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Yann Sommer hält den Schweizer Sieg fest.
Bild: JOHN SIBLEY/REUTERS

Das war gut, das muss besser werden: Die Nati-Zwischenbilanz nach dem Sieg gegen Albanien

Sieg gegen Albanien, drei Punkte im Trockenen: Doch noch hat die Schweizer Nati nicht ihr bestes Gesicht gezeigt. Während einiges schon ganz gut war, gibt es andernorts noch viel zu verbessern.

12.06.16, 06:20 12.06.16, 14:32

«Ein Traumstart», sagte Granit Xhaka zum mühsam erkämpften 1:0-Sieg gegen Albanien und meinte damit vor allem das Resultat. Ansonsten vermochte die Schweizer Nati bei ihrem ersten Auftritt nämlich nicht wirklich zu überzeugen. Das Wichtigste sind die drei Punkte, daneben bleibt dem Team von Vladimir Petkovic bis zum Spiel gegen Rumänien ziemlich viel Arbeit. 

Das war gut:

Startphase

Vielleicht liessen sich die Albaner von der aufgeheizten Stimmung im Stade Bollaert-Delelis von Lens ja etwas beeindrucken. Sie begannen jedenfalls nervös, was die Schweizer schnell zu ihrem Vorteil auszunutzen vermochten. Endlich zeigten sie mal, wie sie unter Petkovic eigentlich spielen wollen: Früh attackieren, kompakt stehen und schnell umschalten.

Sicher kam das frühe 1:0 durch Fabian Schär den Schweizern entgegen. Dennoch lässt sich auf diesen ersten 20 bis 30 Minuten aufbauen. Das sah auch der Nati-Trainer so, sprach er nach der Partie doch «von einem kleinen Schritt nach vorne» – allerdings ohne den gesamten Auftritt schönzureden.

Schär schiesst die Schweiz bereits in der 5. Minute in Führung.
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Yann Sommer 

Nach dem Schlusspfiff war schnell klar, wem die Schweiz ihren knappen 1:0-Sieg zu verdanken hatte: Yann Sommer. Und das bei seinem ersten Auftritt an einem grossen Turnier. Wie selbstverständlich lieferte der Torhüter von Borussia Mönchengladbach eine äusserst souveräne Leistung ab, hielt, was es zu halten gab.

Ja mehr noch: Gegen Armando Sadiku in der 31. Minute und gegen Shkelzen Gashi in der 87. Minute zeigte er zwei grandiose Paraden, als beide alleine vor ihm auftauchten. Warum die UEFA nicht ihn zum Mann des Spiels gemacht hat, bleibt ihr Geheimnis. Auf der Goalie-Position hat die Schweiz an dieser EM jedenfalls definitiv kein Problem.

Sommers Parade gegen Sadiku in der 31. Minute. streamable

Standards

Es ist nicht neu, dass die Schweiz bei ruhenden Bällen ihre Stärken hat. Vor allem bei grossen Turnieren, wo meist einzelne Aktionen entscheiden, ist das enorm wichtig. Das 1:0 erzielte Schär nach einem Eckball von Xherdan Shaqiri. Mit Michael Lang, Johan Djourou oder Haris Seferovic hat die Nati weitere kopfballstarke Spieler in ihren Reihen, die nach Freistossflanken oder Eckbällen für ein Tor gut sind.

Und auch bei Direktschüssen hat die Schweiz grosses Potenzial. Blerim Dzemaili traf in der 38. Minute zwar nur den Pfosten, doch jedes Mal, wenn er antritt, wird's gefährlich. Neben ihm haben auch Xherdan Shaqiri, Ricardo Rodriguez und Granit Xhaka schon bewiesen, dass sie direkt verwandeln können.

Blerim Dzemaili mal wieder im Pech.
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Das war nicht gut:

Chancenauswertung

Was unterscheidet einen Weltklasse-Stürmer von einem guten Stürmer? Genau, der Weltklasse-Stürmer braucht nur wenig gute Möglichkeiten, um sein Tor zu erzielen. Genau deshalb ist Haris Seferovic keine Weltklasse-Stürmer. Was der U17-Weltmeister-Torschütze gegen Albanien wieder für Chancen liegen liess, müsste im Normalfall für zwei Siege reichen.

