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Guy Boucher hat an der Bande von Ottawa den Erfolg wiedergefunden. Bild: Michael Dwyer/AP/KEYSTONE

Guy Boucher: In Bern entlassen, in der NHL wieder auf der Erfolgsspur

Sein Name wird in der Schweiz nicht unbedingt mit Erfolg in Verbindung gebracht. In der NHL hat Guy Boucher diesen aber wiedergefunden: Mit den Ottawa Senators steht er im Viertelfinal der Stanley-Cup-Playoffs. Das verdankt er vor allem seinem neuen Führungsstil.

24.04.17, 17:43 24.04.17, 22:29
Adrian Bürgler
Adrian Bürgler

In Bern liessen sie kein gutes Haar an Guy Boucher, als er im November 2015 entlassen wurde. Nach anderthalb schlechten Saisons beim SCB zogen die Verantwortlichen damals die Reissleine und stellten den Kanadier frei. Sein Leistungsausweis: Eine Saison in der Platzierungsrunde, eine Halbfinalserie gegen Davos, die er mit 0:4 verlor, ein Cupsieg sowie die Entlassung, als der SCB unter dem Strich lag.

Boucher und Crawford: Das dynamische Duo in der kanadischen Hauptstadt. Bild: AP/The Canadian Press

Umso grösser war die Verwunderung in der Schweiz, als man im Frühling 2016 lesen konnte, dass Guy Boucher einen neuen Job hat: Als Trainer der Ottawa Senators in der NHL. Der ehemalige ZSC-Trainer Marc Crawford reiste gleich mit in die kanadische Hauptstadt, Boucher machte ihn zu seinem Assistenten. Und in der Schweiz fragte man sich: Kann das gut kommen?

Das schrieb Eismeister Zaugg zu Bouchers Entlassung

Es kann. Boucher führt die Senators in die Playoffs. Das Team ist im Vergleich zum Vorjahr, als Ottawa die Qualifikation für die entscheidende Phase der Meisterschaft kläglich verpasst hat, beinahe unverändert geblieben. Vor Beginn der Saison kamen nur drei neue Spieler hinzu, einer verliess die Sens. Dazu gab es noch einige wichtige Trades während der laufenden Saison.

«Wir spielen so konstant, wie ich das in Ottawa noch nie erlebt habe.»

Erik Karlsson

Die Journalisten in Nordamerika sind sich aber einig: Der Hauptgrund für den Aufschwung ist Guy Boucher. Der 45-Jährige lässt in Ottawa – wie auch schon in Bern oder bei Tampa Bay – ultradefensives Eishockey im 1-3-1-System spielen. Das Ziel: Die Scheibe im Mitteldrittel vom Gegner zurückerobern und den Gegenangriff erfolgreich abschliessen. Dadurch schiessen die Sens zwar nicht extrem viele Tore, sie kassieren aber auch nur wenige.

Teamleader und Verteidiger Erik Karlsson sagt gegenüber CBC das Team sei unter Boucher extrem defensiv geworden und hebt hervor: «Wir spielen dieses Jahr die konstanteste Saison, die ich je in Ottawa erlebt habe.»

«Die Leute fragen mich, was ich anders mache. Auf dem Eis? Nichts.»

Guy Boucher

Jonas Siegel, Journalist bei «The Canadian Press» ist sicher, dass Boucher sich selbst als Coach und damit auch sein Team weiterentwickelt hat. Während er in seiner Zeit bei den Tampa Bay Lightning noch als harsch galt und seine Emotionen nicht immer im Griff hatte, nimmt sich der studierte Sportpsychologe mittlerweile mehr zurück. Er habe gelernt auch mal etwas loszulassen und Aufgaben an seine Mitarbeiter zu delegieren – unter anderem auch an Marc Crawford.

So kannte man Guy Boucher in der NLA ... Video: YouTube/SwissHabs

... oder auch am Spengler Cup. Video: YouTube/Something or another

Boucher selbst sieht das ähnlich. «Die Leute fragen mich, was ich denn anders mache, als noch in der Zeit bei Tampa. Auf dem Eis: nichts. Es geht nicht ums Hockey», sagt Boucher gegenüber CBC. Es seien andere, kleine Dinge die entscheiden. Zudem pflege er auch einen direkteren Kontakt mit General Manager Pierre Dorion. «Schliesslich ist er derjenige, der die Spieler verpflichtet.»

Der Kanadier hat bei Tampa und auch in seiner Zeit in der Schweiz gelernt, auf was es im Eishockey wirklich ankommt. «Von gewissen Dingen dachte ich früher, sie seien unglaublich wichtig. Dabei spielen sie gar keine Rolle» erklärt Boucher weiter.

