Sport

Die Tigers bejubeln den Siegestreffer in der Verlängerung von Spiel 3 – nur noch ein Sieg fehlt zum Aufstieg. Bild: Sandro Stutz/freshfocus

Langnau ist bereit für die fette Lady – wird schon an der Heimkehr des verlorenen Sohns Reto von Arx gearbeitet?

Langnau gewinnt bei den Lakers in der Verlängerung und führt in der Serie mit 3:0. Noch nie ist in der Liga-Qualifikation ein 0:3 aufgeholt worden. Zeit, um im Emmental an die NLA zu denken.

07.04.15, 11:21 07.04.15, 12:04

Die Nordamerikaner pflegen zu sagen: «It's not over till the fat lady sings» («Es ist nicht vorbei, bevor die dicke Frau gesungen hat»). Die Redewendung hat ihren Ursprung in der Oper. Vor allem die grandiosen Opern von Richard Wagner enden mit dem Auftritt einer in der Regel dicken Sopranistin.

Die Oper ist also nicht vorbei, bevor die dicke Frau gesungen hat. Auf die Liga-Qualifikation übertragen bedeutet diese Redewendung: Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist. Die SCL Tigers sind erst aufgestiegen, wenn sie viermal gewonnen haben. Drei Siege genügen nicht.

Vollschlanker Opernstar der Neuzeit: Montserrat Caballé gemeinsam mit Queen-Legende Freddie Mercury. Video: Youtube/Freddie Mercury solo

Kennst du schon die watson-App?

Über 130'000 Menschen nutzen bereits watson für die Hosentasche. Unsere App hat den «Best of Swiss Apps»-Award gewonnen und wurde unter «Beste Apps 2014» gelistet. Willst auch du mit watson auf frische Weise informiert sein? Hol dir jetzt die kostenlose App für iPhone/iPad und Android.

Die Lakers werden den Turnaround kaum schaffen

Die dicke Frau kann sich allerdings auf ihren Auftritt vorbereiten. Die Lakers müssten jetzt viermal hintereinander gewinnen. Das ist ihnen diese Saison zwar einmal gelungen. Sie haben die drei letzten Partien der Qualifikation und die erste der Platzierungsrunde gewonnen (gegen die ZSC Lions, Servette und zweimal gegen Kloten). Aber nun viermal gegeneinander gegen die SCL Tigers gewinnen? Eher nicht.

Wir erlauben uns deshalb einen Blick nach vorne. Obwohl die dicke Frau noch nicht gesungen hat. Aber im Sportkapitalismus des 21. Jahrhunderts gehört es zum umsichtigen Management, lange vor der Zeit, bevor die dicke Lady gesungen hat, Pläne zu schmieden.

Michel Zeiter, der «König der Löwen», soll gegen die Tiger das Wunder schaffen und die Lakers zu vier Siegen in Folge coachen. Bild: KEYSTONE

«Mindestens zwei Ausländer enttäuschten uns jedes Mal»

So ist es auch in Langnau. Präsident Peter Jakob, der aus eigenen Mitteln 15 Millionen in die Stadionerneuerung investiert hat, weiss, wie es im Falle eines Aufstieges weiter gehen wird. Er war schon Vorsitzender, als die Langnauer im Frühjahr 2013 abstiegen. Das ist der Vorteil eines intakten Sportunternehmens. Es ist möglich, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen.

Peter Jakob, ein erfolgreicher, international tätiger Unternehmer (Drahtseile) mit Sitz in Trubschachen, wird in erster Linie die Ausländerpolitik ändern. «Die Ausländer haben uns in der NLA jede Saison mehr als anderthalb Millionen gekostet», sagt Jakob. «Wir verliessen uns auf gute Namen und Statistiken und hatten trotzdem nie vier gute Ausländer. Mindestens zwei enttäuschten uns jedes Mal.»

Tigers-Präsident Peter Jakob hat die Planungen für den Aufstieg längst begonnen. Bild: KEYSTONE

Auch im Lande Gotthelfs ist der Sportchef immer wichtiger

Die neue Strategie ist daher klar: «Wir werden namenlose ausländische Spieler für vernünftige Saläre engagieren. Sie können sich bei uns mit guten Leistungen für bessere Verträge bei den grossen Klubs empfehlen und dann verlassen sie uns halt wieder.»

