Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Team Suisse coach Patrick Fischer during the game between Team Suisse and Dinamo Riga at the 91th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Tuesday, December 26, 2017. (Keystone/Melanie Duchene)

Er rockt den Spengler Cup: Nationaltrainer Patrick Fischer.   Bild: SPENGLER CUP

Die Nationalmannschaft und das süsse spielerische Gift des Spengler Cups

Patrick Fischer rockt den Spengler Cup mit einem Rekordsieg gegen Dinamo Riga (6:1), garniert mit 35:15 Torschüssen. Aber für die olympische Vorbereitung ist es ein Muster ohne sportlichen Wert.

27.12.17, 05:06 27.12.17, 08:14


Dave King (70) ist einer der meistrespektierten Persönlichkeiten des kanadischen Hockeys. Er kennt Olympiaselektion. Bereits 1984 führte er das kanadische Olympiateam als Chefcoach und jetzt gehört er zum Coaching Team der Kanadier. In den nächsten zwei Wochen hilft er mit, aus 40 Kandidaten das Olympiateam auszuwählen. Er sagt: «Oft verführt einen der letzte Eindruck zu einer Selektion. Was ein Spieler zuvor geleistet hat, rückt in den Hintergrund.»

Womit wir beim Thema sind. Auch Patrick Fischer macht seine finale olympische Auswahl nach dem Spengler Cup. Mag sein, dass er sein Team längst im Kopf hat und für ihn vor allem zählt, was er bei der WM in Paris gesehen hat. Und doch wird er sich den Eindrücken nicht ganz entziehen können, die er in diesen Tagen beim Spengler Cup gewinnt.

Die Partie gegen Dinamo Riga hat mit dem olympischen Turnier etwa so viel zu tun wie eine Hochzeitsnacht mit dem Alltag einer Ehe bei chronischem Geldmangel.

Diese Eindrücke sind «süsses Gift.» Denn die Partie gegen Dinamo Riga hat mit dem olympischen Turnier etwa so viel zu tun wie eine Hochzeitsnacht mit dem Alltag einer Ehe bei chronischem Geldmangel.

Die emmentalische Hardrockband Shakra hatte die Stimmung bei der kurzen Eröffnungsfeier angeheizt. Kaum sind die Instrumente vom Eis geschoben, stürmen die Schweizer herein und anschliessend fegen sie den Gegner im besten Wortsinne vom Eis. Bereits nach 3:39 Minuten steht es 2:0 und der lettische Coach wechselt den Torhüter. Spengler-Cup-Hockey in Reinkultur.

Das Spektakel ist entschieden, bevor es richtig begonnen hat und es gibt nie die geringsten Zweifel, wer diese Partie gewinnen wird. Die Schweizer zelebrieren jenes offensive, dynamische Hockey, das Nationaltrainer Patrick Fischer fordert und das, wenn es denn umgesetzt werden kann wie gestern, zum offensiven Party-Hockey wird. Noch selten in der Neuzeit gab es für unsere Nationalmannschaft so wenig defensiven Widerstand.

Team Suisse player Luca Cunti, Patrick Geering and the team celebrate after winning the game between Team Suisse and Dinamo Riga at the 91th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Tuesday, December 26, 2017. (Keystone/Melanie Duchene)

Das Schweizer Team freut sich nach dem Erfolg gegen Dinamo Riga.  Bild: SPENGLER CUP

Es ist ein historischer Sieg. Die Schweiz hatte an diesem Turnier seit 1964 erst 5 von 38 Partien gewonnen. Den höchsten Sieg gab es 1976 zum Auftakt bei einem 6:3 gegen Japan.

Was ist der Wert des Spiels? 

Aber welchen sportlichen Wert können wir diesem Spektakelsieg zumessen? Captain Raphael Diaz sagt, diese Partie gegen ein Klubteam sei anders gewesen als ein normales Länderspiel. «Bei einem Länderspiel wird defensiver gespielt und wir haben weniger Platz.» Es ist dies eben der Unterschied zwischen Spengler-Cup-Hockey und «richtigem» internationalem Hockey. Es ist das süsse spielerische Gift des Spengler Cups.

Unter dem Eindruck dieses Spiels gegen Dinamo Riga ist klar: Luganos Luca Fazzini (22) gehört ins Olympiateam. Er hat das 5:1 erzielt. Sein zweites Tor im dritten Länderspiel. Er tanzt auf den Aussenbahnen und fehlen uns nicht die instinktsicheren Skorer auf den Aussenbahnen? Und er ist auch der beste Schweizer Skorer in der laufenden Meisterschaft.

Aber ist er robust genug (176 cm/81 kg), um sich international durchsetzen zu können? Es scheint so. Er hat es mit dem Tor gegen Dinamo Riga bewiesen. Aber es war Spengler-Cup-Hockey. Weit weg vom defensiv gut strukturierten Defensiv-Hockey, vom puren Resultathockey, das bei internationalen Titelturnieren (WM, Olympia) mehr gearbeitet als gespielt wird.

