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Die Davoser haben nun das Momentum auf ihrer Seite.
Bild: KEYSTONE

Der «Knall» von Arno Del Curto: So wanderte das Momentum von der Hauptstadt ins Bündnerland

Man hat es oder man hat es nicht: das Momentum. Beim 7:1-Sieg hatte es der HC Davos. Sportpsychologe Gubelmann erklärt, was es mit dem Momentum auf sich hat.

24.03.16, 10:09

rainer sommerhalder / Aargauer Zeitung

Die Beobachter waren sich einig: Mit dem 7:1-Sieg im dritten Playoff-Halbfinal wechselt das Momentum vom Bernbiet ins Bündnerland. Auf einmal funktionierte das Spiel des HC Davos wieder wie ein Uhrwerk und der SC Bern verlor seinen Nimbus der Playoff-Ungeschlagenheit. Deshalb liegen trotz 1:2-Rückstand in der Serie alle Vorteile aufseiten des Titelverteidigers.

Das Duell zwischen dem SC Bern und dem HC Davos ist hochspannend.
Bild: KEYSTONE

Hanspeter Gubelmann sieht die Sache differenzierter. «Jetzt sind wir wieder in der Normalität mit zwei Teams auf Augenhöhe. Beide konnten in den letzten Wochen agieren und reagieren. Ich würde deshalb nicht behaupten, das Momentum sei nun aufseiten der Davoser.» Der Zürcher Sportpsychologe erwartet heute eine ausgeglichene, hart umkämpfte vierte Partie zweier ebenbürtiger Gegner. «Psychologisch gesehen fängt es wieder bei null an.»

Doch wie genau lässt sich das Momentum erklären, beschreiben, vielleicht sogar wissenschaftlich festhalten? Der englische Begriff stammt aus der Physik und kann mit «Antriebskraft» umschrieben werden. In der Psychologie spricht man vom Momentum als kleinster wahrnehmbarer Zeiteinheit. Diese betrug in der dritten Playoff-Partie wohl ziemlich genau 61 Sekunden. So lange dauerte es, bis der HCD den frühen Rückstand in eine 2:1-Führung verwandelt hatte.

Dass ein Momentum im Sport oft als Phänomen bezeichnet wird, kommt nicht von ungefähr. Der Begriff lässt sich wissenschaftlich nicht an Indikatoren festnageln, ist nicht messbar. Aber er ist spürbar. Auch der Sportpsychologe hat vor dem Fernsehgerät gespürt, wie «entschlossen, siegessicher und total positiv die Davoser in diesem Spiel agiert haben». Die schnelle und überzeugende Reaktion auf den Rückstand sei deswegen weder Glück noch Zufall gewesen.

Den Schlüssel zum Erfolg sieht Gubelmann bei Trainer Arno Del Curto. «Er ist ein extrem erfahrener Playoff-Trainer und hat im Hinblick auf dieses Spiel wieder einmal alle Register gezogen.» Seine Intervention sei «ein Knalleffekt» gewesen. «Arno hat die Spieler wachgerüttelt, ohne sie blosszustellen. Er hat an einem Ort angesetzt, an dem der einzelne Spieler etwas damit anfangen kann.» Aber eines sei klar: «Es braucht eine Haltung, wie man mit einer Niederlage umgeht. Arno vermittelt seinen Spielern diese Haltung nicht erst seit dem Playoff-Start. Er macht dies tagtäglich.»

Arno Del Curto weiss, wie es in den Playoffs läuft.
Bild: KEYSTONE

Vom Erfolg reden

Diese Haltung hat viel mit dem Momentum zu tun. Es geht darum, auf dem Eis intuitiv zu agieren, nicht nachdenken zu müssen, was das Richtige und was das Falsche sei. Unsicherheit und ein Fokus auf zu vielen Details führten zu langsamen Beinen, sagt Gubelmann. Beim Begriff Momentum kommt dem Sportpsychologen spontan der Slogan «Never change a winning team» in den Sinn. Dahingehend ausgelegt, dass ein siegreiches Team eben auch wisse, wie man gewinnt. Der Gewinner habe den Vorteil, dass er nichts verändern müsse. Die Verlierer hingegen brauchen die Kunst, sich darauf zu fokussieren, was sie am besten können, und nicht darin zu verharren, welche Fehler man nicht mehr machen und was nicht passieren dürfe.

