Sport

Projekt 2022 – China startet den Angriff auf die Eishockey-Welt

Der chinesische Staatschef Xi Jinping wirft ein Auge auf die Heim-Olympia in Peking. Mit einem chinesischen Eishockeyteam will er 2022 für Furore sorgen.

01.11.16, 10:37 03.11.16, 05:59

Yann Schlegel / Nordwestschweiz

Institutionalisierung soll China auch auf der Sport-Weltkarte zu einer Grossmacht wachsen lassen. Im Jahr 2016 setzt das Reich der Mitte neu auf die in China bisher exotische Sportart Eishockey, da 2022 in Peking die Olympischen Winterspiele ausgetragen werden.

«In zehn bis 15 Jahren könnte sich China für die WM in der A-Gruppe qualifizieren.»

René Fasel

Noch weist China in der Eishockey-Weltrangliste einen riesigen Rückstand auf, figuriert es doch hinter Mexiko und Australien auf Platz 37. «In zehn bis 15 Jahren könnte die chinesische Nationalmannschaft sich für die Weltmeisterschaften in der A-Gruppe qualifizieren», traut René Fasel, Präsident des Internationalen Eishockeyverbandes, dem bevölkerungsreichen Land einen kometenhaften Aufstieg im bis dato in China unbekannten Sport zu.

Rudi Ying (links) soll gemeinsam mit Kunlun Redstar dem Eishockeysport in China zu Popularität verhelfen. Bild: Pavel Golovkin/AP/KEYSTONE

Wie die «China Daily» berichtete, sollen zur Förderung von Wintersportarten in einem Fünfjahresplan 10'000 Teenager von kostenlosem Eishockeytraining profitieren.

Das jüngste Projekt zur Popularisierung vom Spiel mit dem Puck wurde mittels staatlichem Akt besiegelt. Es ist ein Beispiel für die Effizienz des politischen Apparates Chinas. Denn binnen weniger Monate erfolgte über die politische Hand die Implementierung einer chinesischen Eishockeymannschaft auf der globalen Eishockey-Landkarte. Noch im März 2016 wurde das in Peking angesiedelte Projekt mit dem Namen «Kunlun Redstars» mittels Absichtserklärung zwischen dem russischen Eishockeyverband und der russischen KHL – der zweitbesten Liga der Welt – in die Wege geleitet – Ende Juni wurde bereits der Meilenstein gelegt.

Das Team Kunlun Redstar spielt jetzt in der KHL. Bild: Pavel Golovkin/AP/KEYSTONE

Anlässlich eines Staatstreffens unterzeichneten die beiden Staatspräsidenten Vladimir Putin und Xi Jinping eine Vereinbarung, welche die unmittelbare Integration des Pekinger Eishockeyteams beschloss.

Team in zwei Monaten geschaffen

Bloss zwei Monate später war das Gerüst der Mannschaft von Kunlun Redstar aus dem Boden gestampft. Rekrutiert wurden dazu mehrheitlich finnische und russische Eishockeyprofis. 13 chinesisch stämmige Spieler reisten zudem zur Vorbereitung nach Finnland an. In Peking wurde kurzerhand eine Siedlung inklusive Restaurant und Trainingszentrum errichtet, wo die Spieler mit ihren Familien leben.

Cheftrainer von Kunlun Redstar: Vladimir Jursinow junior. Bild: Pavel Golovkin/AP/KEYSTONE

Ende Oktober verbleiben nur noch fünf Chinesen im Kader von Kunlun Redstar, was wenig überraschend dem von der Liga vorgeschriebenen Minimalkontingent entspricht. Unter ihnen befindet sich Torhüter Nummer drei Shengrong Xia, der in der Asia League (13/14) durchschnittlich 13 Gegentreffer pro Spiel kassierte, oder Stürmer Tianxiang Xia, der im selben Jahr eine Bilanz von Minus 83 aufwies. Zu den Hoffnungsträgern gehören vielmehr Rudi Ying und Zach Yuen. Der in Vancouver geborene Yuen war im Oktober für die ersten KHL-Skorerpunkte eines Chinesen besorgt.

Obwohl die chinesischen Exponenten noch nicht die Hauptrollen einnehmen, scheint die mythologische Kraft, die mit der im Tibet gelegenen Gebirgskette Kunlun in Verbindung gebracht wird, den KHL-Neuling zu beflügeln. Denn unter der russischen Führung von Cheftrainer Vladimir Jursinow junior und Sportchef Vladimir Krechin mischt Kunlun eher überraschend im Mittelfeld der KHL-Ostdivision mit.

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  • 33%Nein, das wird nichts. Dieses chinesische Strohfeuer wird bald wieder erlöschen.

Doch als Publikumsmagnet hat sich das chinesische Hockeyprojekt bisher nicht erwiesen. Hatte das Heimdebüt in Peking immerhin knapp 8000 Personen angezogen, spielte Kunlun zuletzt bei den Heimspielen in Schanghai stets vor rund 1000 Zuschauern. Chinas politischer Wille ist noch nicht mit dem kulturellen Usus in Einklang gebracht worden.

