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Zuerichs Trainer Marc Crawford, links, gratuliert Berns Trainer Lars Leuenberger im vierten Eishockey National League A Playoff Viertelfinal Spiel zwischen dem SC Bern und den ZSC Lions, am Donnerstag, 10. Maerz 2016, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/ Peter Schneider)

SCB-Trainer Lars Leuenberger hat ZSC-General Marc Crawford in den Playoffs ausgecoacht.
Bild: KEYSTONE

Warum Lars Leuenberger der ZSC-Wunschtrainer sein müsste – und doch keine Chance bekommt

Worin unterscheidet sich unsere Hockeykultur von Schweden, Finnland oder Kanada? Im Umgang mit den eigenen, mit den Trainern mit Schweizer Pass.



ZSC-Sportchef Edgar Salis muss einen neuen Trainer suchen. Der Vertrag mit Marc Crawford wird nach vier Jahren nicht mehr verlängert. Er hat jetzt viel Zeit. «Ich habe ja für diese Tage keine Ferien gebucht…» Logisch: unter normalen Umständen wären die ZSC Lions ja noch in den Playoffs. Er sei nun damit beschäftigt, die Mails zu lesen, die laufend in seine Buchstabenbüchse fallen. Es sind die Bewerbungen für den Trainerjob.

Calgary Flames coach Bob Hartley, top left, watches players celebrate after an empty-net goal and 3-1 victory over the Los Angeles Kings during the third period of an NHL hockey game Thursday, April 9, 2015, in Calgary, Alberta. The Flames clinched a playoff berth. (AP Photo/The Canadian Press, Larry MacDougal)

Bob Hartley kann grinsen: Er hat es über die ZSC Lions den Wiedereinstieg in die NHL geschafft.
Bild: AP/The Canadian Press

Cheftrainer bei den ZSC Lions zu sein, ist durchaus attraktiv. Erst recht, seit Bob Hartley im Sommer 2012 von Zürich aus direkt wieder den Einstieg in die NHL (Calgary) gefunden hat. So kommt es, dass auch Namen von ehemaligen NHL-Generälen wie Guy Carbonneau ein Thema sind. «Er ist auch auf der langen Liste der Namen», bestätigt Edgar Salis. Aber der Grundsatz-Entscheid, ob es wieder ein ehemaliger NHL-Trainer sein soll, sei noch nicht gefallen. «Wir haben Erfahrung in der späten Rekrutierung von Coaches».

Wohl wahr: Nach dem Titel von 2012 wussten die Zürcher erst Anfang Juni definitiv, dass Bob Hartley nach Calgary wechselt – und holten Marc Crawford. Die Zürcher sind trotz der aktuellen Enttäuschung mit den NHL-Coaches gut gefahren: Zwei Titel und ein verlorener Final plus drei Qualifikationssiege seit 2012 mit Bob Hartley und Marc Crawford.

Mehr Del Curto und Schläpfer

Aber eigentlich müsste ein Schweizer auch ein Thema sein. Immerhin erreichten die ZSC Lions 2005 mit Christian Weber das gegen ein übermächtiges Davos (mit Joe Thornton) verlorene Finale. Und haben denn nicht Arno Del Curto und Kevin Schläpfer in der Liga Kultstatus? Aber es scheint, dass nicht einmal Arno Del Curto und Kevin Schläpfer das nicht offene, das heimliche Misstrauen gegenüber Trainern mit Schweizer Pass endlich wegbringen.

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Wegen Aktionen wie diesen geniesst Arno Del Curto in der Schweiz Kultstatus.
YouTube/Beppo TV

«Ich denke, Lars hat noch nicht genug Erfahrung, um bei uns ein Thema zu sein»

ZSC-Sportchef Edgar Salis

SCB-Trainer Lars Leuenberger (40) hat in den letzten Wochen alles richtig gemacht, den SCB unter schwierigsten Umständen in die Playoffs geführt und nun die ZSC Lions in vier Spielen aus den Playoffs gefegt. Eine der grössten Sensationen unserer Playoffgeschichte (seit 1986). Wahrlich ein Trainer, der mit dem Druck und den besonderen Verhältnissen in einem grossen Klub umzugehen versteht.

