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Kevin Schläpfer hofft, bald irgendwo einen neuen Job zu kriegen. Bild: KEYSTONE

Kevin allein zu Haus – doch am liebsten wäre Schläpfer zurück an der Bande

Biels gefeuerter Trainer Kevin Schläpfer (47) hat viel zu tun. Er ist gerade mit dem Bau eines Eigenheimes beschäftigt und über seine Karriere soll ein Buch geschrieben werden. Aber er möchte lieber einfach wieder Trainer sein.

14.12.16, 17:23 15.12.16, 08:43


Welch eine Ironie der Hockeygeschichte. Am Freitag läuft die Nationalmannschaft in der Bieler Tissot-Arena zur Partie gegen Frankreich ein. Ausgerechnet. In diesem Stadion hat vor etwas mehr als einem Jahr Kevin Schläpfer mit Tränen in den Augen oben in der VIP-Loge vor versammelter Schar der Chronistinnen und Chronisten seinen Verzicht auf den Nationaltrainer-Posten erklärt. Ja, Kevin Schläpfer hat grossen Anteil daran, dass dieses Stadion, dieser Hockeytempel überhaupt erbaut worden ist.

Die tränenreiche Medienkonferenz mit Kevin Schläpfer. Video: YouTube/Tele Bielingue

Nationaltrainer zu werden, war sein Bubentraum. Aber der Traum ist nicht in Erfüllung gegangen. Biel hat ihn nicht ziehen lassen. Inzwischen ist Kevin Schläpfer in Biel entlassen worden. Im Blick zurück sehen wir, dass seine Tränen im Oktober 2015 in Biel der Anfang vom Ende waren.

Schläpfer beklagt sich nicht

Patrick Fischer hat den Job bekommen. Der Zuger war nur zweite Wahl hinter Kevin Schläpfer. Er hat mit Lugano, der teuersten Mannschaft der Liga, nichts gewonnen und musste gehen, als er auf dem letzten Platz angelangt war. Doug Shedden führte Lugano anschliessend ins Finale. Aber Patrick Fischer ist Schweizer, ein Schweizer musste es sein und ein anderer Schweizer Trainer stand nicht zur Verfügung. Manchmal kommt es eben darauf an, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein.

Nun sitzt Kevin Schläpfer alleine in seiner Wohnung in Sissach. Seine Freundin ist noch nicht von der Arbeit zurück. Kevin allein zu Haus. Er beklagt sich nicht. Biel behandelt ihn fair und wird, wenn nötig, den Lohn bis zum Ende der nächsten Saison überweisen. Das ist nicht nur juristisch geschuldet. Es ist auch echte Dankbarkeit.

Kevin Schläpfer hat ab 2006 erst als Sportchef, dann sieben Jahre lang als Trainer die Bieler aus den Niederungen der NLB erlöst und zeitweise bis ins Play-off-Glück der NLA geführt. Ohne Kevin Schläpfer gäbe es den EHC Biel, wie wir ihn heute kennen, nicht. Auch das neue Stadion wäre nicht gebaut worden.

Kevin Schläpfer war mit Krücken halt doch nicht der Gleiche. Bild: KEYSTONE

«Ich muss erst einmal gesund werden», sagt Kevin Schläpfer. «Bei meinem nächsten Job muss es richtig rocken. Mein nächster Arbeitgeber hat ein Anrecht auf den echten Kevin Schläpfer.» Biel hatte im Herbst nicht mehr den echten Kevin Schläpfer. Er musste den Sommer im Rollstuhl verbringen und kann erst seit ein paar Tagen ohne Krücken gehen. Er hat diese Saison noch keine Minute auf dem Eis verbracht.

Der Grund: eine Infektion im Knie durch eine nicht sterile Spritze. «Ich hätte in diesem Zustand die Saison nicht beginnen dürfen und krankheitshalber vorübergehend auf mein Amt verzichten sollen. Ich war einfach nicht mehr ich selber. Aber hinterher ist man immer klüger. Und hätte es funktioniert, wenn ich dann wieder zurückgekommen wäre?»

