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Davos liess den Cardiff Devils keine Chance. Bild: KEYSTONE

Ein Davoser «Stängeli» macht die CHL nicht zur Gurkenliga

Gleich mit 10:1 fertigte der HC Davos am Donnerstagabend die Cardiff Devils in der Champions Hockey League ab. Ist die CHL also doch nur eine Gurkenliga, ein besseres Saisonvorbereitungsturnier? Nein. Denn solche Resultate gab es auch schon in der Schweiz.

25.08.17, 12:28 25.08.17, 12:45
Adrian Bürgler
Adrian Bürgler

Dass Davos die Cardiff Devils zum Auftakt der Champions Hockey League schlagen würde, das durfte erwartet werden. Dass es gleich ein 10:1 geben würde allerdings nicht. Das Leistungsgefälle in der CHL ist sicherlich gross: Auf der einen Seite sind die Spitzenteams aus Finnland, Schweden und der Schweiz, auf der anderen Seite sind da aber auch Teams aus Grossbritannien, Frankreich oder Polen.

Die Highlights der Partie. Video: YouTube/Champions Hockey League

Arno Del Curto ringt nach dem Kantersieg um Worte: «Bei so einem Resultat sagt man besser nichts. Für sie war es schwer und für uns ging es plötzlich einfach.» Der HCD-Coach ortet die Gründe für die Deutlichkeit auch in der unterschiedlichen Saisonvorbereitung. Cardiff hatte bis jetzt weniger trainiert und gespielt als Davos. Cardiff-Coach Andrew Lord beschreibt das Resultat als «ziemlich hässlich». Er mache seiner Mannschaft aber keinen Vorwurf, sie müsse sich zuerst noch an dieses Tempo gewöhnen.

Die Interviews im Video. Video: YouTube/Champions Hockey League

Doch auch die hiesige Liga, die bei den Fans als extrem ausgeglichen gilt, ist vor hohen Niederlagen nicht gefeit. Immer wieder ziehen Teams auch in der National League katastrophale Abende ein und werden mit einer Packung vom Eis geschickt. Eine Auswahl.

2015: Genf – ZSC Lions 0:8

In der vierten Halbfinalpartie der Playoffs 2015 taucht Servette-Genf zuhause gegen die ZSC Lions gleich mit 0:8. Es ist für die Zürcher der Ausgleich zum 2:2 und gleichzeitig auch der Wendepunkt in der Serie. Der ZSC zieht mit 4:2 in den Final ein und verliert dort dann gegen den HC Davos.

Genf kam gegen den ZSC unter die Ränder Bild: KEYSTONE

1994: Fribourg – ZSC 10:1

In der goldenen Fribourger Ära mit Slawa Bykow und Andrei Chomutow verpasst Gottéron dem ZSC eine Klatsche. Im Playoff-Viertelfinal schaffen sie im dritten Spiel sogar das Stängeli. Meister wird in diesem Jahr aber Kloten.

1992: Fribourg – Biel 11:2

Wieder schickt Fribourg eine Mannschaft mit einer Packung vom Eis. Dieses Mal ist Biel die Mannschaft, die einstecken muss. Wieder ist es eine Playoff-Viertelfinalpartie. Wieder kommt Fribourg weit, muss am Ende aber einem anderen Team den Vortritt lassen. Meister wird der SC Bern.

Slawa Bykow und Andrei Chomutow wirbelten in den 90er-Jahren für Fribourg. Bild: KEYSTONE

1992: Lugano – ZSC 10:0

Ein Stängeli zu null kassiert der ZSC im selben Jahr. Es ist bis heute die höchste Playoff-Niederlage in der Geschichte der National League. An der Bande bei den Zürchern steht damals ... Arno Del Curto

Anro Del Curto kassierte mit dem ZSC die höchste Schweizer Playoff-Niederlage. Bild: KEYSTONE

Die NZZ schreibt nach der historischen Partie:

«Nachdem Ton in der 32. Minute das 4:0 erzielt hatte, entliess der Zürcher Coach Del Curto – zwecks Schonung der andern – seine Junioren aufs Eis. Der Bündner gab den Match mit Blick auf Verschleiss und drohende Matchstrafen frühzeitig verloren. Der HC Lugano nützte das kalkulierte Entgegenkommen zu einer Demonstration und sechs weiteren Treffern. Dem ZSC blieb die frustrierende ‹Null› auf der Habenseite.»

2013: Kloten – Lakers 12:0

Bei der desolatesten Leistung der jüngeren Schweizer Eishockey-Vergangenheit gehen die Rapperswil-Jona Lakers in Kloten gleich mit 0:12 unter. Die St.Galler ziehen damit den Zorn des EHC Biel auf sich. Die Seeländer monieren, dass sich die Lakers nicht mehr angestrengt hätten, weil sie sowieso abgeschlagen auf dem letzten Platz liegen. Da die Klotener nach diesem Sieg die viel bessere Tordifferenz haben, droht Biel die Playoffs zu verpassen.

Im Juni desselben Jahres stimmt die Ligaversammlung über eine Modusänderung ab. Die erste Playout-Runde wird abgeschafft und durch eine Platzierungsrunde ersetzt, in der die Teams ihre Punkte aus der Qualifikation mitnehmen.

Die Anzeigetafel bestätigt das vernichtende Resultat. Bild: keystone

Es geht aber auch noch schlimmer, wie einige Resultate aus dem internationalen Eishockey oder von den Junioren zeigen.

1972: Tschechoslowakei – Schweiz 19:1

Die Schweiz hat auf internationalem Eis einige der höchsten Niederlagen der WM-Geschichte kassiert. 1972 bei der WM in Prag musste die Nati mit einem 1:19 vom Feld. Nach zwei Dritteln stand es bereits 13:0 für die Osteuropäer.

