Sport

Ein launiges Genie: Marc-Antoine Pouliot. Bild: EQ Images

Pouliots Rauswurf wegen der vergessenen Schlittschuhe: «Dieser Vorfall ist einmalig»

Marc-Antoine Pouliot, der Mann, der seine Schuhe vergessen hat und deshalb bei Fribourg-Gottéron gehen muss.

03.10.16, 20:05 04.10.16, 06:45

Ob es so ist, wissen wir nicht. Aber es ist gut möglich, dass Gottérons Kanadier Marc-Antoine Pouliot (31) vor dem Auswärtsspiel in Zug und der damit verbundenen Reise in die schöne Innerschweiz den Refrain eines bekannten Volksliedes über Sitten und Bräuche in der Zentralschweiz gehört und zu wörtlich genommen hat.

Vo Lozärn gägä Wäggis zue
Holje-guggu, holje-guggu
Bruucht me weder Strömpf noch Schueh Holje-guggu,
holje-guggu

«Vo Lozärn gägä Wäggis zue» in der grossartigen Version von Vreni und Rolf. Video: YouTube/18wolfgang06

Jedenfalls ist Marc-Antoine Pouliot am letzten Samstag ohne Schlittschuhe nach Zug gereist. Sein Sportchef Christian Dubé bestätigt: «Er hatte vergessen, die Schlittschuhe in seine Tasche zu packen und musste in Zug vor dem Warm-Up seinem Trainer mitteilen, dass er leider nicht in der Lage sei, zu spielen.» Selbst der weitgereiste Christian Dubé sagt: «Dieser Vorfall ist einmalig. Ich habe in meiner ganzen Karriere noch nie so etwas erlebt.»

Pouliot kann sofort zu jedem Team gehen

So muss nun der Mann, der ohne Schuhe in die Innerschweiz reiste, gehen. Christian Dubé sagt: «Wir haben uns darauf geeinigt, dass es Zeit ist für einen Wechsel. Er kann sofort gehen. Auch zu einem anderen NLA-Team. Trainer Larry Huras ist mit dieser Massnahme einverstanden.»

Christian Dubé greift durch und stellt den vergesslichen Pouliot vor die Türe. Bild: Pius Koller

Die Frage ist natürlich, warum einer nach so einem Missgeschick gleich gehen muss. Zumal der Kanadier ein exzellenter, hochbegabter Stürmer ist, der an einem guten Abend noch immer ein Spiel im Alleingang entscheiden und jedes Bully gewinnen kann. War er schon verwarnt worden? «Nein», sagt Christian Dubé. Hat es schon ähnliche Vorkommnisse gegeben? «Nicht in dieser Woche. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.» Nicht in dieser Woche? Christian Dubé hat das heute, am Montag gesagt ...

Ein launiges Genie

Die Frage geht an ehemalige Weggefährten des launigen Genies. Spontan entfährt es einem: «Er ist halt ein Franco-Kanadier!» Was bedeutet das denn? «Halt einer, der immer den Weg des geringsten Wiederstandes geht. Läuft's gut, läuft's gut, läuft's nicht gut, dann ist es auch egal …»

Pouliot (l.) dürfte nicht der einzige bei Gottéron bleiben, der gehen muss, wenn die Resultate ähnlich schlecht bleiben. Bild: KEYSTONE

Nach wie vor hat Fribourg-Gottéron vier ausländische Spieler. Christian Dubé sagt, sobald für Marc-Antoine Pouliot ein neuer Arbeitgeber gefunden sei, werde man die Situation neu beurteilen und allenfalls einen weiteren Ausländer verpflichten.

Wenn die SCL Tigers am Dienstag gegen Ambri gewinnen, rutscht Gottéron auf den letzten Platz ab. Und am nächsten Samstag muss Gottéron nach Langnau reisen. Kein Schelm, wer sagt, dass Marc-Antoine Pouliot nicht der letzte Artist ist, der den Zirkus Gottéron diese Saison verlassen muss.

Eishockey NLA – alle Topskorer seit 2002/2003

Unvergessene Eishockey-Geschichten

04.01.1987: Als nach der grössten Prügelei aller Zeiten die Lichter ausgingen und ein Spiel die Eishockey-Welt veränderte

16.01.1905: Nach 23 Tagen Anreise werden die Dawson City Nuggets im Stanley-Cup-Final mit 2:23 vermöbelt

19.10.1996: Del Curto klärt seine Spieler auf: «Zum Schiri nüma ‹Fuck you› sägä, äs git zwei Minuta, hä!»

24.02.2006: Neunmal das F-Wort in einer Minute – Greg Holst macht sich mit legendärem Ausraster-Interview unsterblich

14.05.2008: Philippe Furrer schiesst das kurioseste Eigentor der Schweizer Hockey-Geschichte

10.10.1979: Ein gewisser Wayne Gretzky bestreitet sein erstes Spiel in der NHL – er wird sämtliche Rekorde pulverisieren

02.05.2000: In St. Petersburg schreibt ein SMS Hockeygeschichte

18.02.2006: Die «Eisgenossen» spielen kanadischer als die Kanadier und rächen sich für eine uralte Schmach

11.03.1979: NHL-Haudegen Randy Holt prügelt sich zu einem bis heute gültigen Rekord – 67 Strafminuten in einem einzigen Spiel

08.04.1980: Sie wissen nicht, was sie tun, als sich zwei Schweden als erste Hockeyspieler einen Playoff-Bart wachsen lassen

