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Gemeinsam feiern Luganos Spieler und die Fans in der Resega. Bild: TI-PRESS

Wildes Zentrum der Leidenschaft – so tickt Luganos Curva Nord

Sie kann energisch sein, euphorisch, laut, packend, elektrisierend, aber auch aufbrausend, unersättlich, unberechenbar und wütend – die Curva Nord, der Pulsschlag des HC Lugano, ein für Schweizer Hockey-Verhältnisse beispielloser Fansektor.

18.04.18, 16:58 18.04.18, 17:11

Sven Schoch / sda

Spiel 4 des Finals

Bereits heute geht der Playoff-Final zwischen dem HC Lugano und den ZSC Lions weiter. Die Tessiner haben dank dem 3:0-Sieg am Montag in der Serie auf 1:2 verkürzt. Nun wird wieder im Zürcher Hallenstadion gespielt (ab 20.15 Uhr im watson-Liveticker).

Die Stehrampe besitzt mehr Temperament als üblich. Tief im Süden ist der Norden wild und an guten Abenden grenzenlos kreativ. Das faszinierend grosse Repertoire der ohrenbetäubenden Fan-Songs reicht bis zum brasilianischen Klassiker «Meu Amigo Charlie Brown».

Slideshow mit vielen Choreos der Curva Nord. Video: YouTube/Yul85

«Die Kurve ist unser siebter Mann», sagt Luganos Stürmer Alessio Bertaggia nach dem 3:0 im zweiten Finalheimspiel gegen die ZSC Lions und übertreibt mit keinem Wort. Die Kulisse singt, flucht und zelebriert ohne eine Sekunde Unterbruch.

Milan und Inter als Vorbilder

In der Resega hat die organisierte Tifoseria eine lange Tradition. Unmittelbar vor der NLA-Promotion in den frühen 80er-Jahren formierten sich erste Gruppierungen. Die «Black and White Panthers» spielten dabei eine entscheidende Rolle. Ihr Gründer importierte die Ultra-Kultur aus der Mailänder Fussball-Kathedrale San Siro.

Grosse Lugano-Choreo 1990 vor einem Playoff-Finalspiel gegen den SC Bern. Bild: KEYSTONE

Derweil sich der orchestrierte Support in der Serie A längst etabliert hatte, waren der Milan-Tifoso und seine Tessiner Seelenverwandten in der Schweizer Eishockey-Szene regelrechte Exoten. Auf der anderen Seite des Gotthards trugen die Sympathisanten bis zur Jahrtausendwende Jeanskutten mit aufgenähten Stickern ihres Lieblingsvereins. In Porza hingegen gab ein Capo nach italienischem Vorbild hinter dem Megaphon die Parolen und Klatschrhythmen bekannt.

Im allgemeinen Sog der Titelserie in den ersten drei Playoff-Jahren vergrösserte sich der Kreis der passionierten Lugano-Aficionados von 20 bis 30 Freaks auf über 1500. Lange waren die Idealisten mit eigener Fanzeitung in friedlicher Mission unterwegs. Während der 90er-Jahre drehte der Wind plötzlich, militante Kreise übernahmen das Kommando, die Exzesse nahmen zu – viele der Gründergeneration distanzierten sich von der unappetitlichen Entwicklung.

Das Bemühen von Klubchefin Mantegazza

2001 zettelten gewaltbereite Exponenten im Anschluss an die verlorene Finalissima gegen den ZSC die schlimmsten Krawalle in der Schweizer Klubgeschichte an und verursachten einen beträchtlichen Imageschaden. Der Tiefpunkt ist Geschichte und aufgearbeitet; die Curva ist inzwischen wieder ein Energiespender und keine Problemzone mehr.

Nach dem verlorenen Final 2001 gegen die ZSC Lions brannten bei einigen Fans die Sicherungen durch. Bild: KEYSTONE

Die Vereinsleitung um Vicky Mantegazza ist um eine gute Ambiance bemüht und hat den harten Kern der Anhänger ziemlich genau im Fokus. Vor heissen Partien hat die Klubchefin auch schon klare Statements platziert: «Wir benötigen weder Stress noch Chaos, sondern eine Resega mit positiver Energie.»

