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Mark Streit sucht derzeit noch nach einem Verein. Bild: AP/AP

Mark Streit ist immer noch ohne Vertrag – wo landet der Schweizer Stanley-Cup-Sieger?

Der Schweizer NHL-Routinier Mark Streit ist immer noch ohne NHL-Vertrag. Gut möglich, dass er am Ende wieder in Montreal landet. Bereits von 2005 bis 2008 hat er dort gespielt.

20.07.17, 17:25

Mark Streit war er erste Schweizer, der in der nordamerikanischen National Hockey League Fuss fassen konnte. Seit 2005 spielt der Schweizer in der besten Liga der Welt. Dank ihm öffnete sich die NHL für Schweizer Feldspieler. Die eindrückliche Bilanz: 784 Spiele, 96 Tore, 434 Punkte.

Nun aber ist der Routinier bereits 39 Jahre alt. Streit wurde 1977 geboren – zum Vergleich: Der gerade als Nummer 1 gedraftete Nico Hischier hat den Jahrgang 1999! Damit gehört Streit in der NHL zu den ältesten Spielern, das Karrierende kommt in schnellen Schritten näher. Ein Wechsel in die Schweiz ist dennoch kein Thema: «Das Ziel ist, meine Karriere in Nordamerika zu beenden», sagte Streit Anfang Juli zu SRF.

Mark Streits Karrierstationen:

1995 - 1996 Fribourg-Gottéron
1996 - 1999 HC Davos
1999 - 2000 Springfield Falcons
2000 - 2005 ZSC Lions
2005 - 2008 Montréal Canadiens
2008 - 2013 New York Islanders
2012 SC Bern
2013 - 2017 Philadelphia Flyers
seit 2017 Pittsburgh Penguins

So hofft er auf einen neuen Vertrag in der NHL, auch weil er für die Schweizer National League (ehemals NLA) wohl zu langsam wäre. Streit sagte im gleichen Interview: «Das Spiel in den USA mehr auf mich zugeschnitten als jenes in der Schweiz.» Die Eisfläche in der NHL ist deutlich kleiner, das Spiel weniger laufintensiv. All das kommt einem älteren Spieler entgegen. So sagt Streit: «Es ist nicht so, dass ich absolut keine Lust habe, in der Schweiz zu spielen. Ich habe einfach das Gefühl, dass ich mir damit nicht den grössten Gefallen machen würde.»

Bisher hat sich aber kein NHL-Team dafür erwärmen können, Streit zu verpflichten. Das ist bemerkenswert, schliesslich dürfen bereits seit dem 1. Juli Verträge unterschrieben werden. Die besten Spieler sind bereits weg. Doch einige Teams suchen noch nach einem routinierten Verteidiger.

Im SCB-Dress wird Streit kaum noch auflaufen. Bild: KEYSTONE

Sticht Streit Markov?

So die Montreal Canadiens und das Ex-Team von Streit, die Philadelphia Flyers. Letzte Woche schrieb das Journal de Montreal, die Canadiens hätten Streit einen Vertrag offeriert. 1,5 Millionen für ein Jahr sollte dieser Wert sein. Doch bisher gab es keine Bestätigung für die Offerte. Im Gegenteil sagte Streit damals zum Blick: «Ich hatte eine wunderbare Zeit in Montreal, der Klub und die Stadt üben auf mich einen entsprechend grossen Reiz aus. Ein konkretes Angebot liegt mir derzeit aber noch nicht vor.»

Streit würde die Bedürfnisse von Montreal, wo er bereits von 2005 bis 2008 gespielt hat, gut erfüllen, schliesslich fehlt ihnen momentan ein Verteidiger. Offenbar steht nur der 38-jährige Andrei Markov Streit im Weg. Er spielte die letzten 17 Jahre für die Canadiens, allerdings hat er noch keinen neuen Vertrag. Es ist höchst unklar, ob er überhaupt nach Montreal zurückkehrt.

Falls nicht, schlägt wohl die Stunde von Streit. Das scheint mehr und mehr wahrscheinlich, schliesslich hat der General Manager der Canadiens Marc Bergevin bereits vor fast drei Wochen gesagt, das Angebot für Markov stehe, er müsse es nur noch annehmen. Der grosse Vorteil von Streit könnte sein, dass er für deutlich weniger Geld spielen würde.

