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Fünf Treffer: Luiz Adriano war gegen Bate Borissow nicht zu bremsen. Bild: VASILY FEDOSENKO/REUTERS

Skandaltor von Nordsjaelland jetzt vergessen?

Tor, Tor, Tor, Tor, Tor – wie Schachtjor-Stürmer Luiz Adriano endlich sein Image ändern konnte

Fünf Treffer in einem Champions-League-Spiel: Der Brasilianer Luiz Adriano hat den Torrekord von Lionel Messi eingestellt und eine andere Bestmarke geknackt. Wer ist dieser Stürmer von Schachtjor Donezk?

22.10.14, 16:22

Ein Artikel von

Birger hamann / spiegel online

Vielleicht ist jetzt ja mal Schluss mit den negativen Schlagzeilen. Unfair war noch das netteste Wort, was man in den vergangenen zwei Jahren in den Medien über Luiz Adriano las. Doch dazu später mehr, zunächst einmal dies: Der Brasilianer hat beim 7:0-Sieg von Schachtjor Donezk bei Bate Borissow einen Torrekord in der Champions League gebrochen und einen anderen eingestellt.

Los ging die Luiz-Adriano-Show in Weissrussland in der 28. Minute. Der 27-Jährige verwandelte einen Foulelfmeter zum 2:0. Es folgten später das 4:0 in der 36. Minute, das 5:0 in der 40. Minute und das 6:0 in der 44. Minute. Vier Tore binnen 17 Minuten, das hatte es in der Champions League zuvor noch nie gegeben.

Adriano verteilt Küsschen. Bild: Sergei Grits/AP/KEYSTONE

Die alte Bestmarke lag bei vier Toren innerhalb von 24 Minuten, aufgestellt von gleich zwei Spielern: Mario Gomez gelang dies beim 7:0-Sieg des FC Bayern am 13. März 2012 gegen den FC Basel ebenso wie Dado Prso, der am 5. November 2003 beim 8:3 des AS Monaco gegen Deportivo La Coruña viermal traf.

Doch nach seinen vier Toren und dem neuen Rekord war Luiz Adriano noch nicht fertig. In der 82. Minute stellte er, wieder per Foulelfmeter, den 7:0-Endstand her. Fünf Tore in einem Champions-League-Spiel: Das hatte es in der Geschichte zuvor nur einmal gegeben.

Vier oder mehr Tore in einem CL-Spiel

Das war am 7. März 2012, Achtelfinal-Rückspiel, FC Barcelona gegen Bayer Leverkusen, Endstand 7:1. Fünf Treffer für die Spanier erzielte – wer sonst? – Lionel Messi. Diese damals aufgestellte Bestmarke muss er sich von nun an mit Luiz Adriano teilen. «Ich bin wirklich froh darüber, so oft getroffen zu haben», sagte Donezks Stürmer.

Von Messi weiss man mittlerweile fast alles, über seine Kindheit in Argentinien, seine Jugend in Barcelona, wo er mit Wachstumshormonen aufgepäppelt wurde, schliesslich seine unglaubliche Karriere bei Barça. Wer aber ist dieser Luiz Adriano?

Vier Gründe für den verpassten Grossklub-Wechsel

Zunächst einmal ein herausragender Stürmer. Dass man bislang kaum Notiz von dem Angreifer genommen hat, mag daran liegen, dass er seit März 2007 für den ukrainischen Klub Schachtjor Donezk spielt. Seine Torquote lässt aber erahnen, welch guter Stürmer Luiz Adriano ist: In insgesamt 246 Spielen für Schachtjor bislang erzielte er 117 Tore, er trifft also fast in jedem zweiten Spiel.

Dass dieser Wert nicht bloss dank der Tore in der eher zweitklassigen ukrainischen Liga zustande kommt, zeigt die Europapokal-Bilanz: In 61 internationalen Spielen mit Donezk traf er 29 Mal, also auch fast in jedem zweiten Spiel. Mircea Lucescu, seit 2004 Trainer von Schachtjor, sagte einmal, Luiz Adriano sei ein «Instinktstürmer».

Wann klopft der erste Grossklub an? Bild: VASILY FEDOSENKO/REUTERS

Begonnen hat der Angreifer seine Karriere beim SC International aus Porto Alegre. In Brasilien bildete er gemeinsam mit Alexandre Pato ein Sturmduo, beide hatten grossen Anteil am Gewinn der Fifa-Klub-WM 2006. Während Pato 2007 für eine Ablösesumme von 22 Millionen Euro zum grossen AC Mailand wechselte, unterschrieb Luiz Adriano im selben Jahr bei Schachtjor, das gerade einmal drei Millionen Euro für den Stürmer bezahlte - ein Schnäppchen, wie sich mittlerweile herausstellt.

Dass Luiz Adriano nie zu einem grossen europäischen Verein gewechselt ist, hat vier Gründe: Erstens zahlt der Klub des aus Donezk stammenden Milliardärs Rinat Achmetow ebenso Millionengehälter wie die Konkurrenten in der Champions League; zweitens garantiert der Klub Titel, allein sechsmal wurde Luiz Adriano mit Schachtjor Meister und 2009 Europa-League-Sieger; drittens hat der Stürmer einen Stammplatz in Donezk sicher; und viertens hat der Klub im Laufe der Jahre ein wahres Nest für Brasilianer aufgebaut, um ihnen so die Eingewöhnung zu erleichtern und später den Verbleib schmackhaft zu machen. Aktuell stehen 13 brasilianische Spieler im Schachtjor-Kader.

«Skandaltor» gegen Nordsjaelland 

Doch über all die Tore und Erfolge wird kaum gesprochen, wenn von Luiz Adriano die Rede ist. Stattdessen ist noch fast zwei Jahre später dieses Champions-League-Gruppenspiel beim FC Nordsjaelland präsent. Damals waren die Dänen 1:0 in Führung gegangen. In der 25. Minute lag ein Spieler der Gastgeber verletzt am Boden, Referee Antony Gautier unterbrach das laufende Spiel deswegen, es ging weiter mit Schiedsrichterball.

Weil Nordsjaelland vor der Unterbrechung in Ballbesitz gewesen war, spielte Schachtjors Willian, heute beim FC Chelsea aktiv, den Ball in Richtung dänisches Tor. Luiz Adriano schnappte sich jedoch das Spielgerät, umkurvte den gegnerischen Keeper Jesper Hansen und schob zum 1:1 ein. Anschliessend trabte der Brasilianer in die eigene Hälfte, als sei nichts gewesen.

video: youtube/Soccerportal

Nordsjaellands damaliger Trainer Kasper Hjulmand, aktuell Coach von Mainz 05, sagte damals: «Wir reden immer von Fair Play – ich denke eine Rote Karte für Adriano wäre angemessen gewesen.» Die Kritik am Stürmer war vernichtend, er musste sich später aufgrund des Drucks öffentlich entschuldigen. Nichts desto trotz sperrte die UEFA den Spieler nachträglich für eine Partie.

Seitdem wurde Luiz Adriano mit dem «Skandaltor» in Verbindung gebracht. Seit Dienstagabend wurde es von der Schlagzeile «Torrekord» abgelöst.

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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