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Gewiefter Taktiker: Antonio Conte gilt nicht erst seit dieser EM aus abgebrühter Trainerfuchs. Bild: Martin Meissner/AP/KEYSTONE

Italiens Coup gegen Titelverteidiger Spanien: Wie Taktikfuchs Conte Del Bosque austrickste

Italien wirft mit einem verdienten 2:0-Sieg im Achtelfinal Titelverteidiger Spanien aus der EM. Die Basis zum Erfolg legt Trainer Antonio Conte, der das richtige Mittel gegen den spanischen Ballbesitzfussball gefunden hat.

28.06.16, 05:11 28.06.16, 07:23

markus brütsch, saint-denis / aargauer zeitung



Natürlich weiss Antonio Conte schon lange, wie man jubelt. Als Trainer von Juventus Turin hat er die Titel nur so abgeräumt. Gestern nun hat er als Nationalcoach zwar noch nicht seinen ersten zu feiern gehabt, doch einen derart grossen Sieg errungen, dass er nach dem Abpfiff nicht mehr zu halten war. Wie von Sinnen sprang er die Spielerbank an, wollte auf sie hinaufklettern und lebte, alle und alles umarmend, seine Emotionen aus.

«Meine Jungs waren grossartig, ich habe gewusst, dass sie etwas Besonderes in sich haben», krächzte er nach dem hochverdienten 2:0-Triumph über den Europameister wenig später schwitzend in die Mikrofone.

Del Bosque gratuliert Conte fair zum Sieg.
Bild: John Sibley/REUTERS

Aber auch er als Trainer muss etwas Besonderes in sich haben. Schon gegen die Belgier hatte er sich beim Jubeln die Nase verletzt. Gestern war er am Spielfeldrand so aktiv, dass man unweigerlich überzeugt davon war, er habe seine Mannschaft mit seiner Art zum Sieg gepusht. Welch ein Unterschied zu seinem Gegenüber Vicente Del Bosque, der, wenn er nicht gerade auf der Bank sass, stoisch in der Coaching-Zone stand, eine Hand im Hosensack .

Ratlose Spanier

Aber freilich war das Mitleben Contes nur ein kleines Mosaiksteinchen, das zum Erfolg führte. Wichtiger war fraglos gewesen, was der Trainer vor dem Spiel ausgeheckt hatte. Man konnte sich mit Ausnahme der letzten 25 Minuten, als Spanien auf den Ausgleich drängte, nämlich nur die Augen reiben, was sich unten auf dem Rasen im Stade de France abspielte.

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Sieben Spanier und fünf Italiener, die 2012 beim Final in Kiew in der Startformation gestanden hatten, waren auch gestern Titulare. Was es scheinbar einfach machte, den Titelverteidiger zu favorisieren. Doch während vor vier Jahren Chiellini, Bonucci, De Rossi und Co. mit den entfesselten Iberern Iniesta, Fabregas und Silva nicht klarkamen und 0:4 untergingen, war es diesmal genau umgekehrt.

Gewiss hatten die Spanier damit gerechnet, die Italiener würden nach den vielen Negativerlebnissen in den Duellen der letzten Jahre mit dem gebührenden Respekt ganz tief stehen. Doch Conte, der schlaue Fuchs, hatte für Del Bosque eine dicke Überraschung bereit. Seine Mannschaft stürmte, als hätte sie nie anderes gelernt und drängte die Spanier zurück.

Seit Jahren hatte man die «Furia Roja» nicht mehr so ratlos leiden sehen. «Wir waren viel zu passiv, wollten schauen, was sie machen», sagte Spaniens Spielmacher Andres Iniesta hinterher. Und gab zu: «Abzuwarten, das war ein grosser Fehler.»

Andrés Iniesta konnte sich gegen hartnäckige Italiener nie richtig entfalten. 
Bild: Francois Mori/AP/KEYSTONE

Doch dies war höchstens die halbe Wahrheit. Die Spanier waren vor allem deswegen nicht ins Spiel gekommen, weil die Italiener immer und immer wieder erfolgreich den ballbesitzenden Gegner angegriffen hatten und der Europameister deshalb sein berühmtes Passspiel nicht aufziehen konnte. Diese Idee hatten zwar auch andere Mannschaften gehabt, waren bei der Umsetzung aber immer zu spät gekommen.

