Sport
13.Okt.2012; Zug; Eishockey NLA - MK - EV Zug  ; Sportchef Jakub Horak und Henrik Zetterberg (Zug) (Daniela Frutiger/Freshfocus)

Jakub Horak (l.) ist nur noch «Phantom-Sportchef» in Zug. Bild: Daniela Frutiger

Schwierige Scheidung

Warum der EV Zug gleich zwei Sportchefs auf der Lohnliste hat 

Anfang März ist Jakub Horak beim EV Zug entlassen worden. Aber er ist nach wie vor im Amt und wenn’s dumm läuft bis zum Ende der nächsten Saison. 

06.05.14, 15:51 06.05.14, 16:41

Eine höfliche Nachfrage bei Jakub Horak nach Wohlbefinden und neuer beruflicher Tätigkeit führt zu einer überraschenden Antwort: «Ich bin nach wie vor Sportchef des EV Zug.»  

Hoppla! Wie kommt das? Ein Blick zurück: Im Juni 2012 holt der EV Zug Jakub Horak als Sportchef. Knapp zwei Jahre später, nach dem Verpassen der Playoffs, ordnet der umsichtige Präsident Roland Staerkle ein «House Cleaning» an. Nicht nur Trainer Doug Shedden muss Anfgang März 2014 gehen. Auch Sportchef Jakub Horak wird gefeuert. Inzwischen amtet Reto Kläy als neuer EVZ-Sportchef. 

EVZ-Präsident Roland Staerkle ordnete ein «House Cleaning» an. Bild: KEYSTONE

Wie kommt es also, dass Jakub Horak sich mit leiser Ironie nach wie vor als Sportchef des EV Zug bezeichnet? Ganz einfach: Er ist es immer noch und er bekommt auch weiterhin seinen Lohn. Sein Vertrag läuft nämlich bis zum Ende der nächsten Saison, bis Ende April 2015. 

Abfindung abgelehnt

Jakub Horak bestätigt: «Ja, ich gehe beim EV Zug immer noch jeden Tag pünktlich zur Arbeit.» Sein Büro habe inzwischen Nachfolger Reto Kläy übernommen. Die Geschäftsstelle werde gerade umgebaut und er werde wohl einen neuen Arbeitsplatz zugewiesen bekommen. Der EV Zug hat also jetzt zwei Sportchefs auf seiner Lohnliste. 

Was ist hier los? Jakub Horak sagt, er habe mit dem EV Zug bis heute in Verhandlungen mit Präsident Roland Staerkle und CEO Patrick Lengwiler keine Lösung gefunden. Die Zuger haben ihrem gefeuerten Sportchef eine Abfindung offeriert. Er hat sie nicht akzeptiert. 

Deshalb erfüllt er weiterhin seine Pflicht. Der neue Sportchef Reto Kläy hat kein Problem mit dem «Phantom-Sportchef» im Büro. Es sei doch immer gut, wenn man jemanden um eine Zweitmeinung fragen könne.

Horak kann bei Zug nur als Sportchef arbeiten

Die Ausgangslage ist so: Theoretisch schuldet der EV Zug Jakub Horak den Lohn bis zum Ablauf des Arbeitsvertrages Ende April 2015. Im Gegenzug hat Jakub Horak bis zu diesem Zeitpunkt für den EV Zug zu arbeiten. Eine andere Tätigkeit als die des Sportchefs ist ihm aufgrund seines Vertrages nicht zuzumuten. Er kann also nicht dazu verdonnert werden, die Papierkörbe zu leeren oder als EVZ-Kurier zu arbeiten. 

Im Extremfall könnte der geschasste EVZ-Sportchef seinen Vertrag «aussitzen». Also bis Ende April 2015 jeden Tag zur Arbeit erscheinen.  

In der Praxis ist so etwas allerdings schwer machbar. Deshalb wird in solchen Fällen zwischen den Parteien eine Entschädigung ausgehandelt. Die könnte so aussehen, dass Zug noch vier bis sechs Monatslöhne bezahlt und im Gegenzug kann Jakub Horak per sofort eine andere Stelle antreten. So wird es in der Regel bei Trainerentlassungen gehandhabt und eine ähnliche Lösung wird es wohl mit dem geschassten Trainer Doug Shedden (ebenfalls Vertrag bis Ende nächster Saison) geben. 