Entschuldigung, wie sehen Sie denn aus? Schrille, kuriose und schlicht hässliche Trikots

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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18
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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • DerTaran 02.11.2016 14:05
    Highlight Das ist keine politische Effizienz, das ist politischer Wahnsinn, der Staat politisiert an den Wünschen der eigenen Bevölkerung vorbei.
    Was ist ein Snob? Jemand, der Geld ausgibt, das er nicht hat, um Sachen zu kaufen die er nicht braucht, um Leuten zu imponieren, die er nicht mag. Fällt euch was auf? China steht damit übrigens nicht alleine da.
    3 0 Melden
  • MaskedGaijin 01.11.2016 19:07
    Highlight Wenn sie damit so viel "erfolg" haben wie im fussball...
    13 0 Melden
  • N. Y. P. 01.11.2016 11:26
    Highlight in Bälde :
    Canada - China 19 : 1
    Russland - China 17 : 2
    Schweden - China 20 : 1
    Dänemark - China 11 : 3
    Mexiko : China 4 : 4
    Schweiz - China 4 : 2
    China - Japan*
    *Abbruch wegen Massenschlägerei
    65 20 Melden
    • Amboss 01.11.2016 12:43
      Highlight Häää..?? Komischer Kommentar

      nur so: China würde nicht so bald Ernstkämpfe gegen Schweden spielen. Erst wenn sie sich durch die unteren Divisionen hochgekämpft haben. Und dann sind sie konkurrenzfähig und verlieren nicht mehr 13:1
      38 5 Melden
    • Mia_san_mia 01.11.2016 12:50
      Highlight @N.Y.P.: Was willst Du mit diesem komischen Kommentar sagen?
      15 7 Melden
    • N. Y. P. 01.11.2016 13:55
      Highlight Mit meinem Kommentar will ich sagen, dass sobald die Chinesen zum ersten Mal bei den Grossen mitspielen, sie so ca. 15 - 19 Gegentore von den etablierten Mannschafzen kassieren, weil sie technisch dann immer noch Lichtjahre hinter CAN, RUS etc. zurückliegen.
      Da China das Eishockey jetzt gross fördert, werden sie in Bälde oben ankommen.
      Und überhaupt, es macht doch den westlichen Mannschaften dann Spass den Chinesen die Bude vollzuhauen :-)

      12 14 Melden
    • Pana 01.11.2016 14:39
      Highlight Ich gehe mal schwer davon aus, dass du die WM Struktur des IIHF nicht kennst.
      21 3 Melden
    • N. Y. P. 01.11.2016 15:10
      Highlight Wir haben die Top Division mit 16 Mannschaften. Und die Divisionen l, ll und lll. Mit Auf- / Abstieg. Aber, das weisst Du ja selber. Spielt für meinen Kommentar auch keine Rolle. Die Chinesen werden zügig aufsteigen wollen und sich mächtig ins Zeug legen. Die Eishockeyspieler dürfen auf wohlwollende Unterstützung und Hilfestellung der KP zählen. Gute Trainingsbedingungen, Freundschaftsspiele etc. Sie werden sicher auch etablierte Trainer mit einem guten Gehalt nach China locken..
      8 3 Melden
    • Pana 01.11.2016 15:37
      Highlight Wenn du weisst, dass es leicht abgestufte Divisionen gibt, dann sollte dir bewusst sein, dass ein Aufsteiger durchaus konkurrenzfähig ist. Länder wie Österreich und Italien spielen in der zweiten Division. Und die verlieren gegen Schweden auch nicht 20-0.
      17 0 Melden
    • N. Y. P. 01.11.2016 16:09
      Highlight Pana,
      bin einverstanden mit Deinen Kommentar. Ich möchte aber noch anfügen, falls sich die Chinesen in den nächsten
      4 - 6 Jahren in einen Flow spielen, dann in der Division l ein paar Überraschungen (gegen Italien etc.)
      schaffen und dann unverhofft mal ein Jahr bei den Grossen schnuppern, dann halte ich es für möglich, dass es solche Resultate gibt.
      Wenn die Chinesen in jeder Division 5 Jahre verharren, dann sind meine Prognosen natürlich falsch. Steigen sie zu schnell durch die Divisionen, DANN halte ich meine Resultate für möglich.

      5 9 Melden
    • exeswiss 01.11.2016 16:44
      Highlight @N.Y.P ungarn war letztes jahr so eine "überraschungsmannschaft" und hat nicht mit solchen resultaten verloren. dein kommentar ist also vollkommen überflüssig.
      15 1 Melden
    • Schreiberling 02.11.2016 08:49
      Highlight Könnte schon solche Resultate geben. An den olympischen Winterspielen in Peking.
      3 1 Melden
    • DerTaran 02.11.2016 14:08
      Highlight Er will damit sagen, dass die schweizer Nati so schlecht ist, dass sie sogar gegen China nur knapp gewinnen kann.
      2 0 Melden
  • Jol Bear 01.11.2016 11:18
    Highlight Alles schön und gut. Sei es Eishockey, Fussball, Ski, Schach, Leichtathletik u.s.w., die grosszügige Förderung der chinesischen Regierung hat nur einen Makel: Die Staatsführung will mit erfolgreichen China-Athleten der Welt Macht demonstrieren, eine vermeintliche Überlegenheit ihres Staatssystems vorgaukeln. Dieselbe Masche wie damals die kommunistischen Ostblockstaaten. Bleibt zu hoffen, dass als Nebeneffekt möglichst viele junge Chiesinnen und Chinesen dank guter Infrastruktur mit Freude Sport treiben können.
    51 2 Melden
  • Micha Moser 01.11.2016 10:47
    Highlight Traue China ohne frage zu das sie in einigen Jahren eine Profimannschaft hinknallen. Schön das sie sich nun auch mit dem Sport auseinandersetzen.
    26 11 Melden
    • exeswiss 02.11.2016 06:03
      Highlight jedenfalls nicht in den nächsten 20 jahren die haben in peking ein team in der KHL mit gerade mal 2 US/CAN chinesen im team der rest sind russen, finnen etc. sind schon lange keine 5 mehr wie im artikel steht.
      2 0 Melden

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