Buffons Glanztat sichert den Sieg

Die Italiener nicht. Sie liessen es jedoch nicht dabei bewenden, das gegnerische Spiel zu ersticken, sondern sie zeigten viel Spielkultur. Das 1:0 (33.) des aufgerückten Verteidigers Chiellini im Anschluss an einen Freistoss von Eder und einen Fehler von Goalie David de Gea entsprach dem Geschehen.

Chiellini stolpert den Ball zum 1:0 ins Tor.
streamable

Natürlich, die Spanier waren nach der Pause besser ins Spiel gekommen, sie hatten die eine oder andere Torchance zum Ausgleich. Wie Piqué in der letzten Minute, der jedoch am überragend reagierenden Goalie Gianluigi Buffon scheiterte.

Buffon rettet Italien den Sieg.
streamable

Auf der anderen Seite hätte Italien die Partie schon zehn Minuten nach der Pause vorentscheiden können, als Eder nach einer wunderbaren Kombination alleine auf De Gea zulief, den Ball aber am diesmal stark reagierenden Torwart nicht vorbei brachte. Erst in der 90. Minute erlöste Graziano Pellè sein Team mit dem 2:0. Zuvor allerdings hätte Teamkollege Thiago Motta für eine grobe Unsportlichkeit vom Platz gestellt werden müssen.

Pellè macht kurz vor Schluss alles klar.
streamable

«In der letzten Viertelstunde mussten wir leiden», sagte Chiellini, «aber wir haben aus unseren Fehlern in Kiew gelernt und den unbedingten Willen zum Sieg gehabt.» Conte sagte: «Wir haben bewiesen, dass wir nicht nur den Catenaccio beherrschen.» Viertelfinalgegner Deutschland wird es zur Kenntnis genommen haben.

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33
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33Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • meliert 28.06.2016 11:56
    Highlight einfach super diese Italiener, und jetzt die Deutschen rauskicken😊
    20 5 Melden
  • Rigel 28.06.2016 10:51
    Highlight Ich habe die italienischen Fans nach dem Spanien-Spiel ein bisschen belauscht.

    Die haben ein Lied auf Deutsch einstudiert und das geht so:

    "Ihr könnt nach Hause gehn, Ihr könnt nach Hause gehn, Ihr könnt nach Hause gehn............"

    Nun ja, es klang noch ein bisschen holprig, aber sie haben ja noch Zeit das ganze bis Samstag richtig einzustudieren.

    Dann werden die deutschen Fan und Spieler diesen Song so richtig geniessen können.
    11 17 Melden
  • MaskedGaijin 28.06.2016 08:38
    Highlight Für mich ist Italien jetzt Titelkandidat Nr. 1. Sackstark wie die spielen.
    35 5 Melden
  • Nosgar 28.06.2016 08:29
    Highlight Ihr hattet doch manchmal Gastbeiträge einer Taktik-Seite. Das wäre jetzt noch spannend.
    21 0 Melden
  • alessawardo 28.06.2016 08:07
    Highlight Seit Jahren hatte man die «Furia Roja» nicht mehr so ratlos leiden sehen. «Wir waren viel zu passiv, wollten schauen, was sie machen», sagte Spaniens Spielmacher Andres Iniesta hinterher. Und gab zu: «Abzuwarten, das war ein grosser Fehler.»

