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ARCHIV --- ZUM TRAINERWECHSEL BEI LANGNAU STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- SCL Tigers Coach Benoit Laporte auf dem Weg zum ersten Eistraining in der Saison 2015/16, nach dem Wiederaufstieg des Eishockeyclubs SCL Tigers in die NLA, in der Ilfishalle Langnau, Emmental, am Montag, 3. August 2015. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Nicht mehr Trainer in Langnau: Der Kanadier Benoit Laporte.
Bild: KEYSTONE

Wenn der Hass auf den Trainer zu gross wird – darum ist Laportes Zeit in Langnau abgelaufen

Heute wird Langnaus Stürmer Lukas Haas 28 Jahre alt. Es ist sein schönster Geburtstag: Denn sein Quälgeist Benoit Laporte ist endlich, endlich gefeuert worden.

14.03.16, 14:54 14.03.16, 20:45


So froh wie in Langnau waren Spieler nach einer Trainerentlassung noch selten. Der Wechsel von Benoit Laporte (55) zu Scott Beattie (47) ist ungefähr so wie ein Kommandowechsel von General Ulrich Wille zum HD Läppli. Vom germanophilen Soldatenschinder Wille und seinem Stabschef Theophil von Sprecher hiess es einst: «Was Wille will und Sprecher spricht, da gehorche gschwind und murre nicht.»

So ungefähr ging es in Langnau zu und her. Benoit Laportes Hockeyphilosophie des bissigen, vorwärtsgerichteten Energiespiels war ja durchaus tauglich. Zeitweise rockten die Langnauer: Ein 6:0 gegen Davos, ein 7:0 gegen Biel, drei Siege gegen den SC Bern. Die Fans hatten ihre helle Freude. Nie in seiner Geschichte hatte Langnau mehr Zuschauer als diese Saison.

Zum Jubilaeum, 70 Jahre SC Langnau / SCL Tigers, werden die Tigers von den Fans begruesst, vor dem Meisterschaftsspiel der NLA zwischen den SCL Tigers und dem HC Lausanne am Samstag, 30. Januar 2016, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Fan-Choreo in der stets sehr gut gefüllten Langnauer Ilfishalle.
Bild: KEYSTONE

So funktioniert die «Methode Laporte»

Aber die Spieler hatten etwas weniger Spass. Ihr kauziger kanadischer Chef ist wahrscheinlich durch zu lange Tätigkeit in Deutschland (insgesamt zehn Jahre) «verdorben» worden. Sein autoritäres Auftreten hat den Spielern von allem Anfang an missfallen. Laporte pflegte zu sagen: «Ich bin ein grossartiger Coach, ich habe schon mehr erreicht als ihr alle zusammen und eigentlich verschwende ich meine Zeit hier».

Und dann pflückte er gerne einen einzelnen Spieler heraus, um ihn vor versammelter Mannschaft zu erniedrigen. Sein Lieblingsopfer in letzter Zeit war ausgerechnet der sensible Künstler Lukas Haas. Gut geführt ist er einer der besseren Schweizer Center. Aber wenn der Coach kein Fingerspitzengefühl hat, taugt Haas nicht einmal für die NLB.

Der Berner  Topskorer Cory Conacher, links, und der Langnauer Lukas Haas, rechts, kaempfen um den Puck im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem SC Bern und den SCL Tigers am Freitag, 27. November 2015 in der PostFinance-Arena in Bern. (PHOTOPRESS/Lukas Lehmann)

Bei Laporte schlecht aufgehoben: Lukas Haas.
Bild: PHOTOPRESS

Eine weitere Saison Benoit Laporte – nein danke!

Sportchef Jörg Reber wusste wohl um die rumpel-psychologischen Führungsmethoden seines Trainers. Er setzte darauf, dass die Trotzreaktion der Spieler stärker sein würde als die zerstörerische Wirkung des preussischen Stils. Und tatsächlich funktionierte es lange Zeit. Vor allem auch, weil Leitwolf Chris DiDomenico loyal zu seinem Trainer war und das Team zusammenhielt. Doch auch er war in letzter Zeit unsicher geworden – und sein Spiel weniger wirkungsvoll.

Der Hass, also das intensivste Gefühl der Abneigung, auf den Trainer hatte die Spieler lange Zeit zusammengeschweisst. Aber die Aussicht, dass Laporte auch nächste Saison bleiben könnte, war trostlos. Und so haben die Langnauer sicherheitshalber immer wieder dann mit unerklärlichen Leistungseinbrüchen verloren, wenn mit einem weiteren Sieg echte Chancen auf die Playoffs oder später mindestens auf Platz zehn drohten. Eine weitere Saison Benoit Laporte – nein danke!