28.01.2009: Die Zürcher Löwen krönen sich zu Europas Eishockey-Königen

24.03.1936: Im längsten Hockey-Spiel aller Zeiten fällt das goldene Tor erst im 9. Drittel – um 2.35 Uhr nachts

28.12.1999: «La Montanara» erklingt in Berlin – Ambri krönt sich zum europäischen Champion

31.03.2009: Nie haben wir uns mehr über ein Tor gegen die Schweizer Nati gefreut als bei Omarks Penalty-Trick

22.09.2012: Rick Nash meldet sich mit einem Blitz-Hattrick in der Schweiz zurück

30.12.1981: Wayne Gretzky schafft den verrücktesten seiner Rekorde: 50 Tore in 39 NHL-Spielen

26.12.1993: Dank Chomutow und Bykow träumt Aufsteiger Davos vom ersten Spengler-Cup-Titel seit 35 Jahren

Amerikas College-Boys erlegen den russischen Bären

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
9
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Against all odds 04.10.2016 16:53
    Highlight War wohl der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Lustig nur: «Er ist halt ein Franco-Kanadier!» Was bedeutet das denn? «Halt einer, der immer den Weg des geringsten Wiederstandes geht. Läuft's gut, läuft's gut, läuft's nicht gut, dann ist es auch egal …». Wenn's nach dem gehen würde, könnte man 80% der Mannschaft spicken (Schüschu zuerst...).
    5 1 Melden
  • RoJo 04.10.2016 12:42
    Highlight Nur so nebenbei: Paul DiPietro hat sie beim EV Zug auch einmal vergessen und musste Spott und Hohn über sich ergehen lassen....Und das weiss auch Dubé.... wird also nicht der einzige Grund sein....
    12 0 Melden
    • chandler 04.10.2016 13:30
      Highlight Und er arbeitet jetzt als Scout beim EVZ ;-)
      6 2 Melden
  • Yano 04.10.2016 10:48
    Highlight Wenn mein Mitarbeiter ohne Werkzeuge zum Kunden fährt, würde ich im eine zweite Chance geben. Wahrscheinlich aber keine dritte.
    9 1 Melden
  • chandler 04.10.2016 08:20
    Highlight Also der Herr Dubé ist mir ein Dorn im Auge... Ich weiss nicht ob er der richtige Mann für diesen Job ist. Schlittschuhe vergessen hin oder her. Aber dies kann ja wohl nicht der einzige Grund sein einen Spieler freizustellen.
    19 15 Melden
    • Pascal Mona 04.10.2016 10:58
      Highlight Aus meiner Sicht ist es noch zu früh um Dubé als Sportchef zu beurteilen. Ich finde das durchgreifen richtig, natürlich wird hier nicht nur das vergessen der Schlittschuhe zur Trennung geführt haben (was da noch alles vorgefallen ist wissen wohl nur die Direktbeteiligten)! Einen Sportchef kann man erst beurteilen wenn das Team nach seinem Gusto verändert/aufgestellt ist, dies ist bisher wohl erst zu einem Teil passiert, die nächste "Transfersaison" muss da aber sicher noch abgewartet werden für eine Beurteilung! Wirkliche Fehlentscheidungen sehe ich bisher nicht...
      9 1 Melden
    • chandler 04.10.2016 13:27
      Highlight Ich habe eher an seine Persönlichkeit gedacht, nicht an seine Arbeit. Ich habe ihn einmal live in einem Stadion erlebt (an einem Nati-Spiel), er sass einige Meter neben mir. Er war während des ganzen Spiel mehr mit seiner Frisur und seinen Schuhen beschäftigt anstatt mit dem Spiel selbst. Zenhäusern war damals ein Drittel neben ihm, ihre gemeinsame Kommunikation war ziemlich "bizzar". Ab dem zweiten Drittel sass Zenhäusern neben einem Trainerkollegen einer anderen Mannschaft.
      Ich habe nicht behauptet er sei nicht der richtige, habe es nur in Frage gestellt ;-)
      5 1 Melden
  • joe 04.10.2016 06:52
    Highlight Stell dir vor Freiburg suspendiert einen "Star-Spieler" und keine Sau interessiert es.
    31 33 Melden
    • Pascal Mona 04.10.2016 10:51
      Highlight Hmmm mag am "Star-Spieler" liegen, oder eventuell muss halt nicht alles kommentiert werden, oder eventuell liegt's dran, dass Gotteron halt doch zu einem grossen Teil "welsch" ist und das hier ein Deutschsprachiger Artikel? Naja dich hat es zumindest genug interessiert um den Artikel zu kommentieren!
      12 2 Melden

«Eine Schande fürs Hockey!» Adler Mannheim dreht kurz vor Schluss komplett durch 

Adler Mannheim scheidet in der Champions Hockey League im Achtelfinal aus und präsentiert sich dann als miserabler Verlierer. Mehrere unsportliche Aktionen bescheren dem deutschen Vertreter eine Strafenflut und einen Shitstorm in den sozialen Medien. Mittendrin: der frühere Nati-Coach Sean Simpson.

Wüste Szenen im Champions-Hockey-League-Spiel zwischen der schwedischen Mannschaft Brynäs IF und dem deutschen Vertreter Adler Mannheim. Die Schweden setzen sich mit 2:1 durch und können somit das Achtelfinal-Duell für sich entscheiden. 

Die Schlussphase ist hitzig und kurz vor dem Ende brennen Adler Mannheim, dem Team des früheren Nati-Coachs Sean Simpson, die Sicherungen komplett durch:

Bereits der Check an Brynäs' Nummer 31 hinter dem Tor ist in einem Graubereich. Der grösste Übeltäter …

Artikel lesen