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Cristiano Ronaldo muss auch bei uns immer wieder für Spässchen herhalten.

Mythos Ronaldo – Arrogant oder freundlich? Star oder Versager?

Cristiano Ronaldo hat an der EM in Frankreich seine Klasse nur selten aufblitzen lassen. Der dreifache Champions-League-Sieger und dreifache Weltfussballer des Jahres kann trotz mässiger Leistungen aber weiter vom ersten Titel mit der Nationalmannschaft träumen.

06.07.16, 11:35

Mit 88 Millionen Dollar ist Cristiano Ronaldo 2016 der am besten verdienende Sportler der Welt. Die Marke «CR7» floriert, mit über 100 Millionen Followern auf Facebook, mehr als 65 Millionen auf Instagram und knapp 44 Millionen bei Twitter ist der Captain des EM-Halbfinalisten ein Phänomen der sozialen Netzwerke. Auch in Frankreich lässt Ronaldo niemanden kalt. Seine Leistungen und sein Verhalten auf und neben dem Platz sind ambivalent und sorgten für Schlagzeilen. Greifbar ist der zusammen mit Lionel Messi weltbeste Spieler in den gut drei Wochen in Frankreich nicht geworden.

Was willst du? Aron Gunnarsson im Duell mit Cristiano Ronaldo.
Bild: CJ GUNTHER/EPA/KEYSTONE

Die deutsche «Bild-Zeitung» nannte ihn den «arrogantesten» Spieler des Turniers, nachdem Ronaldo nach dem ersten Spiel gegen Island (1:1) seinen Gegenspieler beim Handschlag ignoriert und danach die Isländer und ihre Spielweise harsch kritisiert hatte. In den Spielen verwirft er gelegentlich die Hände, wenn ein Pass oder eine Flanke eines Mitspielers misslingt. Nach dem Ausscheiden in der Vorrunde an der WM 2014 hatte er sich über die fehlende Qualität seiner Mitspieler beklagt.

So ärgerte sich Ronaldo, als sein Team gegen Ungarn das 2:3 kassierte. streamable

Er kann auch anders

Doch Ronaldo kann auch anders. Nach der Partie und dem verschossen Penalty gegen Österreich erlaubte er einem auf das Feld gestürmten Fan, ein gemeinsames Selfie zu machen, obwohl die Sicherheitsordner den Mann daran hindern wollten. Und nach dem Training am Sonntag im Trainingscamp in Marcoussis, dem nationalen Rugby-Center Frankreichs, liess er sich strahlend mit einer Hundertschaft portugiesischer Fans für Fotos und Selfies ablichten.

Security will ihn wegschaffen, aber Ronaldo möchte dem Fan das Selfie ermöglichen.
Bild: Francois Mori/AP/KEYSTONE

Star oder Versager?

Mit seiner Doublette zum Abschluss der Vorrunde beim 3:3 gegen Ungarn rettete Ronaldo sein Team vor dem frühzeitigen Scheitern, im Achtelfinal gegen die hoch gehandelten Kroaten bereitete er den Siegtreffer in der 117. Minute vor, im Viertelfinal gegen Polen verwertete er den ersten Versuch im Penaltyschiessen souverän.

Kein anderer hat so viele EM-Partien bestritten wie Ronaldo, kein anderer hat an vier EM-Endrunden getroffen, zum vierten Mal hat er Portugal an einem grossen Turnier in die Halbfinals geführt. Ronaldo begeht kaum Fehler, mit 89 Prozent weist er die beste Passquote aller Stürmer an diesem Turnier auf.

Ronaldo feiert sein Tor gegen Ungarn.
Bild: SERGEY DOLZHENKO/EPA/KEYSTONE

Seiner Reputation wird Ronaldo in Frankreich aber zu selten gerecht. Aus 39 Schüssen – er hat fast doppelt so viele Abschlussversuche auf dem Konto wie der in der Statistik nächstfolgende Kevin de Bruyne (22) – resultierten nur zwei Tore. Gegen Österreich verschoss er einen Penalty, die Freistösse, die ausschliesslich er schiesst, bringen keinen Ertrag.

Fällt der Torrekord von Michel Platini an dieser EM doch nicht?
Bild: EPA DPA

Den EM-Torrekord von Michel Platini hat er noch immer nicht geknackt und sein Einfluss im Spiel der Portugiesen hält sich mit Ausnahme der Partie gegen Ungarn in Grenzen. Seine Leistungen widerspiegeln diejenigen der Mannschaft: Sie sind durchzogen.

Captain oder Einzelgänger?

Die Bilder irritieren. Während die portugiesischen Spieler beim Penaltyschiessen im Viertelfinal gegen Polen Arm um Arm um die Schultern gelegt mit den Kollegen mitleiden, kauert Ronaldo einige Meter daneben alleine am Boden. Und nach dem Versuch von Ricardo Quaresma fehlt der Captain, als die Spieler dem Helden des letzten verwandelten Penaltys nachjagen. Im Spiel wirkt er oft isoliert, die Kollegen wollen oder können zu selten auf die Ideen der Nummer 7 eingehen.

Alle zusammen, nur Ronaldo alleine.
Bild: Kai Pfaffenbach/REUTERS

Auch wenn er im Training und der Freizeit fast immer an der Seite von Ricardo Quaresma zu sehen ist, berichten Insider, dass Ronaldo als Captain gereift sei. Gerade am Turnier in Frankreich nehme er seine Rolle als Anführer wahr. Seine Führungsqualitäten bewies er vor dem Penaltyschiessen gegen Polen, als er João Moutinho aufforderte, einen Penalty zu schiessen, und diesem Mut zusprach. «Als Captain ist Cristiano beispiellos. Er treibt uns an, er will gewinnen», sagt Trainer Fernando Santos.