Kevin Schläpfer mahnt ein bisschen an einen Rentner, der nach der Pensionierung noch weniger Zeit hat als während des Berufslebens. Ein Steinwurf von seiner Wohnung entfernt lässt er ein Eigenheim bauen. An bester, sonniger Lage in Sissach, wo der Quadratmeter Bauland 1000 Franken oder mehr kostet. Der Rohbau ist fertig, Kevin Schläpfer ist daran, Möbel einzukaufen und beim Innenausbau zu helfen. Dabei hat er sich letzte Woche einen Hexenschuss eingefangen.

«Hockeygott» als perfekter Titel

Nach wie vor hat er viele Medienanfragen und Beat Moning, die Chronisten-Legende des Bieler Tagblattes, will gar ein Buch über die «Ära Schläpfer» schreiben. «Soll ich zustimmen?», fragt Kevin Schläpfer den Chronisten. Ja, warum nicht? Aber er sollte auf einen kurzen, prägnanten Titel bestehen. «Hockeygott». Als das wird er schliesslich auch nach seiner Entlassung im Seeland verehrt. Und er hat ja seinen Frieden mit der Vergangenheit in Biel gemacht.

«Ich bin froh, dass die Mannschaft nach meinem Abgang nicht auseinandergefallen ist. Ich hatte ja auch keine Probleme. Aber ich war am Ende meiner Kräfte, das spüre ich jetzt immer mehr. Deshalb habe ich meine Ablösung selber thematisiert und inzwischen kommt es mir wie eine Erlösung vor.»

Nichts tun – zu schwierig für einen wie Kevin Schläpfer. Bild: KEYSTONE

Aber eben: Da ist der unerfüllte Traum, Nationaltrainer zu werden. «Immer wieder wird mir nun gesagt, ich hätte für mich schauen und den Job als Nationaltrainer auch ohne Erlaubnis der Bieler annehmen sollen. Ich bin nach wie vor froh, dass ich es nicht getan habe. Denn dann hätte ich meine Überzeugungen verraten und ein schlechtes Gewissen. Ich kann mit einem schlechten Gewissen nicht leben.»

Und so hat er also ein gutes Gewissen. Aber keinen Job. Was tut ein Mann, der mehr als ein Jahrzehnt lang unter Strom stand, der mit seiner Energie, seinem Charisma jeden Raum füllt und Menschen zu begeistern vermag, wenn das Adrenalin nicht mehr fliesst?

Besuch bei Patrick Kane

Die Beschäftigung mit dem Hausbau und ein paar Medientermine können kein Ersatz sein. Er sagt: «Es geht ganz gut. Nur an Spieltagen ist es schwierig. Da kribbelt es und ich halte es fast nicht mehr aus.» Er blickt auf ein paar goldene Engel, die auf dem Küchentisch stehen. «Die habe ich am Weihnachtsmarkt in Freiburg im Breisgau gekauft. Wir sind an einem Spieltag dorthin gefahren und so konnte ich das Hockey vergessen.»

Aber nicht an allen noch anstehenden Spieltagen ist Weihnachtsmarkt in Freiburg im Breisgau. Das weiss auch Kevin Schläpfer. Er plant darum ein paar Reisen. Gemeinsam mit seiner Freundin wird er Patrick Kane in Chicago besuchen. Der Weltstar spielte während des letzten Lockouts für Kevin Schläpfer in Biel.

Patrick Kane 2012 im Trikot des EHC Biel. Bild: KEYSTONE

«Ich habe nun Zeit, während der Saison bei anderen Klubs hinter die Kulissen zu sehen und zu lernen.» Geplant sind auch Trips nach Skandinavien und zum Trainer-Symposium während der WM in Paris. Aber Spiele in der NLA mag er im Stadion nicht sehen. Im Bieler Hockeytempel war er seit der Amtsenthebung nicht mehr. Da kommen noch zu viele Emotionen hoch. «Ich war bisher nur in Langenthal im Stadion.» Dort hatte er einst als Spieler Kultstatus und dort trifft er regelmässig Markus Bösiger. Der Immobilien-Unternehmer ist seit Jahren sein Freund.

