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Kloten Flyers Verteidiger Philippe Schelling und seine Mitspieler enttaeuscht nach der 1-2 Niederlage im zweiten Playoff Finalspiel der National League A zwischen den Kloten Flyers und den ZSC Lions, am Dienstag, 15. April 2014, in der Kolping Arena in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Bild: KEYSTONE

Nach Heimspiel-Pleite

Klotens Titelhoffnung ist nur noch ein Stück Würfelzucker

Wird aus Kloten das Dorf der vergessenen Helden? Die Kloten Flyers brauchen nach der zweiten Finalniederlage gegen die ZSC Lions ein Eishockey-Wunder.  

16.04.14, 07:07 16.04.14, 10:03

Ein grosses, leidenschaftliches, mutiges Kloten ist von der grossen mächtigen Hockeymaschine ZSC Lions gestern doch noch überrollt worden (1:2). Diese Überlegenheit der ZSC Lions hat etwas Unheimliches. Sie mahnt inzwischen ein wenig an das «Grande Lugano» und an die «Big Bad Bears» des SC Bern Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre.

Es ist nicht eine statistische und auch keine klar ersichtliche «optische Überlegenheit» der ZSC Lions. Die Kloten Flyers waren im ersten Spiel optisch überlegen (34:26 Torschüsse) und in der zweiten Partie auf Augenhöhe (34:34 Torschüsse). Es ist eher eine kalte, berechnende, systematische, logische Überlegenheit. 

Kloten stürmte mutiger – und wurde enttäuscht

Von allem Anfang an trat die zweite Finalpartie am Dienstag über die taktischen Ufer und war im Quadrat aufregender und dramatischer als die Ouvertüre vom Samstag im Hallenstadion. Die ZSC Lions haben im zweiten Spiel letztlich die Dividende für ihren samstäglichen 1:0-Sieg eingezogen. Sie spielten einfach so weiter wie am Samstag.  

Die Kloten Flyers mussten hingegen etwas riskieren um sich aus den taktischen Fesseln ihres Gegners zu befreien. Wer nichts wagt, der darf nichts hoffen. Also erhöhten sie das Tempo, stürmten mutiger – und wurden am Ende dafür bitter bestraft.  

Kloten stürmte mutig, wurde aber am Ende doch gebodigt. Bild: KEYSTONE

Ein Konter aus der Summe von kleinen Fehlern

Ab Spielmitte nahm der Druck des Favoriten stetig zu und nach allen hockeytechnischen Erkenntnissen musste die Überlegenheit irgendeinmal zur Entscheidung führen. Dem Kanadier Ryan Keller gelang es schliesslich, Klotens Goalie-Helden Martin Gerber zum 2:1 zu überwinden.  

Dieser Treffer offenbarte die Tragik der Kloten Flyers: Sie fuhren bei den immer verzweifelter und risikoreicher vorgetragenen Angriffen in einen Konter: Der fliegende Verteidiger Eric Blum, der Mann, der mit seinen Sturmläufen die Scheibe nach vorne bringt, kniet hilflos hinter dem ZSC-Tor. WM-Silberheld Simon Bodenmann verliert die Scheibe. Die Stürmer eilen nicht zurück, um zu helfen. Verteidiger Philippe Schelling kann Reto Schäppi nicht mehr am Pass auf Ryan Keller hindern. Am Ende ist auch Martin Gerber machtlos. Alles riskiert. Alles verloren. Jede einzelne dieser Aktionen hätte noch nicht zum Untergang geführt. Erst die Summe führte zur Entscheidung. 

Die Entscheidung: Ryan Keller bezwingt Martin Gerber zum 2:1. Bild: KEYSTONE

Auch die Sportgeschichte wird von den Siegern geschrieben. Die Verlierer gehen fast immer vergessen. Das ist in diesem Finale ungerecht. Denn bei den Kloten Flyers gibt es in den Playoffs 2014 viele Helden, deren Taten es verdienen, aufgeschrieben zu werden. Die aber vergessen werden, wenn sie nicht Meister werden. 

Kloten hätte viele schöne Geschichten – aber nur wenn sie Meister werden

Wenn Kloten nach 1967, 1993, 1994, 1995, und 1996 zum sechsten Mal Meister werden sollte, dann haben es die Berichterstatterinnen und Berichterstatter leicht, viele schöne Geschichten zu schreiben.  

Zum Beispiel über Trainer Felix Hollenstein, der die Mannschaft ein Jahr nach der Playout-Schmach zum Titel führt und der schon als Spieler mit Kloten Meister war. 

Zum Beispiel über Torhüter Martin Gerber, der in Amerika zum Multimillionär geworden ist, der im September 40 wird, der fast alles gewonnen hat, was ein Schweizer gewinnen kann, und den doch eine lodernde Leidenschaft umtreibt als stehe er erst am Anfang einer Karriere.