Auch Doug Shedden musste nach dem Verpassen der Playoffs den Hut nehmen. Bild: KEYSTONE

Unbefristeter Vertrag für Nachfolger

Zeitverträge sind im Hockeybusiness nur bei Jobs mit hohem Entlassungsrisiko wie Trainer üblich. Bei leitendem Büropersonal wie Sportchefs sind jedoch Mehrjahresverträge wie im Falle von Jakub Horak ungewöhnlich. Das macht den «Fall Horak» so speziell. Die Zuger haben ihre Lehren bereits gezogen: Der neue Sportchef Reto Kläy hat nur noch einen normal kündbaren unbefristeten Arbeitsvertrag. 

Gibt es Jobofferten für Jakub Horak damit er den Schaden für den EVZ mindern kann? Zugs Immer-noch-Sportchef sagt, es gebe Optionen in der Hockeyszene. «Ich habe schon einige Gespräche geführt. Mehr nicht.» Existenzangst muss er mit einem abgeschlossenen Wirtschaftsstudium sowieso keine haben. «Ja, ich bin froh, dass ich einen guten Rucksack habe.»

Der EV Zug enttäuschte in dieser Saison. Zu selten waren die Bilder des Sieges. Bild: freshfocus

«Ein Aussitzen eines Vertrages ist heikel»

Der ehemalige Zuger Strafrichter Reto Steinmann, der heute eine Anwaltskanzlei führt und als Einzelrichter der Nationalliga arbeitet, kennt sich durch seine langjährige Hockeytätigkeit in solchen Rechtsfällen gut aus. Er sagt: «Ein Aussitzen eines Vertrages ist heikel. Es gibt in diesem Falle auch die Schadenminderungspflicht.»

Will heissen: Jakub Horak hat das Recht auf Fortsetzung der Lohnzahlung, aber auch die Pflicht, den Schaden für den EV Zug zu mindern. Indem er sich um eine neue gleichwertige Stelle bemüht. Ein schlechter bezahlter Job ist ihm allerdings nicht zuzumuten. Kommt es mangels gütlicher Einigung zu einem Fall vor Arbeitsgericht, so ist der Ausgang ungewiss. Reto Steinmann weiss: «Die Gerichtspraxis ist in solchen Fällen recht unterschiedlich.»

Jakub Horak gelang beispielsweise mit Zetterberg ein Coup. Bild: KEYSTONE

Horak machte viele gute Transfers

«Phantom-Sportchef» Jakob Horak betont, er suche keine Konfrontation mit dem EV Zug. Aber er sei Familienvater und müsse auch für sich schauen. «Es ist denkbar, dass ich einen Anwalt beiziehe.» Kein Schelm, wer jetzt denkt, Jakub Horak habe als EVZ-Sportchef womöglich nie so hart verhandelt wie jetzt in eigener Sache. 

Obwohl er ja seine Sache in Zug nicht so schlecht gemacht, ein paar ganz grosse Transfers (u.a. Stephan, Grossmann, Ramholt, Bürgler, Suri) und den NHL-Lockout (mit Zetterberg, Diaz und Brunner) wie ein Impresario bestens orchestriert hat. Er holte Spieler nach Zug, die andere auch gerne gehabt hätten.  

Auch bei Reto Suri hatte er ein glückliches Händchen. Bild: Daniela Frutiger

Sündenböcke werden heute wenigstens ordentlich entlöhnt

Aber bei den ausländischen Arbeitnehmern hatte er zuletzt kein Glück und nach dem Verpassen der Playoffs brauchte es halt einen Sündenbock. Der Sündenbock ist übrigens ein biblischer Brauch und wird wörtlich so beschrieben: «... Aaron soll seine beiden Hände auf den Kopf des lebenden Bockes legen und über ihm alle Sünden, alle Frevel und alle Fehler bekennen. Nachdem er sie so auf den Kopf des Bockes geladen hat, soll er ihn durch einen bereitstehenden Mann in die Wüste treiben lassen und der Bock soll alle ihre Sünden mit sich in die Einöde tragen.» Es wurde damals nicht gefragt, ob der Bock für die Sünden, Frevel oder Fehler verantwortlich war. 

Tja, so ändern die Zeiten. Heute werden die «Sündenböcke» in einem Rechtsstaat wenigstens ordentlich gelöhnt. Wiederum kein Schelm, wer jetzt denkt, die Zuger würden Jakub Horak auch gerne in die Wüste schicken.

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