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Lausanne verpasst zum ersten Mal seit seiner Rückkehr in die National League A die Playoffs.
Bild: KEYSTONE

Nach der Entscheidung im Playoff: Ein bitteres Ende für alle Hockey-Romantiker

Zum ersten Mal seit 2010 hat es keinen «Grossen» erwischt. Das grosse Geld hat auch im Kampf um die Playoffs über die Leidenschaft der Aussenseiter triumphiert.

27.02.16, 08:57 27.02.16, 09:17

Im Frühjahr 2010 haben mit Biel, den Lakers, Langnau und Ambri letztmals vier Aussenseiter die Playoffs verpasst. Seither erwischte es immer einen «Grossen». 2014 hat mit dem SC Bern sogar zum ersten Mal ein Meister die Playoffs nicht geschafft. 2015 musste der Finalist Kloten in die Abstiegsspiele. Dafür erreichte mit Langnau (2011), Biel (2012, 2013, 2015), Lausanne (2014, 2015) und Ambri (2014) jedes Jahr mindestens ein Aussenseiter einen der letzten der acht Playoffplätze.

Und nun diese bittere Enttäuschung. Bereits eine Runde vor Schluss steht fest, dass die Grossen den Titel unter sich ausmachen werden. Es ist das eingetroffen, was sich seit Wochen abgezeichnet hat, was wir seit Wochen befürchtet haben: dass es für Romantiker in den Playoffs keinen Platz mehr hat. Dass das grosse Geld über die Leidenschaft triumphiert. In der Endphase setzten sich der Hockeykonzern SC Bern (rund 50 Millionen Umsatz) und die Kloten Flyers (die noch über unbegrenzte finanzielle Mittel verfügen) durch. Money talks …

Der SCB hat den Kopf in letzter Sekunde aus der Schlinge gezogen.
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Warum dieses bittere Saisonende für die Romantiker? Ist es bloss Zufall, dass es diesmal nicht gereicht hat oder zeichnet sich ein Trend ab? Bei einer so knappen Entscheidung nach 49 von 50 Runden sollten wir uns davor hüten, aus Zufällen Wahrheit zu machen. Gerade in einem so unberechenbaren Spiel auf rutschiger Unterlage. Im Rückblick erkennen wir, dass es Kleinigkeiten, Pech und äussere Einflüsse waren, die das Scheitern verursachten.

Lausanne und die Zusatzbelastung

Ambri hat den Trainer zu spät gewechselt. Der SCB hat hingegen den Albtraum Guy Boucher gerade noch rechtzeitig beendet. Biels Sportchef Martin Steinegger zog im «Ausländerlotto» zu viele Nieten. Nur: Letzte Saison waren Pär Arlbrandt und Niklas Olausson die Väter der Playoffqualifikation. Niemand konnte wissen, dass sie zu Problemspielern werden würden. Und Tim Stapleton kam mit erstklassigen Referenzen. Alles sprach dafür, dass er einer der besten Ausländer der Liga sein würde. Das ist kein Versagen des Managements. Sondern Pech.

Olausson (links) und Arlbrandt kamen bei Biel in dieser Saison nie auf Touren.
Bild: KEYSTONE

Wenn ein Trainer von allem Anfang an weiss, dass es im Kampf um die Playoffs ganz knapp wird, dann sollte er jede Zusatzbelastung meiden wie der Teufel das geweihte Wasser. Lausanne ist auch der Cup-Final zum Verhängnis geworden. Ein Team wie die ZSC Lions hat so viele Spieler zur Verfügung, dass eine Zusatzbelastung von ein paar Partien keine Rolle spielt. Bei einem Aussenseiter, der jede Energie-Kalorie braucht, kann bereits ein Spiel zu viel in der entscheidenden Phase die Saison ruinieren. Nach dem Cupfinal hat Lausanne nur noch einmal (nach Penaltyschiessen) gewonnen.

Der umstrittene Spielplan

Der guten Ordnung halber sei noch einmal der skandalöse Spielplan erwähnt. Nach der Februar-Pause sollten alle noch gleich viele Partien absolvieren und es kann nicht sein, dass in den letzten vier Runden einzelne Teams zweimal gegeneinander anzutreten haben. Selbst wenn wir ausschliessen, dass dieser Operetten-Spielplan die Meisterschaft tatsächlich beeinflusst hat – auf einen neutralen Beobachter wirkt ein solcher Spielplan einer Profiliga unseriös.

Hat am Ende Verbands-Sportdirektor Raeto Raffainer mit seinem tölpelhaften Werben um Biels Trainer Kevin Schläpfer die Meisterschaft beeinflusst? Biel ist zwar am Ende so klar gescheitert, dass wir versucht sind, diese Antwort mit «Nein» zu beantworten. Aber Kevin Schläpfer ist ein Trainer mit einem sehr emotionalen Führungsstil. Wenn äussere Einflüsse (wie diese Nationaltrainer-Offerte) den «emotionalen Haushalt» durcheinanderbringen, kann eine Krise entstehen. Und es ist, wie es ist: nach der legendären Medienkonferenz vom 16. Oktober, als Kevin Schläpfer unter Tränen auf das Amt eines Nationaltrainers verzichtete, um in Biel zu bleiben, ist irgendetwas zerbrochen. Seither ist es in Biel nicht mehr so, wie es war.

Spielte allenfalls das Zünglein an der Wage: Die Posse um den Bieler Trainer Kevin Schläpfer.
Bild: KEYSTONE

Kleinigkeiten, Pech, äussere Einflüsse – also doch kein Trend? Keine Wahrheit? Vielleicht doch eine beunruhigende Erkenntnis für die Sportchefs in Ambri, Lausanne, Langnau und Biel: Ihre Mannschaft muss besser und ausgeglichener werden. Sonst folgt nächste Saison ein klares Scheitern.

