Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Atletico Madrid's Diego Costa (L) celebrates with team coach Diego Simeone after scoring a penalty shot for the team during their Champions League semi-final second leg soccer match against Chelsea at Stamford Bridge Stadium in London April 30, 2014.      REUTERS/Sergio Perez (BRITAIN  - Tags: SPORT SOCCER)

Der Trainer und sein Star: Diego Simeone und Torjäger Diego Costa feiern dessen Penaltytreffer zum 2:1. Bild: Reuters

Der Mann der Stunde

Nachdem er Mourinho besiegte, ist jetzt Atlético-Trainer Simeone der «Special One»

Es ist die Adelung von höchster Stelle: José Mourinho gab Diego Simeone noch während der Partie die Hand – und gratulierte. Atléticos Trainer erteilte Chelsea im Halbfinale der Champions League eine Lehrstunde.

Ein Artikel von

Spiegel Online

Das Halbfinal-Rückspiel der Champions League zwischen Chelsea und Atlético Madrid war spätestes nach Arda Turans Treffer zum 3:1 in der 72. Minute zugunsten der Gäste entschieden. Da verliess Chelseas Trainer José Mourinho plötzlich seine Coaching-Zone. Sein Ziel war weder der Vierte Offizielle noch der Kabinengang. Der Portugiese ging zu seinem Kollegen Diego Simeone und reichte ihm glückwünschend die Hand. Eine Szene mit Seltenheitswert, vor allem bei Mourinho.

epa04187064 Chelsea's manager Jose Mourinho (R) greets Atletico Madrid coach Diego Simeone (L) before the UEFA Champions League semi-final second leg match between Chelsea FC and Atletico Madrid at Stamford Bridge stadium in London, Britain, 30 April 2014.  EPA/GERRY PENNY

Den Händedruck vor dem Anpfiff wiederholte Mourinho später, gratulierte noch während das Spiel lief bereits Simeone zum Sieg. Bild: EPA

«Es ist ein schönes Gefühl, wenn der Trainer des gegnerischen Teams noch während des Spiels Zeit für so etwas findet», beschrieb Simeone die Szene nach dem Spiel. Mourinho sprach nach dem Schlusspfiff von einem «verdienten Sieg» für Atlético.

Mourinho vergeht das Spötteln

Dabei ging es vor dem Spiel noch wenig freundschaftlich zu, der Portugiese reagierte nahezu empört, als ihn jemand mit Simeone verglich. Der Argentinier spiele in einer anderen Trainerliga, sagte der Chelsea-Trainer. So schien es auch hinterher, wie Mourinho schmerzhaft erfahren musste. Simeone ist mit Atlético ungeschlagen in das Finale der Champions League eingezogen, Ex-Bayern-Profi Bixente Lizarazu bezeichnete ihn via Twitter sogar als den neuen «Special One»:

Für Simeone zählt der Einzug ins Endspiel der Königsklasse zu den grössten Erfolgen seiner Trainerkarriere, die er 2006 beim argentinischen Racing Club de Avellaneda begann. Es folgten weitere Stationen in Argentinien und Italien, ehe es mit der Erfahrung von fünf Jahren an der Seitenlinie im Dezember 2011 zurück zu Atlético ging, für das er von 1994 bis 1997 schon als Spieler aktiv war.

Simeone, den die Fans von Atlético «El Cholo» («Liebling») nennen, war es, der in der Saison 1995/1996 zwölf Tore für den Verein erzielte – und so grossen Anteil an der bisher letzten Meisterschaft des Clubs hatte. Er verkörperte auf dem Feld, was er auch heute von seinen Spielern verlangt: Leidenschaft und Kompromisslosigkeit.

Argentine Diego Simeone, battles for the ball with Paraguay's Estanislao Struway, right, as Paraguay's Roberto Acuna looks on  during Sunday, July 6, 1997, France '98 qualifying soccer game in Asuncion, Paraguay. Argentina defeated Paraguay 2-1. (AP Photo/Eduardo Di Baia)

Als Spieler ein Eisenfuss: Simeone 1997 im Dress der argentinischen Nati. Bild: AP

Defensiv abriegeln und blitzschnell umschalten

«Es war immer mein Ziel, eines Tages als Trainer zu Atlético zurückzukehren», sagte Simeone bei seiner Vorstellung. Als er in Madrid das Erbe von Gregorio Manzano antrat, hatte er allerdings keine leichte Aufgabe vor der Brust. Atlético war wenige Tage zuvor im spanischen Pokal an Drittligist Albacete gescheitert, in der Liga lag der Club im Tabellenmittelfeld und damit weit hinter den eigenen Ansprüchen.

Mit Simeone und seinem unbedingten Siegeswillen kehrte der Erfolg zurück. Atlético sicherte sich 2012 zum zweiten Mal nach 2010 den Titel in der Europa League. In der darauffolgenden Saison wurde die Qualifikation zur Champions League geschafft. Dabei vertraut Simeone auf ein Erfolgsrezept, das besonders in Spanien zunächst wenig Anklang fand: eine defensive Grundausrichtung, gepaart mit der Fähigkeit, perfekt umzuschalten und überfallartig zu kontern.

Chelsea's coach Jose Mourinho (R) and Atletico's coach Diego Simeone watch their Champions League semi-final second leg soccer match at Stamford Bridge in London, April 30, 2014.   REUTERS/Sergio Perez (BRITAIN  - Tags: SPORT SOCCER)

«Was sieht denn der da bloss, was ich nicht sehe?», scheint sich Mourinho zu fragen. Bild: Reuters

«Lieber weniger Ballbesitz und mehr Torchancen»

«Ballbesitz ist gut, aber bis zu welchem Punkt?», fragte der Coach unlängst in einer argentinischen Radioshow. Barcelonas Tiki-Taka-Strategie, den Ball so lange wie möglich in den eigenen Reihen zu halten, passt nicht in sein Verständnis vom Fussball. Er sei vom Gegenteil überzeugt. «Ich habe lieber weniger den Ball und dafür mehr Torchancen.»

Der Erfolg gib Simeone Recht. Atlético hat in dieser Saison mit den wenigsten Gegentoren und ohne eine einzige Niederlage das Champions-League-Finale in Lissabon erreicht. Aber nicht nur das: Auch in der Primera División stehen die «Rojiblancos» vor dem Titelgewinn. Drei Spieltage vor Schluss führt Atlético die Tabelle mit vier Punkten Vorsprung vor Barcelona an. Für die Madrider wäre es die erste Meisterschaft seit 18 Jahren. (mib/asi/chp)



Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Daniela Ryf und Nino Schurter sind die Schweizer Sportler des Jahres

Nino Schurter und Daniela Ryf wurden an den Credit Suisse Sports Awards in Zürich als Schweizer Sportler und Sportlerin des Jahres ausgezeichnet. Den Preis für das Team des Jahres erhielt die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft.

Zahlreiche Schweizer Sportler haben 2018 Ausserordentliches geleistet, deshalb präsentierte sich das Feld der Nominierten für die Sports Awards von heute hochkarätig wie selten zuvor. Mit Triathletin Daniela Ryf und Mountainbiker Nino Schurter setzten sich im Gegensatz zum Vorjahr, als Wendy Holdener und Roger Federer triumphierten, zwei Athleten durch, die eher aus Randsportarten stammen.

Die weiteren Awards in der TV-Gala gingen an Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer (Trainer …

Artikel lesen
Link to Article