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Unbestritten John Scotts Expertise: der Faustkampf. Bild: AP/St. John's IceCaps

Viel mehr als ein «Goon»: Die unverhoffte NHL-Legende John Scott tritt ab

Er wird als «Goon» – als grobschlächtiger Prügler – in die NHL-Geschichte eingehen. In seinem bewegenden Abschiedsschreiben beweist er aber, dass er viel mehr als das ist: John Scott, der ungewöhnlichste All-Star aller Zeiten.

08.12.16, 15:57 08.12.16, 17:01
Donat Roduner
Donat Roduner



Es war die Geschichte des NHL All-Star Game 2016. Das Internet hat sich einen Scherz erlaubt, der sich verselbständigt hat: John Scott wurde im Voting zum Captain des Teams aus der Pacific Division ernannt und durfte zum ersten Mal in seiner Karriere beim alljährlichen Schaulaufen der Besten dabei sein – und er wurde sogar noch zum MVP des Turniers gewählt. 

Die besten Momente des All-Star Game 2016. Video: YouTube/SPORTSNETCANADA

Das aber nicht, weil er die Stocktechnik eines Owetschkin hat, die Klasse eines Crosby, die Geschwindigkeit eines Kane oder die Erfahrung eines Jagr. Nein, einfach weil er John Scott ist, ein relativ ungelenker, 2,03 m grosser Verteidiger, dessen Kernaufgabe es ist, mit seiner physischen Spielweise die Stars des eigenen Teams zu schützen und gelegentlich Fäuste zu verteilen. 

Es wird keinen All-Star John Scott mehr geben

John Scott macht es ein wenig stolz, dass die NHL seinetwegen die John-Scott-Regel erlassen hat. Künftig dürfen keine Spieler mehr zum Captain der All-Star-Teams gewählt werden, wenn sie entweder verletzt sind oder nicht im NHL-Kader ihres Teams stehen. (drd)

Dieser John Scott ist nun zurückgetreten. Und weil er so eine Bekanntheit erlangt hat, durfte er es gebührend tun, in einem rührenden Schreiben in «The Players Tribune» – englische Pflichtlektüre für jeden Hockeyfan.

Vom Verteidiger zum Hausmann

Der 34-Jährige beweist darin, dass er viel mehr ist als ein stumpfer «Goon» (leo.org übersetzt es ziemlich passend mit «Rowdy/Blödmann/Schlägertyp»). Und er schreibt, dass 99 Prozent seiner «Artgenossen» abseits des Eises ganz andere Menschen seien. «Sie sind viel interessanter und intelligenter, als die meisten Leute meinen.» In seinem Fall ist der Beweis nachhaltig erbracht.

Der Fight gegen Justin Johnson. Der einzige von 43 in der NHL, den John Scott klar verloren hat. Video: YouTube/hockeyfights.com

Scott ist in seinem «richtigen» Leben ein fürsorglicher Familienvater, der darum auch seine Schlittschuhe an den Nagel gehängt hat. Nur eine Woche nach dem All-Star Game brachte seine Frau Danielle Zwillinge zur Welt, die Töchter Nummer drei und vier.

Der stolze Vater mit den Töchtern Nummer eins und zwei.  Bild: AP/FR170793 AP

Weil aber Scott zu den Montreal Canadiens getauscht und von diesen ins Farmteam nach St.John's in Neufundland abgeschoben wurde, lebte er mehr als 2500 km Luftlinie weit weg von seiner Familie. Ein für ihn unhaltbarer Zustand, noch mehr aber für seine Frau.

In St.John's am östlichsten Zipfel Nordamerikas spielt zeitweise auch der Schweizer Sven Andrighetto.

Ungewohnt: John Scott bejubelt einen seiner fünf NHL-Treffer. Bild: AP/CP

Darum ist jetzt nach 286 NHL-Spielen für sieben Teams, in denen er fünf Tore erzielte und 544 Strafminuten sammelte, Schluss. «Ich habe jede Sekunde genossen», schreibt Scott. Ab sofort wird er als Hausmann vollen Einsatz geben, brav den «Zmorge» seiner Töchter bereitstellen und sie mit Enthusiasmus an die Tanzstunden begleiten – ganz ohne Schlägereien.

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Video: YouTube/RFHockey Fan

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Goon 08.12.2016 19:03
    Highlight Immer weniger Namensbrüder. Wir sind eine aussterbende Spezies
    3 0 Melden
  • Hayek1902 08.12.2016 16:45
    Highlight John Scott ist ein sehr intelligenter Mensch mit einem Ingenieursabschluss (richtiger Abschluss, nicht ein Sport-Pseudo-BWL /-Soziologie Diplom) Ich empfehle jedem, seinen Text "A Guy Like Me" zu lesen. http://www.theplayerstribune.com/a-guy-like-me/
    38 1 Melden

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Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

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