In Schweden oder in Finnland wäre ein erfolgreicher einheimischer Trainer wie Lars Leuenberger bei uns einer ist, erster Kandidat für den Trainerjob der ZSC Lions. Die Frage deshalb an Edgar Salis: Können Sie sich Lars Leuenberger als ZSC-Cheftrainer vorstellen? Der ZSC-Sportchef gehört zu den wenigen Persönlichkeiten im Hockeygeschäft, die weder lügen, noch heucheln oder schmeicheln. Und so sagt er geradeheraus: «Nein. Ich habe mich nicht einmal mit diesem Gedanken befasst.» Und warum nicht? «Sie haben mich mit dieser Frage völlig überrascht. Ich will jetzt nichts sagen, was respektlos tönen könnte. Ich denke, Lars hat noch nicht genug Erfahrung, um bei uns ein Thema zu sein.»

Der Leuenberger-Nachfolger steht bereit

Lars Leuenberger ist also bei den ZSC Lions kein Thema. Und beim SC Bern schon jetzt offiziell nicht mehr. Am Tag nach dem letzten WM-Spiel der Finnen, also spätestens am 23. Mai, wird SCB-Kommunikationsdirektor Christian Dick kurz seine Sommerferien unterbrechen. Weil es ihm obliegt, die Medienmitteilung zu verschicken, die er schon seit Wochen sorgsam wie einen Schatz in seinem Computer gespeichert hat: «Kari Jalonen bis 2018 Trainer beim SCB. Der SCB hat den finnischen Nationaltrainer mit einem Zweijahresvertrag plus Option für zwei Jahre engagiert. Ville Peltonen wird sein Assistent.»

Finland's head coach Kari Jalonen (C) reacts during their Ice Hockey World Championship quarterfinal game against the Czech Republic at the O2 arena in Prague, Czech Republic May 14, 2015. REUTERS/David W Cerny

Kari Jalonen dürfte bald beim SC Bern an der Bande stehen.
Bild: DAVID W CERNY/REUTERS

Was gleich die Frage provoziert: Welchen Trainer erhalten die Berner eigentlich mit Kari Jalonen (56)? Wer ist der Mann, der noch besser sein soll als Lars Leuenberger? Nun, so wie es angeblich keine schnellen Berner gibt, so sagt man, es gebe keine kommunikativen Finnen. Kari Jalonen aber ist ein kommunikativer Finne. Natürlich nicht so wie der verrückte Feuerkopf Hannu Jortikka, der einst als Nachfolger von Meistertrainer Bill Gilligan im Frühjahr 1993 in Bern nach nur einer Saison gefeuert werden musste. Auch nicht so gelassen, ruhig und notorisch erfolglos wie Pekka Rautakallio. Und natürlich viel autoritärer als der freundliche Antti Törmänen.

Der Schweizer Pass als Handicap

Kari Jalonen ist eine auf Berner Betriebstemperatur heruntergekühlter Arno Del Curto. Er weiss, wie man Meisterschaften gewinnt. Als Spieler und als Trainer. Mit Ville Peltonen hat er einen Assistenten, der einst der Leitwolf des bisher letzten Meisterteams des HC Lugano war. Wenn das Duo Jalonen/Peltonen es nicht schafft, die am schwierigsten zu führende Mannschaft Europas in den Griff zu bekommen – wer dann? Und wenn nicht, können wir ja wunderbar polemisieren, man hätte halt Lars Leuenberger behalten sollen.

ZUR MELDUNG, DASS DER VERTRAG MIT SC BERN COACH LARS LEUENBERGER ENDE SAISON NICHT VERLAENGERT WIRD, STELLEN WIR IHNEN AM FREITAG 11. MAERZ 2016 FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG. - Bern Head Coach Lars Leuenberger im Swiss Ice Hockey Cup Halbfinale zwischen dem SC Bern und den ZSC Lions, am Mittwoch, 6. Januar 2016, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Lars Leuenberger hat die Chance die er nie hatte genutzt – er muss dennoch gehen.
Bild: KEYSTONE

Der «Fall Leuenberger» zeigt uns, dass ein Schweizer Pass in diesem Geschäft nach wie vor ein Handicap ist. Lars Leuenberger hat die Chance genutzt, die ihm der SCB in der Not halbherzig gewährt hat. Nachdem Guy Boucher im Dezember endlich mehr als ein Jahr zu spät das Handwerk gelegt worden war. Mehr Werbung in eigener Sache als diese Saison kann Lars Leuenberger nicht mehr machen. Immerhin könnte er, wenn er will, die U 20-Nationalmannschaft übernehmen. Das wäre im Interesse unseres Hockeys.

Aber keine wirkliche Herausforderung für einen Trainer, der das Potenzial hat, einer wie Arno Del Curto oder Kevin Schläpfer zu werden. Oder fast.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Hockrates 14.03.2016 12:59
    Highlight Highlight Lars Leuenberger hat zwei weitgehend erfolglose Teilsaisons in seinem Lebenslauf. Ansonsten hat er nur Junioren trainiert.

