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Wie werden im Eishockey eigentlich alle Statistiken erfasst? Zu Besuch im Hallenstadion

Die Champions Hockey League hat ihren Statistik-Service auf diese Saison hin ausgebaut. Wir waren bei den ZSC Lions im Zürcher Hallenstadion vor Ort, um zu schauen, wie Schüsse, Bullys und Eiszeiten erfasst werden.

01.09.17, 16:14 02.09.17, 09:13

Was der Eishockey-Fan zu sehen bekommt

Während die National League erst nächste Woche startet, verwöhnt uns die Champions Hockey League schon wieder mit Eishockey. Geboten werden dem Fan dabei nicht nur 60 Minuten Action auf dem Eis, sondern während und nach der Partie umfassende Statistiken.

Schüsse aufs Tor

Links die Schüsse der ZSC Lions, rechts von Gap. Schwarze Punkte sind der Abschussort von Toren, graue von Saves, rote von geblockten Versuchen und kleine rote von Schüssen, die neben das Gehäuse gingen.

grafiken: championshockeyleague.com

Neben den Schüssen werden auch Bullys gezählt und die Eiszeit (Time on Ice) gemessen. Dazu werden natürlich Strafminuten zusammengezählt.

Spielerstatistiken und -direktvergleiche

grafik: championshockeyleague.com

Wer erfasst die Daten?

In der Champions Hockey League ist das Heimteam für das Erfassen der Statistiken zuständig. Erforderlich sind hierfür sechs Personen pro Abend. In der Schweiz sind dies meist ehrenamtliche Jobs. 

bild: watson

Die Arbeit fordert hohe Konzentration und kann sehr hektisch werden. «Das Spiel kannst du manchmal gar nicht mitverfolgen», so die Statistiker der ZSC Lions unisono. «Bist du für die Eiszeiten verantwortlich, musst du beispielsweise eher auf die Ersatzbank schauen, als auf die Torchance.» 

Wie werden die Eiszeiten erfasst?

Bei den Eiszeiten braucht's dafür pro Team einen Statistiker. Mit einer speziell entwickelten App geben diese die Daten live ein.

Fliegender Wechsel von Block 1 auf Block 2

Durch Antippen werden die Spieler «ein- und ausgewechselt». Die Eiszeit läuft damit.  Video: streamable

So sieht die Benutzeroberfläche für das Erfassen der Eiszeiten aus. Die Blöcke können sortiert werden. Zeit über dem Namen ist diejenige des letzten (aktuellen) Einsatzes, unter dem Namen die bisherige Gesamteiszeit.

Wie werden die Torschüsse erfasst?

Torschüsse werden durch einen weiteren Statistiker für beide Teams erfasst. Da dies ziemlich stressig werden kann, erhält er Unterstützung des Bully-Statistikers.

Wann ist ein Save ein Save?

Nur weil der Torhüter einen Puck abwehrt, ist das noch lange kein Save. Als Saves gelten vereinfacht gesagt nur Schüsse, die ohne Abfälschung im Tor landen würden. Würde der Puck also Millimeter am Pfosten vorbei, der Goalie macht aber eine Riesenparade, wäre dies kein Save, sondern ein Schuss neben das Tor. Ob die Scheibe am Gehäuse vorbei geht oder nicht, muss der Statistiker mit blossem Auge entscheiden. Wehrt der Goalie den Puck ausserhalb des Torraums ab, ist dies ebenfalls kein Save.

Ebenfalls nicht als Schüsse gelten Versuche, die hinter der Mittellinie abgegeben werden – ausser natürlich, sie führen zu einem Tor. In der National League ist die Regel da anders: Jeder Puck aufs Tor ist ein Schuss.

Funktionieren tut's simpel:

  1. Auf dem Eisfeld wird an die Stelle der Schussabgabe getippt
  2. Es erscheint das Kader des entsprechenden Teams – Spieler auswählen.
  3. Wie endete der Schuss? Es gibt die Möglichkeiten: Tor, daneben, Parade, abgeblockt von einem Spieler oder Pfostentreffer.

Schritt 1 wird auf Bild 1 durchgeführt, die Schritte 2 und 3 auf Bild 2.
bild: watson

Als Beispiel ein Schussversuch von Severin Blindenbacher (Keeper hält) und wenig später der Abschluss von Mike Künzle (Keeper hält).