Auch Zugs offensiver Zauberflügel Lino Martschini (168 cm/66 kg) hat gegen Dinamo Riga getroffen. Aber er ist bei der WM 2016 schon einmal international gewogen und als zu leicht befunden worden. Verführt der Eindruck aus dem Spengler Cup am Ende Patrick Fischer doch noch dazu, Lino Martschini zum zweiten Mal zu einem Titelturnier aufzubieten?

Team Suisse player Lino Martschini, left, celebrates scoring 6-1 with teammates during the game between Team Suisse and Dinamo Riga at the 91th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Tuesday, Dec. 26, 2017. (Gian Ehrenzeller/Keystone via AP)

Lino Martschini (links) jubelt nach dem Tor.  Bild: AP/Keystone

Damien Brunner hat gegen Dinamo Riga auch getroffen. Er hat sich als Flügelstürmer schon oft international bewährt und sich vorübergehend auch in der NHL durchgesetzt. Aber seit seiner Rückkehr aus der NHL im Laufe der Saison 2014/15 haben wir den wahren Damien Brunner nicht mehr gesehen. Er hat sich in einem Vorsaisonspiel verletzt, diese Saison für Lugano erst neun Partien bestritten, steht erst seit gut einem Monat wieder im Training- und Spielbetrieb. Es hat gerade noch gereicht für ein Aufgebot ins Spengler-Cup-Nationalteam. Ist er bald wieder der wahre Damien Brunner? So scheint es. Er hat gegen Dinamo Riga getroffen. Aber eben: Der Spengler-Cup-Eindruck kann täuschen.

Dave King – er war auch Cheftrainer in der NHL und in der KHL – relativiert die Höhe des Sieges der Schweizer: «Nur die besten KHL-Teams könnten tempomässig in der Schweizer Liga mithalten. Das untere Drittel der KHL-Teams ist vom Tempo der Schweizer überfordert.» Dinamo Riga gehört zu den schwächsten KHL-Teams – und war hoffnungslos überfordert.

Aber er macht auch einen interessanten Vergleich. «Die Schweizer waren schon vor 30 Jahren ein unangenehmer Gegner. Aber immer schien es, als wüssten sie tief im Herzen, dass es am Ende gegen uns oder einen anderen Grossen nicht reichen wird. Das ist heute ganz anders. Die Schweizer sind nicht nur viel besser geworden. Sie haben jetzt eine Generation, die keine Angst mehr vor den Grossen hat und weiss, dass sie alles erreichen kann. Mir gefällt dieses offensive, dynamische Hockey der Schweizer und mir gefällt der Stil von Coach Patrick Fischer. Er verkörpert diese neue Generation.»

«Diese Mannschaft kann beim olympischen Turnier sehr weit kommen, ja die Schweizer können eine Medaille holen.»

Dave King

Dave King macht den Schweizern olympischen Mut: «Diese Mannschaft kann beim olympischen Turnier sehr weit kommen, ja die Schweizer können eine Medaille holen.» Aber eben: Auch er steht unter dem Eindruck des jüngsten Spengler-Cup-Spektakels.

Der Schlüssel zum olympischen Erfolg ist bei der Selektion des Teams und der Wahl der Taktik die richtige Einordnung der Leistungen beim Spengler Cup. Der gestrige begeisternde Spektakelsieg macht diese Einordnung nicht einfacher.

Unvergessene Eishockey-Geschichten

Bobby Orr entscheidet mit dem «Flying Goal» den Stanley-Cup-Final

Ralph Krueger schreibt das wichtigste SMS der Schweizer Hockey-Geschichte 

Deutschland verpasst die grosse Sensation, weil der Puck auf der Linie kleben bleibt

NHL-Star Darryl Sittler stellt einen Rekord für die Ewigkeit auf

04.01.1987: Als nach der grössten Prügelei aller Zeiten die Lichter ausgingen und ein Spiel die Eishockey-Welt veränderte

16.01.1905: Nach 23 Tagen Anreise werden die Dawson City Nuggets im Stanley-Cup-Final mit 2:23 vermöbelt

19.10.1996: Del Curto klärt seine Spieler auf: «Zum Schiri nüma ‹Fuck you› sägä, äs git zwei Minuta, hä!»

24.02.2006: Neunmal das F-Wort in einer Minute – Greg Holst macht sich mit legendärem Ausraster-Interview unsterblich

14.05.2008: Philippe Furrer schiesst das kurioseste Eigentor der Schweizer Hockey-Geschichte

10.10.1979: Ein gewisser Wayne Gretzky bestreitet sein erstes Spiel in der NHL – er wird sämtliche Rekorde pulverisieren

18.02.2006: Die «Eisgenossen» spielen kanadischer als die Kanadier und rächen sich für eine uralte Schmach

11.03.1979: NHL-Haudegen Randy Holt prügelt sich zu einem bis heute gültigen Rekord – 67 Strafminuten in einem einzigen Spiel

