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LONDON, ENGLAND - JANUARY 03:  Gary Anderson of Scotland celebrates with the Sid Waddell Trophy alongside the oche girls after defeating Adrian Lewis of England in the final match during Day Fifteen of the 2016 William Hill PDC World Darts Championships at Alexandra Palace on January 3, 2016 in London, England.  (Photo by Dan Mullan/Getty Images)

Läuft bei ihm: Gary Anderson verteidigt seinen WM-Titel. Bild: Getty Images Europe

Weil Darts «so einfach ist», kann sich Gary Anderson verrechnen und wird trotzdem Weltmeister

Als hätte er bewusst an seinem Denkmal gemeisselt: Gary Anderson begeht im WM-Final gegen Adrian Lewis zwei krasse Rechenfehler – und wird dann doch Darts-Weltmeister. 



Gary Anderson hat seinen Weltmeistertitel gestern Abend als erst dritter Spieler nach Phil Taylor und Adrian Lewis verteidigen können. Damit gesellt sich «The Flying Scotsman» zu den grössten Legenden seines Sports – auch dank der Art und Weise, wie er seinen Titel geholt hat.

Das Finish zum zweiten Weltmeistertitel von Gary Anderson.

Dass der mittlerweile 45-jährige Anderson früher als Bauarbeiter und nicht als Mathematiker seine Brötchen verdiente, zeigte er gestern im Final eindrücklich: Gleich zweimal verzählte sich der Schotte und zielte mit dem letzten Wurf auf das falsche Feld.

Damit hätte niemand gerechnet

Bei einer 2:1-Satzführung und einem 1:0 in den Legs hatte Anderson noch 24 Punkte Rest, um auf 2:0 davonzuziehen. Reine Routine sollte man meinen. Doch erst verpasste Anderson die Doppel-12, traf stattdessen nur die 9 und musste den Rest von 15 aufteilen, weil nur ein «Double-Out» erlaubt ist.

Anderson warf also die 3 und hätte den Rest von 12 mit einer Doppel-6 erledigen sollen. Die Kamera war bereits auf diese Doppel-6 geschwenkt, als ein Gemisch aus Raunen und Gelächter durchs Publikum ging: Anderson visierte mit dem letzten Pfeil fälschlicherweise die Doppel-1 an und Lewis konnte anschliessend problemlos zum Leg-Ausgleich werfen.

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Der Rechenfehler von Gary Anderson und der Wurf in die Doppel-1. Video: streamable

Ein anderes Mal warf Anderson in die Dreifach-20, obwohl er nur noch 56 Punkte auf dem Konto hatte. Nach dem Spiel meinte «The Flying Scotsman»: «Ich weiss gar nicht, was heute los war. Ich habe zeitweise sehr gut gespielt, zeitweise aber auch sehr wirr.»

Vom Bauarbeiter zum Darts-Profi

«Das ist aber einfach!»

Gary Anderson, nachdem er mit den ersten neun Darts seines Lebens 460 Punkte erzielte

Legenden entstehen nicht bloss durch Erfolge, sondern vielmehr durch Geschichten. Dass sich Gary Anderson im WM-Final gleich zwei Mal verrechnet und trotzdem Weltmeister wird, ist die eine. Die Erzählung von der ersten Begegnung des Schotten mit dem Dartsport eine andere, die den Mythos Gary Anderson prägt: 

Als ihn sein Onkel gefragt habe, ob er mitspielen möchte, warf Anderson mit den ersten neun Darts seines Lebens 140, 140 und 180 Punkte, um dann seinem erstaunten Onkel zu sagen: «Das ist aber einfach!»

So kam der Schotte, von dem man sagt, er habe einen der besten Wurfstile der Welt, zum Dart. Anderson gewann auf Anhieb Turniere und kam lange praktisch ohne Training aus – weil er es einfach konnte. «Ich trainiere wirklich nicht viel, manchmal wochenlang nicht», hatte er mal zugegeben.