    - Doch! 2010 Während dem 1:5 gegen die Niederlanden.
    21 4 Melden
    • panaap 28.06.2016 08:22
      Highlight Seit Jahren... Also vor 6 zumbeispiel 🤓#klugscheisserichweiss
      7 3 Melden
    • RedWing19 28.06.2016 09:34
      Highlight Das 1:5 gegen die Niederlande war 2014, also vor zwei Jahren.
      2010 standen sie gegen denselben Gegner noch im WM-Finale.
      7 1 Melden
    • alessawardo 28.06.2016 09:36
      Highlight 2014natürlich, entschuldigt.
      7 0 Melden
    • Gigi vo Züri 28.06.2016 09:49
      Highlight *2014
      1 0 Melden
    • greeZH 28.06.2016 10:05
      Highlight gegen Chile waren sie auch chancenlos.
      2 0 Melden
    • RedWing19 28.06.2016 10:09
      Highlight Kein Ding ;)
      1 0 Melden
  • elmono 28.06.2016 07:01
    Highlight Das Geheimmittel heisst 3 5 2. 2012 hatte man Spanien in der Gruppenphase glaub ich bereits ein 1:1 abgetrotzt. Im Final hat Prandelli dann unvernünftigerweise auf eine 4-3-1-2 (nicht mehr 100% sicher) umgestellt und das Ergebnis dieser Fehlentscheidung war dann das 4:0. Chile hat zudem den Spaniern 2014 mit dem 3 5 2 die WM versaut😂😂
    21 4 Melden
    • Caprice 28.06.2016 08:39
      Highlight E chi chi chi le le le le!
      7 0 Melden
    • Hans der Dampfer 28.06.2016 11:00
      Highlight Das und die fehlende Regenaration. Die Italiener selbst hatten damals gesagt das sie schlicht platt waren. Mit müden Beinen kannst du gegen Spanien nicht bestehen.
      4 0 Melden
  • cherezo 28.06.2016 06:57
    Highlight Nach einem Sieg einer ausländischen fussballmannschaft scheint via secura für eine Stunde Toleranz ausgesetzt. Gestern bestätigt von einem Polizisten.
    4 60 Melden
    • Fee.22 28.06.2016 07:34
      Highlight Die Ausländer wieder... Ich mein, wir sind hier immer noch in der Schweiz, gell. Sollen die Italiener doch auf ihrem Territorium die eigenen Landsleute gefährden und nicht UNSERE Frauen und Kinder!