Dem HCD ist es am Dienstag gelungen, «sein Ding durchzuziehen». Aber auch der SCB bewies nach der völlig verkorksten Qualifikation die Fähigkeit, «das Alte wegzuwischen und den Fokus auf das Hier und Jetzt zu legen». In beiden Teams seien die Erfolgsbilder fest in den Köpfen verankert. Wer weiss, vielleicht entscheidet ja das Momentum?

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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Staal 24.03.2016 16:26
    Highlight Scheissmomentum - die Bundesstadt Hipster gegen die grosse europäische Spitzenmannschaft aus GR. Entweder beginnt der Niedergang schon heute aber spätestens ab SA gewinnt nur noch der HCD
    9 27 Melden
    • MARC AUREL 24.03.2016 23:24
      Highlight europäische Möchtegern!
      5 0 Melden
  • Tikkanen 24.03.2016 15:36
    Highlight Das unsägliche Momentums Geleier wird heute Abend mit einem hohen Sieg von Bern beendet! Denke, werde das Schlussdrittel entspannt in der Oldies bei Schümli Pflümli verbringen😳 Nach 40 Minuten führt der SCB mit 4-5 Toren Vorsprung, Genoni wurde ausgewechselt und der Einzeller aus Herisau hat die Dusche bereits genossen. Die 17'031 machen sich, mit Ausnahme der paar gelben Modefans, frohgemut auf den Heimweg. Mit der Gewissheit dass am Ostermontag der Tempel nicht zum Besuche lädt😂 Hopp Bärn😎
    16 21 Melden
    • Alle haben bessere Namen als ich. 24.03.2016 17:11
      Highlight Realitätsverlust?
      11 7 Melden
    • so en shit 24.03.2016 17:46
      Highlight Deine Fantasien sind immer so realistisch und spannend zu lesen!

      Du solltest Bücher schreiben!
      7 5 Melden
  • Yotanke 24.03.2016 12:25
    Highlight Wohl noch etwas früh um von Umkehr des Momentums zu sprechen. Kann ja in einer Serie immer mal passieren, dass auch die andere Mannschaft gewinnt. War zwar ein 7:1. Aber der HCD hatte in den ersten beiden Spiel keine Chance. Und nun spielt der SCB wieder zu Hause. Man sollte das Spiel von heute noch abwarten. Wenn der HCD auch auswärts gewinnt, hat das Momentum definitiv gewechselt. Sonst gilt: Davos hat ein Spiel gewonnen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger (wie es der olle Klaus Zaugg formulieren würde). Ich hoffe auf ein spannendes, ausgeglichenes Spiel im Sinne des CH-Eishockeyportes.
    30 5 Melden
    • rYtastiscH 24.03.2016 14:33
      Highlight Betreffend Momentum bin ich Ihrer Meinung. Dafür braucht es wohl ein wenig mehr als nur ein Spiel einer Serie - es ist aber ein Anfang.

      Wo ich nicht einverstanden bin, ist die Aussage, Davos hätte in den ersten beiden Spielen "keine Chance" gehabt.
      Das erste Spiel war ein hin und her - Davos hatte in der VL ja auch die Chance (Pfosten od Latte) das Spiel zu entscheiden, nachdem sie das Spiel im Dritten noch mit einem 3:0 ausgeglichen hatten. Und bei einem 2:1 zu sagen, der Unterlegene hätte keine Chance gehabt... auch etwas überspitzt.
      16 5 Melden
    • Yotanke 24.03.2016 15:29
      Highlight @rYtastiscH:
      Das Resultat gibt den Spielverlauf nicht immer wieder. Wer das 2:1 gesehen hat, der hat gesehen, dass der SCB krass überlegen war (physisch und läuferisch). Auch beim ersten Spiel war der SCB einfach präsenter. Das wird ja nicht einmal von AdC in Abrede gestellt...
      13 2 Melden
    • rYtastiscH 24.03.2016 16:14
      Highlight Sie haben natürlich recht, das Ergebnis ist nicht immer Aussagekräftig. Ich hab beide Spiele gesehen. Klar als Fan hat man wohl einfach auch die farbige Brille auf - doch krass überlegen fand ich das nun nicht. AdC sagte, man solle nicht beim HCD die schwache Leistung suchen, sondern einfach anerkennen, dass der SCB besser gespielt hat. Dies unterschreibe ich auch sofort. Aber krass? Keines der beiden Spiele wurde durch Bern so dominiert, wie Spiel 3 von Davos. Wobei ich nicht mal da krass sagen würde. Denn beim Stand von 2:1 hätte auch der Ausgleich fallen können und dann wer weiss...
      3 3 Melden
  • Zwingli 24.03.2016 11:22
    Highlight Bundesstadt.
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