Sport
HAMBURG, GERMANY - APRIL 19: Hakan Calhanoglu of Hamburg appears frustrated after the Bundesliga match between Hamburger SV and VfL Wolfsburg at Imtech Arena on April 19, 2014 in Hamburg, Germany.  (Photo by Oliver Hardt/Bongarts/Getty Images)

Bild: Bongarts

HSV-Youngster will unbedingt weg

«Wenn das wirklich Calhanoglu geschrieben hat, dann hat er 'nen niedrigeren IQ als mein Auto PS hat!»

Um ihn herum wollte der HSV eine neue Mannschaft aufbauen. Im Winter wurde sein Vertrag vorzeitig bis 2018 verlängert. Doch nun will Mittelfeld-Juwel Hakan Calhanoglu nur noch weg. Die unglaubliche Posse um einen aufstrebenden Jungstar.

22.05.14, 10:31 04.07.14, 15:57

Es ist Montag, der 12. Mai. Trotz fünf Niederlagen in den letzten fünf Saisonspielen hat der Hamburger SV zwei Tage vorher die Relegationsspiele erreicht. Gegen Greuther Fürth muss der Bundesliga-Dino den ersten Abstieg der Vereinsgeschichte verhindern. 

Jubel über den Klassenerhalt: Hakan Calhanoglu mit Rafael van der Vaart in Fürth. Bild: EPA/dpa

Vor dem Nachmittagstraining stürmt Hakan Calhanoglu in die HSV-Geschäftsstelle. Der 20-jährige Deutsch-Türke, im letzten Sommer aus Karlsruhe nach Hamburg gewechselt, platzt in eine Vorstandssitzung und holt Vereinsboss Carl Edgar Jarchow und Sportdirektor Oliver Kreuzer heraus. Er will reden. Über seine Zukunft. 

«An der Tür hing ein Schild, auf dem stand: ‹Bitte nicht stören›. Aber ich bin trotzdem rein und habe gesagt, es sei dringend», erzählt Calhanoglu im Interview mit der am Dienstag erschienenen Zeitschrift «Sport-Bild». Der Shooting-Star macht klar, dass er weg will. «Egal, ob wir in der ersten oder zweiten Liga spielen.» Erst im Februar hatte er seinen Vertrag vorzeitig bis 2018 verlängert.

Nur noch weg: Calhanoglu will unbedingt zu Bayer Leverkusen. Bild: Bongarts

Bodenhaftung? Fehlanzeige

Doch das Angebot von Bayer Leverkusen ist für Calhanoglu zu verlockend. Der Mann, der mit elf Toren massgeblich zum Klassenerhalt des HSV beigetragen hat, will nämlich hoch hinaus. «Ich will einfach auch so weit kommen wie Cristiano Ronaldo oder Messi. Ich will auch ein Weltstar werden, über den alle sprechen», erklärt der Freistoss-Spezialist nach seiner ersten Bundesligasaison in der «Sport-Bild». Gesunde Bodenhaftung? Fehlanzeige.

Die HSV-Verantwortlichen versichern Calhanoglu, dass sie auf ihn setzen und eine Mannschaft um ihn herum aufbauen wollen. Doch das Verhältnis ist offenbar völlig zerrüttet. «Ich bin mit grosser Hoffnung hierher gekommen, aber ich habe sie verloren», sagt der türkische Nationalspieler.

Der schönste seiner elf Saisontreffer. Gif: Youtube/HSV

Wütend ist er vor allem auf Vorstandsboss Jarchow, der öffentlich gewettet hatte, dass Calhanoglu selbst bei einem Abstieg beim HSV bleiben werde. «Ich fand das respektlos. Ich gebe alles für den HSV, und er wettet. Dabei geht es um die Zukunft eines jungen Menschen. Ich will nicht, dass sie eine Mauer um meine Karriere bauen. Ich möchte den HSV im Guten verlassen.»

Die Reaktionen der Fans 

Ein schlechtes Gewissen, dass er trotz laufendem Vertrag so aggressiv auf einen Wechsel aus ist, hat Calhanoglu nicht. «Ich gebe dem HSV viel zurück». Er habe «sehr gute Leistungen» gezeigt und werde dem Verein bei einem Transfer «mindestens zehn Millionen mehr» einbringen, als die 2,5 Millionen Euro, für die er vor der Saison aus Karlsruhe gekommen war.

Die HSV-Fans haben für die Aussagen ihres einstigen Hoffnungsträger selbstredend wenig Verständnis. Auf Twitter lassen sie ihrem Unmut freien Lauf. «Prinz Hakan» versucht unterdessen die Gemüter zu beruhigen und bittet die Fans um Verständnis. Auch die Gründe für seine vorzeitige Vertragsverlängerung versucht er zu erklären.

Calhanoglu hat sich mit seinen Aussagen ganz schön was eingebrockt. Bild: Bongarts

Sportchef Kreuzer hat mittlerweile versucht, ein Machtwort zu sprechen: «Er wird definitiv HSV-Spieler bleiben.» Calhanoglu entgegnet nur: «Dann ist das wohl so.» Das letzte Wort in dieser Posse ist aber mit Sicherheit noch nicht gesprochen.

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Das Leben als tauber Fussballprofi: «Dem Schiri sage ich, dass ich ihn nicht hören kann»

Simon Ollert hat einen Schwerbehinderten-Ausweis und verdient sein Geld als Fussballprofi. Ein Interview über peripheres Sehen, üble Beschimpfungen und die Tatsache, weshalb er mit Gehör kein besserer Spieler wäre. 

Simon, du bist Fussballprofi trotz deines Handicaps. Wärst du ein besserer Spieler, wenn du nicht taub wärst?Simon Ollert: Nein, das glaube ich nicht. Ich hab spezielle Stärken gerade durch meine Taubheit. Ich bin einzigartig – darauf kommt es im Fussball an. 

Was kannst du besser? Ich sehe mehr als andere. 

Das musst du mir erklären.Ich habe das periphere Sehen perfektioniert. Dadurch habe ich offensive Qualitäten, die mir keiner so schnell nachmachen kann. Ich bin deshalb schwer …

Artikel lesen