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Das Air Canada Centre in Toronto ist Schauplatz des epischen Vergleichs zwischen Kanada und Russland. Bild: ap

Das Duell der grossen Erzrivalen: Russland fordert am World Cup of Hockey Kanada

Es gibt im Eishockey keine grössere Rivalität als die zwischen Kanada und Russland. Zwar ist sie nicht mehr ganz so erbittert wie zu Zeiten des Kalten Kriegs. Doch der Halbfinal des World Cup of Hockey verspricht grossen Sport.

24.09.16, 11:18 24.09.16, 13:11


Früher, als die Welt noch in Ordnung war, da war sie eine einfache. Hier die Guten, da die Bösen. Ein eiserner Vorhang trennte den kapitalistischen Westen von den Kommunisten.

Heute gibt es keinen Kalten Krieg mehr. Die Kommunisten haben ihren Klassenkampf verloren. Gute und Böse gibt es hüben wie drüben. Aber eines ist geblieben: Wenn im Eishockey Kanada auf Russland trifft, ist das stets ein Highlight. Auf internationaler Ebene gibt es keine grössere Rivalität.

Ein Duell, das oft eines auf Biegen und Brechen ist. Bild: AP CP

In der Nacht auf Sonntag (01.00 Schweizer Zeit, live auf TV25) ist es das nächste Mal so weit. Im World Cup of Hockey heisst es: Siegen oder fliegen. Wobei Kanada nicht weit fliegen müsste, sollte es den Halbfinal gegen Russland verlieren. Denn ausgetragen wird das Turnier in Toronto, was den Druck auf das Heimteam erhöht. Kanada ist als amtierender Olympiasieger der Favorit auf den Turniersieg, eine Niederlage ausgerechnet gegen den Erzrivalen wäre eine mittlere nationale Tragödie.

Stereotypen gelten nicht mehr

«Es wird ein grossartiges Spiel», ist Russlands Goalie Sergei Bobrowski überzeugt. Der Keeper der Columbus Blue Jackets kündigt an: «Wir werden mit dem Fokus in die Partie gehen, dass es die wichtigste in unserem Leben ist.»

Einer wie Bobrowski steht auch für die andere Ausgangslage, die das Duell Kanada – Russland heute besitzt. Es ist nicht mehr ein Vergleich zwischen den besten NHL-Spielern und sowjetischen Amateuren, Akteuren, die bloss auf dem Papier keine Profis waren. Denn seit dem Fall des eisernen Vorhangs sind auch die besten Russen in der NHL engagiert.

Russlands Keeper Bobrowski wird wohl im Fokus stehen. Bild: AP/The Canadian Press

Damit einher ging auch eine Angleichung der verschiedenen Spielweisen. Galten Kanadier früher als besonders körperbetont und engagiert auftretende Eishockeyspieler, zauberten die Sowjets mit spielerischer Eleganz, mit Präzision, Technik und Kombinationsstärke. Wer heute einen Titel gewinnen will, der muss alles beherrschen.

Acht Knüller 1972 …

An der WM 1954 betrat die Sowjetunion erstmals die grosse Bühne und sie etablierte sich dort als Serien-Weltmeisterin. Kanada war ohne NHL-Profis chancenlos. Mit umso grösserer Spannung wurde deshalb der «Summit Series» entgegengefiebert. In acht Spielen sollte 1972 ermittelt werden, wer die besten Eishockeyspieler der Welt hat.

Nach je vier Spielen in Kanada und in Russland setzten sich die Ahornblätter mit 4:3 Siegen (bei einem Unentschieden) hauchdünn durch. Kanada kehrte dabei in Russland einen 1:3-Rückstand, gewann die Spiele sechs bis acht mit jeweils einem Tor Unterschied. Die Entscheidung im letzten Vergleich fiel erst 34 Sekunden vor dem Ende durch Paul Hendersons Treffer zum 6:5. Seither ist er in Kanada ein Volksheld.

Henderson trifft in Moskau zum 6:5. Video: streamable

… und der Canada Cup 1987

Zu einem weiteren Highlight in der Geschichte der Rivalität zwischen Kanadiern und Russen wurde der Canada Cup 1987. Die Ahornblätter holten sich den Titel dank einem 2:1-Sieg in der Finalserie gegen die Sbornaja. Sämtliche Spiele gingen 6:5 aus.

Die Namen der Topskorer zergehen Fans noch heute auf der Zunge: Wayne Gretzky, Mario Lemieux, Ray Bourque und Mark Messier auf der einen Seite. Sergei Makarow, Wladimir Krutow, Slawa Bykow, Andrei Chomutow oder Wjatscheslaw Fettisow auf der anderen.

Gretzky und Lemieux: 21 und 18 Punkte in acht Spielen. Alle in diesem Video. Video: YouTube/awood CHV

Prügeln, bis das Licht ausgeht

Und dann war da ja auch noch etwas früher in jenem Jahr die U20-WM. Im Final kam es zu einer Massenschlägerei, die selbst fortgesetzt wurde, als man in der Halle das Licht löschte. «Die beiden Teams waren so geladen, dass wahrscheinlich kein Mensch der Welt dazu in der Lage gewesen wäre, diese Eskalation zu verhindern. Das war schon beim Warm-up zu spüren», erinnerte sich IIHF-Präsident René Fasel, damals Schiedsrichter-Chef des Turniers.