Auch Niederreiter ist noch ohne Vertrag

Nino Niederreiter (Minnesota), 24 Jahre, 82 Spiele, 57 Punkte, 2,667 Millionen:
Niederreiter ist ein RFA (Restricted Free Agent). Das heisst: Er hat keinen Vertrag, sein Team aber nach wie vor Rechte an ihm. Er kann mit jeder Mannschaft einen Vertrag unterschreiben, sein altes Team kann aber gleichziehen, in dem Fall müsste er bei Minnesota bleiben. Da das Angebot von Minnesota Niederreiter zu tief war, will Niederreiter durch die «Arbitration». Dabei macht ein unabhängiger Gutachter ein Angebot. Das Team kann es ablehnen, der Spieler nicht. In diesem Fall wäre Niederreiter frei und könnte bei jedem Team unterschreiben. Es ist möglich, dass sich die Parteien vor der «Arbitration» einigen, oft wird sie nur als Druckmittel benutzt. Die «Arbitration» ist für den Spieler äusserst unangenehm. Die Taktik der Teams ist oft, ihren Spieler so schlecht wie möglich zu reden, um den Lohn zu drücken. Die «Arbitration» wird Anfang August stattfinden. Allgemein geht man davon aus, dass Niederreiter nächste Saison über fünf Millionen Dollar verdienen könnte.

Ausserdem hat Streit einiges zu bieten. Letzte Saison war er bei Philadelphia eine Teamstütze und stand fast zwanzig Minuten pro Spiel auf dem Eis – bevor er via Tampa Bay nach Pittsburgh getauscht wurde. Dort spielte er nur wenig, in den Playoffs hatte er nur drei Einsätze. Dennoch durfte er den grössten Erfolg seiner Karriere feiern: Pittsburgh gewann den Stanley Cup (die Meisterschaftstrophäe der NHL). Streit durfte ihn früh in der internen Team-Reihenfolge in die Höhe stemmen, der Respekt vor älteren Spielern in der NHL ist gross.

Mark Streit jubelt mit dem Stanley Cup Bild: AP

Dennoch darf Streit bei Verhandlungen nicht auf Gnade hoffen, das Geschäft ist hart. Wenn er wirklich einen 1,5 Millionen-Dollar-Vertrag unterschreiben würde, würde sich sein Gehalt um fast drei Viertel reduzieren. Letztes Jahr verdiente er noch 5,25 Millionen Dollar. Doch Geldsorgen dürfte Streit nicht haben, in seiner NHL-Karriere verdiente er bisher 42,7 Millionen Dollar.

Obwohl Streit nicht vor hat, einen Vertrag in der Schweiz zu unterschreiben, kommt er bald mit wertvollem Gepäck zurück in sein Heimatland: Er präsentiert den Stanley Cup am 2. August in Bern. Streit sagte zum Blick: «Die Fans werden an diesem Tag während einer Stunde die Möglichkeit haben, dem Cup ganz nahe zu kommen.» (nordwestschweiz)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Mia_san_mia 21.07.2017 10:06
    Highlight Montreal wäre wirklich ein super Abschluss für diese tolle Karriere.
    8 2 Melden
  • Sloping 21.07.2017 05:50
    Highlight Ist Wikipedia seit Neustem auch ein Orakel?

    "Mark Streit (* 11. Dezember 1977 in Bern) ist ein Schweizer Eishockeyspieler, der seit Juli 2017 bei den Canadiens de Montréal in der National Hockey League unter Vertrag steht und für diese auf der Position des Verteidigers spielt."
    12 1 Melden
  • Dan Rifter 20.07.2017 23:27
    Highlight Vor dem Trade zu den Pens war Streit unbestrittener Top 6 Verteidiger und das wäre er eigentlich bei praktisch jedem Team gewesen.

    "Plötzlich", mit seiner Rollw bei den Pens in den PO, scheint er diesen Status eingebüsst zu haben.

    Es wäre ziemlich krass und unverständlich, wenn Streit nirgends mehr unterkommen würde, es haben schon wesentlich miesere Spieler in diesem Alter noch gute (bzw. eben miese) Verträge erhalten.

    15 3 Melden
  • Trubalix 20.07.2017 20:31
    Highlight Guter spieler, aber verstehe ihn. In der Nhl gibts mehr geld.
    4 38 Melden
    • Hallo1234 20.07.2017 21:01
      Highlight Mark Streit ist nicht ein riesen Talent wie andere Spieler in der NHL.
      Er hat sehr hart dafür gearbeitet, um sein Ziel zu erreichen. Deshalb denke ich nicht, dass das Geld der Grund dafür ist, dass er seine Karriere in der NHL beenden will.
      56 2 Melden
    • Hans Dampf 20.07.2017 21:47
      Highlight Ein Realist wie Streit, kann ganz einfach selber einschätzen, dass er mit dem hohen Tempo und dem grossen Eisfeld in der NLA, sehr wahrscheinlich überfordert wäre.
      58 1 Melden
    • Mia_san_mia 21.07.2017 10:06
      Highlight Dem geht's nicht mehr ums Geld...
      9 1 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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