Video: streamable

Stellt sich noch die Frage nach dem Powerplay/Boxplay. Wie erkennt das System, dass hier ein Team in Überzahl war? In der Champions Hockey League kommt hier das Zusammenspiel mit dem Zeitnehmertisch zum Zug (unten erklärt).

In diesem Beispiel wird ein Schuss von Drew Shore von einem Verteidiger geblockt. Beides gibt der Schussstatistiker ein. Video: streamable

Die Verteilung, wo die Schüsse abgegeben werden (Shot Zones), wird logischerweise automatisch gerechnet und dann in Prozent ausgegeben.

Wo wurden die Schüsse abgegeben? Das Tool rechnet automatisch mit. grafik: championshockeyleague.com

Wie werden die Bullys erfasst?

Der vierte Statistiker erfasst die Bullys für beide Teams und unterstützt den Schuss-Statistiker. 

Erfassung der Bullys:

  1. Der Statistiker klickt auf den Ort, wo das Bully stattfindet
  2. Er wählt die beiden Spieler an, die antreten
  3. Er gibt ein, wer das Bully gewonnen hat

Schritt 1 wird auf Bild 1 durchgeführt, die Schritte 2 und 3 auf Bild 2. bild: watson

Wie werden die Strafminuten erfasst?

Die Strafminuten werden am Zeitnehmertisch bei der Mittellinie erfasst. Dort erhalten die Mitarbeiter jeweils direkt von den Schiedsrichtern auch die Information über den Grund der Strafe.

Kombiniert mit den Eingaben des Schussstatistikers erschliesst sich danach, ob ein Treffer im Powerplay, Boxplay oder bei nummerischem Gleichstand fiel.

Erfassen der Strafen für beide Teams. bild: watson

Ebenfalls am Zeitnehmertisch können Mitarbeiter Kurzvideos von Spielsituationen wie Bullys, Tore, Icing, grosse Strafe, kleine Strafe, Spielstart, Torwiederholungen mit einem Klick erstellen. Mit einem Klick kann je nach Einstellung (15, 30 oder 45 Sekunden) eine heikle Spielszene markiert werden, die nachher von den Referees begutachtet werden kann. Zum Beispiel 10 Sekunden vor und 5 Sekunden nach der strittigen Szene 

Der «Situation Room» schaut zu

Die Statistiker werden in der Champions Hockey League vom Situation Room in Tschechien unterstützt. Zum einen wird von dort bei Problemen geholfen, zum anderen dient das Team zur Qualitätssicherung und kann im Notfall als Back-up eingesetzt werden.

Werden bald noch weitere Statistiken erfasst?

Die Champions Hockey League liefert in Europa momentan mit die umfangreichsten Statistiken. «In einer zweiten Phase ist es durchaus denkbar, dass wir auch Checks oder Turnovers erfassen», sagt CHL-Sportmanager Alex Jäger. «Vieles ist denkbar. Man muss aber auch immer im Hinterkopf haben, dass wir sinnvolle Statistiken für 13 Nationen erstellen müssen.» Er spricht darauf an, dass in verschiedenen Ländern der Massstab anders angesetzt wird, wenn über einen Check entschieden werden muss.

Der Arbeitsplatz der Statistiker im Hallenstadion. bild: watson

«Eine andere Idee ist die Kombination der aktuellen Daten, um damit andere Qualitäten von Spielern herauszusuchen», so Jäger.

Werden Statistiken bald im Stadion angezeigt?

«Auch das wäre ein weiterer Schritt. Er ist aber momentan nicht geplant», sagt Alex Jäger. Dies vorwiegend aufgrund der Herausforderung, dass in der Champions Hockey League in 32 verschiedenen Arenen mit unterschiedlicher Infrastruktur und unterschiedlichen personellen Ressourcen gespielt wird.

Das 1:0 von Fredrik Petterssen für die ZSC Lions aus Sicht des Schussstatistikers. Video: streamable

Warum nicht wie im Fussball?

Im Fussball existieren Statistik-Systeme, welche mit Spezialkameras arbeiten. Kurz erklärt können auf diesen Spieler zugewiesen werden. So werden einfach Heatmaps oder zurückgelegte Distanzen gemessen. «Im Eishockey ist das komplizierter, weil hier Spieler das Spielfeld immer wieder verlassen, zudem läuft die Zeit nicht durch. Wie weiss die Kamera, wann das Spiel unterbrochen ist?», erklärt Jäger. 

