Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Atletico Madrid's Diego Costa (L) celebrates with team coach Diego Simeone after scoring a penalty shot for the team during their Champions League semi-final second leg soccer match against Chelsea at Stamford Bridge Stadium in London April 30, 2014.      REUTERS/Sergio Perez (BRITAIN  - Tags: SPORT SOCCER)

Der Trainer und sein Star: Diego Simeone und Torjäger Diego Costa feiern dessen Penaltytreffer zum 2:1. Bild: Reuters

Der Mann der Stunde

Nachdem er Mourinho besiegte, ist jetzt Atlético-Trainer Simeone der «Special One»

Es ist die Adelung von höchster Stelle: José Mourinho gab Diego Simeone noch während der Partie die Hand – und gratulierte. Atléticos Trainer erteilte Chelsea im Halbfinale der Champions League eine Lehrstunde.

01.05.14, 14:54 01.05.14, 15:10

Ein Artikel von

Das Halbfinal-Rückspiel der Champions League zwischen Chelsea und Atlético Madrid war spätestes nach Arda Turans Treffer zum 3:1 in der 72. Minute zugunsten der Gäste entschieden. Da verliess Chelseas Trainer José Mourinho plötzlich seine Coaching-Zone. Sein Ziel war weder der Vierte Offizielle noch der Kabinengang. Der Portugiese ging zu seinem Kollegen Diego Simeone und reichte ihm glückwünschend die Hand. Eine Szene mit Seltenheitswert, vor allem bei Mourinho.

Den Händedruck vor dem Anpfiff wiederholte Mourinho später, gratulierte noch während das Spiel lief bereits Simeone zum Sieg. Bild: EPA

«Es ist ein schönes Gefühl, wenn der Trainer des gegnerischen Teams noch während des Spiels Zeit für so etwas findet», beschrieb Simeone die Szene nach dem Spiel. Mourinho sprach nach dem Schlusspfiff von einem «verdienten Sieg» für Atlético.

Mourinho vergeht das Spötteln

Dabei ging es vor dem Spiel noch wenig freundschaftlich zu, der Portugiese reagierte nahezu empört, als ihn jemand mit Simeone verglich. Der Argentinier spiele in einer anderen Trainerliga, sagte der Chelsea-Trainer. So schien es auch hinterher, wie Mourinho schmerzhaft erfahren musste. Simeone ist mit Atlético ungeschlagen in das Finale der Champions League eingezogen, Ex-Bayern-Profi Bixente Lizarazu bezeichnete ihn via Twitter sogar als den neuen «Special One»:

Für Simeone zählt der Einzug ins Endspiel der Königsklasse zu den grössten Erfolgen seiner Trainerkarriere, die er 2006 beim argentinischen Racing Club de Avellaneda begann. Es folgten weitere Stationen in Argentinien und Italien, ehe es mit der Erfahrung von fünf Jahren an der Seitenlinie im Dezember 2011 zurück zu Atlético ging, für das er von 1994 bis 1997 schon als Spieler aktiv war.

Simeone, den die Fans von Atlético «El Cholo» («Liebling») nennen, war es, der in der Saison 1995/1996 zwölf Tore für den Verein erzielte – und so grossen Anteil an der bisher letzten Meisterschaft des Clubs hatte. Er verkörperte auf dem Feld, was er auch heute von seinen Spielern verlangt: Leidenschaft und Kompromisslosigkeit.

Als Spieler ein Eisenfuss: Simeone 1997 im Dress der argentinischen Nati. Bild: AP

Defensiv abriegeln und blitzschnell umschalten

«Es war immer mein Ziel, eines Tages als Trainer zu Atlético zurückzukehren», sagte Simeone bei seiner Vorstellung. Als er in Madrid das Erbe von Gregorio Manzano antrat, hatte er allerdings keine leichte Aufgabe vor der Brust. Atlético war wenige Tage zuvor im spanischen Pokal an Drittligist Albacete gescheitert, in der Liga lag der Club im Tabellenmittelfeld und damit weit hinter den eigenen Ansprüchen.

Mit Simeone und seinem unbedingten Siegeswillen kehrte der Erfolg zurück. Atlético sicherte sich 2012 zum zweiten Mal nach 2010 den Titel in der Europa League. In der darauffolgenden Saison wurde die Qualifikation zur Champions League geschafft. Dabei vertraut Simeone auf ein Erfolgsrezept, das besonders in Spanien zunächst wenig Anklang fand: eine defensive Grundausrichtung, gepaart mit der Fähigkeit, perfekt umzuschalten und überfallartig zu kontern.

«Was sieht denn der da bloss, was ich nicht sehe?», scheint sich Mourinho zu fragen. Bild: Reuters

«Lieber weniger Ballbesitz und mehr Torchancen»

«Ballbesitz ist gut, aber bis zu welchem Punkt?», fragte der Coach unlängst in einer argentinischen Radioshow. Barcelonas Tiki-Taka-Strategie, den Ball so lange wie möglich in den eigenen Reihen zu halten, passt nicht in sein Verständnis vom Fussball. Er sei vom Gegenteil überzeugt. «Ich habe lieber weniger den Ball und dafür mehr Torchancen.»

Der Erfolg gib Simeone Recht. Atlético hat in dieser Saison mit den wenigsten Gegentoren und ohne eine einzige Niederlage das Champions-League-Finale in Lissabon erreicht. Aber nicht nur das: Auch in der Primera División stehen die «Rojiblancos» vor dem Titelgewinn. Drei Spieltage vor Schluss führt Atlético die Tabelle mit vier Punkten Vorsprung vor Barcelona an. Für die Madrider wäre es die erste Meisterschaft seit 18 Jahren. (mib/asi/chp)



Abonniere unseren Daily Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Herr und Frau Mötzli, können wir uns nicht einfach mal freuen?!

Die Schweiz schlägt Serbien hochdramatisch 2:1. Schlagzeilen machen aber die Doppeladler beim Jubel von Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri. Die Gesten waren unüberlegt und unnötig. Aber auch verständlich für Spieler, bei denen sich so viel um Identität und Zugehörigkeit dreht.

Als sich Xherdan Shaqiri nach seinem 2:1 in der 90. Minute gegen Serbien dazu entschied, seine Hände zum Doppeladler zu formen, da wurde er innert Sekunden vom Helden zum Deppen. 

Zumindest für ganz viele Schweizer Fans. Die Freude über den Sieg wurde schnell gedämpft. Dürfen sich Schweizer da überhaupt noch freuen? Das war doch Hochverrat!

Zum Glück, so muss man fast sagen, haben Shaqiri und Xhaka mit dem Doppeladler für einen kleinen Skandal gesorgt. Sonst, man stelle sich vor, hätten …

Artikel lesen