Er weiss, wie schwierig die Suche nach der Rolex auf dem internationalen Transferwühltisch ist. «Aber es ist möglich. Ich bin zuversichtlich, dass unser Sportchef erfolgreich sein wird.» Peter Jakob sagt, mit Jörg Reber habe man jetzt einen Sportchef, der sich mit dem Klub identifiziere. «Wir haben in der Vergangenheit die Wichtigkeit des Sportchefs unterschätzt und hatten auf dieser Position Amateure.»

Peter Jakob sagt, Jörg Reber habe sich dagegen gewehrt, während dieser Saison Transfers um der Transfer willen zu machen: «Es war für ihn wichtig, die Chemie im Team zu bewahren. Das hat sich bewährt.» Zur Strategie des Sportchefs gehört auch, dass die Zukunft von Trainer Bengt-Ake Gustafsson erst nach der Saison diskutiert wird.

Trainer Gustafsson: Muss er trotz Aufstieg gehen? Bild: Sandro Stutz/freshfocus

DiDomenico und Hecquefeuille bleiben beim Aufstieg

Die Strategie der «Billig-Ausländer» hat sich diese Saison ja bereits ausbezahlt. Chris DiDomenico und Kevin Hecquefeuille dürften die Ausländer mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis der ganzen Nationalliga sein. Kevin Hecquefeuille kam im Herbst 2013 für 80'000 Euro netto und im Laufe der Saison 2013/14 holten die Emmentaler aus der italienischen Liga Chris DiDomenico. Beide werden auch nächste Saison für die SCL Tigers spielen. Der Sportchef muss also auf dem internationalen Transferwühltisch noch zwei Spieler finden.

Mit dem Aufstieg wäre auch klar, dass Anton Gustafsson seine Option für einen Wechsel zu den Lakers nicht einlöst und in Langnau bleibt – ausgerechnet er hat am Ostermontag in der Verlängerung den Siegestreffer gebucht.

Der «Königstransfer» Reto von Arx?

Die Langnauer rechnen in der NLA mit rund 1,5 Millionen Mehreinnahmen (TV-Geld, höhere Ticket-Preise, höherer Werbeertrag). Mit diesem Betrag ist es möglich, die zwei zusätzlichen Ausländer und ein paar günstige Schweizer Transfers zu finanzieren. Die Mittel für ein oder zwei zusätzliche «Königstranfers» könnten aufgebracht werden.

Ein solcher Königstransfers wäre Reto von Arx. Der 38-jährige Leitwolf des HC Davos ist im Sommer 1995 ausgezogen, um mit dem HCD unsere Hockeywelt zu erobern – nach 20 Jahren könnte er heimkehren. Aus Kreisen des Verwaltungsrates ist zu vernehmen, dass dieser Transfer im Falle eines Aufstieges sehr wohl ein Thema sein wird.

Reto von Arx: Davos als Meister verlassen und eine letzte Saison in der Heimat absolvieren? Bild: KEYSTONE

Der Abstieg tat dem Klub gut

Ob die fette Lady am Donnerstag (oder später im Laufe der Liga-Qualifikation) noch singen wird oder nicht – eines dürfen wir jetzt schon feststellen: Präsident Peter Jakob und sein Vize Karl Brügger haben eine der erstaunlichsten Leistungen der neueren Hockeygeschichte vollbracht. Im Frühjahr 2013 standen sie nach dem Abstieg buchstäblich vor dem Nichts: Sämtliche Spielerverträge waren nicht mehr gültig.

Joel Genazzi, Federico Lardi, Philippe Rytz und Etienne Froidevaux wechselten zum Aufsteiger Lausanne und sind dort inzwischen Stammspieler des zweimaligen Playoff-Teilnehmers geworden. Simon Moser (SC Bern), Simon Lüthi (Lakers), Arnaud Jacquemet (Servette) und Christian Moser (Biel) wechselten ebenfalls in die NLA.