Die Highlights der Partie ZSC Lions gegen GAP Rapaces. Video: YouTube/Champions Hockey League

Es gibt allerdings auch schon Systeme, welche ähnlich funktionieren. Dabei wird dann beispielsweise unter die Spielerbank eine Platte eingebaut. Steht der Spieler da drauf, weiss das System, dass er gerade nicht im Einsatz steht. «Das ist aber alles noch sehr teuer und wird in keiner der grossen Ligen umfassend eingesetzt.»

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Video: watson

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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14
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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Eagle_Fox 02.10.2017 13:54
    Highlight Gibt es so eine Statistik App (oder gar diese) auch für Ipad's/Tablets im Privatgebrauch? (Amateurvereine). Wäre sehr nützlich...
    0 0 Melden
  • spiox123 01.09.2017 21:08
    Highlight Spannender Artikel. Hoffe diese werden auch bald im Stadion gleich präsentiert. Auch in der NLA
    45 0 Melden
  • Grundi72 01.09.2017 20:04
    Highlight Top Beitrag! 👍
    39 0 Melden
  • kruemelmonstah 01.09.2017 19:27
    Highlight Wieso wird nicht sowas wie Hawk-Eye im Tennis verwendet? Die Zeit könnte man doch sicher mit der Erfassung der Cams koppeln und es gäbe z.B. sicherlich Möglichkeiten, den Speed von Spielern/Pucks etc. zu loggen?
    Auch G-Kräfte bei Checks wären interessant zu erfahren.
    29 0 Melden
  • Darkside 01.09.2017 17:34
    Highlight Danke für diesen Einblick! Sehr interessant. Einmal mehr big props an die Hockey Berichterstattung von Watson. Weiter so!
    128 1 Melden
    • Lümmel 01.09.2017 21:54
      Highlight Da kann ich mich nur anschliessen! Da könnten sich einige andere Medien eine grosse Scheibe abschneiden.
      34 0 Melden
    • Mia_san_mia 05.09.2017 02:58
      Highlight Ja Watson macht das super 👍
      0 0 Melden
  • schneeglöggli 01.09.2017 17:22
    Highlight Interessanter Blick hinter die Kulissen. Welche Statistiken werden für die National League alles erhoben?
    53 2 Melden
    • Reto Fehr 01.09.2017 20:50
      Highlight Sehr ähnliche Statistiken.
      Grosser Unterschied ist das Erfassen der Daten. Bei uns reisen die Statistiker mit ihrem Team mit. Pro Mannschaft sind dann 2-3 im Einsatz, achten aber jeweils nur auf das eigene Team.
      39 0 Melden
  • Pana 01.09.2017 17:19
    Highlight Ein Vergleich mit der NHL wäre noch interessant. Dort sind Statistiken ja schon beinahe eine Religion.
    56 1 Melden
    • roknroll 01.09.2017 17:23
      Highlight Diesbezüglich bin ich auf den MySports Start gespannt, im Tagi Interview vor wenigen Tagen haben sie Studio Talks und Statistiken im nordamerikanischen Stil in Aussicht gestellt.
      Quelle: https://www.tagesanzeiger.ch/sport/hockey/steffi-buchli-an-uns-fuehrt-kein-weg-vorbei/story/15488210
      32 3 Melden
    • goldmandli 01.09.2017 19:51
      Highlight Der Bericht ist leider sehr negativ. Ich persönlich begrüsse den Wechsel. Statt einem halbgaren talk in den Pausen wird sich nun richtig mühe gegeben den hockeysport zu präsentieren. Natürlich war der Wechsel zu einem Kabelanbieter nervig und das onlineangebot ist immernoch sch..., aber alles in allem sehe ich positiv in die hockeyzukunft.
      16 3 Melden
  • roknroll 01.09.2017 16:54
    Highlight Danke für den aufschlussreichen Artikel mit Blick hinter die Kulissen.
    66 1 Melden
  • Harpist 01.09.2017 16:31
    Highlight Sehr spannend, vielen Dank!
    59 1 Melden

Das denken die Kloten-Fans von Hollenstein. Und er reagiert, naja: eiskalt

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Zu reden gab aber vor allem die Fan-Akton gegen Denis Hollenstein. Er meinte ziemlich trocken: «Ich muss Profi bleiben. Ich war lange in Kloten. Der Wechsel ist vielleicht etwas speziell. Aber so ist das Business.»

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