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Video: srf

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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Scb barner 18.04.2018 23:17
    Highlight Lugano hat immer noch eine bemerkenswerte Szene!Geile Choreos und grandiose Stimmung.Trotz allen Repressionen.Weiter so und nicht unterkriegen lassen!
    28 15 Melden
  • Mia_san_mia 18.04.2018 18:53
    Highlight Irgendwie ein komischer Bericht... Fängt interessant an und ist dann plötzlich fertig.
    195 0 Melden
  • Hugo Wottaupott 18.04.2018 18:28
    Highlight Hoffe für die Lugano-Fans, dass sie nicht bald 1 Spiel lang "non mollare mai" skandieren müssen.
    10 26 Melden
  • MiNiK 18.04.2018 18:04
    Highlight Jedoch scheinbar die einzigen „Fans“, welche noch nicht gecheckt haben, dass es sich nur um ein Spiel handelt. Anderst kann ich mir die Szenen beim letzten Spiel im Hallenstadion nicht erklären. Interessanterweise können sich die Gästefans der anderen Clubs ohne Probleme friedlich im Stadion aufhalten. Herrgott Leute es sind Kinder anwehsend!! Benehmt euch oder bleibt zuhause! Danke
    69 39 Melden
    • Stoupe 18.04.2018 19:19
      Highlight Was war denn los ?
      17 3 Melden
    • Rdn 18.04.2018 22:36
      Highlight Das ist wahre fankultur, aber von einem Z modefan kann ja keine andere Antwort kommen !
      36 38 Melden
  • Couleur 18.04.2018 18:04
    Highlight Der Artikel beginnt vielversprechend mit den Ursprüngen und endet dann in einem Sprint. Ein wirklicher Einblick in eine solche Kurve mit deren Geschichte und Innenleben wäre wünschenswert. Keine oberflächliche Abhandlung wie diese hier. Ambri und Lugano sind europaweit fast konkurrenzlos mit ihren Kurven.
    223 14 Melden
    • Mario Siegenthaler 18.04.2018 18:11
      Highlight Bin mit dir einig ausser das mit Lugano und Ambri
      Dürfte aber schwer werden die Szene ist nicht so redsellig
      7 21 Melden
    • Couleur 18.04.2018 19:27
      Highlight Hallo Mario. Welche Eishockeykurve agiert europaweit nach deiner Meinung nach auf dem Niveau von Ambri und Lugano? Aus meiner Sicht evtl. noch Djugarden oder die Eisbären aus Berlin. Aber stimmungsmässig ist für mich Ambri und Lugano einmalig.
      41 10 Melden
    • Jiri Lala 18.04.2018 20:20
      Highlight Eben du sagst es für dich..
      5 20 Melden
    • Mario Siegenthaler 18.04.2018 22:11
      Highlight Im Fussball eine ganze menge
      9 12 Melden
    • Scb barner 18.04.2018 23:26
      Highlight Ich respektiere beide Kurven.Doch finde ich es Schade dass man meinen SCB nicht objektiv betrachtet.Mir ist klar dass die Mitmachquote im Tempel nicht gerade gross ist,doch die Stimmung ist meistens konstant und genial (eigenlob stinkt höhö).Spass bei Seite,Choreos/Fangesänge/Lautstärke finde ich immer noch geil!Man versucht sich immer mit neuen EIGENEN Gesängen und nicht irgendwelchen 08/15 Gesängen wie in Zug (sorry Zuger).Berücksichtigt man auch dass viele Ultras ein Stadionverbot haben.Leider sind die Bastards Bern nicht mehr als Gruppe aktiv dank den SV.Ich habe sogar heute noch Gänsehaut
      9 23 Melden
    • Scb barner 18.04.2018 23:30
      Highlight Musste den Text ein wenig kürzen.Nicht wundern :)
      1 7 Melden
  • LittleBallOfHate63 18.04.2018 17:13
    Highlight "die Curva ist inzwischen wieder ein Energiespender und keine Problemzone mehr."

    Das sah letztes mal im Hallenstadion nicht so aus. Andauerndes Bierbecher werfen in einen Sektor in dem hauptsächlich Familien sitzen und Schläge mit Gürteln gegen andere Fans.

    Mir ist ja bewusst dass bei jedem Club Vollidioten in der Kurve stehen, aber Lugano hat immer noch ein Problem.
    133 70 Melden
    • sombrelli 18.04.2018 17:23
      Highlight Bin ganz deiner meinung...wir sassen friedlich, wohlverstanden vor dem match, draussen und da meinten einige netten luganesi euch zett fans sollte man alle vergasen...tiefes niveau
      69 23 Melden
    • Jiri Lala 18.04.2018 19:40
      Highlight Hahaha eine Ode an die Curva Nord.. der Autor muss ein grosser Kenner der Fanszene sein.. wenn die Serie mit dem Z noch eng werden sollte wird er wohl mit unbehagen auf seinen Artikel zurückschauen..
      27 4 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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