Zwei Jahre später haben die SCL Tigers wieder eine Mannschaft, die nur noch einen Sieg für die Rückkehr in die höchste Spielklasse braucht. Eines der erstaunlichsten Comebacks seit der Auferweckung des Lazarus. Mehr noch: Der Aufbau einer neuen Mannschaft ist auch eine wirtschaftliche Meisterleistung – die SCL Tigers mussten sich nicht verschulden. Ganz im Gegenteil. Sie haben in den zwei Jahren in der NLB insgesamt schwarze Zahlen geschrieben und wenn sie den Aufstieg schaffen, dann kehrt ein finanziell durch und durch gesundes Hockeyunternehmen in die NLA zurück.

NLA-Playoffs 2015

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
12
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • MARC AUREL 09.04.2015 06:18
    Highlight der Moser möchte auch mal Playoffs spielen und nicht nur Playouts! Dies wird Langnull genau gleich ergehen wie Rappi. Ein notorischer Verliererclub! Der einzige Unterschied ist das sie treue Fans haben. Und Ĺänzu, irgendwann haben Topspieler wie Moser genug nur immer zu verlieren und wollen den nä hsten Schritt machen und sich weiterentwickeln. Ja in Bern kommt er nicht so zur Geltung da er Ener von Vielen ist. in Langnull fiel er auf weil er mit abstand der Beste Langnauer war. ;-)
    1 2 Melden
  • Senftube 08.04.2015 07:59
    Highlight Ich habe schon zu Zeiten Grunders und dem "Sommertheater" geschrieben, es wäre für Langnau das Beste, freiwillig ein paar Jahre in die NLB abzusteigen um den Club finanziell wieder zu stabilisieren und dann mit "vollen Segeln" wieder aufzusteigen. Denn wie einmal mehr bewiesen wurde, gibt es nur wenige Clubs in der Schweiz, die sowas verkraften würden. Die SCL Fans sind weiter in die Ilfis-Halle gepilgert, als wäre nichts geschehen. Im Gegenteil, die vielen Siege in der NLB haben den Fans die Freude an ihrer Mannschaft zurückgebracht. Bei Rappi sieht es wohl anders aus. Ich glaube, dieser Club steht kurz vor dem freien Fall in die Erstliga. Und wird sich nicht mehr so schnell erholen.
    11 1 Melden
  • MARC AUREL 07.04.2015 22:48
    Highlight Träum weiter..Deswegen hat er sein Vertrag in Bern verlängert!
    2 7 Melden
    • hanibal79 08.04.2015 12:10
      Highlight Simon Moser hat den Abstieg auch nicht verhindern können. Aber nachher war es ihm wichtig zu kommunizieren, dass er in der Nationalliga B nicht für Langnau auflaufen will.
      3 1 Melden
  • länzu 07.04.2015 13:34
    Highlight Die Tigers sollten Simon Moser zurückholen. In Bern scheint sich dieser ja nicht wohlzufühlen. Wenigstens von der Leistung her lässt nichts darauf schliessen. Der braucht wohl die Landluft, um wieder in Fahrt zu kommen.
    26 13 Melden
  • BilboBeutlin 07.04.2015 13:15
    Highlight Ich hoffe mal, dass das mit Reto von Arx ein Aprilscherz bleibt. An Erfahrung mangelt es bei ihm sicher nicht, aber ich fände es schade, wenn dann so junge und talentierte Spieler wie Tom Gerber oder Albrecht auf der Tribühne sitzen müssen. Die zwei haben enorme Fortschritte gemacht und können sich noch mehr verbessern. Was von RvA kaum noch zu erwarten ist...
    34 3 Melden
    • Bruno Wüthrich 07.04.2015 14:10
      Highlight Verbessern wird sich Reto von Arx nicht mehr. Dies ist jedem klar. Aber mit der immer noch vorhandenen Klasse würde er die SCL Tigers stärker machen. RvA nach Langnau wäre ein Super-Transfer.
      23 13 Melden
    • joe 07.04.2015 15:26
      Highlight Ein RvA wird kaum gratis kommen! Nichts gegen seine Klasse, aber lieber auf jüngere "günstigere" Spieler setzen!
      24 2 Melden
    • Bruno Wüthrich 08.04.2015 05:55
      Highlight Die SCL Tigers sind ein Team mit einem relativ jungen Durchschnittsalter. Wenn sie in der NLA bestehen wollen, ist die Klasse und Erfahrung eines Reto von Arx jederzeit willkommen. Es sind gerade die älteren Spieler, an welchen sich jüngere orientieren und sich deshalb weiter entwickeln können. Lauter Niederlagen über eine ganze Saison sind der Entwicklung ebenfalls nicht förderlich. Zu diesem Zeitpunkt noch Toptransfers zu tätigen, ist sehr schwierig. Es wäre deshalb grandios, wenn es Langnau gelingen sollte, RvA zurück zu holen.
      5 3 Melden
    • BilboBeutlin 08.04.2015 14:20
      Highlight Ja Bruno ich zweifle nicht am Können von RvA. Aber ganz ehrlich jetzt.. Haben wir mit Haas, Moggi-Brothers, Ädu Gerber, Deny Bärtschi, Lindemann-Brothers etc. nicht genug NLA-Erfahrung?
      Wenn Erfahrung und ein offenes Kässeli alles ist was Reto bringen kann... Und Tom und Lenny brav zu schauen wie Reto die Schlöf bindet..
      Das ist die Überlegung hinter meinem Kommentar.
      2 0 Melden
  • Zweifler 07.04.2015 13:10
    Highlight Zusatzrunden in "regionalen" Gruppen?