Guy Boucher grüsst nach dem Sieg gegen Boston einige Fans auf der Strafe. Video: streamable

Der Erfolg gibt ihm recht: Die Senators schafften nicht nur die Playoffs, in der Nacht auf Montag eliminierten sie dort auch die Boston Bruins. Als nächster Gegner warten im Stanley-Cup-Viertelfinal die New York Rangers. Mit Tampa stand Boucher bereits einmal im Conference-Final. Gut möglich, dass ihm dies erneut gelingt.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • el_bengalo 24.04.2017 18:40
    Highlight Quod erat demonstrandum: in der Schweizer Liga ist das Coaching also anspruchsvoller, ah nein, ist ja gar kein Zaugg-artikel ;)
    30 1 Melden
  • Hayek1902 24.04.2017 14:48
    Highlight auf den NHL-Eisfeldern funktioniert das 1-3-1 natürlich deutlich besser als auf den internationalen Eisfeldern. Aber ich will damit nicht seine Leistung in dieser Saison kleinreden.
    56 1 Melden
    • c_meier 24.04.2017 16:11
      Highlight Kreisen die Spieler von Ottawa immer noch so in den Ecken wie damals beim ZSC unter Crawford?
      Auf dem NHL-Eisfeld ist man mit diesem Kreisen natürlich näher beim Tor als im europäischen Eisfeld. Aber vielleicht hätte man dies Crawford mitteilen sollen als er beim ZSC unterschrieben hat :)
      29 3 Melden
  • Tikkanen 24.04.2017 13:41
    Highlight ...guter Artikel Bürgler und Merci das du die Blueshirts nicht wieder als "Aussenseiter" bezeichnet hast👍🏻 Also zurück zu Boucher. Die NHL ist klar sein Pflaster, in Ottawa ist ob man es glaubt oder nicht a. das Spielermaterial besser und vor allem b. er hat den Karlsson im Team. War gestern interessant auf NBC, die haben jeweils die Dauer der Shifts vom Karlsson und Chara eingeblendet. Wahnsinn, der Typ steht weit über eine Minute pro Shift auf dem Bitz👏🏻Und jetzt noch polemisch, die Zeit in Bern hat Boucher deutlich gutgetan, ohne die Lehrzeit beim grossen SCB wär nix mehr mit NHL😂😎🍻
    73 25 Melden
    • Santale1934 24.04.2017 13:59
      Highlight Tikkanen...ich stimme dir ausnahmsweise mal zu, abgesehen vom letzten Teil, den lassen wir mal weg ;-)
      Ich schaue so gut wie jedes Spiel von Boston und das mit der Anzeige der Dauer von den Shifts wird so gut wie in jedem Spiel angezeigt. Finde ich auch sehr interessant, wenn man dann sieht, wie lange manch einer am Stück durchspielt.
      Schade das Boston nun bereits draussen ist, habe diese Saison aber auch noch nicht an mehr geglaubt. Dafür ist das Team noch zu jung, wichtige Stützen waren leider verletzt und Leistungsträger erbrachten das gewünschte nicht mehr zu 100% (#37, #63, #88, ...)
      20 5 Melden
    • Rock'n'Rohrbi 24.04.2017 19:01
      Highlight @Santale1934 ...bin auch grosser Bruins Fan und war wie du enttäuscht von den selben Spielern die du erwähnst. Erschreckend wie harmlos in gewissen entscheidenden Momenten die black&gold Truppe agierte. Der junge McAvoy noch einer der Besten!!! Hatte mir nach dem Coachwechsel schon ein wenig mehr erhofft... doch was ich nun von den Rangers und Tik's Lieblingen gesehn habe, kann ich nur sagen: zum Glück nicht gegen diesen Diesellok Hammer aus NY. Himmel haben die grandios starkes Hockey gegen Montreal gezeigt. G. Boucher, ich empfehle dir Türsteher anzuwerben. Deine harten boys werden zersaust
      8 0 Melden
    • Santale1934 24.04.2017 22:58
      Highlight @Rock'n'Rohrbi, kann dir nur beipflichten. Meiner Meinung nach ein Trainerwechsel und auch den GM austauschen. Spätestens wenn nächste Saison wieder gleich endet oder schlimmer.
      Vorallem soll man nun nicht wieder gute Spieler für Schlechte wegtraiden, sondern das Team halten, noch eins/zwei Ergänzungsspieler und dann kommt es gut.
      Junge Spieler, welche sicher noch eine grosse Karriere vor sich haben. Vatrano, Carlo und McAvoy haben mir gut gefallen und dann sind da noch paar offene 1st Round Picks aus den letzten Jahren.
      NYR spielen sack stark, hat mir extrem gefallen und wir sehr schwer.
      2 0 Melden
  • Coliander 24.04.2017 13:38
    Highlight Ultra defensives Hockey mit dem besten Offensivverteidiger👌
    27 3 Melden
    • BennyG 24.04.2017 15:26
      Highlight Nun ja mit 0 Toren und 6 Assists ist Herr Karlsson eher unterdurchschnittlich.
      Für mich einer der meist überbewerteten Spieler der NHL.
      Aber ein Trade würde ihm sicherlich gut tun.
      8 46 Melden
    • whatthepuck 24.04.2017 15:40
      Highlight Vielleicht funktioniert's ja gerade deswegen. Karlsson ist derart gewaltig, den kann das defenisvste System nicht im Zaun halten.
      6 0 Melden
    • Züzi31 24.04.2017 18:09
      Highlight Karlsson ist der Grund weshalb die Sens in den Playoffs und dort auch noch eine Runde weiter sind. Hast du mal gesehen was das für Assists waren und was seine Advanced Stats ausweisen? Unterdurchschnittlich? Trade? Und ich mag Ottawa noch nicht mal.
      15 1 Melden
    • Coliander 24.04.2017 19:58
      Highlight @züzi31 Ich bin Sens Fan und ohne Karlsson wäre Ottawa ein bisschen besser als Colorado
      6 0 Melden

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