Sport

Die 18-jährige Maschine aus Portugal: Renato Sanches. Bild: EPA/LUSA

«Ein Phänomen» – Renato Sanches' märchenhafter Aufstieg

Trotz Viertelfinal-Qualifikation ist Portugal bislang bei dieser EM nicht richtig in Fahrt gekommen. Renato Sanches, der Jüngste im Team, könnte das ändern und heute gegen Polen seinen märchenhaften Aufstieg fortsetzen.

30.06.16, 07:49 30.06.16, 11:08

Der 18-jährige Renato Sanches ist keiner, der es langsam angehen lässt. Wenn der bullige Mittelfeldspieler bei dieser EM aufs Feld kommt, bleibt das nicht unbemerkt. Er fordert den Ball, dribbelt und geht mit seinen Pässen Risiken ein. Das fällt auch deshalb auf, weil seine Teamkollegen bislang einen ökonomischen Spielstil pflegen. Der Achtelfinal gegen Kroatien war besonders für die portugiesischen Fans eine Qual, bis der eingewechselte Sanches für etwas Leben sorgte. Er stand auch am Ursprung des 1:0 in der 117. Minute.

Sanches leitet das 1:0 für Portugal ein.
streamable

Kein Wunder fordern nun Anhänger und Medien in der Heimat noch etwas vehementer die Beförderung des Teenagers in die Startformation. Bislang musste er sich mit drei Teileinsätzen begnügen. Dass Nationalcoach Fernando Santos das Talent massvoll einsetzt, hat seine Gründe. Die Dynamik und Kraft, die seinen jüngsten Spieler auszeichnen, kann auch überborden. Gegen Kroatien leistete er sich eine Tätlichkeit gegen Luka Modric, die eigentlich den Platzverweis hätte bedeuten müssen.

Die ungeahndete Tätlichkeit von Sanches.

Er sei noch nicht reif genug für die Startformation, versicherte vor einigen Tagen Jorge Jesus, der vorletzte Saison bei Benfica Lissabon sein Trainer war. Sanches reagierte auf die Aussage stilvoll und bestätigte, dass es im portugiesischen Kader erfahrenere und bewährtere Kräfte gebe. So kraftvoll und zielstrebig sich der Mittelfeldspieler mit dem Ball am Fuss präsentiert, so zurückhaltend und überlegt tritt er nach Schlusspfiff auf. Im letzten April wurde er bei einem Meisterschaftsspiel bei Rio Ave mit Affenlauten provoziert. Er verabschiedete sich von jenen Anhängern, indem er einen Affen imitierte.

Verrückte acht Monate

Nur 24 Mal ist Sanches bislang in der portugiesischen Meisterschaft aufgelaufen. Ende Oktober griff sein Coach Rui Vitoria erstmals auf ihn zurück. Vitoria stand damals kurz vor der Entlassung. Benfica Lissabon lag in der Meisterschaft auf dem 6. Rang mit acht Punkten Rückstand auf den Stadtrivalen Sporting, der von seinem Vorgänger Jesus trainiert wird. Mit Sanches holte Benfica pro Partie 2,79 Punkte im Schnitt. Am Ende der Saison resultierte der Meistertitel und der Sieg im Ligacup.

Sanches – damals noch bei Benfica Lissabon – mit dem Pokal des Ligacups. Bild: EPA/LUSA

Am letzten Samstag nahm Sanches den nächsten Pokal in Empfang. Nach dem Spiel gegen Kroatien wurde er als «Man of the Match» ausgezeichnet – acht Monate nach seinem Debüt in der höchsten portugiesischen Liga, drei Monate nach der Premiere im A-Team Portugals und sechs Wochen nach der Vertragsunterzeichnung mit Bayern München. 35 Millionen Euro haben die Deutschen für das Juwel bezahlt, je nachdem wie gut es sich schleifen lässt, wird der Preis steigen, bis auf maximal 80 Millionen Euro.

Sanches hat einen rasanten Aufstieg hinter sich. Die Höhe des Bonus beim Transfer, der von Faktoren wie Anzahl Einsätze, aber auch einer Nomination für die Wahl des Weltfussballers abhängig ist, zeigt, dass die Zeit der Bestätigung für den Teenager noch ansteht. Die «Süddeutsche Zeitung» nannte ihn vor der EM «eine teure Fantasie». Hätte Bayern München das Turnier in Frankreich abgewartet, wäre der Preis aber wohl noch höher ausgefallen. Auch Manchester United versuchte, den Aufsteiger der Saison an sich zu binden.

Der Fussball, Sanches' stetiger Begleiter.

«Ein Phänomen»

«Es ist ein Traum, der wahr geworden ist», blickte Sanches auf die letzten Monate zurück. «Ich muss mich ab und zu zwicken, um sicher zu sein, dass das alles passiert ist.» Der Sohn einer kapverdischen Mutter und eines Vaters aus São Tomé und Principe galt schon als Kind als Ausnahmetalent. Immerhin 750 Euro und 25 Bälle übergab Benfica 2006 an den Lissaboner Vorortsklub Aguias Musgueira, um ihn in seine Nachwuchsabteilung zu integrieren.