Mehrmals hätte er der Schweiz den beruhigenden 2:0-Vorsprung verschaffen können. Vor allem in der 67. Minute hätte Seferovic treffen müssen. Als er von Breel Embolo mustergültig lanciert wurde, ihm alleine vor Albaniens Torhüter Etrit Berisha aber die Ruhe fehlte. Immerhin zeigte sich der Frankfurter nach der Partie selbstkritisch: Auf die Frage, warum es nochmals heiss geworden sei, antwortete er: «Wegen mir.»

Seferovic schiesst Berisha an, statt ihn zu umlaufen. streamable

Innnerverteidigung

Sie wirkt einfach nicht sattelfest, diese Schweizer Innenverteidigung. Zwar haben Fabian Schär und Johann Djourou vieles, was moderne Innenverteidiger brauchen. Sie haben eine gute Spieleröffnung, sind stark bei hohen Bällen.

Doch wenn die Bälle schnell in ihren Rücken oder in die Tiefe gespielt werden, geraten sie nur allzu schnell in Schwierigkeiten. Mehr als einmal wurde es so brandgefährlich. Djourou beispielsweise kann von Glück reden, dass sein Bock in der 50. Minute keine bösen Folgen hatte.

Djourou trifft nach einem weiten Pass den Ball nicht richtig.
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Ordnung in Überzahl

Es ist dieses Paradoxon im Fussball. Da hat die Schweiz Albanien bis zur Gelb-Roten gegen Lorik Cana mehr oder weniger im Griff, doch als sie mit einem Mann mehr spielen kann, verliert sie plötzlich komplett den Faden. Statt die eigenen Stärken auszuspielen, den Ball in den eigenen Reihen zu halten, lassen sich Petkovics Mannen auf ein seltsames Hauruck-Spiel ein. 

Dem Spiel fehlt die ordnende Hand: Zwar wird Granit Xhaka dank 129 Pässen zum Mann des Spiels gewählt, Ruhe bringt der künftige Arsenal-Regisseur aber ebenso wenig ins Spiel wie Captain Stephan Lichtsteiner. Und so wäre ein albanischer Ausgleich durch Gashi in der 87. Minute nicht wirklich unverdient gewesen.

Sommers Parade gegen Gashi.
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Fazit