Zum Beispiel über Janick Steinmann, der jetzt in 13 Playoffpartien schon gleich viele Tore erzielt hat wie zuvor in 43 Qualifikationsspielen (3).  

Michael Liniger: Klotens Antwort auf Reto von Arx wartet noch auf den ersten Titel. Bild: KEYSTONE

Zum Beispiel über den aufopfernd kämpfenden Cyrill Bühler, den die ZSC Lions nicht mehr wollten und der deshalb heimgekommen ist nach Kloten. 

Zum Beispiel über den Langnauer Center Michael Liniger, Klotens Antwort auf Reto von Arx. Aber halt immer noch ohne Titel. Der beste Schweizer Stürmer, der noch nie an einer WM war. 

Wenn die Kloten Flyers diese Finalserie gegen die ZSC Lions verlieren, dann wird keine dieser Geschichten geschrieben.  

Findet Felix Hollenstein noch ein Rezept gegen die ZSC Lions? Bild: KEYSTONE



Ein 0:2 kein Beinbruch für Kloten

Noch ist nicht aller Tage Abend («It’s not over until the fat lady sings»). Noch ist Kloten nicht das Dorf der vergessenen Helden. Wir haben auch in dieser zweiten Finalpartie ein tapferes Kloten gesehen. Wer so leidenschaftlich kämpft, kann hin und wieder ein Spiel auch dann gewinnen, wenn der Gegner spielerisch und taktisch besser ist.  

Ein 0:2-Rückstand in einer Serie ist für die Klotener sowieso kein Grund zur Resignation. Sie haben im Frühjahr 1987 als erstes Team unserer Geschichte einen 0:2-Rückstand in einer Playoffserie noch gedreht: Sie triumphierten im Halbfinale (Best of 5) gegen den HC Davos (3:7, 2:5, 3:2, 5:1, 7:4), waren allerdings im Finale gegen Lugano chancenlos (2:5, 1:3, 0:4). Und soeben haben sie ja im Viertelfinale den HC Davos nach einem 0:2-Rückstand noch mit 4:2 eliminiert. 

Wer kann diesen ZSC noch stoppen? Bild: KEYSTONE

Wie soll Kloten diese Lions stoppen?

Ist die mächtige Hockey-Maschine ZSC nach einem 0:2-Rückstand also noch zu stoppen? Es wäre ein Hockey-Weltwunder. Kloten hat zwei dramatische Niederlagen erlitten. Niederlagen die ins Herz, in die Seele gehen und die im schlimmsten Fall zu stiller Resignation führen können. 

Natürlich haben alle Klotener am Dienstagabend ihre Zuversicht in die Mikrofone und Notizblöcke diktiert. Sätze, die alle Spieler der Welt in dieser Situation sagen. Aber wenn es nicht einmal mit einer so aufopfernden Leistung wie am Dienstag gelingt, diesen unheimlichen Gegner zu besiegen – was kann dann noch getan werden? Wie soll es dann gelingen?  

Klotens Titel-Hoffnung ist wie ein Würfelzucker im Kaffee. Auch wenn sie nur noch klein ist, so versüsst sie doch für den Moment noch alles.

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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Micha Moser 16.04.2014 10:35
    Highlight Ein Spannendes Finale mit wenig Toren. Die zwei Teams sind absolut auf Augenhöhe. Zsc beweist das sie nicht nur 1x mit einem tollen, und doch glücklichen Treffer richtung Meister schreiten können (Spiel gegen Bern Tor 2Sek vor Ende)
    2 1 Melden
  • Staal 16.04.2014 10:27
    Highlight Leider kann man mit Geld Titel kaufen. Oder bei Clubs wie Kloten die besten Spieler abwerben. Walti macht's möglich
    0 8 Melden
    • Patrick C. 16.04.2014 15:13
      Highlight Ja ja ja, oft genug gehört... Kehrt mal vor eurer eigenen Haustüre, ihr sied jetzt auch nicht mehr der arme Dorfklub vom Land. Den Titel kann man sich nicht mit Geld kaufen. Eine gute Mannschaft wohl eher. Beim ZSC sollte aber beachtet werden, dass sie ganz viele Junioren und eigene Spieler in die Mannschaft einbauen. Kloten war pleite und musste Spieler abgeben, da ist es klar, dass einer wie Wick wechselt.
      4 0 Melden
    • ZSC Fan 16.04.2014 18:42
      Highlight Wick wurde vom ZSC nicht abgeworben, sondern Kloten wollte ihn nicht mehr haben. Damian Brunner wurde wegen Unfähigkeit als Junior auch gegen einen Junior vom EVZug getauscht. Dafür hat man Bühler geholt, der beim ZSC nicht mehr erwünscht war. Bis jetzt hat er noch keine Stricke zerrissen. Ich glaube eher, es fehlt am Weitblick von Kloten. Da nimmt es mich wunder, wie mit Blum bei Kloten entschieden wird!