Wunschkandidat war Larry Huras

Laportes Ende war die Aussprache in der Kabine unmittelbar nach dem 4:9 gegen Ambri am Samstag in der Valascia. Der Kanadier musste mit seinem Assistenten Rolf Schrepfer draussen im Kabinengang warten. Jörg Reber tobte in der Kabine nicht nur. Er hörte sich auch an, was seine Spieler zu sagen hatten. Unter dem unmittelbaren Eindruck der schmählichen Niederlage und des letzten vaterländischen Donnerwetters ihres verhassten Trainers öffneten sich die Herzen. Locker wurden die Zungen. Anders als während der ersten Krise Ende Jahr wagten die Spieler diesmal, ihrem Sportchef in aller Offenheit zu erzählen, wie strub es unter Benoit Laporte zu und her geht.

Weil Wunschkandidat Larry Huras abgesagt hat, kommt nun Scott Beattie bis Saisonende. Ein grösserer Gegensatz ist fast nicht denkbar. Wie von General Ulrich Wille zum HD Läppli. Das mag nun gar despektierlich klingen, ist aber nicht etwa fachlich gemeint. Es soll lediglich die Wirkung auf die Spieler erklären. Beattie ist ein freundlicher, schlitzohriger Hockeyfreak, den einfach jeder mag. Er kann toben, aber irgendwie hat man immer das Gefühl, er lache dabei auf den Stockzähnen.

Du kennst HD Läppli nicht? Voilà!
YouTube/HDSoldatLaeppli

DiDomenicos Appell an die Ehre

Scott Beattie ist nicht nur wegen seiner freundlichen Art der richtige Mann. Er ist durch seine Tätigkeit in Olten und in Visp auch der bestmögliche Kenner der NLB-Klubs. Das ist wichtig, weil ja die SCL Tigers unter Umständen, wenn es ganz dumm läuft, die Liga-Qualifikation gegen den NLB-Sieger spielen müssen.

Scott Beattie kann keine Lösung für die Zukunft sein. Nach ein paar Wochen würde ein taktischer und sonstiger Larifari-Betrieb der Leistungskultur schaden. Er wird nur bis Ende Saison in Langnau tätig sein. Nicht so unanständig autoritär wie Benoit Laporte, aber strenger als der antiautoritäre Aufstiegstrainer Bengt-Ake Gustafsson – das ist das Profil des Trainers, den die SCL Tigers brauchen. Warum nicht Lars Leuenberger?

Leitfigur Chris DiDomenico hat heute bereits in einem flammenden Appell an die Mannschaft gesagt, worum es geht: Es spiele keine Rolle, wer an der Bande stehe. Nur die Ehre, ein Tiger zu sein, zähle jetzt. Gut gebrüllt.

Tigers Topscorer Chris DiDomenico, jubelt, waehrend dem Meisterschaftsspiel in der NLA zwischen den SCL Tigers und dem SC Bern am Samstag, 15. Januar 2016, in der Ilfishalle in Langnau. (PHOTOPRESS/Marcel Bieri)