08.04.1980: Sie wissen nicht, was sie tun, als sich zwei Schweden als erste Hockeyspieler einen Playoff-Bart wachsen lassen

28.01.2009: Die Zürcher Löwen krönen sich zu Europas Eishockey-Königen

24.03.1936: Im längsten Hockey-Spiel aller Zeiten fällt das goldene Tor erst im 9. Drittel – um 2.35 Uhr nachts

28.12.1999: «La Montanara» erklingt in Berlin – Ambri krönt sich zum europäischen Champion

31.03.2009: Nie haben wir uns mehr über ein Tor gegen die Schweizer Nati gefreut als bei Omarks Penalty-Trick

22.09.2012: Rick Nash meldet sich mit einem Blitz-Hattrick in der Schweiz zurück

30.12.1981: Wayne Gretzky schafft den verrücktesten seiner Rekorde: 50 Tore in 39 NHL-Spielen

26.12.1993: Dank Chomutow und Bykow träumt Aufsteiger Davos vom ersten Spengler-Cup-Titel seit 35 Jahren

Amerikas College-Boys erlegen den russischen Bären

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

Abonniere unseren Daily Newsletter

16
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Hayek1902 27.12.2017 10:58
    Highlight Ich sehe die SC Teilnahme hauptsächlich als Teambildungsmassnahme und erst in 2. Linie als test für den ernstfall. Ich hoffe es kommt zu Schweiz versus HCD, das Spiel würde mich interessieren.
    22 2 Melden
  • Antiklaus 27.12.2017 08:42
    Highlight Nur keine Angst Eismeister, auch wenn die meisten Berner nicht dabei waren, er nimmt sie am Ende doch alle mit. Aber Hauptsache die direkte Konkurrenz wird weg geschrieben.
    Der Eismeister sollte sich endlich für einen Nati Job bewerben.
    14 19 Melden
  • ujay 27.12.2017 07:59
    Highlight Oh je, Eismeister. Dave King hat ja keine Ahnung und schätzt den SC falsch ein....meinsch würkli? 😀
    24 3 Melden
  • Willy Tanner 27.12.2017 06:56
    Highlight Ja dann gibts nur eines: der einzige echte kenner, der einzige der das alles richtig einordnen kann, und der sich nicht täuschen lässt muss in die selektion miteingebunden werden. Klaus zaugg muss das letzte wort haben!
    118 7 Melden
  • Micha Moser 27.12.2017 06:17
    Highlight Solange sie gewinnen haben die spiele keinen Sportlichen Wert. Aber wehe sie verlieren, dann wäre das Geschrei gross, da bin ich mir sicher. Ich finde es toll das sie am Spengler Cup dabei sind. Mehr Topspieler unserer Liga auf dem Eis.
    65 4 Melden
  • welefant 27.12.2017 06:05
    Highlight ... aber der lino gehört sowas von an die wm! 😌
    9 66 Melden
    • Mia_san_mia 27.12.2017 08:39
      Highlight Nein sorry, was wollen wir mit diesem Zwerg?
      28 15 Melden
    • goldmandli 27.12.2017 09:04
      Highlight Gewinnen!
      10 17 Melden
    • Mia_san_mia 27.12.2017 09:12
      Highlight Ja aber der bringt nichts.
      13 10 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • welefant 27.12.2017 06:02
    Highlight die weisheit des tages! schön gesagt & passender vergleich klaus zaugg :)
    5 23 Melden
  • Amboss 27.12.2017 06:00
    Highlight Da läuft alles wie es muss. Also muss ich ein Problem herbeischreiben... So kommt mir dieser Artikel vor...

    Natürlich ist der Spengler Cup nicht Olympia. Natürlich ist SC-Hockey nicht Olympia-Hockey.

    Aber: Das hat ja niemand behauptet. Und darum geht es ja auch nicht. Sondern darum:
    3-5 zusätzliche Spiele als Team, einander nochmals sehen, ein bisschen Spass, ein paar Eindrücke für Fischer, ein gutes Gefühl. Und das alles hat man erreicht nach diesem ersten Spiel
    90 6 Melden

Und was wird aus dem SCB, wenn Biel doch eine grosse Mannschaft ist?

Biel gewinnt in Bern 5:2 und übernimmt die Tabellenspitze. Zum ersten Mal seit Menschengedenken ist Biel in jeder Beziehung besser als Bern. Die «goldenen 1970er Jahre» sind zurück.

Es ist schwierig, sich von liebgewordenen Vorstellungen zu trennen. Vor allem dann, wenn sie sich über Jahrzehnte zu Wahrheiten verdichtet haben.

Der SC Bern ist und bleibt im Kanton die Nummer eins. Mit uneinholbarem Vorsprung. So scheint es seit Anbeginn der Zeiten zu sein.

Zum letzten Mal hat Biel vor mehr als 30 Jahren eine Meisterschaft vor dem SC Bern beendet. Im Frühjahr 1988 erreicht Biel in der Qualifikation den fünften Schlussrang. Der SCB nur Platz sieben. Zum letzten Mal spielen …

Artikel lesen