LONDON, ENGLAND - MAY 22: Gary Anderson of Scotland celebrates winning a leg during the McCoys Premier League Darts Play-Offs Semi Final match between Michael van Gerwen and Gary Anderson at O2 Arena on May 22, 2014 in London, England.  (Photo by Ben Hoskins/Getty Images)

Gary Anderson: Hat mehr Gefühl in seiner Hand als Rosamunde Pilcher im Herzen.  Bild: Getty Images Europe

Andersons Erfolge

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Zum Auswendiglernen: Die Erfolge von Gary Anderson. bild: wikipedia

Über zwei Millionen Pfund Preisgeld

Eben weil Anderson einer der begnadetsten Darts-Spieler der Welt ist, hat er 2006 doch noch beschlossen, seinen Kaminbauer-Job an den Nagel zu hängen, um Full-Time-Profi zu werden. Er schloss sich der BDO (British Darts Organisation) an, sein Spitzname damals: «Dream Boy»!

2009 schloss sich Anderson der PDC (Professional Darts Corporation), dem prestigeträchtigsten Welt-Dartverband, an. Die schottische Darts-Legende Jocky Wilson verpasste ihm nun den Spitznamen «The Flying Scotsman», unter dem Anderson seither antritt.

Anderson feiert den Titel und das Sackgeld von 300'000 Pfund.

Die Entscheidung, voll auf Darts zu setzen, hat sich mehr als gelohnt: Das Palmarès von Anderson liest sich wie eine nicht enden wollende Pergamentrolle. Und auch finanziell hat sich die Darts-Karriere ausbezahlt. Bisher hat Anderson, Vater von drei Kindern, über zwei Millionen Pfund an Preisgeld gewonnen – alleine für den WM-Titel von gestern gab es 300'000 Pfund. Trotz Rechenfehler.

Fans bei der Darts-WM

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    Alle Leser-Kommentare
  • Boogie 04.01.2016 14:25
    Highlight Highlight Wenn ich mich recht erinnere hat er sich sogar mehr als zwei Mal verrechnet. So warf er fälschlicherweise einmal die Doppel1, einmal Dreifach20 und einmal Bullseye.
    Das absurde daran ist, dass er das "falsche" Doppel/Dreifach-Feld dann auch noch jedes Mal getroffen hat :)

    • Too Scoop 04.01.2016 15:23
      Highlight Highlight Er wäre Fussballer und würde mehrmals ins eigene Tor schiessen und trotzdem gewinnen.
  • Tikkanen 04.01.2016 12:55
    Highlight Highlight Merci Watson für die Dart Artikel. Weiter so, der Sport hat immer mehr Fans in der Schweiz👍👐
  • Tsetse 04.01.2016 12:41
    Highlight Highlight Habe mal irgendwo gelesen, dass Anderson sehr schlecht sieht und er mehr oder weniger nach seinem Gefühl wirft. Dies rechtfertigt die tripple-20 aber natürlich nicht
    • Schlumpfinchen 04.01.2016 13:33
      Highlight Highlight Gestern während dem Match sagten sie mal, er hätte sich an einem Auge operieren lassen deswegen. Könnte sein, dass er nicht so gut sieht, aber vielleicht ist ein Teil davon ein Mythos den er selbst geschaffen hat.
    • moccabocca 04.01.2016 14:11
      Highlight Highlight Wie Barney! Der Arme leidet an Diabetes und die Krankheit schwächt sein Sehvermögen zunehmend. Er spielt (meistens) ohne Brille - obschon er die Felder nicht mehr sehen kann - da er so besser trifft ;-)
    • Sandro Zappella 04.01.2016 14:33
      Highlight Highlight Gary Anderson leidet an Kurzsichtigkeit. Er erkennt zwar das Board, bei den Doppel- und Triple-Felder hat er jedoch Mühe.

      Kontaklinsen mag er übrigens nicht und eine Laseroperation fürchtet er anscheinend. Im Training versuche er es jeweils mit Lesebrille, doch die haue er sich irgendwie immer von der Nase.

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