Hockey-Romantiker vor schweren Zeiten

Selbst der beste Taktiker der Liga kommt nicht weiter, wenn er so wenig offensive Feuerkraft hat wie Lausannes Heinz Ehlers. Biel wird mit der aktuellen Besetzung auf der Torhüterposition zu den «welschen Lakers» wenn es nicht gelingt, mindestens drei Ausländerpositionen erstklassig zu besetzen. Ambri verliert mit Inti Pestoni seinen offensiv besten Schweizer und mit Daniele Grassi einen der besten Ergänzungsspieler der Liga. Nur mit einer erstklassigen Besetzung der zwei frei werdenden Ausländerlizenzen wird es möglich sein, um die Playoffs zu spielen.

Inti Pestoni, Ambris Publikumsliebling, wechselt nach Zürich.
Bild: PHOTOPRESS

Die SCL Tigers haben als Aufsteiger grandiose Siege gefeiert (u.a. gegen den SCB und Meister Davos), nach 47 Runden hatten sie mehr Siege auf dem Konto als der SCB, sie haben gerockt, die Zuschauer begeistert, den höchsten Zuschauerschnitt ihrer ganzen Geschichte erreicht und gerieten nie in eine Krise. Das stimmt für die Zukunft hoffnungsfroh. Aber sie hatten trotz aller Herrlichkeit nie eine Chance auf die Playoffs. Das ist im Hinblick auf die Zukunft äusserst beunruhigend.

Alle Zeichen deuten auch für nächste Saison auf schweren Zeiten für die Hockey-Romantiker. Das ist sehr schade. Aber meistens kommt es ja anders als man zweitens denkt. Das ist zwar nur ein schwacher Trost. Aber immerhin ein Trost.

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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Staal 28.02.2016 09:53
    Highlight schade, Kloten und Bern hätten Playouts für ihre sportliche und wirtschaftliche Misswirtschaft verdient gehabt. Ja sogar Abstieg
    5 9 Melden
    • Gelöschter Benutzer 29.02.2016 09:27
      Highlight Wirtschaftliche Misswerte in Bern? Guter Scherz
      2 0 Melden
  • gecko25 27.02.2016 15:37
    Highlight wenn Geld schon so viel ausmacht, sollte man sich zuallererst darum kümmern, das die finanziell stärkeren Teams nicht noch einen Vorteil mit einem leichteren Spielplan erhalten
    9 36 Melden
    • The Firefighter 27.02.2016 20:17
      Highlight Es gibt keinen leichten Spielplan. Jede Mannschaft spielt 4x gegen jede andere Mannschaft - basta. Man könnte höchstens noch die Zusatzrunde in Frage stellen, deren Zusammenstellung höchst fragwürdig ist. Der Derbygedanke mag wohl im ersten Moment Sinn machen, ist jedoch völliger Quatsch.
      12 4 Melden
    • gecko25 27.02.2016 22:36
      Highlight wieso gibt es dann 50 und nicht 44 spielrunden wenn jede mannschaft vier mal gegen jede andere spielt ?
      3 8 Melden
  • eldo 27.02.2016 10:51
    Highlight Lausanne's Hockey ist schlicht nicht zum Geniessen...taktisch zwar spannend für jeden Coach, aber als Zuschauer eine Zumutung. Von daher bin ich froh sind sie in den Playouts.
    Ambri hätte ich eine Playoff-Teilnahme gegönnt. Die Fans sind toll und die Stimmung in Ambri wäre definitiv playofftauglich gewesen.
    67 11 Melden
    • chara 27.02.2016 15:22
      Highlight Dito langnau und biel(ausser die fans von biel), aber lausanne vermisse ich auch nicht
      21 7 Melden
  • Grundi72 27.02.2016 09:49
    Highlight Langnau, Ambri, Lausanne, Biel... Die Langweiler der Liga sind wo sie hingehören, in den Playouts! Man sollte die Liga verkleinern, solche Teams haben in einer höchsten Liga nichts zu suchen!
    19 184 Melden
    • Vernon Roche 27.02.2016 10:21
      Highlight Thafook?

      Die sind das Salz in der Suppe! Alle 4 mit starken Fanbasen, von welchen auch andere Klubs profitieren.
      Gruss aus Davos
      106 8 Melden
    • Basubonus 27.02.2016 11:05
      Highlight Wer gehört denn in die höchste Liga Grundi? Herisau? Bülach II, Basel, Burgdorf, Sierre? Man darf gespannt sein...
      45 5 Melden
    • lushütte 27.02.2016 11:23
      Highlight Dä het doch ke ahnig....
      64 4 Melden
    • chara 27.02.2016 15:23
      Highlight Hallo, einatmen damit der Kopf wieder Sauerstoff kriegt...alle 4 gehören in die nla
      28 5 Melden
  • Tikkanen 27.02.2016 09:08
    Highlight Geld hin oder her. Richtigerweise hat sich Ehlers foulende Maurertruppe nicht für die PO's qualifiziert👍 Da tüe eim ja dOugä weh bim zueluegä😭 Allerdings wird Bern in der momentanen Form von den Züzis weggesweept( wenn sie denn 8er bleiben)🤔
    44 25 Melden
    • Tower204CH 27.02.2016 10:54
      Highlight Und sonst von den Davoser, aber playoffs ist alles möglich. Der ScBging auch schon mal mit über 100 punkte aus der liga, und verlor sang und klanglos gegen hcfg
      21 4 Melden
    • chara 27.02.2016 15:24
      Highlight War das nicht gegen kloten?
      15 3 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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