      HEEEE NÄÄÄÄIIIII
      35 16 Melden
    • Fee.22 28.06.2016 08:58
      Highlight Das hab ich übrigens ironisch gemeint ;) Bin gestern auch fast in eine Verkehrsinsel gefahren vor lauter hupen. Aber wirklich nur fast =D
      21 6 Melden
    • The Return of The King, Louie the Gscheidhaferl I. 28.06.2016 09:04
      Highlight Immer diese ausländischen Fussballmannschaft. Ganz schlimm. Was haben die eigentlich das Gefühl, wer sie sind?! In der Schweiz wird schweigend genossen, wenn eine Mannschaft oder ein Sportler gewinnt, nicht johlend, hupend und frohlockend durch die Strassen gezogen. Das ist schweizerische Kultur, die hier böswillig untergraben wird!
      29 5 Melden
    • john waynee 28.06.2016 09:08
      Highlight Mal schauen ob meiner einer auch Toleranzkriegt bei der nächsten Verkehrsübertretung. Und sowieso freue ich mich wie ein kleines Kind auf die nächsten Schachweltmeisterschaften, bei welchen mein Liebling Magnus Carlsen hoffentlich gewinnen wird. Dann zeig ich euch mal was hupen bedeutet.! Man wird mir doch dann hoffentlich nicht verübeln, dass meine Wenigkeit intellektuell anspruchsvolleren Sport bevorzugt?-. Aus dem Fenster lehnen während mein Allerwertester auf die Hupe drückt während der Fahrt wird mein Meisterstück werden!
      14 14 Melden
    • Fabio74 28.06.2016 10:04
      Highlight Hauptsache motzen. Wie verbittert muss man sein, um solche Kommentare zu schreiben?
      15 1 Melden
    • The Return of The King, Louie the Gscheidhaferl I. 28.06.2016 11:02
      Highlight @Fabio74: Vielleicht konnte Cherezo gestern nicht sofort über die Strasse gehen oder stand 10 Minuten länger im Stau als sonst... who knows ;-)
      11 0 Melden
    • Hans der Dampfer 28.06.2016 11:05
      Highlight Wenn die Schweiz auch mal weiter käme als ins Achtelfinale, könnten die auch feiern aber das dauert wahrscheinlich noch ein wenig bis es soweit ist. Gut, die haben zwar meist keine geleasten Supersportwagen (= weniger Fun, keine Busse) aber der eine oder andere wird sicher eine Kuhglocke dabei haben.
      7 2 Melden
    • john waynee 28.06.2016 12:30
      Highlight Louie es geht nicht darum ob ich am Fussgängerstreifen warten musste, sondern darum, dass Kreisel blockiert wurden. Verkehrsregeln, welche unabdingbar sind um Unfälle zu vermeiden einfach ausser Kraft gesetzt werden von einer bestimmten Personengruppe. Dies gefährdet und verunsichert die anderen Verkehrsteilnehmer, welche dann wiederum umso mehr Vorsicht mahnen lassen müssen. Von mir aus können sich alle "fussballfans", die ja gemäss ihren Aussagen beinahe selbst mitspielen in einer Waldhütte treffen und ihre Gaudi dort bis in die frühen Morgenstunden abgehen lassen.
      3 8 Melden
    • john waynee 28.06.2016 12:34
      Highlight Es ist eine Unart, die weder ich noch meine CH Bekannten so kennen und je ausgeübt haben. Scheint mit der entsprechenden Erzeihung zu tun zu haben. Es würde mir kein Grund einfallen, um mit meinem Auto hupend, die Nachbarschaft terrorisierend umherzufahren und wenn möglichst noch aus dem Auto herauslehnend die Leute zusammenzuschreien. Primitiveres Verhalten sehe ich nur auf Geographic Channel.
      3 9 Melden
    • john waynee 28.06.2016 12:36
      Highlight Und by the way selbst wenn die CH mal Weltmeister werden sollte, wird die CH zwar auch mit Huperei überzogen, primär zu 90% aber von albanischen Mitbürgern, die ihren Sieg feiern.
      5 6 Melden
    • The Return of The King, Louie the Gscheidhaferl I. 28.06.2016 13:00
      Highlight @ John Mimimi: Ich weiss ja nicht, wieso du nun mich ansprichst....habe ganz klar von Cherezo gesprochen. Der Kanal heisst übrigens National Geographic, so nebenbei. Des Weiteren möchte ich meine Hochachtung vor dir kund tun. Denn wer sich über solche Lächerlichkeiten so echauffieren kann, der hat definitiv keine anderen Probleme. Und das verdient doch eine gewisse Bewunderung. Warum du jetzt auch noch gegen Albaner nachtreten musst, verstehe ich nicht wirklich.
      3 0 Melden
    • Fee.22 28.06.2016 13:01
      Highlight Da haben wir's. Die primitiven Ausländer wieder. HAHA
      3 0 Melden
    • The Return of The King, Louie the Gscheidhaferl I. 28.06.2016 13:06
      Highlight Ah und noch was Johnnyboy. Nein, DU hast keine Toleranz verdient. Und auch deinen dämlichen Spruch mit der Erziehung kannst du getrost stecken lassen. Das ist einfach Freude, die so gezeigt wird. Ich mache das selbst übrigens auch nicht, aber im Gegensatz zu dir hab ich, zum Glück, keinen meterlangen Stock im Allerwertesten und freue mich einfach ab der Freude dieser Fans.
      Ich weiss, ich weiss, in der Schweiz geht man in den Keller, um sich zu freuen, ich preferiere aber doch eher tanzen, schreien, lärmen und lachen, um meine Freude zu zelebrieren, Verrat an der Schweizer Kultur halt ;-)
      3 0 Melden
    • FrancoL 28.06.2016 13:09
      Highlight @john waynee; War das nun Deine Art von Ironie? Oder hat Deine "Motzerei" einen ernsten Hintergrund? Einfach lächerlich, hoffentlich bist Du wenigstens an Deinem Arbeitsplatz so gesetzestreu und benimmst Dich überall nach den besten Gepflogenheiten.
      3 0 Melden
    • stef2014 28.06.2016 13:15
      Highlight John, entweder du wohnst sehr abgelegen oder du ignorierst gewisse Dinge. Nach der Gruppenphase habe ich viele Schweizer gesehen/gehört, die genau so gefeiert haben wie die Albaner, Italiener, Portugiesen etc. Wieso auch nicht? Wir reden hier von Ereignissen, die alle 2 Jahre stattfinden, von wenigen Minuten oder Stunden. Ist deine Lebensqualität dadurch derart eingeschränkt, dass du nicht ab und zu über deinen Schatten springen kannst und den Leuten den Spass gönnst? Und btw, Albaner und Schweizer haben gemeinsam geil gefeiert. Zusammen. Aber egal was sie tun, es ist ja nie recht.
      5 0 Melden
  • philosophund 28.06.2016 05:59
    Highlight Der Sieg sei gegönnt. Mal abgesehen von Mottas Tiefrotverhalten war das gestern echter Fussball. Ganz geil. Gaaaanz geil.
    40 4 Melden

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