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Fribourg-Verteidiger Marc Abplanalp zieht sich 2013 im Spiel gegen die ZSC Linos eine Hirnerschütterung zu.  Bild: KEYSTONE

Erstmals gezählt! In der National League gibt es über 100 Hirnerschütterungen pro Saison

08.12.17, 13:42 08.12.17, 17:28

In der letzten Eishockey-Saison wurden in den obersten beiden Schweizer Spielklassen insgesamt über 100 Hirnerschütterungen registriert, 61 davon in der Eliteklasse.

Gery Büsser, der Teamarzt der ZSC Lions und Leiter einer Taskforce im Verband, erklärte in einem Interview gegenüber dem Tages-Anzeiger, dass in der vergangenen Saison erstmals die schriftliche Erfassung der Hirnerschütterungen in den obersten beiden Schweizer Spielklassen erfolgte.

Bilder, die keiner sehen will ... Bild: KEYSTONE

«Dabei kamen wir auf insgesamt 104, davon 61 in der National League. Also gut fünf pro Team», so Büsser. In den ersten beiden Meisterschafts-Monaten (September und Oktober) sowie im Januar und Februar seien jeweils die Spitzen gewesen.

Die Rekonvaleszenz bis zur Rückkehr betrug durchschnittlich 20,7 Tage. «Das Minimum nach einer Gehirnerschütterung sind gemäss unserer Praxis sieben Tage», betont Büsser. Nach drei Wochen seien 70 Prozent der Spieler zurück, nach drei Monaten 90 Prozent. Büsser: «Bei den restlichen 10 Prozent ist es nach oben offen. Es gibt solche, bei denen geht es gar nicht mehr.»

ZSC-Verteidiger Daniel Schnyder musste seine Karriere im letzten Jahr nach einer Hirnerschütterung beenden. Bild: KEYSTONE

Bezüglich flexible Banden urteilt Büsser: «Sie reduzieren etwa Schulterverletzungen, es gibt weniger Quetschungen und Prellungen. Aber sie nützen nichts gegen Gehirnerschütterungen. Sie können die Kräfte, die auf den Kopf wirken, etwas reduzieren. Aber deshalb haben wir nicht weniger Hirnerschütterungen. Ich warne davor zu glauben, es sei in Bandennähe nun weniger gefährlich. Auch spezielle Helme nützen nichts. Sie können die Beschleunigung des Gehirns nicht vermeiden, helfen allenfalls gegen Frakturen.» (pre/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • sansibar 08.12.2017 15:58
    Highlight Und die Täter sind im Schnitt nach 1-2 Spielen zurück - die Grenze ist nach unten offen. Bei einigen gibt es gar nichts...
    30 2 Melden
  • riqqo 08.12.2017 14:15
    Highlight Ich will ja nicht tüpflischissä, aber im Titel steht «In der National League gibt es über 100 Hirnerschütterungen pro Saison» – im Text steht dann: «Dabei kamen wir auf insgesamt 104, davon 61 in der National League.»
    Man könnte ja irgendwie schreiben: über 100 Hirnerschütterungen in den Profi-Ligen o. ä.

    Zum Thema: Der Kopf können sie wohl nie ganz schützen. Und im Hockey ist das leider Berufsrisiko. Aber ich denke die Behauptung eines «Experten», dass Helme und flexible Banden gegen Hirnerschütterungen nichts nützen würden, ist nicht korrekt. Es gibt jedes Jahr neue Produkte/Forschungen…
    21 11 Melden
    • c_meier 08.12.2017 15:48
      Highlight Wenn wir schon am Tüflischissä sind, letztes Jahr hiessen die beiden Profi-Ligen ja noch National League A und National League B, somit stimmt der Titel doch irgendwie...

      Aber ja du hast recht, man sollte es präzisieren, besonders wenn jetzt nur noch die oberste Liga National League heisst. (=> bzw. für mich immer noch NLA)
      13 0 Melden
    • r3to34 08.12.2017 16:11
      Highlight Natürlich gibt es neue Produkte und Forschungen, aber schlussendlich ist das Wort "Hirnerschütterung" relativ selbsterklärend. Leider ist eine solche Erschütterung den physischen Gesetzen unterstellt, sodass kein Helm oder Bande diese Kräfte abzudämpfen vermag. Es geht ja nicht um die Härte des Aufpralls, sondern um die Beschleunigung, welches das Gehirn widerfährt. Ein Helm oder eine Bande kann da nicht so viel ausmachen, ausser man macht total elastische Banden - was ist dann aber mit den direkten Gegenspieler?
      3 2 Melden
    • Der müde Joe 08.12.2017 16:21
      Highlight Es stimmt schon was Büsser gesagt hat. Auch wenn du deinen Kopf in einen Schaumstoffballon verpackst, kann die Beschleunigung des Gehirns nur minimal gebremst werden, da dieses in Flüssigkeit schwimmt.

      Am besten schaut man sich mal den Film „erschütternde Wahrheit“ an.

      4 1 Melden
    • Don43 08.12.2017 16:29
      Highlight rriqo, gerade weil‘s ein wirklich ausgewiesener Experte ist, ist Dein Kommentar überflüssig. Die Gehirnerschütterung entsteht durch die Beschleunigung des Hirns im Kopf und dem Aufprall/Stauchung des Hirns an der Schädeldecke. Das hat nichts mit Banden und Helmen zu tun.
      6 1 Melden
    • riqqo 08.12.2017 17:03
      Highlight Ich gebe euch natürlich recht. Trotzdem ist es meines Erachtens die Aufgabe solcher Experten, nach der Lösung zu suchen und nicht zu behaupten, alle bisherigen Massnahmen würden nichts nützen.
      Ich denke, gerade mit den flexiblen Banden fühlen sich die Spieler «sicherer» und fressen den Check eher. So ist ihr Körper auch besser darauf vorbereitet, sie sind nicht gebückt und der Check ist damit vermutlich auch sicherer. Somit würden die Banden immerhin sekundär gegen Gehirnerschütterungen helfen. Die Zahlen ab der nächsten Saison werden es uns zeigen…
      0 2 Melden
    • Platonismo 08.12.2017 17:20
      Highlight Der „Experte“ ist der Teamarzt des ZSC. Du so?
      3 2 Melden
    • DerTaran 09.12.2017 09:51
      Highlight Das Gehirn schlägt gegen den Schädelknochen und nicht gegen die Bande. Und den kann weder Bande noch Helm weicher machen.
      1 0 Melden

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