Was bleibt also von dieser Partie? Nun, sie gibt leider wenig Aufschlüsse über den aktuellen Formstand der Nati. Der Start ins Turnier ist resultatmässig zwar geglückt, doch noch längst sind nicht alle Zweifel, die sich nach der zweifelhaften Vorbereitung eingeschlichen haben, beseitigt. Das Spiel gegen Rumänien, das gegen Gastgeber und Titelfavorit Frankreich überraschend gut mitgehalten hat, muss zeigen, zu was die Nati an diesem Turnier fähig ist.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ETH1995 12.06.2016 12:26
    Highlight HIer noch eine Lichtsteiner Analyse:
    Der Mann ist Aussenverteidiger und nicht Flügel und auch keine hängende Spitze. Lichtsteiner weiss das aber nicht:
    1. Er ist oft der vorderste Mann.
    2. Bei Kontern ist er fast immer in der Hälfte des Gegners.
    3. Er ist schnell am Flügel, aber seine Flanken sind so unüberlegt und oft auch technisch schlecht, dass das kein Spielmittel ist
    4. Er kann nicht dribblen. Er hat im Elfer nichts zu suchen, ausser bei Cornern.
    Lichtsteiner ist ein guter Verteidiger, aber kein Jari Lithmanen oder Lothar Matthäus.
    Er rennt zu oft rum wie ein wildes Huhn. Unerklärlich
    8 7 Melden
    • Bluetooth 12.06.2016 17:26
      Highlight Danke, endlich jemand mit genau meiner Meinung!
      Lichtsteiner ist so etwas wie der Publikumsliebling. Er spielt in einem Topclub, ist 100% Schweizer und zeigt viel Einsatz.
      Sein Einsatz ist jedoch oft alles andere als produktiv. Ich kann diesen ständigen Lob, nur weil er eben gut sein sollte, da er schliesslich in Juve spielt, nicht mehr hören.
      Seine Rolle in der Nati macht er falsch, er spielt oft zu offensiv ohne überhaupt dort nützlich zu sein, oft weil seine Flanken schlicht und einfach katastrophal sind.
      Einsatz ist gut, aber nur wenn es der Mannschaft mehr hilft als schadet.
      7 2 Melden
  • ETH1995 12.06.2016 11:46
    Highlight So, hier mal ne unnationalistische Spielanalyse:
    - Sommer war grandios, die beiden Situationen sollten aber gar nicht entstehen
    -zwei Chancen hatte Albanien nicht viel zu melden, daher war nicht alles so schlecht.
    - Xhaka und Co. gut, aber etwas zu wenig Druck nach vorne.
    - Shakiri ist ein armer Cheib, er wurde fast permanent von 2 Mann gedeckt
    - Lichtsteiner ist ein Ärgernis, er läuft wie ein Erstklässler dem Ball nach. Petkovic muss ihm seine Aufgabe besser erklären.
    - Seferovic hat nicht alles schlecht gemacht, der Goalie war extrem gut
    --> etwas mehr nach vorne und etwas mehr Glück braucht
    22 3 Melden
  • Oberon 12.06.2016 11:19
    Highlight Ohne Sommer hätten wir das Spiel verloren, ich hoffe der Schuss vor den Bug war hart genug. Trotzdem kann man auf das erste Spiel aufbauen.
    15 1 Melden
  • Chinarolf 12.06.2016 11:17
    Highlight Das war gut. Wirklich ? Das war über weite Strecken ein reichlich hilfloses Gegurke. Wenn gegen einen solchen Gegner der dazu noch gut 50 Minuten in Unterzahl war gegen Ende verzweifelt auf Siegsicherung gespielt werden muss dann ist irgendwas grundlegend falsch. Aber bitte, träumt schön weiter.
    9 15 Melden
  • Pirat der dritte 12.06.2016 10:58
    Highlight Die Schweiz wird gegen Rumänien gewinnen. Leider hat die Nati die schlechtesten Fans von ganz Europa. Nur nörgeler und Miesmacher. Am schlimmsten sie die TV- Kommentatoren.
    41 4 Melden
    • superzonk 12.06.2016 15:57
      Highlight Ich habe eine Minute nach dem Führungstreffer auf ZDF umgeschaltet. Warum ist wohl klar...
      Das war dann ein extrem angenehmer, fachkundiger und neutraler Kommentator der auch die Hintergründe dieser Partie gekonnt integrierte. Chapeau. Die Nachbetrachtung habe ich mir dann wieder auf SRF angeschaut.
      8 0 Melden
  • superzonk 12.06.2016 10:58
    Highlight Warum wird eigentlich fast immer die Innenverteidigung kritisiert? Es ist ja korrekt geschrieben: "Doch wenn die Bälle schnell in ihren Rücken oder in die Tiefe gespielt werden, geraten sie nur allzu schnell in Schwierigkeiten."

    Damit solche Situationen entstehen bedingt, dass im Mittelfeld schon etwas weniger optimal lief. Solche Pässe gilt es primär zu unterbinden. Gelingt dies nicht, ist es doch nur logisch, dass der Verteidiger in Schwierigkeiten steckt...
    21 0 Melden
  • Kaffo 12.06.2016 10:43
    Highlight Die Schweizer haben 20 Min. gut gespielt. Nachher wirkten sie für mich arrogant. Sie müssten dieses Spiel mit 3:0 gewinnen. Das wäre auch psychologisch wichtig gewesen für das nächste Spiel. Ich wage zu behaupten, dass sie gegen Rumänien so keine Chance haben.
    20 5 Melden
  • Karl Müller 12.06.2016 09:43
    Highlight Hat es die albanischen Fans eigentlich sehr getroffen, dass mit Fabjon Shërimi ausgerechnet ein Exil-Albaner das Siegtor erzielte?
    36 8 Melden
  • Schmiedrich 12.06.2016 09:42
    Highlight Man muss endlich Elvedi bringen!
    23 4 Melden
    • gänseblüemli 12.06.2016 10:43
      Highlight Man muss! Aber für Schär kann man ihn nicht bringen. Der ist ja der Einzige, der Tore schiessen kann😂
      24 0 Melden
    • deniaz 12.06.2016 11:21
      Highlight Bin auch absolut dafür Elevdi zu bringen. Dann muss Schär allerdings die Rolle als Abwehrchef übernehmen. Nach Dragovics Abgang bei Basel hatte Schär ordentliche Probleme damit.
      8 1 Melden

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