    Die SCL Tigers stehen vor dem Wiederaufstieg in die NLA. Spätestens jetzt sollten Sie sich langsam, aber sicher Gedanken machen, wie es mit den 6 Zusatzrunden in „regionalen“ Gruppen nächste Saison weitergehen soll. Geplant ist nämlich ein geografischer Unsinn. Die Gruppen sollen sich – gemäss heutiger Planung – wie folgt zusammensetzen:
    1. Genf, Lausanne, Freiburg, Bern
    2. Lugano, Ambri, Zug, Biel
    3. Davos, Zürich, Kloten, Langnau (für Rapperswil)

    Die drei kantonalbernischen Teams Bern, Biel und Langnau sollen also in drei verschiedene Gruppen eingeteilt werden! Das kann wohl kaum der Weisheit letzter Schluss sein. Am Sinnvollsten wäre eine Reduktion der Anzahl Spiele von 50 auf 48 in wirklich regionalen Gruppen. Da seit dieser Saison neu der Cup und – künftig für die Hälfte der Clubs – die CHL dazukommen, ist dies sportlich sinnvoll und finanziell verkraftbar. Diese vier Gruppen à 3 Mannschaften wären idealerweise:
    1. Genf, Lausanne, Freiburg
    2. Bern, Biel, Langnau
    3. Lugano, Ambri, Zug
    4. Davos, Zürich, Kloten

    Falls Sie sich nicht zu diesem Schritt durchringen können, ist zumindest die Gruppeneinteilung zu hinterfragen. Eine ideale Lösung gibt es bei drei Gruppen à 4 Mannschaften allerdings nicht. Folgende Einteilung aber wäre zumindest besser als die geplante:
    1. Genf, Lausanne, Freiburg, Biel
    2. Bern, Langnau, Zürich, Kloten
    3. Lugano, Ambri, Zug, Davos
    30 5 Melden
    • Jaing 07.04.2015 18:22
      Highlight Regionalgruppen sind aufgrund der unterschiedlichen Stärkenverhältnisse ohnehin ein Witz.
      18 1 Melden

Hischier trifft nach Gretzkys Sonderlob bei spektakulärem Devils-Sieg

Zum zweiten Mal gelingen Nico Hischier in einem NHL-Spiel drei Skorerpunkte. Beim 7:5-Erfolg von New Jersey in Chicago schiesst er ein Tor und leistet zu zwei weiteren die Vorarbeit.

Nico Hischier reitet in der NHL weiter auf der Erfolgswelle. Beim 7:5-Sieg der New Jersey Devils bei den Chicago Blackhawks erzielte der Nummer-1-Draft den Treffer zum 4:4, dazu liess er sich auch noch zwei Assists notieren.

Hinter Teamkollege Miles Wood wurde Hischier zum zweitbesten Spieler des Abends gewählt. Wood schoss in Chicago gleich drei Tore. Bemerkenswert war die Aufholjagd der New Jersey Devils, welche zwischen der 17. und der 37. Minute aus einem 1:4-Rückstand eine 6:4-Führung …

Artikel lesen