Carlo Ancelotti freut sich auf seinen Schützling.
Bild: EPA/EFE

Seither nähert sich Sanches in grossen Schritten der Weltspitze. Derart schnell, dass in Portugal Stimmen aufgekommen sind, die bezweifeln, dass er erst 18 Jahre alt ist. Carlo Ancelotti nannte den 1,76 m grossen Antreiber im «Corriere dello Sport» ein Phänomen. Der 57-jährige Italiener wird in den kommenden Monaten und Jahren als Trainer von Bayern München entscheidend beeinflussen, wohin der Weg von Renato Sanches führt. (sda/qae)

Fan-Trauer par excellence – das Leiden der Ausgeschiedenen

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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15
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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Bluetooth 30.06.2016 10:19
    Highlight Portugal ist in meinen Augen eine unterschätzte Turniermannschaft und grosser Titelfavorit (grösserer als Belgien).
    Bis auf der letzten WM erreichen sie immer mindestens die Vorrunde und kommen oft sogar sehr weit, solange ihnen nicht Deutschland oder Spanien in den Weg steht.
    Man reduziert gerne Portugal nur auf Ronaldo. Nani ist dieses Jahr aber überraschend reif und in Form, das Mittelfeld ist solid und die Verteidigung um Pepe ist top.
    7 17 Melden
    • Valindra Valindragam 30.06.2016 11:07
      Highlight Aha, sie erreichen IMMER mindestens die VORRUNDE, da ist sehr interessant zu wissen!?! Und ich dachte immer, das erreicht jeder, der an einer Endrunde teilnimmt?!? Bitte Dosis runterfahren....
      13 9 Melden
    • Bluetooth 30.06.2016 11:46
      Highlight Meinte natürlich die Endrunde! Autokorrektur und so
      3 5 Melden
    • stef2014 30.06.2016 13:29
      Highlight Na ja, was heisst hier unterschätzt? Die Resultate sind so wie sie sind. Was im Fall der Talentschmiede Portugal wirklich erstaunlich ist. Aber eben, reissen tun sie am Ende doch nie etwas (bisher). Und das soweit Gezeigte will mich auch nicht so sehr davon überzeugen, dass es dieses Jahr anders sein wird....
      5 2 Melden
    • Valindra Valindragam 30.06.2016 13:57
      Highlight Ja ne, is klar, ne;-)?!
      4 2 Melden
    • teXI 01.07.2016 03:28
      Highlight versteh Stef2014 oder roulette schon, weil die Schweiz es immer bis ins Viertelfinale schafft oder doch nie? ach ja jetzt sind ja plötzlich alles isländer hier =D
      0 1 Melden
  • Valindra Valindragam 30.06.2016 09:57
    Highlight Mit seinem Wechsel zum FC Bayern hat sein Abstieg bereits begonnen, Schatschiri lässt grüssen!!
    9 24 Melden
    • Fendant Rüpel 30.06.2016 11:23
      Highlight natürlich und Kimmich lässt ebenfalls grüssen
      13 3 Melden
  • Aufblasbare Antonio Banderas Liebespuppe 30.06.2016 07:56
    Highlight Warum meint ihr dass er maximal 80 Mio wert sein wird?
    16 4 Melden
    • stef2014 30.06.2016 08:22
      Highlight Nicht Sein Marktwert steigt auf 80Mio, sondern die Ablöse. Soweit ich weiss, hat man sich auf 5Mio pro 25 Einsätzen geeinigt. Dazu kommen recht hohe Beiträge, sollte er sich ins FIFA-TopTeam spielen können. Sowas in die Richtung.

      Benfica beweist sich einmal mehr als äusserst cleverer Verein auf dem Markt...
      25 0 Melden
    • Fendant Rüpel 30.06.2016 08:50
      Highlight Hier geht es um die "Ablösesumme" inkl. Bonuszahlungen die Benfica höchstens erhalten wird, zB. wenn Sanches in Zukunft Weltfussballer wird, erhalten sie zusätzliche Millionen aus München.
      16 1 Melden
    • xlt 30.06.2016 11:00
      Highlight Wobei es zu genau diesen Klauseln viele verschiedene Interpretationen gibt. Und natürlich, abgsehen von den Beteiligten, eh niemand die genaue Abmachung kennt.
      4 0 Melden
    • stef2014 30.06.2016 11:24
      Highlight Das ist so, xlt. Wobei hier BAY so oder so ziemlich hoch gepokert hat. Mal sehen ob sich das gelohnt hat.
      2 0 Melden
    • 8004 Zürich 30.06.2016 12:49
      Highlight Um die Ablöse wird viel Ungenaues geschrieben, v.a. was die "5 Mios pro 25 Einsätze" angeht. Die max. mögliche Ablöse von 80 Mio setzt sich so zusammen:
      35 Mio Ablöse sofort
      + 5 Mio Ablöse-Bonus ab 25 Einsätzen FÜR DIE NATI
      + 10 Mio Ablöse-Bonus bei Wahl in die Weltauswahl
      + 10 Mio Ablöse-Bonus, wenn er unter die ersten 3 bei der Ballon d'Or-Wahl, also das "Weltfussballer-Wahl-Finale" kommt
      + 20 Mio, wenn er zum Weltfussballer gewählt wird

      Jeder Posten ist nur ein Mal fällig. Das ist ein sehr, sehr guter Deal! Wie bei Coman kauft man das Risiko zu "günstigen", bzw. abgesicherten Konditionen.
      2 0 Melden
    • 8004 Zürich 30.06.2016 13:34
      Highlight @stef2014: Clever, na ja.. Benfica ist bekannt dafür, extremst mühsam in Verhandlungen zu sein. Normalerweise wird eigentlich gar nicht verhandelt, sondern auf die hohe Austiegsklausel verwiesen.
      So bekommen sie Top-Spieler (Stars, aussergewöhnliche Perspektivspieler) für sehr viel Geld verkauft. Auf der anderen Seite tut sich niemand freiwillig ein Benfica-Geschäft für einen "mittelmässigen" Spieler an (was wiederum je nach Fall auch ein Vor- oder Nachteil sein kann).
      2 0 Melden

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