    Der ist vielleicht schon gut, aber bis jetzt hatte er nicht viel Erfolg und ob der Viertelfinal gegen den ZSC trotz oder wegen Leuenberger gewonnen wurde, weiss man als Aussenstehender auch nicht.
  • Porcupine Tree 14.03.2016 11:44
    Highlight Highlight Der Erfolg von Lars ist ja schön und gut. Wir sind ja froh da zu sein wo wir sind. Aber seien wir ehrlich. Wenn Biel im zweitletzten Spiel entschieden hätte, uns ein Bein zu stellen, wären wir jetzt in den Playouts. Lars hat in Bern nicht sooo viel bewegt wie nun dargestellt wird. Und die Einstellung und Probleme Zürichs haben auch zum Resultat beigetragen. Mit nur wenig mehr hätten die Zürcher aus Lars einen Verlierer machen können. Also, Ball flach halten. Neuer, erfahrener Trainer ist sicher der richtige Entscheid. Und Jalonen/Peltonen scheinen alles mitzubringen was es braucht.
  • rüfi 14.03.2016 11:25
    Highlight Highlight Auch bei dem schwierigsten zu führenden Team wechselt die Meinung monatlich....mir ist als sei dies vor Monaten das Team des HC Lugano gewesen...😎!
  • Hayek1902 14.03.2016 09:55
    Highlight Highlight wenn man zaugg liest, könnte man meinen der gute lars sei ein meistertrainer.
    • Tikkanen 14.03.2016 10:23
      Highlight Highlight ...nur noch 8 Spiele warten, dann ist der Lars Meistertrainer😳
  • faustus 14.03.2016 09:50
    Highlight Highlight Aber aber Herr Zaugg!
    Zuerst war er der Assistent Lars, dann der kleine Eisbär Lars und jetzt der grosse Zampano Lars.
    Bei Ihnen kann sich einer schnell entwickeln, obwohl wir noch nicht einmal wissen, ob Lars überhaupt einen grossen Einfluss auf die Geschehnisse hatte.
    Denn, wie sie mehrmals richtig erwähnten, war ja die Mannschaft immer intakt geblieben und hat es evt. mehr oder weniger selber gerichtet.
    Herr Leuenberger möge sich doch zuerst bei einem kleineren Club, welcher weniger Ihrer Polemik ausgesetzt wäre, oder beim Verband als Chef beweisen.
    • Amir Brahimi 15.03.2016 13:59
      Highlight Highlight Beim ehc olten könnte man ihn wohl brauchen
  • Guevara 14.03.2016 09:25
    Highlight Highlight Und ausserdem: Was ist mit den Monaten November - Ende Februar?!Der SCB hat im Viertelfinal eine beeindruckende Leistung gezeigt! Das aber (fast) alleine auf den Einfluss von Lars zu reduzieren finde ich gewagt! Edgar Salis hat es schön schön formuliert!
  • cassio77 14.03.2016 09:18
    Highlight Highlight offenbar ist ein schweizer den zsc geldgebern nicht gut genug ;-)
  • revilo 14.03.2016 07:45
    Highlight Highlight Wurde Lars Leuenberger von Ihnen nicht auch schon schlechter geredet als er nun zu sein scheint?
    • Mario le magnifique 14.03.2016 08:16
      Highlight Highlight Genau, Stichwort "lars der kleine eisbär"... Aber voilà, schon gotthelf äääh adenauer pflegte zu sagen: "was interessiert mich mein geschwätz von gestern"
    • revilo 14.03.2016 15:59
      Highlight Highlight Schade äussert sich Herr Zaugg niemals zu Kommentaren... :)
    • 8004 Zürich 18.03.2016 16:08
      Highlight Highlight So sind sie halt, die sich als Stars fühlen, seien es Journis der alten Garde (Zaugg, Löpfe) oder Künstler wie Knackeboul. Die würden sich nie auf das Niveau des gemeinen Kommentarschreibers herablassen. Was die bei einem "anderen Newsportal" verloren haben, verstehe ich auch nicht..
      Ich lese Zaugg nicht ungern. Aber der Lack blättert ab wo er nur kann. Für jemanden, der so eitel ist, dass er das Gefühl hat, er könne mit seiner Schreibe das Geschehen auf dem Eis mitbeeinflussen, ist so ein Wandel nicht einfach; Reflexion = 0. Dass LL ein erfolgreicher Trainer sei, ist natürlich totaler Humbug.

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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