Brüllend in Richtung Ligaerhalt? Chris DiDomenico.
Bild: PHOTOPRESS

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • lushütte 14.03.2016 18:07
    Highlight Jetzt ist klar wer in der Pflicht ist! Es gibt kein Versteck mehr.
    Wenn der Mannschaftsgeist bei den Tigers wirklich noch intakt ist, wird das Vorgehen von Jüre Räber funktionieren.
    Ich freue mich auf Morgen Abend im "Tal der heulenden Winde"
    und hoffe bissige und wache Tiger an der Arbeit zu sehen. Haben wir Erfolg sehe ich auch Vorteile im Play Out gegen Biel-Bienne. Hopp Tigere
    25 13 Melden
    • MARC AUREL 14.03.2016 20:19
      Highlight Neue Trainer bringen kaum was. Und die Langnuller können nicht von Heute auf Morgen ihr Spiel nach sein gusto umstellen! Sowas braucht Zeit die sie kaum haben. Dazu überschätzt ihr euch massiv.. Playouts erwarten euch und vielleicht der Abstieg.
      21 21 Melden
    • andre63 14.03.2016 22:49
      Highlight hopp biu
      12 14 Melden
  • Tikkanen 14.03.2016 18:05
    Highlight ...einzig Schade am ganzen Klamauk sind nur zwei Dinge.
    1. Larry wollte schiins einen optionalen 2-Jahresvertrag bei Ligaerhalt. Was denken sich der Schlosswiler und sein Trubschacher Chef? Ist ein Abstieg günstiger als Erfolg unter Huras🤑👎??
    2. Wenn das Theater im letzten Akt den Aufstieg der Leckers Obergnietigä Oberlängwiler mit sich bringt, nerven sich rund 99.98%der Hockeyfans in der Schweiz😡😤
    Item, Tiger in den Zoo👏🏻👏🏻
    13 39 Melden
  • Lars Ochsenbein 14.03.2016 17:51
    Highlight Es war einmal ein Emmentaler Bauer, der verpachtete seinen Hof an einen "Lähenmaa", schickte ihn aber am Neujahr wieder fort, weil er zuwenig Zins ablieferte. Es sei halt ein Lädi, der es nicht besser verstehe, sagte der Bauer. So ging es Jahr um Jahr immer gleich und der Bauer wollte nicht begreifen, dass sein kleines Hangetli (stotziges Heimwesen) eben nicht mehr abwirft. Genau so ist's mit dem Tigern, sie wollen sein was sie nicht sind. Darum: Ab in die NLB, wo ihr hingehört.
    24 47 Melden
    • Hopp Langnou!!! 14.03.2016 18:27
      Highlight Wer sollte dann aus deiner Sicht aufsteigen? Glaube nicht, dass es ein NLB-Team gibt, das langfristig besser als die Tigers ist.
      35 12 Melden
    • Lars Ochsenbein 14.03.2016 19:09
      Highlight Sie werden den Ligaerhalt heuer schon schaffen, die Chancen stehen gut. Aber: Es spielt keine Rolle, ob ab und zu ein Hund blökt, meckert oder miaut; das ändert nichts an der Tatsache, dass die geselligen Vierbeiner in ihrer Gesamtheit bellen. Hin und wieder haben die Tiger Powerhockey gezeigt. Aber ihre Gesamtleistung ist mieserabel. Und in die NLA gehören nur Teams, die eine reelle Chance auf einen Playoff Platz haben - oder mehr. Also, liebe Tiger: lernt tierisch brüllen und beissen, oder miaut und kratzt in der NLB!
      10 27 Melden
    • SCL 1946 14.03.2016 20:05
      Highlight welches team der nlb soll eurer meinung nach dann in die nla aufsteigen...
      6 8 Melden
    • päduschär 16.03.2016 23:35
      Highlight Die Chancen auf die playoffs waren ja bis zur 48. Runde da, im Gegensatz zu Biel oder beispielsweise Rappi in den letzten Jahren...
      5 1 Melden
  • Max Pauer 14.03.2016 16:06
    Highlight "Lustig" was der Betroffene zu den Geschehnissen sagt. Die Frage nun: Verwöhnte Spieler oder zu "preussischer" Trainer? Dass der Assistent einen Zwei-Jahres-Vertrag bekam, finde ich persönlich schon recht schräg... Hier das Inti der BZ: http://mobile2.bernerzeitung.ch/articles/56e6bfcaab5c37472e000001
    14 1 Melden
  • samy4me 14.03.2016 15:26
    Highlight In Langenthal versuchte man dasselbe als man letzte Saison (zu) lange an Horak festhielt, ein gemeinsames Feindbild soll den Zusammenhalt stärken, funktioniert hat's nicht. Die Verantwortlichen in Langnau haben aber vermutlich richtig gehandelt, kurzfristig kann Beattie einer Mannschaft neue Impulse verpassen und das Feuer neu entfachen - An Leitwölfen und Indianern die den Spirit aufs Eis bringen sollte es dem SCL nicht fehlen.
    Die Frage die sich mir stellt ist, wie Beattie mit der Situation umgehen kann, sollte es nicht besser laufen. Er hat seine Fähigkeiten, aber er ist kein grosser Coach.
    22 3 Melden
  • jam85 14.03.2016 15:07
    Highlight Guter Text

    Ein Mann der die NLB kennt, wenn das nicht schon eine Bankrott erklärung an den Playout Final ist.
    Anmerkung an die Redaktion, auf dem Bild ist der Silvan Wyss nicht Lukas Haas
    24 5 Melden
    • Ralf Meile 14.03.2016 15:10
      Highlight Merci für den Hinweis, haben es ausgetauscht. Da hat uns die Bildagentur leider ausgedribbelt, die das Bild falsch angeschrieben hat.
      15 5 Melden

Genonis Nachfolge-Kandidat trainiert bereits mit dem SCB – zumindest theoretisch

Heimlich still und leise übt bis am Samstag einer der besten Torhüter der Welt mit dem SCB. PekkaRinnes Vertrag läuft Ende Saison aus. Er wäre ein würdiger Nachfolger von Leonardo Genoni.

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