Schläpfer hütet seine Zunge

Aber eben: Das alles ist nur Ablenkung. All sein Sinnen und Trachten ist letztlich einem einzigen Ziel untergeordnet, der Rückkehr ins Hockeygeschäft. Einen Agenten zieht er nicht zu Rate. «Alle Sportchefs kennen mich und haben meine Nummer». Er weiss, dass es nicht einfach wird. Er sieht ja, dass Lars Leuenberger als SCB- Meistertrainer (!) nach wie vor keinen Job hat.

Die ZSC Lions, Lausanne, Kloten und Langnau stellten im letzten Frühjahr neue Trainer ein und während der Saison haben Langnau, Fribourg und Biel den Trainer gewechselt – und nie ist Lars Leuenberger zum Zuge gekommen. Kevin Schläpfer sagt, fast mehr zu sich selber, als wolle er sich Mut machen: «Ich bin sicher, dass irgendwo für mich eine Türe aufgehen wird.»

Wenn Patrick Fischer gehen muss, stünde einer sicher sofort bereit. Bild: KEYSTONE

Spontanität, Offenheit und Ehrlichkeit gehören zu seinen Charaktereigenschaften. Aber die muss er nun vorübergehend der politischen Korrektheit unterordnen. Er weiss, dass unbedachte Äusserungen seine Jobchancen arg verringern können.

