlinge eingestuft werden, haben sie in der Schweiz nur geringe Chancen, aufgenommen zu werden.

Stürmischer Rohdiamant

Mehr Glück hatte Ousman Manneh. 2014 flüchtet der Gambier aus seiner Heimat und landet in Deutschland. Wie er 17-jährig aus Afrika nach Europa fand, wollte er bislang für sich behalten. Aber wir alle kennen die Bilder von Menschen, die zusammengepfercht in Booten übers Mittelmeer fahren.

Manneh kommt im Flüchtlingsheim Lesum unter, am Rande der Stadt Bremen im Norden Deutschlands. Seine viele Freizeit verbringt er Fussball spielend, bei einem Sichtungstraining des Blumenthaler SV tritt er sofort in Erscheinung. Nur vier, fünf Minuten benötigte Trainer Fabrizio Muzzicato, um das Talent des Teenagers zu erkennen. «Das hätte sogar jemand gesehen, der nicht so viel Ahnung vom Fussball hat», sagte er dem «Weser-Kurier». In Gambia war der Landsmann von Sions Pa Modou Jagne während vieler Jahre in einer Fussball-Akademie.

Football - West Ham United v Werder Bremen - Pre Season Friendly - Upton Park - 2/8/15
Werder Bremen's Ousman Manneh warms up before the match
Action Images via Reuters / Matthew Childs
Livepic
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Mannehs grosser Traum vom Profifussball hat sich erfüllt. Bild: Matthew Childs/REUTERS

In Blumenthal darf Manneh bei den Junioren spielen, doch er fällt rasch den Talentspähern der grossen Klubs auf. Werder Bremen lässt den Stürmer mehrmals beobachten, auch der HSV, Schalke und Wolfsburg schicken Scouts. Am Ende entscheidet sich Ousman Manneh für die neue Heimat. Er bleibt in Bremen, unterschreibt einen Tag nach seinem 18. Geburtstag einen Vertrag bei Werders U23-Team. Sein Trainer dort: Alexander Nouri.

Hoffnungsträger im Kampf gegen den Abstieg

Genau dieser Nouri wurde anfangs Woche zum Interimstrainer des Bundesliga-Teams befördert, weil Werder Bremen sich nach drei Startpleiten von Viktor Skripnik getrennt hatte. Und weil die Grün-Weissen derzeit unter Stürmermangel leiden, nahm Nouri den 1,90 m grossen Manneh gleich mit hoch – und er liess ihn gegen Mainz auch gleich von Anfang an spielen. 

Manneh verdiente sich dabei gute Noten. Als er zehn Minuten nach der Pause – begleitet von Standing Ovations – ausgewechselt wird, führt Bremen gegen Mainz mit 1:0, die Tore zur 1:2-Niederlage fallen erst ganz kurz vor Schluss. Werder Bremen bleibt in der Krise, es droht der erste Abstieg seit 1980. Doch seit gestern hat der viermalige deutsche Meister einen neuen Hoffnungsträger. Einen, den Hoffnung und Mut schon einmal in eine schönere Zukunft geführt hat.

Verwirrung ums Alter

Zu reden gaben nicht nur Mannehs Tore in Bremens U23-Elf, sondern auch sein Geburtsdatum. Offiziell gilt der Geburtstag 1. März 1997, doch es gibt auch Quellen, die den 1. März 1995 nennen. Dass Gambias Verband im letzten Jahr gesperrt wurde, weil beim Alter mehrerer Spieler betrogen wurde, kann ja auch einfach bloss Zufall sein.

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Legendäre Bundesliga-Momente

Kultfigur Walter Frosch spielt mit einem Zigarettenpäckchen im Stutzen

19.11.1994: Nach einer kuriosen Rote Karte und dem Last-Second-Ausgleich des KSC flippt Lothar Matthäus im Interview komplett aus

23.09.1994: Mario Basler kommt auf die absurde Idee, eine Ecke direkt zu verwandeln und hat damit auch noch Erfolg

06.04.2002: Bundesliga-Goalie Piplica fällt der Ball von einem Kirchturm auf den Kopf und von dort fliegt er ins Tor

23.04.1994: Helmers Phantomtor, der berühmteste Nichttreffer der Bundesliga

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20.10.2000: Christoph Daums freiwillige Haarprobe ergibt, dass er doch kein absolut reines Gewissen haben darf

07.05.1991: «Mach et, Otze!» Kölns Ordenewitz will sich in den Pokalfinal tricksen – aber der DFB findet den Ordene-Witz nicht komisch

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13.04.1995: Andy Möller kreiert mit der Schutzschwalbe eine neue Tierart

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20.05.2000: «Ihr werdet nie deutscher Meister» – Ballacks Eigentor in Unterhaching macht Bayer endgültig zu «Vizekusen»

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10.03.1998: Trap hat fertig – diese dreieinhalb Minuten Kauderwelsch bleiben für die Ewigkeit

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16.05.1992: Eintracht Frankfurt verspielt den Meistertitel im letzten Moment, doch «Stepi» bleibt cool: «Lebbe geht weider»

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18.09.1999: Kuffour knockt Kahn aus und als Ersatzkeeper Dreher sich das Knie verdreht, werden «Tanne» Tarnat und der Kahn-Killer zu den grossen Matchwinnern

18.08.1995: St.Paulis Tier im Tor «geht einer ab», wenn er in der 1. Liga Bälle halten kann

03.04.1999: Titan Kahn tickt komplett aus – erst knabbert er Herrlich an, dann fliegt er in Kung-Fu-Manier auf Chapuisat zu

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31.08.1993: Jay-Jay Okocha demütigt Oliver Kahn und drei KSC-Verteidiger mit einem Wahnsinnstanz in 11 Sekunden für die Ewigkeit

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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