Die Tschechoslowakei feiert 1972 auch den Weltmeistertitel. Bild: www.worldhockeyclassic.ru

2013: Unterseen-Interlaken – EHC Schwarzenburg 73:1

Es ist vermutlich der höchste Sieg, der je auf Schweizer Eis gefeiert wurde. 2013 verlieren die Moskito-B-Junioren (elf bis zwölf Jahre) des EHC Schwarzenburg gleich mit 1:73 gegen den SC Unterseen-Interlaken. Markus Graf, Nachwuchs- und Ausbildungschef von Swiss Ice Hockey, meinte damals: «Ich weiss zwar nicht, ob es im Schweizer Junioren-Eishockey ein Spiel gab, in dem eine Mannschaft höher gewinnen konnte, 73 Tore sind aber absolut rekordverdächtig.»

Bereits nach zwölf Sekunden fällt das erste Tor. screenshot: sihf

1998: Südkorea – Thailand 92:0

Dieses Resultat gilt als höchster Sieg in der Eishockey-Geschichte. Bei den Asien- und Ozeanien-Juniorenmeisterschaften von 1998 schlägt Südkorea Thailand mit dem unglaublichen Resultat von 92:0. Es ist Thailands erste Teilnahme an diesem Turnier und wohl auch die denkwürdigste. Am Ende des ersten Drittels steht es 36:0 für Südkorea. Nach zwei Dritteln heisst es 60:0. 

Damals hatte Thailand auf Eis noch nicht viel zu jubeln. Bild: EPA/EPA

Eine schöne Anekdote zu diesem Spiel: Auf einem Schiedsrichter-Spielblatt hat es Platz für 22 Tor-Einträge. Das Blatt war nach zwölf Minuten und 33 Sekunden vollgeschrieben. Insgesamt braucht es fünf Spielblätter, um den Spielstand festzuhalten. Diese Spielblätter sind heute in der Hockey Hall of Fame in Toronto zu finden. 

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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Ketchum 25.08.2017 19:26
    Highlight Der Z ist doch damals weitergekommen gegen Lugano, nicht? War als der dicke Krutow nach jedem Match in Sauerstoffzelt musste 😂
    11 0 Melden
  • olllli 25.08.2017 14:35
    Highlight 10.10.1987 EHC Kloten gegen die SCL Tigers 17 : 3!!!!
    13 3 Melden
  • Reto Grimm 25.08.2017 13:54
    Highlight Die höchsten Siege seit NLA Playoffeinführung wären auch noch eine Erwähnung wert:
    Kloten-Langnau 17:3 (1987)
    Kloten-Sierre 15:1 (1988)
    Ambri-Zug 2:14 (1996)
    13 0 Melden
  • Amboss 25.08.2017 12:58
    Highlight Ich sehe das Problem nicht.
    In Wettbewerben zwischen Teams unterschiedlicher Ligen kann das halt schon mal vorkommen. Insbesondere, wenn es gerade so stark zwischen Nationalsportart und Randsportart schwankt wie im Eishockey

    Und ich sehe nicht ein, weshalb man hier die CHL vom Vorwurf, eine Gurkenliga zu sein, freisprechen müsste.

    In der CL-Gruppenphase im Fussball gab es letztes Jahr sechs (!) Spiele, die 5:0 oder höher endeten. Und da spricht auch niemand von Gurkenliga.
    61 2 Melden
  • Steven86 25.08.2017 12:56
    Highlight Kann vorkommen, letzte Saison hat Montreal auch mit einem Stängeli gegen Columbus verloren und das in der besten Liga der Welt.
    37 1 Melden
  • Professor Chaos 25.08.2017 12:54
    Highlight Da fehlt noch das 10:1 vom SCB gegen Kloten (2004) mitdem sich der SCB im letzten Spiel die Playoff Teilnahme sicherte.
    22 6 Melden
    • Guzmaniac 25.08.2017 14:32
      Highlight Bitter, ich war leider Gottes dort. Nach dem zwischenzeitlichen 1-7 (glaubs) kam kurz Hoffnung auf. Sehr kurz, ca. 2 Minuten.
      Mein Herz blutet heute noch ;-)
      7 0 Melden
    • Professor Chaos 25.08.2017 15:08
      Highlight Meines blutet zum Glück nicht :-) Wurde damals im 20 Min interviewt, hab es heute noch.
      2 5 Melden
    • MARC AUREL 25.08.2017 16:10
      Highlight Ahh daran kann ich mich auch sehr gut errinnern! Aber war es 2004?
      2 6 Melden
    • Professor Chaos 25.08.2017 17:17
      Highlight @Marc Aurel:

      Aus dem Kopf hätte ich 2006 gesagt. Aber das 2004 hab ich von der SCB Seite (Nachdem Alpo Suhonnen kam). Dann wird es schon stimmen nehme ich mal an.
      1 1 Melden
  • Chatzegrat Godi 25.08.2017 12:43
    Highlight 73 Tore bei den Mosis - da müsste man den Coach der siegreichen Mannschaft "strublen".
    15 2 Melden
  • FloRyan 25.08.2017 12:38
    Highlight Ihr habt das 13:4 im Match HCD-SCL Tigers vergessen. 😉
    24 2 Melden
    • Adrian Buergler 25.08.2017 12:44
      Highlight @FloRyan: Es gäbe noch einige Beispiele für Kantersiege. Wir haben uns hier auf eine kleine Auswahl beschränkt 😉
      16 1 Melden
    • Dome1931 25.08.2017 12:57
      Highlight Bern hat Kloten im allerletzten Qualispiel im Kampf um Platz 8 auch mit 10:1 heimgeschickt.
      Ambri durfte das auch scho erleben.
      8 5 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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