Verschlossen oder humorvoll?

Als Ronaldo nach dem 3:3 gegen Ungarn in Lyon als Doppeltorschütze zum Spieler des Spiels gewählt worden war, beantwortete er auf der offiziellen Pressekonferenz nur eine Frage des UEFA-Verantwortlichen, liess die Fragen der Reporter mit dem Verweis, er dürfe nicht antworten, unbeantwortet. Während der Zeit in Frankreich ist Ronaldo auf keiner einzigen Medienkonferenz erschienen – im Gegensatz zu Gareth Bale, der sechsmal ausführlich vor die Medien trat.

Keine Lust auf 0815-Fragen: Ronaldo schmeisst Mikrofon in den See.
streamable

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Nach den Spielen äusserte sich Ronaldo im kleineren Kreis aber fast immer. Nicht sehr ausführlich, aber professionell, berichten die portugiesischen Journalisten. Sie beschreiben ihn als unnahbar. Bereits in jungen Jahren sei er zurückhaltend gewesen und habe wenig gesprochen. Ronaldo kann aber auch anders. «Passt auf eure Mikrofone auf», scherzte er, nachdem er vor der Partie gegen Ungarn nach einem Disput mit einem Journalisten vom Boulevardsender «CMTV» dessen Mikrofon in einen Teich geworfen hatte. (sda)

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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • toobitz 06.07.2016 19:40
    Highlight Mir ist der Typ sympathisch. Zieht sein Ding durch, ist professionell und ehrgeizig, hat Ecken und Kanten und interessiert sich offenbar nicht allzusehr dafür, was alle Welt von ihm denkt. Gefällt mir.
    85 26 Melden
    • AJACIED 06.07.2016 22:16
      Highlight Komisch das du nur positives siehst!
      22 39 Melden
    • sägsali 06.07.2016 23:11
      Highlight Vorallem spielt der Junge bis in das CL-Finale und jetzt noch bis zum Ende der EM...
      17 2 Melden
    • Elisa88 07.07.2016 08:30
      Highlight @AJACIED komisch das du nicht nur positives siehst!
      9 3 Melden
    • AJACIED 08.07.2016 23:32
      Highlight Was soll ich den positives sehen 3 remis okkkkejjjj
      1 1 Melden
  • Stachanowist 06.07.2016 19:25
    Highlight Watson sollte mal einen Artikel zum Burkaträger Ronaldoson schreiben, der Glarner und Trump die Hand nicht schüttelt. Das würde zur absoluten Kommentar- und Klickzahl-Flut führen:D
    31 5 Melden
    • Gelöschter Benutzer 07.07.2016 00:26
      Highlight Nicht zu vergessen mit anschliessendem Picdump mit besagtem Thema^^
      7 1 Melden
  • Kimbolone 06.07.2016 18:35
    Highlight Direkt nach dem Island-Hype auf Platz 1 folgt in der Schweiz das scheinbar äusserst coole Ronaldo-Gehate auf Platz 2. Beides ödet mich an.
    36 25 Melden
  • droelfmalbumst 06.07.2016 17:17
    Highlight "Durchzogene Leistung"... Sie sind im Halbfinal! Top 4. Was ist daran bitte durchzogen? Nur weil die Art des Fussball äusserst taktisch ist und nicht jedem gefällt ist die Leistung noch längst nicht "durchzogen".... Ständiges rumgeheule 🙄
    58 54 Melden
    • maxi 06.07.2016 19:44
      Highlight Danke droelfmalbumst! Du hast so recht... Ich hoffe sie kommen weiter das das geheule weitergeht!
      26 21 Melden
    • usehername 06.07.2016 19:54
      Highlight Mein Herz hast du!
      19 18 Melden
    • bokl 06.07.2016 21:16
      Highlight Doch die Leistungen waren durchzogen. Erfolg und langer Verbleib im Turnier bedeuten nicht automatisch, dass gute Leistungen auf den Platz gebracht wurden.

      Allerdings ist das unerheblich. Wichtig ist, dass man Erfolg hat. In Schönheit sterben bringt nichts. Weiss man spätestens seit dem Triumph der Rehakles-Boys ...
      24 12 Melden
    • Bluetooth 06.07.2016 21:52
      Highlight Leistung wird an Erfolg gemessen. Solange wir Schweizer das nicht kapieren wollen, werden wir nie was reissen, weiterhin den anscheinend schwächeren Weiterkommenden beneiden und rumheulen. Die Leistung ist erst gut genug, wenn sie zum richtigen Resultat führt.
      32 8 Melden
    • Gelöschter Benutzer 07.07.2016 14:20
      Highlight Ich höre eigentlich jetzt nur Rumgeheule in diesen Kommentaren.Das Beurteilen eines Spieles,ob es schön war oder nicht liegt im Auge des Betrachters.Am Schluss zählt nur das Resultat.Eine Schlechte Mannschaft kann sich nicht bis ins Finale mogeln.Ubrigens besteht man nicht einen Abschluss weil man seine Arbeit ganz toll mit vielen Herzchen und bunten Bildern dekoriert,sondern weil der Inhalt stimmt und fundiert ist.Genau so ist es im Fussball.Am Schluss muss man scoren!
      4 0 Melden

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