Er kämpft mit sich selber. Darf er sagen, was er denkt? Darf er sagen, welchen Job er am liebsten hätte? Welchen Job er besser ausüben würde als der aktuelle Amtsinhaber? Nein, er sagt es nicht. Er darf es nicht sagen und überlässt es dem Chronisten. Nun denn: Kevin Schläpfer wäre am liebsten Nationaltrainer. Er wäre womöglich der bessere Nationaltrainer.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • baBIELon 16.12.2016 14:35
    Highlight Kevin halt dich endlich zurück! Wir mussten dein gegränne lang genug sehen/lesen/hören!!
    6 4 Melden
  • faustus 15.12.2016 11:40
    Highlight Arno in die NHL!
    Kevin nach Davos.
    3 15 Melden
    • Ano Nym 15.12.2016 13:04
      Highlight gute idee! hast du den arno schon mal englisch reden hören?
      11 0 Melden
  • Thomas J. aus B. 15.12.2016 08:31
    Highlight Nehme das mal als Versuch, den "Hockeygott" heilig zu sprechen. An sich nichts neues. Bis Schläpfer wieder an der Bande steht, werden solche Lobeshymnen Usus sein.
    Aber wo würde Schläpfer nebst der Nati sonst noch hinpassen... Romandie scheidet wohl aus (Sprachbarriere - KS hat in 10 Jahren Biel kein Französisch gelernt, McSorley in Genf auch nicht, aber das ist ein Sonderfall), SCB, EVZ, HCD und ZSC sowieso, Kloten hat eben erst verlängert, Langnau hat einen fest im Sattel sitzenden Trainer. Bleiben dann wohl gerade noch Gottéron und die Tessiner. Aber in Lugano sehe ich ihn eher weniger.
    12 1 Melden
  • Yotanke 14.12.2016 22:47
    Highlight Alle wissen dass Klausi ein alter Spezi von Schläpfer ist.daher ist hier wohl keine zeile ohne wissen von schläpfer verfasst. offenbar ist schläpfer immer noch am grännen und jetzt muss halt der klausi schreiben was kevin will. weil der kevin doch so furchtbar am schluchzen ist,wie damals bei der nati-absage. muss grad mal ein tempo holen. ich glaube kz hat schläpfer mit diesem artikel keinen gefallen gemacht. das ist schlechter stil von klausi & kevin.schläpfer hat bei mir vor, während und nach seiner entlassung viele symphatiepunkte verspielt. und ja ich weiss, das interessiert ihn nicht :-)
    57 31 Melden
  • Against all odds 14.12.2016 20:32
    Highlight Die Handwerker auf seiner Baustelle tun mir leid...
    77 12 Melden
  • Tikkanen 14.12.2016 20:28
    Highlight ...herrliche Verlagerung auf den Nebenschauplatz, Chlöisu👍🏻 Ich hingegen muss gestehen dass meine gestrige Prognose für das Sparta Spiel ordentlich in die Hosen ging😭 Vermutlich hat mich der momentan reichlich konsumierte Julesnus euphorisiert😳 Item, in Arno's Worten ausgedrückt könnte man das gestrige Spiel in etwa so zusammenfassen " dei pleid sigsti minits ä brutäl häi Tempo"
    Jänu, dann liegt halt der Fokus ab jetzt auf der monumentalen Verteidigung des CH🏆😋😎
    16 54 Melden
    • Dan Rifter 14.12.2016 21:15
      Highlight #Gottéron
      13 48 Melden
    • mukeleven 14.12.2016 21:22
      Highlight du lässt nach tikk - meistertitel tun dir nicht gut und machen dich zum schönschwätzer...
      wo sind deine dislikers?
      wo sind deine stammtisch-einsichten?
      wird zeit naht der spenglercup - dann darfst du wieder ran, volli khanna 😂😜✌️️
      ... you're out of shape, alter 😘
      32 3 Melden
  • glointhegreat 14.12.2016 20:25
    Highlight Super beitrag vom eismeister.
    Schläpfer ist ein völlig authentischer mensch. Klar eckt er bei einigen an mit seiner art, aber so ist er halt. Er war und ist immer ehrlich, jedenfalls soweit ich es beurteilen kann. Ich hoffe fast die nati versagt in biel und verbockts sogar gegen die franzosen. Schläpfer würde als trainer auch nicht jedes spiel gewinnen, aber er würde immer 100% geben und genau das braucht doch die nati. Einen trainer der immer alles gibt und leidet wenn die nation leidet und sich freut wenn wir uns freuen. Ganz klar, für mich gäbe es keinen besseren. 👍Good hausbau kevin. 👌
    33 46 Melden
  • Grundi72 14.12.2016 20:12
    Highlight Konnte als NLB-Unterdurchschnittsverteidiger keinen geraden Pass ohne umzufallen spielen... Aber ein Buch über ihn schreiben? Momoll..
    49 48 Melden
    • Dan Rifter 14.12.2016 21:22
      Highlight Stürmer, in der NLB 0.93 Punkte pro Spiel - ganz ok.
      Get your facts straight.
      54 35 Melden
    • Dan Rifter 14.12.2016 22:39
      Highlight Euer Hass macht mich geil.
      29 28 Melden
  • RoJo 14.12.2016 19:35
    Highlight Einfach der Gerechtigkeit halber! Im Beitrag könnte der Verdacht entstehen, dass Sheeden ein grossartiger Trainer sei weil er Lugano in den Final gecoacht hat und Fischers Arbeit so noch mehr zu hinterfragen sei ...... Wo ist Lugano heute?! Wie lange ist Sheeden dort noch Trainer?! Wie hat er im Final seine Ausländer kritisiert?! Wie hat er sie damals verheizt?! Nichts draus gelernt, forciert sie auch jetzt während der Quali (!!!!) bis aufs Letzte! Und noch etwas. Die Ausstrahlung und Respekt muss einem Trainer gewiss sein! Vermute, das unterscheidet Lars von Fischi deutlich.....
    29 22 Melden
  • Tom B. 14.12.2016 19:15
    Highlight Nati-Coach oder Emmental. Je nachdem was sich zuerst ergibt ..😁
    5 30 Melden
  • emptynetter 14.12.2016 19:00
    Highlight er könnte auch arno in davos beerben. wenn es überhaupt einen nachfolger für del curto gibt, dann kevin schläpfer
    27 19 Melden
  • Martinov 14.12.2016 18:17
    Highlight Bin nur hier um auf tikkanen zu warten 😜
    57 4 Melden
    • RoJo 14.12.2016 19:12
      Highlight 😂😂😂😂
      18 1 Melden
    • mukeleven 14.12.2016 21:23
      Highlight @martinov: wir doch alle auch, um ehrlich zu sein! 😂
      16 2 Melden
    • Ano Nym 15.12.2016 13:09
      Highlight und enttäuscht hat er uns nicht :D
      3 0 Melden
  • andre63 14.12.2016 17:38
    Highlight selten schlechter beitrag, sogar für des chronisten verhältnisse
    23 53 Melden
    • mukeleven 14.12.2016 18:28
      Highlight schlecht ist er nicht, im gegenteil, aber mutig ist er...
      fishi won't be amused 🐝
      49 7 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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