      Und a propos Mannschaft gekauft. Auch Fritsche wurde von Lugano in die Wüste geschickt. Der ZSC hat ihn mit Handkuss genommen. Zu Recht, denn er ist einer der wichtigsten Spieler!!

      Deine Kommentare haben also wie eine Schallplatte einen Sprung, offenbar hast Du da ein Problem. Sei es so, aber deine Kommentare (bzw. Dein Kommentar, denn Du leierst immer dasselbe) waren, sind und sind es wahrscheinlich auch zukünftig völlig unsachlich!
      1 0 Melden
  • ZSC Fan 16.04.2014 10:09
    Highlight Lieber Eismeister, es stimmt, Kloten trat am Dienstag über seine taktischen Grenzen, aber leider nur halbherzig. Kloten ist Opfer seiner Taktik. Die Klotener haben alles gegeben und vielleicht auch etwas Pech gehabt. Darüber hinaus hat Füeler wieder sehr gut gespielt. Die Klotener taten mir leid, denn sie haben alles gegeben, haben sich an die Taktik des Trainers gehalten und wurden enttäuscht. Für mich war es eher ein Problem des Coaching. Da war zum einen Hollenstein, der an der Bande viel zu nervös wirkte und sich immer wieder mit den Schiedsrichter angelegte. Diese Nervosität überträgt sich normalerweise auf die Spieler. Sein Job ist es, zu coachen und nicht mit den Schiedsrichter zu streiten.

    Zum anderen hat Kloten die Neutrale Zone zu wenig schnell überspielt. Hat Kloten den Puck im Verteidigungs-Drittel der Zürcher verloren, haben sie sich sofort zurückgezogen, was dem Zett ermöglichte, den Puck zwischen den Verteidiger zuzuspielen, während alle drei Zürcher Stürmer sich einliefen und Tempo aufnahmen. Dann kam meisten der schnell Pass in die Spitze, meisten auf den linken Flügel. In dieser Zeit rückten die Verteidiger nach. Durch das Tempo der Stürmer konnte der Zett die Scheibe tief spielen und war dann auch meisten zu erst am Puck. Man konnte dann oft mit den aufgerückten Verteidiger ein Circling spielen.

    Dem gegenüber spielte Kloten aus der massierten Abwehr den Puck sofort auf den Stürmer, der oft an der eigen Blauen Linie oder bei der Roten Linie stand. Dadurch war es nicht möglich, schnell Tempo aufzunehmen, zumal die Verteidiger langsam nachrückten. In dieser Zeit waren die Zett Stürmer meistens schon wieder zurück, um die Verteidiger zu unterstützen.

    Ich glaube, Kloten muss unbedingt offensiver spielen, Mut zur Offensive haben. Natürlich können dann mehr Gegentore fallen, Gewinner vom Spiel ist aber derjenige, der mindestens 1 Tor mehr als der Gegner schiesst. Kloten muss seinen Verteidiger und dem ausgezeichneten Torhüter mehr vertrauen. Mit der jetzigen Taktik wird Kloten dem Zett ins offenen Messer rennen. Kloten sollte den Puck nicht panikartig in den Sturm spielen, sondern den Stürmer Zeit lassen, sich einzulaufen.
    2 1 Melden
  • Zürcher 16.04.2014 08:11
    Highlight Meisterlicher Auftritt des Z bisher! Aber die lions wissen, dass ein 2:0 rückstand in der finalen Serie nichts heisst (2008,2012 jeweils 0:2 Rückstand und denoch meister geworden)
    Aber ich glaube kloten spielt momentan schon am Limit ihrer Möglichkeiten, wobei beim ZSC noch einige Prozent steigerung drinn ist.
    Ein weiters problem für die flyers ist ihre dünne personaldecke.Gester haben sich wieder einige schlüsselspiel verletzt (bieber, von gunten). Zudem ist ja auch müller und bodenmann augenscheinlich noch nicht bei 100%.
    Das wird noch ein sehr schwerer Gang fûr Kloten. Sollte der ZSC morgen gewinnen, ist er Meister!
    4 1 Melden
    • Stadtzürcher 16.04.2014 11:02
      Highlight Hallo Zürcher
      Grundsätzlich teile ich deine Meinung.
      Jedoch hätte auch gestern das Spiel kippen können. Doch über das ganze gesehen, hatten die Lions Vorteile, weshalb sie auch verdient gewonnen haben.
      Ich erlaube mir auch eine grammatikalische Korrektur zu deinem Schlusswort: Sollte der ZSC morgen gewinnen, wird er Meister ;-)
      In diesem Sinne: Hopp ZSC!
      3 1 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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