«Jeder gegen jeden» heisst das Motto im tschechoslowakischen Piestany. Video: YouTube/davey boy phelan

Diese Begegnung ist für watson-Eismeister Klaus Zaugg mitentscheidend dafür, dass russische Spieler wenig später von NHL-Teams engagiert wurden. Nicht nur die politischen Änderungen hätten dafür gesorgt. Durch die legendäre Keilerei galten die Russen nicht mehr nur als talentiert und fleissig, sondern auch als wehrhaft.

Owetschkin: «Die Atmosphäre wird unbeschreiblich sein»

Zuletzt gingen die grossen Titel an Kanada. Es wurde 2010 im eigenen Land Olympiasieger, im Viertelfinal warf man Russland aus dem Turnier. Die Kanadier holten auch 2014 im russischen Sotschi Olympiagold und sie wurden 2015 und 2016 Weltmeister.

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Auch deshalb sind die Kanadier im Halbfinal des World Cup of Hockey in der Favoritenrolle. Dieser wird zu einer Begegnung zweier Superstars: Sidney Crosby (2 Tore, 2 Assists) trifft auf Alex Owetschkin (1 Tor, 2 Assists). Der Russe der Washington Capitals spielte die Bedeutung jedoch herunter und sagte: «Es ist Kanada gegen Russland, es geht hier nicht nur um zwei Spieler.» Er freue sich sehr auf die Partie, ergänzte Owetschkin: «Die Atmosphäre wird unbeschreiblich sein. Ganz egal, ob man auf dem Eis ist, als Zuschauer im Stadion oder vor dem Fernseher: Es ist grossartig, so etwas erleben zu können.»

Alle Eishockey-Weltmeister

04.01.1987: Als nach der grössten Prügelei aller Zeiten die Lichter ausgingen und ein Spiel die Eishockey-Welt veränderte

16.01.1905: Nach 23 Tagen Anreise werden die Dawson City Nuggets im Stanley-Cup-Final mit 2:23 vermöbelt

19.10.1996: Del Curto klärt seine Spieler auf: «Zum Schiri nüma ‹Fuck you› sägä, äs git zwei Minuta, hä!»

22.09.2012: Rick Nash meldet sich mit einem Blitz-Hattrick in der Schweiz zurück

26.12.1993: Dank Chomutow und Bykow träumt Aufsteiger Davos vom ersten Spengler-Cup-Titel seit 35 Jahren

11.03.1979: NHL-Haudegen Randy Holt prügelt sich zu einem bis heute gültigen Rekord – 67 Strafminuten in einem einzigen Spiel

28.01.2009: Die Zürcher Löwen krönen sich zu Europas Eishockey-Königen

Ralph Krueger schreibt das wichtigste SMS der Schweizer Hockey-Geschichte 

Deutschland verpasst die grosse Sensation, weil der Puck auf der Linie kleben bleibt

31.03.2009: Nie haben wir uns mehr über ein Tor gegen die Schweizer Nati gefreut als bei Omarks Penalty-Trick

28.12.1999: «La Montanara» erklingt in Berlin – Ambri krönt sich zum europäischen Champion

08.04.1980: Sie wissen nicht, was sie tun, als sich zwei Schweden als erste Hockeyspieler einen Playoff-Bart wachsen lassen

NHL-Star Darryl Sittler stellt einen Rekord für die Ewigkeit auf

Amerikas College-Boys erlegen den russischen Bären

30.12.1981: Wayne Gretzky schafft den verrücktesten seiner Rekorde: 50 Tore in 39 NHL-Spielen

Bobby Orr entscheidet mit dem «Flying Goal» den Stanley-Cup-Final

10.10.1979: Ein gewisser Wayne Gretzky bestreitet sein erstes Spiel in der NHL – er wird sämtliche Rekorde pulverisieren

14.05.2008: Philippe Furrer schiesst das kurioseste Eigentor der Schweizer Hockey-Geschichte

24.03.1936: Im längsten Hockey-Spiel aller Zeiten fällt das goldene Tor erst im 9. Drittel – um 2.35 Uhr nachts

18.02.2006: Die «Eisgenossen» spielen kanadischer als die Kanadier und rächen sich für eine uralte Schmach

24.02.2006: Neunmal das F-Wort in einer Minute – Greg Holst macht sich mit legendärem Ausraster-Interview unsterblich

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Pingu80 24.09.2016 17:37
    Highlight Kanada wird dieses Turnier so souverän gewinnen, wie sie die letzten beiden olympischen Spiele gewonnen haben. Es hat viele gute Teams. An das Mutterland des Eishockeys, kommt allerdings keine Nation an. Immer wieder beindruckend. Wenn der Gegner denkt,, jetzt packen wir sie, schalten die Kanadier noch einen Gang rauf.
    4 2 Melden
  • Connor McSavior 24.09.2016 12:56
    Highlight Ich sehe momentan irgendwie nicht, wie die Russische Verteidigung die Kanadier stoppen soll, sie waren schon mit den Stürmern des Team North America und ihrem Tempo zeitenweise sehr überfordert. Wohingegen an die kanadische Verteidigung mit ihrer Qualität wohl nur die Schwedische Verteidigung herankommt.
    Ich freue mich auf ein gutes Spiel.
    10 0 Melden
  • Rexi 24.09.2016 12:43
    Highlight ... und hier kann man die epischen Duelle im Kleinen nachspielen http://www.legendenquartett.ch/hockey/
    3 0 Melden
  • PTL 24.09.2016 12:36
    Highlight Zu diesem Thema kann ich den Film 'Red Army' empfehlen!
    6 0 Melden
  • BilboBeutlin 24.09.2016 12:33
    Highlight Wie Blick das Duell feiert: "die Stanleycupsieger und Teamkollegen Crosby und Ovi treffen aufeinander" stimmt fast ;)
    8 0 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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